19.02.2026
SAM ALTMANS RUF

Umgehört und umgesehen: Reaktionen der Szene zu Peter Steinberger und OpenAI

Peter Steinberger geht zu OpenAI - das ist seit Kurzem Gewissheit. Die Reaktionen darauf sind reichhaltig und unterschiedlich. Zwischen Stolz auf einen global sichtbaren KI-Erfolg „Made in Austria“, Sorgen um Talentabfluss in die USA und grundsätzlicher Kritik an Europas Innovationsumfeld - alles ist dabei.
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Peter Steinberger, OpenClaw, OpenAI, Chatgpt, KI, KI in Österreich. Sam Altman, Hischbriich, Demuth, Bitpanda, Wasner,
© brutkasten/Bitpanda/Enlite.ai - (v.l.) Mic Hirschbrich, Eric Demuth und Clemens Wasner.

„Potentiell die mächtigste, aber auch die gefährlichste KI gerade.“ So beschreibt der YouTuber iKnowReview seinen 600.000 Abonnenten Peter Steinbergers KI OpenClaw. Morpheus, seines Zeichens kein erklärter Matrix-Feind, sondern ebenfalls Content-Creator auf der Video-Plattform, spricht von der geöffneten Büchse der Pandora. Dem reihen sich unzählige Threads auf Reddit ein, wenn man den Namen des Neuzugangs von OpenAI (hier sein Statement nachzulesen) ins Suchfeld eingibt.

Die Welt, zumindest die KI-Welt, ist in Aufruhr, und Peter Steinberger muss aus Zeitgründen selektieren, wem er medial Rede und Antwort steht, denn KI aus Österreich ist nicht nur national ein Thema geworden, sondern global.

Freude oder fatales Zeichen?

Die heimischen Reaktionen bilden ein Spektrum an verschiedenen Meinungen und Ansichten ab. Freude über einen KI-Erfolg aus Österreich mischt sich mit fatalistischen Aussagen, die beinahe einer Todeserklärung an Künstliche Intelligenz aus Österreich gleichkommen, weil: „ein Talent an die USA verloren geht“. Andere fokussieren weiterhin kritisch an die Datenschutz-Agenda und etwaige Probleme von OpenClaw mit dieser Thematik, dritte wiederum drängen darauf, sich „endlich einmal zu freuen“.

Steinberger als „tolles Signal“

Mic Hirschbrich, Co-Founder von Apollo.ai, sieht in den Folgen, dass OpenAI-Gründer Sam Altman Steinberger holte, ein tolles Signal, wie er brutkasten erzählt: „Zunächst freue ich mich persönlich für ihn, ich kenne ihn noch aus der PSPDFKit-Zeit. Peter ist aktuell einer der sichtbarsten europäischen Köpfe im Bereich AI-Agents geworden und das in kürzester Zeit, in einem Feld, das laut OpenAI selbst ‚rasch zum Kernbestandteil‘ der nächsten Produktgeneration werden soll. Dass ausgerechnet ein Österreicher hier eine Schlüsselrolle übernimmt, ist wegweisend.“

Hirschbrich zufolge könnte dieser Wechsel in die USA einen KI-Boom in Österreich auslösen: „Aber weniger wegen einer konkreten Technologie, sondern wegen der Narrative und medialen Effekte damit. Wenn ORF, Krone und Co. über KI berichten, verschiebt sich das Thema von der ‚Tech-Elite‘ zu ‚gesellschaftlicher Realität‘. Die Story ist greifbar und das Produkt OpenClaw konkret. Das passt perfekt ins Timing, da Agents nun Chatbots schrittweise ablösen“, sagt er. „Insofern verstehe ich auch, weshalb für Altman dieser Schritt logisch ist.“

„Rückständig bis weltfremd“

Clemens Wasner von EnliteAi, der jährlich auch die AI-Landscape herausbringt, sieht dies eher pragmatischer und prognostiziert nach dem Wechsel Steinbergers zu OpenAI keine Folgen für die heimische KI-Szene, übt jedoch mediale Kritik.

„Die Berichterstattung dazu ist leider gewohnt rückständig bis weltfremd und definitiv nicht dazu geeignet, Enthusiasmus auszulösen“, erzählt er brutkasten. „So wurde Peter etwa in der ZIB2, ähnlich wie man es sonst vom Elterntag in der Volksschule kennt, als ‚KI-Entwickler‘ vorgestellt. Entrepreneurship ist genauso wenig präsent wie vor zehn Jahren. KI wird maximal als Kuriosität ‚geframed‘, zumeist als Gefahr.“

Wasner sieht in Sachen Impact für die Gesellschaft die Vorbildrolle weniger im KI-Bereich, sondern vielmehr in Open Source liegen: „Armin Ronacher (Rust), Max Stoiber (styled-components) und Peter zeigen eindrucksvoll, dass es für Open-Source-Erfolg relativ egal ist, wo man sitzt, solang die Idee zündet und der Drive passt.“

Archetyp mit Open-Source-Brille

Hirschbrich wiederum rät, die Vorbildwirkung Steinbergers nicht zu unterschätzen. „Österreich fehlt es nicht an Talent – sondern an sichtbaren ‚Role Models‘. Wir sprechen ja bekanntermaßen gerne über und haben vor allem auch ‚Hidden Champions'“, sagt er. „Steinberger erfüllt gleich mehrere Archetypen: Builder statt Theoretiker, jemand, der relevante Probleme der nächsten Welle löst (Agent Economy) und das mit einer Open-Source-Brille. Gerade weil AI jetzt in die Anwendungsphase geht, sind solche Vorbilder schon nützlich.“

Den Abschied aus Österreich und weiterer Folge aus Europa sieht Hirschbrich als strukturelles Problem.

