16.10.2019

usePAT: Sechsstelliges Investment und aws-Seedfinancing für TU Wien Spin-Off

Die usePAT GmbH hat zwei Geräte für die Analyse von industriellen Flüssigkeiten entwickelt. Für das weitere Wachstum konnte sich das Spin-Off der TU Wien nun ein mittleres sechsstelliges Investment und ein Seedfinancing des Austria Wirtschaftsservice sichern.
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usePAT
(c) usePAT GmbH

Die usePAT GmbH wurde Anfang 2018 von den vier Gründern Stefan Radel, Georg Heinz, Christoph Gasser und Stefan Tauber als Spin-Off der TU Wien gegründet. Das junge Unternehmen hat sich auf die Analyse von industriellen Flüssigkeiten spezialisiert.

Für die Messungen hat das Team mit soniccatch und sonicwipe zwei eigene Geräte entwickelt und diese patentieren lassen. Mit ihnen sollen Prozesse in der Pharmaindustrie, wie das Live-Monitoring von Zellen, optimiert werden.

Wie heute, Mittwoch, bekannt wurde, konnte sich das Unternehmen ein mittleres sechsstelliges Investment sichern. Als Investoren springen Hermann Futter und Bernd Egger ein. Zudem erhält usePAT eine nicht näher genannte Summe über ein Seedfinancing des Austria Wirtschaftsservice.

+++ zum Investment Ticker +++ 

Die Technologie von usePAT

Bei der von usePAT entwickelten Technologie handelt es sich im Prinzip um die bereits genannten Produkte soniccatch und sonicwipe, deren Entwicklung eine zehnjährige Forschungstätigkeit vorausging.

soniccatch verbessert laut usePAT Messungen in industriellen Flüssigkeiten durch das Bündeln von Teilchen mittels Ultraschall. Durch die Konzentration der Teilchen entsteht ein stark erhöhtes Signal für die eingesetzten Messsonden, wodurch Messungen direkt in der Flüssigkeit stark verbessert beziehungsweise erst möglich werden. soniccatch ist als Add-On mit unterschiedlichen Sondentypen kombinierbar.

Soniccatch

 

sonicwipe nutzt hingegen Ultraschall, um Oberflächen von Sonden in Flüssigkeiten sauber zu halten. Sonden, die direkt in industriellen Flüssigkeiten eingesetzt werden, verschmutzen laut usePAT sehr leicht und liefern dann mitunter verfälschte Messergebnisse. Ein manuelles Reinigen der Sonden ist in vielen Fällen aufwändig und kann zu einem Stillstand der Produktion führen.

Laut dem Unternehmen reinigt sonicwipe die Sonden laufend. Diese verbleiben dabei in den industriellen Flüssigkeiten und damit direkt im Prozess. Dadurch ist ein Ausbau des Messinstruments, um dieses zu reinigen nicht mehr erforderlich.

Die Kombination dieser beiden Geräte soll laut usePAT zu einer optimierten Prozesssteuerung und Reduktion von Produktionskosten beitragen. Als Einsatzgebiete werden die Pharmaindustrie, Biotechnologie oder Abwasseraufbereitung genannt.

Internationalisierung und Entwicklung

Wie es in einer Aussendung heißt, soll mit dem frischen Kapital die Internationalisierung der Vertriebstätigkeiten vorangetrieben werden. Zudem soll das frischen Kapital in die Weiterentwicklung des Produktes fließen.

Geschäftsführer und Co-Founder Georg Heinz über das Investment: „Für uns war neben der Cash-Leistung wichtig, dass unsere Business Angels unsere Werte und Vorstellungen über die Unternehmensentwicklung teilen. Mit unseren Investoren gewinnen wir ein großes Netzwerk, Erfahrung in der Internationalisierung und in Industriesektoren unserer Kernzielgruppe.“


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Anton Osika, Gründer und CEO von Lovable, bei der Slush 2025 in Helsinki | (c) brutkasten / Martin Pacher

Lovable hat am Mittwoch eine Series C über 400 Mio. US-Dollar bekanntgegeben. Die Bewertung des schwedischen Unternehmens liegt damit bei 13,3 Mrd. US-Dollar. Lead-Investor ist Menlo Ventures, co-angeführt wird die Runde vom Scaleup Europe Fund, der von EQT gemanagt wird.

Neu an Bord kommen laut Aussendung Balderton Capital und Carmignac aus Europa, Kaszek Ventures und LTS Growth aus Lateinamerika, Tencent und World Innovation Lab aus Asien sowie Regent aus den USA. Von den bestehenden Investoren gehen unter anderem Accel, Antler, CapitalG, DST Global, Evantic Capital, HubSpot Ventures und Salesforce Ventures mit.

60 Millionen Projekte seit dem Start

Lovable lässt Nutzer:innen Software per Chat bauen, ohne Programmierkenntnisse. Seit dem Start im November 2024 wurden nach Unternehmensangaben mehr als 60 Millionen Projekte angelegt. Die damit gebauten Apps kommen demnach zusammen auf über 900 Millionen Besuche pro Monat.

