13.06.2022

Unternehmensberatung: Starker Nachfrage-Anstieg in einem speziellen Bereich

Die Pandemie hat die Nachfrage bei Unternehmensberatungen in Wien stark verändert. Vor allem Förderungen und Fachkräftemangel haben Unternehemn beschäftigt.
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Consulting, Meeting, Team, Management
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Die Corona-Pandemie hat viele Unternehmen finanziell unter Druck gesetzt und das schlägt sich offenbar auch in der Unternehmensberatung nieder. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass es gerade im Bereich „Förderungen und Finanzierung“ einen sprunghafter Anstieg bei der Nachfrage von Beratungsleistungen gab. 2019 gaben 12 Prozent der befragten Beratungskunden an, in diesem Bereich Leistungen in Anspruch zu nehmen. Mittlerweile lassen sich 43 Prozent der Unternehmen in diesem Bereich beraten. Noch stärker nachgefragt wird Beratung nur im Bereich Controlling und Rechnungswesen, in dem sich 56 Prozent der befragten Unternehmen beraten lassen. Auf Platz 4 landet das Thema Unternehmensstrategie und Zukunftsplanung.

Fachkräftemangel sorgt auch für mehr Beratung

In der Befragung zeichnet sich ein weiterer Engpass ab, mit dem immer mehr Unternehmen kämpfen – der Fachkräftemangel. Die Herausforderungen am Arbeitsmarkt schlagen sich in einem kräftigen Plus in der Nachfrage von Unternehmensberatung in HR-Fragen nieder – 33 Prozent der Unternehmen nehmen entsprechende Leistungen in Anspruch, 13 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren.

Die Befragung wurde im Auftrag der Berufsgruppe Unternehmensberatung der Wirtschaftskammer in Wien von TQS Research & Consulting durchgeführt. Zu den Ergebnissen zählt auch, dass Wiener Beratungen sehr treue Kunden haben, die sich mehrmals pro Jahr beraten lassen – mehr als 40 Prozent sogar häufiger als zehnmal pro Jahr. Bestehende Kund:innen beschäftigen dabei offenbar vor allem finanzielle Fragen. Bei Unternehmen, die bisher keine Unternehmensberatung in Anspruch nehmen, sind andere Themen im Fokus, wenn es um die Frage geht, wofür sie sich eine Beratung vorstellen könnten: Mergers & Acquisitions stehen dabei gemeinsam mit Nachhaltigkeit und Umweltmanagement ganz oben auf der Liste.

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Die Dæly-Gründer v.l.: Paul Truffner, Florian Ritter und Alexander Walliser | (c) Dæly
Die Dæly-Gründer v.l.: Paul Truffner, Florian Ritter und Alexander Walliser | (c) Dæly

„Es ist so ein bisschen der iPhone-Moment für das Familien-Whiteboard“, sagt Florian Ritter, Co-Founder des Grazer Startups Dæly, im Gespräch mit brutkasten. Gemeinsam mit Paul Truffner und Alexander Walliser hat der 26-Jährige ein digitales Wandgerät entwickelt, das die traditionelle Zettelwirtschaft in Haushalten ersetzen soll. Der 15,6 Zoll große Touchscreen fungiert als zentrales Organisationsmedium und soll verstreute Kalender, Einkaufslisten und To-Do-Anwendungen vereinen.

Die Organisation in vielen Familien sei nämlich auf bis zu acht verschiedene, teils digitale und teils analoge Werkzeuge verteilt, erklärt Ritter. Kinder besäßen oft noch kein Smartphone, weshalb Eltern Termine zwar digital im Google- oder Apple-Kalender pflegten, parallel aber einen analogen Wandkalender führten, damit der Nachwuchs sehe, wann etwa das Fußballtraining stattfinde. Diese fragmentierte Organisation führe zu mangelndem Überblick, ständigen Missverständnissen und Koordinationsstress im Alltag.