„Die USA bündeln Kapital, Daten, Talent und Geschwindigkeit“, sagt er. „Und mir wird ehrlicherweise schlecht, wenn ich darüber nachdenke, wie lange wir schon über diese Stärke dort und Schwäche hier reden. Warum hat OpenAI den Peter gewonnen? Es konnte Steinberger nicht nur rekrutieren – sondern ihm eine offenbar erwünschte Hebelwirkung bieten, die es in Europa derzeit nicht gibt. Zumindest noch nicht in diesem Ausmaß. Aber wir entwickeln uns da und dort jedenfalls besser, als oft beschrieben. Der Markt ist aber gnadenlos und ‚the winner takes it all‘ gilt halt oft.“

KI ein Stiefkind der EU?

Ähnlich sieht es Bitpanda-Gründer Eric Demuth, der auf LinkedIn einen Versuch wagte, die Sache rund um Steinberger und den Folgen von Sam Altmans Ruf einzuordnen.

„Peter hat seine Beweggründe sehr klar formuliert. Es geht nicht um Geld oder Lifestyle. Es geht um das Umfeld. In Europa wird KI nach wie vor vor allem unter dem Aspekt von Regulierung, moralischer Einordnung und Risikovermeidung diskutiert. Panels, Interviews und mediale Narrative beschäftigen sich deutlich stärker mit dem, was schiefgehen könnte, als mit dem, was man bauen kann. Wenn man wirklich Großes schaffen will, muss man das mit den großen US-Playern tun“, schreibt er per Post.

Und weiter: „Ja, es gibt Risiken. In allem Neuen steckt Risiko – besonders in allem, was Bedeutung hat. Aber wenn man heute im Tech-Bereich – zumindest in der westlichen Welt – etwas wirklich Großes aufbauen will, ist Europa derzeit nicht der Ort, an dem das realistisch möglich ist. Wer wachsen will, muss in ein Umfeld wie das US-Tech-Ökosystem gehen. Andernfalls bremst man sich selbst aus.“

Big Player und Gaps

Auch Wasner weist in diesem Zusammenhang schlicht auf die größten Unternehmen der Welt hin, die nun mal in den USA sitzen: „Daraus folgt, dass man den Impact seiner eigenen Idee maximiert, indem man für eines dieser Unternehmen arbeitet. Ich würde hier allerdings nicht zu viel reininterpretieren“, sagt er zur zugespitzten Frage, ob man als „Österreicher in KI“ nur in den USA Erfolg haben könnte.

Hirschbrich allerdings sieht in dieser Thematik schon längere Zeit diverse, problematische Muster, wie er sagt und teilt sie in drei Faktoren ein: „Beim Execution-Gap entstehen gute Ideen hier, durchaus auch im universitären Umfeld, skalieren aber dann woanders. Beim Capital-Gap fehlen große, risikoaffine Growth-Investments und wir versäumen keinen Event, wo wir nicht auch den fehlenden europäischen Kapitalmarkt samt EU Inc. bejammern. Beim Ambition-Gap gibt es zu wenig Fokus auf globale Marktführerschaft. Das ist wirklich eine DNA-Sache. Es wird nur wenigen mitgegeben, die DNA groß zu denken. Aber es gibt sie.“

Oder anders und abschließend in Demuths Worten gesagt: „Wenn man Veränderung und Innovation nicht annimmt, fällt man zurück. Und im Fall Europas bedeutet das, noch weiter zurückzufallen. Also bitte: Lasst uns endlich eine positivere und offenere Haltung einnehmen und Veränderungen sowie Chancen annehmen. Denn Angst ist ein schreckliches Fundament für Innovation.“

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Manuel Prohaska ist Gründer von MPC² | (c) LA-Cinematics / MPC²

Es ist eines dieser Themen, mit denen sich Normalverbraucher:innen im Alltag zwar nicht beschäftigen, die aber letztlich indirekt alle betreffen: Korrosionsprüfung. Oder sehr vereinfacht gesagt: Rohre müssen leckagefrei sein und bleiben, vor allem dort, wo nicht nur sinnbildlich mit Hochdruck gearbeitet wird.

