20.03.2023

Universität Wien: Das war die Entrepreneurship Night 2023

Viele Startups in Österreich sind stark universitär geprägt. Die Entrepreneurship Night 2023 der Universität Wien stand ganz im Zeichen der wichtigen Rolle von Gründungen und dem damit verbundenen Impact.
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Die beiden Panelrunden auf der Entrepreneurship Night 2023 der Universität Wien © derknopfdruecker.com/Joseph Krpelan
Die beiden Panelrunden auf der Entrepreneurship Night 2023 der Universität Wien © derknopfdruecker.com/Joseph Krpelan
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An Universitäten geht es nicht nur um Forschung und Lehre, sondern auch um das Danach. Auf dem österreichischen Arbeitsmarkt findet man als Akademiker:in zahlreiche Möglichkeiten vor. Eine davon ist das Unternehmertum. Auch die Universität Wien widmet sich dem wichtigen Potenzial der Unternehmensgründung. Darum ging es auch auf der vierten Entrepreneurship Night, die am 6. März 2023 stattfand. Unter den Leitfragen “Wie generieren wir Impact? Was brauchen Gründer:innen dafür?” fand im Rahmen von Podiumsdiskussionen, Workshops und Co. ein Austausch statt. Schließlich waren sich die Anwesenden einig: Startups wachsen nicht nur sehr schnell, sondern generieren auch viel Impact. Und dieser geht weit über das Unternehmen hinaus.

Uni Wien bringt die meisten Unicorns

“Es ist unsere Aufgabe als Universität, Neues zu suchen, kritisch zu hinterfragen, Probleme zu lösen und neue Wege zu finden”, betont Christa Schnabl, Vizerektorin der Universität Wien, auf der Bühne der Entrepreneurship Night 2023. Das scheint bisher bereits recht erfolgreich gewesen zu sein, denn wie Kambis Kohansal Vajargah, Head of Startup Services der WKO feststellt, ist die Universität die Hochschule mit dem höchsten Alumni-Anteil unter österreichischen Unicorn-Gründern – nämlich vier von sechs.

Auf der Veranstaltung im Festsaal der Universität Wien kamen 400 Teilnehmer:innen zusammen. Bei Kurzpräsentationen und Podiumsdiskussionen standen die Wirtschaftskammer, Wirtschaftsagentur Wien, Austria Wirtschaftsservice und sechs Gründer:innen auf der Bühne. Zusätzlich konnten sich Teilnehmende mit Mentor:innen vernetzen, an Workshops teilnehmen und sich auf dem sogenannten “Marktplatz der Möglichkeiten” inspirieren lassen. 

Die Entrepreneurship Night 2023 im Festsaal der Universität Wien

Erstmal machen: “Done is better than perfect”

Wie wichtig Entrepreneurship für Österreich ist, repräsentieren nicht zuletzt auch die anwesenden Gründer:innen. Denn “wenn wir kein junges Unternehmertum in Österreich hätten, würde dieses Land vor die Hunde gehen”, ist sich die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, Amelie Groß, sicher. Als Geschäftsführerin eines Familienunternehmens sei ihr Motto “done is better than perfect”. In der Unternehmensgründung ist es ihrer Meinung nach wichtig, den ersten Schritt zu setzen, auch wenn die Idee noch nicht perfekt ist. 

HealthTech und BioTech: Gründer:innen der Universität Wien

Co-Founder des Wiener Biotechnologie-Startups Arkeon, Simon Rittmann, bietet mit seinem Werdegang ein Beispiel für eine Uni Wien-Gründungsgeschichte. Nach seiner Forschungszeit an der Universität Wien gründete er gemeinsam mit Günther Bochmann und Gregor Tegl ein Startup, das eine Technologie entwickelte, die alle 20 Aminosäuren herstellen kann, die für die menschliche Ernährung essentiell sind. “Unser Impact könnte ziemlich groß werden: Wir könnten den Klimawandel bekämpfen und die Nahrungsmittelproblematik auf diesem Planeten in den Griff bekommen”, meint Rittman bei der Entrepreneurship Night. Eigentlich wollte er in der Forschung bleiben, doch für eine solche wissenschaftliche Entdeckung habe es den Schritt in die Wirtschaft gebraucht. 

Memocorby-CEO und Co-Founderin Elisabeth Dokalik-Jonak betont zudem, dass man Durchhaltevermögen üben könne. “An der Uni Wien habe ich viel mitgenommen, wie unter anderem kritisches Denken – das hilft beim Probleme Lösen. Hier lernte ich ein Werkzeug, zuhause beginnt das Denken”, so Dokalik-Jonak. Mit über 40 Jahren und als dreifache Mutter zu gründen war zwar ein großer Schritt für sie, allerdings einer, auf den sie sehr stolz ist. Mit dem Wiener HealthTech-Startup produziert sie multisensorische Würfel, die unter anderem Schlaganfallpatient:innen bei der Wiedererlangung ihrer Sprache helfen sollen.