„Wir bringen diese ganzen Tools in ein einziges System“

Um Abhilfe zu schaffen, führt das System verschiedene Datenquellen zusammen. „Wir bringen diese ganzen Tools in ein einziges System, das für alle funktioniert“, erläutert Ritter. Die Gründer haben das Gerät systemagnostisch aufgebaut, sodass Nutzer Google-, Outlook- oder Apple-Kalender synchronisieren können. Dies löse ein häufiges Problem in Partnerschaften, in denen die Beteiligten oft unterschiedliche Kalendersysteme nutzten. Über eine kostenlose Begleit-App für iOS und Android lassen sich Einträge auch von unterwegs verwalten.

Neben der Terminplanung bietet das Gerät eine Aufgabenverwaltung, ein Punktesystem für Kinder sowie eine Einkaufs- und Essensplanung. Für Ritter ist klar: „Unser Ziel ist es, das beste Familienhaushalts-Managementsystem zu bauen, das es gibt.“ Die kontinuierliche Weiterentwicklung erfolge auf Basis des Feedbacks einer engagierten Nutzerschaft, wobei das System Software-Updates automatisch und kostenfrei aufspiele.

Hardware-Entwicklung ohne Investorengelder

Im konkreten Segment, in dem es mehrere internationale Player gibt, ist man bereits Marktführer im DACH-Raum. „Wir sind bereits bei mehreren Tausend Familien im Einsatz“, sagt Ritter. Dabei setzt so ein Hardware-Startup bekanntlich eine stabile finanzielle Basis voraus. Hier unterscheidet sich der Weg des Unternehmens von einigen im Technologiesektor üblichen Mustern: Dæly ist vollständig eigenfinanziert und bereits profitabel. Für die Entwicklung und den Start investierten die Gründer einen sechsstelligen Betrag aus eigenen Mitteln, die sie unter anderem durch ihr bestehendes E-Commerce-Unternehmen „Tassenliebling“ erwirtschaftet hatten. Der weitere Aufbau erfolge primär über eine Vorbestellungskampagne sowie den laufenden operativen Cashflow. „Wir können das richtig gut aus dem eigenen Cashflow heraus stemmen“, sagt Ritter.

Er sieht in diesem „Finance Based Scaling“ eine zentrale Stärke des jungen Unternehmens. Auf Risikokapital wolle das Team vorerst verzichten, um die Unabhängigkeit zu wahren. Die Bildschirme lässt das Startup wie branchenüblich in China fertigen. Ritter räumt dabei ein, dass eine Produktion in Europa wünschenswert wäre, dass jedoch die Kosten für das Endgerät, das aktuell 300 Euro kostet, massiv steigern würde.

Fokus auf den DACH-Raum und europäische Sicherheitsstandards

Trotz der Hardware-Fertigung in Asien legt das Unternehmen großen Wert auf europäische Sicherheitsstandards. Ein zentraler Aspekt des Produkts ist die bewusste Abgrenzung von US-amerikanischen Cloud-Diensten. Um die Privatsphäre der Familien zu schützen, betreibt das Unternehmen seine Server ausschließlich in Deutschland. Synchronisierte Kalenderdaten speichert das System laut Herstellerangaben nicht zwischen. Die technische Infrastruktur verzichtet bei der Datenspeicherung auf US-Anbieter wie Google Firebase, um die Einhaltung der DSGVO und europäischer Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

Beim physischen Produkt setzt das Startup auf Nachhaltigkeit: Das Gerät verfügt über keinen Akku. Ritter begründet dies mit der höheren Energieeffizienz eines direkten Stromanschlusses und dem Umweltschutz durch die Vermeidung seltener Rohstoffe. Der feste Standort an der Steckdose sichere, dass das Gerät stets für alle Familienmitglieder auffindbar bleibe. In den kommenden Monaten liege der strategische Fokus des Teams ganz auf dem DACH-Markt. Eine weitere geografische Expansion behalte man sich für einen späteren Zeitpunkt vor.

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