Doch die Überprüfung der Korrosionsbeständigkeit kritischer Komponenten bei bestehenden Anlagen ist mit dem derzeitigen Standard-Prozedere schwierig bis schlicht unmöglich. „Die regelmäßige Korrosionsprüfung ist in manchen Märkten und Anwendungen verpflichtend, kann jedoch verlässlich nur im Labor durchgeführt werden. Dazu müssen Bauteile ausgebaut werden, was teilweise einfach nicht möglich ist. Daher behilft man sich oft mit separaten ‚Qualifizierungsstücken‘, vor allem während der Fertigung der Komponenten. Und dann dauert die Überprüfung im Labor mindestens eine, oftmals bis zu sechs Wochen“, sagt Manuel Prohaska, Gründer des steirischen Startups MPC².

Korrosionsprüfung direkt vor Ort in Stunden statt Wochen

Mit dem patentierten System „Corrosion Ray“ arbeiten er und sein Team an einer Lösung. „Wir versuchen, die Korrosionsprüfung zu revolutionieren, indem wir sie zum Kunden bringen, anstatt der Kunde die Proben zu uns ins Labor“, sagt Prohaska. Mit dem mobilen Gerät lassen sich Rohre und insbesondere deren Schweißnähte ohne Beschädigung direkt vor Ort prüfen. „Wir nutzen dazu elektrochemische Methoden und liefern Ergebnisse, die qualitativ und vor allem quantitativ Laborergebnissen entsprechen“, so der Gründer.

Nicht nur die Überprüfungszeit lasse sich damit von Wochen auf Stunden reduzieren. „Auch der Umweltaspekt ist nicht zu vernachlässigen. Wir sparen mit der Methode im Vergleich zur konventionellen Auslagerungsprüfung 99 Prozent der Energie, brauchen kaum Chemikalien und deutlich weniger Wasser“, sagt Prohaska. Für Kunden sei aber der finanzielle Aspekt am entscheidendsten. „Bei großen Anlagen bedeutet ein Tag Ausfall sechs- bis siebenstellige Einbußen“.

„Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit“

Prohaska weiß sehr genau, wovon er spricht. In seinen früheren beruflichen Stationen baute der studierte Werkstoff- und Korrosionswissenschaftler nicht nur genau die fachliche Expertise auf, die er jetzt mit MPC² umsetzt. Als Geschäftsführer von Betrieben mit mehreren Hundert Mitarbeiter:innen lernte er auch die betriebswirtschaftliche Seite genau kennen.

(c) LA-Cinematics / MPC²

Aktuell befindet sich „Corrosion Ray“ aber noch im fortgeschrittenen Prototypen-Stadium. Die Technologie dahinter nicht: Schon jetzt setzen mehrere Stahlkonzerne, Komponenten-Hersteller und Chemie-Riesen, die auch die Zielgruppe für das neue System sind, auf die bestehenden Korrosionsprüfungs-Angebote von MPC² – teilweise mit sechsstelligen Auftragseingängen. „Wir haben einen speziellen Prüfstand, mit dem wir unsere Methode auch mit konventionellen Korrosionsprüfungen vergleichen. Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit, als mit den alten Methoden, die lange dauern und gleichzeitig relativ ungenau sind“, so Prohaska.

Mit Predictive Maintenance auf den Weltmarkt

Momentan ist das Angebot mit diesem Prüfstand noch der lukrativste Geschäftsbereich des Unternehmens. In den kommenden Jahren soll sich das ändern. Bis 2035 will MPC² auf 60 Millionen Euro Jahresumsatz anwachsen. Davon soll „Corrosion Ray“ laut Plan 65 bis 70 Prozent bringen. Technologisch soll dann der Bereich Predictive Maintenance im Zentrum stehen. „Wir können Kunden schon jetzt sehr genau sagen, wo es in ein paar Jahren Probleme beim Material geben wird. Mit den Daten, die wir jetzt dazu sammeln, wollen wir diese Lebensdauer-Vorhersage mit Hilfe von KI künftig noch deutlich präziser machen“, erklärt Prohaska.

Um diese Ziele umzusetzen, will das vierköpfige Team in einem ersten Schritt 600.000 Euro Investment-Kapital aufnehmen, mit dem die Kleinserienfertigung von „Corrosion Ray“ aufgebaut werden soll. „Wir halten schon jetzt Ausschau nach strategischen Investoren. Noch wichtiger werden die, wenn es in einigen Jahren an die große Produktion geht“, sagt der Gründer. Dann sei auch eine größere Kapitalrunde geplant.

aws als größter Fördergeber – „sonst wären wir nicht so weit gekommen“

Bislang finanziert sich das Unternehmen aus den eigenen Umsätzen und aus Förderungen. Dank der hohen Auftragseingänge werden kommendes Jahr die Unternehmenseinnahmen erstmals den Förderbetrag übersteigen. Dennoch sei man noch auf die Fördergelder angewiesen. „Den mit Abstand größten Anteil beim Fördervolumen hatten die Programme aws Preseed und aws Seedfinancing – Deep Tech“, erzählt Prohaska. „Das war extrem wichtig, sonst wären wir nicht so weit gekommen.“ Dabei betont der Gründer auch das Service: „Wenn man etwas gebraucht hat, waren sie immer da.“


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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