Entrepreneurship und die Universität Wien

Die Bedeutsamkeit von Entrepreneurship für die Universität Wien wurde am 6. März 2023 also nicht erkannt, sondern unterstrichen. Für Vizerektor Ronald Maier geht es darum, dass die Unternehmer:innen der Zukunft ihre Freiheit nutzen, um Dinge zu unternehmen, die unsere Welt ein bisschen besser machen: “Und wie könnte man das besser machen, als aufgrund neuer Erkenntnisse?”

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Gastautorin Mariebeth Aquino war auf der TechBBQ in Kopenhagen vor Ort | Foto: Mariebeth Aquino | (c) Kasia Sosulski

Tag zwei der TechBBQ in Kopenhagen, kurz vor acht Uhr morgens. Die Nacht davor war lang: Side-Events, Netzwerken, Gespräche bis weit nach Mitternacht. Ich schaffe es zwei Minuten vor Beginn zur Royal Reception, durch die Tür fast gleichzeitig mit Prinz Joachim von Dänemark. Ich setze mich an einen Tisch. Er auch. An denselben. Cooler Zufall.

So beginnt für mich der Defence & Dual-Use Summit: mit dem dänischen Königshaus am Tisch einer Startup-Konferenz. Prinz Joachim, der auch Verteidigungsindustrie-Attaché ist, sagt: Die Grenzen zwischen Tech, Wirtschaft und nationaler Sicherheit verschwimmen. Die interessantesten Lösungen kämen nicht mehr aus klassischen Rüstungskonzernen, sondern aus Startups, Uni-Labs und von Leuten, die mit Defence nie zu tun hatten. Und dieses Bild zieht sich durch die gesamte Konferenz: Grenzen verschwimmen.

Die TechBBQ ist mit über 10.000 Teilnehmer:innen Ende August die größte Startup-Konferenz Skandinaviens, und das meistgehörte Wort war heuer „Defence“. Wer regelmäßig auf europäischen Startup- und Tech-Konferenzen unterwegs ist, hat die Verschiebung bemerkt: 2022 sah man noch viele Impact- und Sustainability-Sessions auf den Bühnen. Heuer dominieren Resilienz und Sicherheit. Im Juni, auf der VivaTech in Paris, war das meistgehörte Wort „Sovereignty“ (Souveränität).

Defence Tech boomt

2025 gingen 13 Prozent des gesamten europäischen Venture Capitals in Verteidigung, Sicherheit und Resilienz, dreimal so viel wie drei Jahre zuvor (Dealroom und NATO Innovation Fund, Februar 2026). Auch Atomicos „State of European Tech 2025″ bestätigt den Boom bei Defence Tech. Das Kapital für Climate Tech wird dagegen seit 2022 mit jedem Jahr weniger (Atomico, „State of European Tech“ 2022 bis 2025).

Es braucht heute keinen militärischen oder nachrichtendienstlichen Hintergrund, um in diesem Feld etwas beizutragen. Man braucht technische Tiefe, die Bereitschaft, sich in eine fremde Domäne einzuarbeiten, und ein Umfeld, das einen dabei nicht ausbremst, sondern fördert. Wie in Dänemark.

Die TechBBQ fand am 26. und 27. August 2026 im Bella Center Kopenhagen statt | Foto: Mariebeth Aquino

2005 habe ich bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien ein Tool mitentwickelt, das aufdecken sollte, wer gerade versucht, eine Atombombe zu bauen. Im selben Jahr bekam die IAEA den Friedensnobelpreis. Zwanzig Jahre später jage ich mit derselben Logik organisierte Desinformationskampagnen, diesmal als Startup. Denn hybride Bedrohungen sind längst Alltag, auch in neutralen Ländern. Hochriskant, Ausgang offen. Ich versuche es trotzdem.

„Your idea is never too crazy for us. We want to see it. We want to hear it. We want revolutionary, not evolutionary ideas“, sagt Lindsay Heil, Chief of International Cooperation bei DARPA, auf der Bühne. DARPA will Antworten auf schwierige Probleme, und die kommen aus ihrer Erfahrung meistens von Startups. Dieser Aufruf hat mich besonders angesprochen.

Aus Überzeugung in Defence

Verteidigung hat die Verteidigungsblase verlassen. Auf der TechBBQ waren laut Veranstalter über 2.000 Investor:innen vor Ort. Ich habe rund ein Dutzend von ihnen gefragt, ob sie in Defence investieren. Keine einzige Absage. Aber auf einer Konferenz mit eigenem Defence-Summit ist das wohl erwartbar. Spannend war, dass die allerwenigsten einen militärischen oder sicherheitspolitischen Hintergrund haben. Sie tun es aus Überzeugung und lernen die Domäne unterwegs.

