02.06.2023

UN-Konferenz: Kommt 2040 das Ende des Plastikzeitalters?

Auf einer UN-Konferenz beraten seit Montag 175 Staaten, wie künftig der Plastikmüll reduziert werden kann. Zur Diskussion steht ein global verbindliches Abkommen gegen Plastikverschmutzung. Bereits im Vorfeld der Konferenz forderte Greenpeace ein Verbot von Plastik bis 2040.
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(c) Adobestock

Schätzungsweise gelangen jährlich zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere, wo er eine ernsthafte Bedrohung für die komplexen marinen Ökosysteme darstellt. Aber nicht nur die Ozeane sind betroffen. Plastikmüll ist auch an Land ein Problem. Er landet in Deponien, Flüssen, Seen und anderen natürlichen Lebensräumen. Plastik braucht Jahrhunderte, um sich abzubauen, und währenddessen schadet es der Umwelt und den Lebewesen.

UN-Konferenz in Paris

Ein global verbindliches Abkommen gegen Plastikverschmutzung soll nun Abhilfe schaffen. Bereits seit Montag verhandeln darüber 1.500 bis 1.600 Delegierte im Rahmen einer UN-Konferenz in Paris. Dabei handelt es sich um die zweite von fünf geplanten Verhandlungsrunden, an deren Ende ein weltweites Abkommen stehen soll, das ab 2024 in Kraft tritt. Ziel der UNO ist es, die Umweltverschmutzung durch Plastikmüll bis 2040 stark einzudämmen. Laut einem UN-Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) ließe sich die weltweite Plastikverschmutzung bis 2040 um 80 Prozent reduzieren. Dafür müssten allerdings auch konkrete Maßnahmen im Bereich der Kreislaufwirtschaft ergriffen werden.

Greenpeace äußert Kritik

Der Umweltschutzorganisation Greenpeace geht der aktuelle Vorschlag zur Eindämmung allerdings nicht weit genug. Sie fordert bis 2040 ein Ende der Produktion von neuem Plastik. Zudem müsste es verbindliche globale Reduktionsziele geben, die nun in Paris zur Verhandlung stehen. In diesem Zusammenhang kritisierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace zudem das intensive Industrielobbying rund um die Verhandlungen und forderte, dass die Industrielobbyist:innen von den Verhandlungen ausgeschlossen werden.

Pünktlich zur UN-Konferenz in Paris präsentierte Greenpeace einen neuen Bericht, der die toxische Gefahren von neuem und recyceltem Plastik zeigt. Laut dem USA Report Forever Toxic – The Science on Health Threats from Plastic Recycling enthalten recycelte Kunststoffe oft sogar noch höhere Mengen an Chemikalien, darunter giftige Flammschutzmittel, krebserregende Stoffe, Umweltschadstoffe sowie zahlreiche Umwelthormone, die den natürlichen Hormonspiegel des Körpers verändern können.

Forderung nach mehr Innovation

Das ein Verbot von Plastik bis 2040 im Zuge des UN-Konferenz beschlossen wird, gilt allerdings als höchst unwahrscheinlich – zu groß sind die verschiedenen Interessenslagen der einzelnen Staaten. In diesem Zusammenhang meldete sich auch der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) zu Wort: „Eine große Aufgabe wird es sein, Maßnahmen zu finden, die für alle Länder umsetzbar sind, auch wenn sie sich auf einem sehr unterschiedlichen Niveau in der Produktion und Abfallverwertung befinden.“ Aus Sicht des FCIO sollte Österreich und Europa noch stärker in die Kreislaufwirtschaft investieren und neue Technologien erforschen und vorantreiben.


Tipp der Redaktion

Anfang 2023 startete die brutkasten-Redaktion einen neuen thematischen Schwerpunkt zum Thema Kreislaufwirtschaft. Im Zentrum stehen Innovationen von Startups, Corporates und Mittelstand, die eine ressourceneffiziente und schadstoffarme Produktion ermöglichen. Zudem berichten wir über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe rund um eine kreislauforientierte Wirtschaft – darunter auch über umweltfreundliche Materialen wie HDPE und weitere Material-Innovationen.

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kalkül
© kalkül - Michael Leister (links) und Lukas Weilguny (rechts) von kalkül.

