13.04.2026
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

University of Applied Sciences St. Pölten eröffnet neues KI-Reallabor

Die USTP – University of Applied Sciences St. Pölten hat ein neues Labor für künstliche Intelligenz eröffnet. Es soll nicht nur Forschung und Lehre dienen, sondern KI für alle zugänglich machen.
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(c) Mark Hammer / USTP

Wer in Österreich über KI redet, meint meistens Wien, Graz oder Linz. St. Pölten? Eher nicht. Genau das soll sich jetzt ändern. An der USTP ist am Freitag ein KI-Reallabor an den Start gegangen, das die niederösterreichische Landeshauptstadt als ernstzunehmenden Standort für angewandte KI-Forschung positionieren will.

6,35 Millionen Euro für KI in Niederösterreich

Das Labor ist Teil eines größeren KI-Forschungsschwerpunkts, in den das Land Niederösterreich insgesamt 6,35 Millionen Euro investiert. Dazu zählen über 20 Studiengänge mit KI-Bezug, zwei Stiftungsprofessuren in den Bereichen Gesundheit und Landwirtschaft sowie neue Forschungsförderungen. Das Reallabor selbst hat ein Gesamtvolumen von 1,2 Millionen Euro, rund die Hälfte davon kommt vom Land. Wissenschaftslandesrat Stephan Pernkopf hat es gemeinsam mit Vertreter:innen der Hochschule offiziell eröffnet und bezeichnete es als „Schaufenster“ für die Möglichkeiten und Risiken von KI und als „Motor für Innovation und Ausbildung in Niederösterreich.“

Nicht nur für die Forschung

Im Reallabor laufen die leistungsstärksten KI-Anwendungen der Hochschule. Studierende, Forschende und Unternehmenspartner:innen sollen dort gemeinsam KI-Lösungen unter realitätsnahen Bedingungen entwickeln und erproben – auch mit Bürger:innen ohne IT-Kenntnisse. Und genau das ist der Clou: Das Labor versteht sich nicht als geschlossene Forschungsblase, sondern als offener Begegnungsraum.

„Das neue KI-Reallabor soll ein offener Ort für die Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft sein, um KI erlebbar und angreifbar zu machen“, sagt Marlies Temper, die an der USTP die Studiengänge Data Intelligence und Data Science and Artificial Intelligence leitet.

Starke Zahlen in der KI-Forschung

Die USTP kann sich schon jetzt als ernstzunehmende KI-Playerin positionieren: Aktuell laufen 154 Drittmittelprojekte, davon 25 mit KI- oder Machine-Learning-Bezug. Die Einnahmen aus diesen KI-Projekten belaufen sich auf über 7,5 Millionen Euro, mehr als 60 Forscher:innen arbeiten daran. Seit 2023 bündelt die Hochschule ihre Kompetenzen im Center for Artificial Intelligence – dort wird an Themen wie Fake-News-Erkennung, KI-gestützter Unwettervorhersage oder besseren medizinischen Diagnosen gearbeitet.

Weiteres KI-Labor am Europacampus Hainburg geplant

Und St. Pölten soll nicht das Ende sein: Am Europacampus Hainburg, der derzeit entsteht und bei dem die USTP eine federführende Rolle spielt, ist ein weiteres KI-Reallabor geplant. Parallel dazu baut die Hochschule eine groß angelegte Rechen- und Speicherinfrastruktur auf – ebenfalls finanziert vom Land Niederösterreich.

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Mistral.
© LinkedIn/Canva - Arthur Mensch, Co-Founder und CEO Mistral AI.

Drei Milliarden Euro. Das ist die Summe, die der französische Anthropic- und OpenAI-Herausforderer Mistral in seiner heute verkündeten Series-D-Finanzierungsrunde aufnahm. Es ist die größte VC-Runde für ein Tech-Unternehmen in der europäischen Geschichte – und das für ein gerade einmal drei Jahre altes Unternehmen.

Den Lead in der Runde übernahm mit Samsung – wenig überraschend – ein außereuropäischer Player. Dazu kommen große US-Investoren wie PSG Equity als Co-Lead, a16z und Nvidia, aber auch eine ganze Reihe europäischer Kapitalgeber, darunter der Scaleup Europe Fund der schwedischen EQT als weiterer Co-Lead.

Keine normalen Umstände

Drei Milliarden Euro. Eine Bewertung von 21 Milliarden Euro. Das sollte unter normalen Umständen ein Garant für den großen Durchbruch sein. Zum Vergleich: Meta (damals Facebook) genügten vor seinem Börsengang insgesamt 2,27 Milliarden US-Dollar VC-Kapital, um sich im Social-Media-Wettlauf klar an die Spitze zu setzen und zum Tech-Giganten zu werden.

Doch die Umstände sind nicht normal. Der KI-Wettlauf hat die Volumina an VC-Kapital vor allem in den USA auf ein nie dagewesenes Level gehievt. Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, hat allein in seiner Series-H-Runde im Mai dieses Jahres 65 Milliarden US-Dollar aufgenommen und steht bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar. OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, hat diesen März in seiner Finanzierungsrunde sogar 122 Milliarden US-Dollar eingesammelt und steht bei einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar.

Beim insgesamt aufgenommenen Kapital steht Mistral (ca. 6 Mrd. Euro inklusive Kredite) in einem Verhältnis von etwa 1:19 zu Anthropic (mindestens 130 Mrd. US-Dollar) und 1:26 zu OpenAI (mindestens 180 Mrd. US-Dollar). Das wird im beinharten internationalen Tech-Wettlauf vermutlich nicht ausreichen.

Digitale Souveränität als Verkaufsargument

Und das weiß man auch beim französischen Scaleup. Der größte Trumpf, den es in der Hand hat, ist, dass es aus Europa kommt. Punkten kann das Unternehmen vor allem bei den Themen Digitale Souveränität und Datensicherheit. Und das wiederum sind Fragen, die im B2B- und vor allem im öffentlichen Bereich deutlich schwerer wiegen als im B2C-Bereich, den aktuell Anthropic, OpenAI und Google dominieren.

„Während der ersten Welle der generativen KI lautete die zentrale Frage: Wer kann das leistungsstärkste Modell entwickeln? Unternehmen und Regierungen stellen sich nun eine andere Frage: „Wie können sie die Leistungsfähigkeit der KI für ihre geschäftskritischen Anforderungen nutzen, ohne die Kontrolle über die Infrastruktur und den Informationskreislauf abzugeben?“, heißt es von Mistral in der Presseaussendung zur aktuellen Kapitalrunde.

Die Frage will man freilich mit dem eigenen Produkt beantworten. „Die Nachfrage nach dieser Kombination aus Leistung, Kontrolle, Auswahlmöglichkeiten und Unabhängigkeit nimmt weltweit zu“, ist man sich sicher. Und Mistral sei das weltweit einzige KI-Unternehmen, das den gesamten Stack entwickle, der dafür erforderlich ist: „Open-Weight-Modelle, die Infrastruktur und die Rechenkapazität, auf der sie laufen, und die Produkte, mit denen sie in den Unternehmen wirksam werden“.

Ausstehender Beweis

Dass diese Argumente angesichts des europäischen Diskurses durchaus valide sind, liegt auf der Hand. Ob die Rechnung am Ende auch betriebswirtschaftlich aufgeht, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Mistral bekommt durch die Mega-Runde genug Luft, um sich innerhalb Europas weiterhin im öffentlichen und im Unternehmenssegment zu etablieren. Doch dass das ausreicht, um das eingesetzte Kapital (mehrfach) zurückzuspielen, muss erst bewiesen werden.

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