03.02.2023

Klima-Skandal: Von der UN verkaufte CO2-Zertifikate sind wirkungslos

Eine Recherche der deutschen Magazine WirtschaftsWoche und Flip zeigt massive Probleme bei von der UN vermittelten CO2-Zertifikaten auf.
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co2-zertifikate von UN sind wirkungslos
(c) Ella Ivanescu via Unsplash

Sie sind der Grund, warum sich mitunter auch Unternehmen und Projekte mit ganz und gar nicht klimafreundlichen Produkten und Geschäftsmodellen als „klimaneutral“ bezeichnen können, etwa Fluglinien, Ölkonzerne oder eine Fußball-WM im Wüstenstaat: CO2-Zertifikate. Man kann so viel Kohlendioxid in die Luft blasen, wie man will. Wenn man das nötige Kleingeld hat, kann man die Emissionen mit den Zertifikaten „ausgleichen“. Und mancherorts kann man diese Zertifikate sogar sehr günstig erwerben. Zum Beispiel auf einer Plattform der Vereinten Nationen (UN). Doch wie es oft mit unverhältnismäßig günstigen Dingen ist, hat die Sache einen gewaltigen Haken. Das zeigte nun eine gemeinsame Recherche der deutschen Magazine WirtschaftsWoche und Flip.

CO2-Zertifikate: „UN haben ein System auf Basis von Lügen und falschen Kalkulationen geschaffen“

Demnach sind viele der über die UN-Plattform günstig vermittelten CO2-Zertifikate unwirksam und schützen das Klima überhaupt nicht. „Die Öffentlichkeit wird getäuscht“, wird Experte Carsten Warnecke vom New Climate Institute von der Wirtschaftswoche zitiert. Ein anderer, Klimaforscher Martin Cames vom Öko-Institut, geht laut dem Bericht davon aus, dass bis zu 85 Prozent der UN-Projekte dem Klima nicht so helfen, wie sie es vorgeben und meint: „Trotzdem trägt das alles das UN-Siegel, ich halte das für problematisch“. Expertin Barbara Haya von der University of California, Berkeley sieht bei der UN ein „Regelwerk voller Schlupflöcher“ und konstatiert: „Die UN haben ein System auf Basis von Lügen und falschen Kalkulationen geschaffen. Das ist sehr gefährlich“.

Zertifikate-Skandal: Schaden die Vereinten Nationen dem Klima mehr, als sie ihm nutzen?

Ausgangspunkt der Recherche war ein Selbstversuch eines Redakteurs, seinen CO2-Fußabdruck zu berechnen und diesen mit CO2-Zertifikaten auszugleichen. Im Zuge dessen kam er auf ein Staudamm-Projekt in Brasilien. Nach genauerer Prüfung und einer monatelangen Recherche war klar, dass die im Zusammenhang mit diesem Projekt von der UN verkauften Zertifikate wirkungslos sind – und nicht nur die. Der Redakteur kommentiert: „Am Ende stellt sich nicht nur die Frage, ob im Onlineshop der UN ahnungslose Menschen getäuscht werden. Sondern auch, ob die Vereinten Nationen dem Klima mehr schaden, als ihm zu helfen“.

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Das C-Level von Minimist: Robert Andrei Damian (CTO), Anna Greil (COO) und Stephan Hofmann (CEO). | © Minimist

Nach der Finanzierungsrunde in Höhe von rund einer Million Euro im März treibt das Wiener Kreislaufwirtschafts-Startup Minimist seine internationale Expansion voran. Nach dem Markteintritt in Großbritannien kooperiert das Unternehmen nun mit Salvos Stores, dem Einzelhandelszweig der Heilsarmee in Australien.

Salvos: 400 Filialen in Australien und Teil der Heilsarmee

Salvos Stores betreibt landesweit rund 400 Filialen und verarbeitet nach eigenen Angaben jährlich mehr als 50 Millionen Sachspenden. Als Einzelhandelszweig ist Salvos organisatorisch Teil der Heilsarmee, einer international tätigen evangelischen Freikirche mit sozialem Hilfswerk, die weltweit in Territorien und Divisionen gegliedert ist. Die Erlöse aus dem Verkauf gebrauchter Ware fließen laut Unternehmen in soziale Projekte der Organisation.

Minimists Software soll die Erfassung, die automatisierte Preisfindung und den Multi-Channel-Verkauf von Sachspenden digitalisieren. Salvos verspricht sich dadurch weniger administrativen Aufwand und kürzere Durchlaufzeiten in den Filialen. Ein Pilotprojekt sei laut Minimist erfolgreich abgeschlossen worden.

Minimist COO Anna Greil (links) vor einem der 400 Salvos Stores in Australien © Minimist

WU Ignite Ventures und Seebacher mit je 50.000 Euro

Laut Pressemitteilung investieren mit WU Ignite Ventures und dem Angel-Investor Johannes Seebacher zwei neue Geldgeber:innen in Minimist. Wie Anna Greil im Gespräch mit brutkasten präzisiert, beteiligen sich beide mit jeweils 50.000 Euro.

Insgesamt seien nach der 1-Million-Runde vom März diesen Jahres im Mai nochmals zwischen 150.000 und 200.000 Euro an zusätzlichem Kapital in das Startup geflossen; die übrigen Investor:innen dieser Nachfinanzierung wollten laut Greil nicht genannt werden.

WU-Ignite-Ventures-Co-Geschäftsführer Rudolf Dömötör begründet sein Investment in Minimist: „Re-Commerce wird oft als Nische betrachtet. Stephan, Anna und Robert beweisen mit Minimist das Gegenteil: Sie bauen die Infrastruktur für einen der wirksamsten Hebel der Kreislaufwirtschaft, und zwar in globalem Maßstab.Dass ein Wiener Team mit Salvos Stores einen der größten Charity-Retailer Australiens gewinnt, zeigt, wie ernst dieser Anspruch gemeint ist.“

Von Wien in die Welt

Minimist wurde von Stephan Hofmann und Robert Andrei Damian gegründet. 2025 stieß Anna Greil als Late-Co-Founder und COO dazu. Das Startup sicherte sich bereits mehrere Finanzierungsrunden, unter anderem von Eversports-Gründer Hanno Lippitsch. Die Produktentwicklung bleibt laut Unternehmen in Wien verankert.

CEO Stephan Hofmann sagt zur Expansion: „Wir sind im Kern ein Software-Startup und ein globales Team. Die Welt ist unser Spielfeld, und der Erfolg in Australien zeigt, dass wir durch diesen internationalen Ansatz massiv an Geschwindigkeit gewinnen. Die Skalierbarkeit unserer Technologie kennt keine Grenzen.“

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