Entstanden ist kalkül aus einem eigenen Problem. Lukas Weilguny und Michael Leister entwickeln als Selbstständige seit 2017 Software für Unternehmen. Als ihr damals genutztes Rechnungsprogramm nach einer Übernahme spürbar schlechter wurde, sahen sie sich nach Alternativen um und testeten mehr als zehn Buchhaltungsprogramme.

„Wir haben kein einziges gefunden, das wirklich einfach und gleichzeitig auf Österreich zugeschnitten war. Buchhaltung ist der langweiligste Teil im Alltag von Selbstständigen. Niemand will stundenlang eine Software lernen, nur um die erste Rechnung zu schreiben. Genau das ändern wir“, erinnert sich Leister.

kalkül: von 1.000 auf 10.000 Nutzer:innen

Also schufen sie 2023 eine eigene Lösung: Ihre Software, die von der we-dev e.U. betrieben wird, dient der Erstellung von Angeboten und Rechnungen, führt die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung mit und deckt Mahnwesen und Zahlungsabgleich ab. Laut Unternehmen ist sie auf die österreichischen Steuervorgaben abgestimmt.

Im November 2024 zählte kalkül 1.000 Nutzer:innen, im Februar 2026 waren es 5.000. Seither hat sich die Zahl innerhalb von sieben Monaten noch einmal verdoppelt. Treibende Kraft hinter dem organischen Wachstum waren den Gründern zufolge persönliche Empfehlungen und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Bezahlte Werbeanzeigen testen die Gründer erst seit Kurzem. Das Unternehmen ist eigenfinanziert und hat bis heute keine externe Finanzierung aufgenommen.

Allgemein wird der Markt für Rechnungssoftware im deutschsprachigen Raum von deutschen Anbietern dominiert. Österreich werde dort meist nur als kleines Nischenland mitgedacht. Besonderheiten wie Kleinunternehmerregelung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, BAO-Aufbewahrungspflichten oder Verzugszinsen nach österreichischem Recht werden oft nur oberflächlich abgedeckt, sagen die Founder. Kalkül sei hingegen exakt für diesen Markt gebaut, inklusive Rechnern für Einkommensteuer, SVS-Beiträge, Gewinnfreibetrag und Abschreibungen.

Freemium-Modell

Um Selbstständige gerade zu Beginn zu entlasten, setzt kalkül auf ein Freemium-Modell: Kernfunktionen wie Angebote, Rechnungen, Mahnwesen und die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind ohne Limits dauerhaft kostenlos. Ein Abo indes schaltet Zusatzfunktionen wie den automatischen Bankabgleich mit über 2.600 Banken frei. Der überwiegende Teil der 10.000 Nutzer:innen verwendet die Gratisversion, wie man mitteilt.

„Als wir das Abo eingeführt haben, gab es dafür wochenlang praktisch keine exklusiven Funktionen. Trotzdem haben Leute bezahlt, einfach um die Entwicklung zu unterstützen. Das war für uns das ehrlichste Feedback, das wir bekommen konnten“, sagt Weilguny.

Integrierte Registrierkassenlösung als nächster Schritt

Als nächsten großen Schritt kündigen die Gründer eine integrierte Registrierkassenlösung an. Parallel baut kalkül die Zusammenarbeit mit Steuerberatern aus: Enger Partner ist die Linzer Kanzlei Raml & Partner, die zwölffach als „Steuerberater des Jahres“ (in der Kategorie „Allrounder Oberösterreich“) ausgezeichnet wurde. Weitere Kooperationen sind geplant. Mittelfristig soll außerdem eine KI-gestützte Belegerkennung Ausgaben automatisch auslesen und kategorisieren.

Welche Funktionen zuerst kommen, entscheidet – laut Foundern – weitgehend die Community: Je häufiger ein Feature angefragt wird, desto weiter rückt es nach vorn. „Wir wollen das einfachste Rechnungsprogramm für Selbstständige in Österreich sein“, sagt Leister. „Mit 10.000 Nutzern sind wir ein gutes Stück weiter, aber bei 376.112 Ein-Personen-Unternehmen im Land haben wir noch viel vor uns.“

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