Innerhalb des ersten Jahres erreichte Lovable eigenen Angaben zufolge Mitarbeiter:innen bei der Hälfte der Fortune-500-Konzerne, mittlerweile seien es knapp zwei Drittel. Als Referenzkund:innen nennt das Unternehmen unter anderem Adidas, Nvidia und die Deutsche Telekom sowie Zendesk, Handshake und Checkr.

Laut einer Nutzer:innenbefragung, auf die sich Lovable beruft, bauen fast acht von zehn Nutzer:innen ein Unternehmen oder ein Nebenprojekt, das sie monetarisieren wollen. Mehr als ein Drittel davon erwirtschafte bereits Umsatz.

Vom App-Baukasten zur Betriebssoftware

Die Positionierung verschiebt sich mit der Runde: Lovable will nicht mehr nur das Werkzeug sein, mit dem Software entsteht, sondern jenes, mit dem Unternehmen laufen. Seit der Series B im Dezember 2025 hat das Unternehmen Payment-Funktionen, SEO- und AI-Search-Tools sowie Integrationen zu Google Workspace, Microsoft 365, Salesforce, Stripe und ElevenLabs ergänzt. Dazu kamen automatisierte Security-Scans, Governance-Funktionen und die AIUC-1-Zertifizierung für KI-Agenten.

Drei Prioritäten nennt Lovable für die kommenden Monate. Erstens soll das Produkt proaktiver werden und Aufgaben erkennen und übernehmen, ohne dass Nutzer:innen sie anstoßen müssen. Zweitens will das Unternehmen sein System darauf trainieren, welche Bauentscheidungen zu erfolgreichen Produkten führen, gemessen an Umsatz, verbesserten Workflows und Unternehmenswachstum. Modellseitig bleibt Lovable bei einem Multi-Model-Ansatz und will weiter offene Modelle nachtrainieren. Drittens soll das Team heuer auf rund 450 Personen wachsen, vor allem in Machine Learning, Produkt, Infrastruktur und Security. Der Hauptsitz bleibt Stockholm, ausgebaut wird in London, Boston, San Francisco und New York.

Wie weit der Anspruch reicht, zeigt ein Kundenbeispiel aus der Aussendung: Beim US-Unternehmen Nursa baute ein Produktverantwortlicher ein neues Enterprise-Produkt an einem Wochenende, danach wurde Lovable auf über 200 Mitarbeiter:innen ausgerollt. Aktuell ersetze das Unternehmen zehn SaaS-Systeme durch selbst gebaute Tools.

Testfall für den europäischen Wachstumsfonds

Für Europa ist vor allem der Co-Lead relevant. Der Scaleup Europe Fund wurde von der Europäischen Kommission gemeinsam mit europäischen Investoren aufgesetzt und im Juni beim European Innovation Council Summit in Brüssel präsentiert. Der Fonds hat ein Zielvolumen von fünf Milliarden Euro, wird von EQT unabhängig und marktbasiert gemanagt und soll die Lücke bei großvolumigen Wachstumsfinanzierungen schließen, wegen der europäische Tech-Unternehmen bislang häufig auf US-Kapital angewiesen waren. Zu den Zielbranchen zählen neben Quanten- und Halbleitertechnologien, Robotik, Energie- und Weltraumtechnologien auch Künstliche Intelligenz.

Bemerkenswert ist das Tempo. Bei der Präsentation im Juni hieß es noch, die ersten Investments seien für Herbst 2026 geplant. Lovable zählt laut Aussendung nun zu den ersten Beteiligungen des Fonds, das allererste Investment war es allerdings nicht.

Victor Englesson, Partner bei EQT und Co-Head des Scaleup Europe Fund, verweist in der Aussendung darauf, dass Anton Osika, Fabian Hedin und ihr Team eines der ambitioniertesten und am schnellsten wachsenden KI-Unternehmen aufgebaut hätten. Genau dafür sei der Fonds geschaffen worden. Matt Murphy, Partner bei Menlo Ventures, argumentiert, Lovable adressiere jene Milliarden Menschen, die Ideen hätten, aber bislang an der technischen Umsetzung scheiterten.

Osika selbst hatte diese Europa-Perspektive bereits im vergangenen November auf der Slush in Helsinki betont. „Europa ist in vielerlei Hinsicht ein besserer Ort, um ein KI- oder Tech-Unternehmen aufzubauen“, sagte er dort auf der Hauptbühne.

Bemerkenswert bleibt dabei ein Detail der Investorenliste: Mit Tencent steigt zeitgleich ein chinesischer Konzern ein. Der Anspruch, ein europäisches Tech-Unternehmen mit europäischem Kapital zu skalieren, trifft damit in derselben Runde auf globale Beteiligungsstrukturen.

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