Wie sehr sich die Stimmung gedreht hat, bringt Philipp Schröder, CEO und Mitgründer des Hamburger Climate-Tech-Unicorns 1Komma5°, auf den Punkt, als ich ihn nach seinem Talk treffe: Den Shift Richtung Defence und Security spüre man klar. 2022 sei der Peak für Impact- und Energie-Themen gewesen, der sei vorbei. Sterben werde der Sektor aber nicht.

Wer ein europäisches Defence- oder Dual-Use-Startup baut, war auf der TechBBQ am richtigen Ort: Top-Management von Rheinmetall und Terma, DARPA, hochrangige Militärs, Leute vom skandinavischen Nachrichtendienst. Auf deren Badges standen nur der Vorname und der Geheimdienst, während alle anderen sämtliche Details preisgaben. Vor denen hatte ich Respekt.

Keine Minderheit mehr

Wer die Revolutionär:innen sucht, muss allerdings auch jene einladen, die bisher nicht mitgemeint waren. Auf männerdominierten Tech-Events ist Unconscious Bias mein ständiger Begleiter. Ich bin darauf sensibilisiert und nehme die Mikroexpressionen wahr: den kurzen Blick, der einordnet und weiterwandert. Ich bin eine kleine Frau mit Migrationsgeschichte. Das Stereotyp sagt: Die steht sicher in keiner Position mit Macht. Also werde ich übersehen, weil ich nicht dem Bild des erfolgreichen weißen Mannes entspreche.

Über 2.000 Investor:innen waren laut Veranstalter auf der TechBBQ in Kopenhagen vor Ort | Foto: Mariebeth Aquino

Nicht in Kopenhagen. Auf der TechBBQ wurden Frauen, Minderheiten und die Crazy Ones, die Misfits, die Rebels willkommen geheißen. Sogar von den alteingesessenen älteren Herren, die auf solchen Konferenzen sonst die Deutungshoheit haben, kam dieses Gefühl kein einziges Mal auf.

Und Frauen waren auf der TechBBQ keine Minderheit. Ich schätze, ein Drittel der Gäste waren Frauen, dazu eine große, durchgehend volle Women-in-Tech-Lounge. Die Organisationsforschung kennt den Effekt als kritische Masse: Unter etwa 15 Prozent ist man die Ausnahme und steht stellvertretend für die ganze Kategorie, ab rund einem Drittel wird man wieder als Individuum gesehen (Rosabeth Moss Kanter). In Kopenhagen war dieser Punkt überschritten, und das war spürbar. Ich fand es befreiend.

Ich gehe seit 2009 auf Tech-Konferenzen und weiß, wie ungewöhnlich das ist. In Kopenhagen wurde auf den Bühnen gefeiert, wofür man sonst schiefe Blicke erntet, oft ohne dass es den Blickenden bewusst ist: Frau sein, Neurodivergenz, Migrationsgeschichte, untypische Lebensläufe. Wenn die interessantesten Defence-Lösungen von Quereinsteiger:innen kommen, wie Prinz Joachim sagt, dann entscheidet genau diese Offenheit, wie groß der Talentpool ist.

Dänemark macht es vor

Dänemark hat seine Verteidigungsausgaben seit 2022 real um rund 180 Prozent erhöht, der stärkste Zuwachs aller NATO-Staaten (NATO, Juli 2026). Hier ist der Ukraine-Krieg geografisch näher an der Bevölkerung und die Gesellschaft hat ein anderes Mindset gegenüber Verteidigung. Und die Industrie hat gelernt, wie Tempo geht: Getestet wird vom ersten Tag an in der Ukraine, am Boden, nah an den Nutzern. Die Anforderungen kommen nicht aus einem Ministerium, sondern aus dem Schützengraben. Was sich dort bewährt, kommt in den Einsatz. Und skaliert wird über Dänemark hinaus, denn, so Terma-CEO Henriette Hallberg Thygesen auf der Bühne, Dänemark allein sei für eine Verteidigungsindustrie zu klein, und Innovation ohne Skalierung werde selten eine echte Fähigkeit im Einsatz.

Und Österreich?

Das Land der Seligen. Wir setzen halt auf die Neutralität. Nur fragen Desinformationskampagnen nicht nach Bündnissen, sie laufen längst, auch bei uns. Auf dem Summit habe ich zwei Tage lang zugehört, wie Dänemark laut die eigenen Schwächen seziert: zu wenig Dringlichkeit, keine Lizenz zum Scheitern. Österreich stellt diese Fragen nicht einmal. „Eure Idee ist uns nie zu verrückt.“ Ich hätte diesen Satz gerne einmal hier gehört.


Über die Autorin: Mariebeth Aquino ist Tech-Unternehmerin. Sie arbeitet an der Erkennung von Desinformations- und Einflusskampagnen (FIMI) in Europa und bildet Security-Software-Engineers aus. www.heldin.eu

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