23.07.2020

Austro-Projekt für smarte Baustellen gewinnt German Innovation Award

Sclable, die CONTAKT GmbH und LineMetrics digitalisieren gemeinsam Baustellen.
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(c) Umdasch / Sclable

Digitalisierung macht auch vor der Baubranche nicht Halt, auch hier wurden Prozesse und Geschäftsmodelle in den vergangenen Jahren zunehmend digitalisiert. Oft gehören Ineffizienzen hier aber noch immer zum Alltag, auf den Baustellen selbst werden Daten selten systematisch digital erfasst und analysiert. Hier setzt die CONTAKT GmbH, ein Unternehmen der Umdasch Group Ventures, gemeinsam mit Sclable an: Mit der neue entwickelten Baueffizienzplattform werden Echtzeitdaten auf Baustellen erfasst, analysiert und verknüpft. Das digitale Produkt aus Österreich, welches auf ersten Baustellen bereits eingesetzt wird, hat nun den German Innovation Award gewonnen.

„BIM“ für bessere Baustellen

Mit der Lösung werden nicht nur Daten gesammelt, sondern auch die Planungs- und Koordinationsprozesse am Bau unter Einsatz der “Lean Construction Methode” erfasst. Wichtiger Bestandteil der Software ist das sogenannte „Building Information Modeling“ (kurz BIM).

BIM beschreibt ein Verfahren zur digital vernetzten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung der Baustelle bis zum Abriss oder Umbau. Dabei kann es bis zur virtuellen geometrischen Darstellung der Baustelle kommen, also einem digitalen Zwilling. Das schafft mehr Transparenz im gesamten Baustellenablauf und Optimierungsmöglichkeiten können besser identifiziert werden, heißt es von den Unternehmen.

Sensoren auf der smarten Baustelle

Eine weitere Innovation, die auch den Grundstein für den Gewinn des Awards gelegt hat, ist die Platzierung und Nutzung von Sensoren an den Schalungen der Betonwände auf der Baustelle. Damit können unter anderem Härtegrade des Betons genau gemessen werden und so der weitere Verlauf der Baustellenplanung optimiert werden.

Neben der bewährten Frühhärtemessung erkennt die Sensorik Arbeitsabläufe über Bewegung, Neigung, Betonageerkennung und Höhe, womit ein sensorisches Bild der Abläufe auf komplett neuartiger Weise detailliert erfasst werden können.

Sclable, CONTAKT und LineMetrics als Partner

Sclable, die CONTAKT GmbH und LineMetrics – welche die Sensortechnik beigesteuert haben – arbeiten seit über zwei Jahren gemeinsam an der neuartigen Kombination aus Software, Sensorik, und Methoden des Baumanagements. Die Kooperation nahm dabei vielfältige Formen an – von der Produktentwicklung über Prototyping bis zu Tests auf den ersten Baustellen.

Dazu Martin Sirlinger, CEO von Sclable: “CONTAKT ist für uns ein ideales Beispiel der digitalen Transformation. Mehrwert schafft das Projekt aber erst, wenn uns CONTAKT in einigen Monaten sagt, dass Abläufe am Bau verbessert und z.B. Kosten gespart werden.“

CONTAKT setzt Schritte für die Expansion

CONTAKT ist derzeit auf ausgewählten Baustellen in Österreich, Deutschland und Schweiz im Einsatz. Im nächsten Jahr will man die Software in Westeuropa und darüber hinaus ausrollen.

Lucas Winter, Managing Director von CONTAKT, denkt bereits weiter: „Der Gewinn des Awards wird der Umsetzung unserer Digitalisierungsvorhaben weiteren Aufwind geben. Es gilt jetzt mit unseren Kunden und Partnern die Details zu schärfen und die Mehrwerte für Kunden und uns skalierbar zu verankern“, sagt er: „Der Bedarf nach und die Potenziale aus effizienteren und datengetriebenen Bauen sind enorm. Gewinner ist, wer es schafft, die Anwender intuitiv und überzeugend zu einer neuen Arbeitsweise zu bewegen. Die Daten im Hintergrund bergen großes Potenzial für die gesamte Branche vom Entwickler über die Baustellenteams bis zu Gebäudebetreibern.“

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Vlnr: Mag. Markus Manz (CEO SCCH Innovations GmbH) und die Gründer*innen von LUML, Nikita Gonchar, Oleh Kostromin und Iryna Kondrashchenko | (c) SCCH

Das Software Competence Center Hagenberg forscht als COMET-Zentrum seit Jahren für Industriepartner wie Siemens, Bosch oder Fronius. Mit der SCCH Innovations GmbH will das oberösterreichische Forschungszentrum seine Ergebnisse zusätzlich auch selbst in Unternehmen überführen, statt sie ausschließlich an Auftraggeber weiterzugeben. „Es war mir immer ein besonderes Anliegen, dass die Ergebnisse unserer Forschung nicht mit dem Abschluss eines Forschungsprojekts enden, sondern ihren Weg in die wirtschaftliche Anwendung finden“, sagt Markus Manz, CEO der SCCH Innovations GmbH.

Rund 30 Unternehmen als Ziel

Im Gespräch mit brutkasten formuliert Manz ein ambitioniertes Zielbild: Rund 30 Beteiligungen sollen bis 2030 und darüber hinaus realisiert bzw. aufgebaut  werden. Die Vision beschreibt er als Unendlichsymbol (∞), welches das Forschungs- und das Gründerökosystem iterativ verbindet. Tiefe Technologien aus der angewandten Forschung sollen in Unternehmensgründungen überführt werden, die Rückflüsse daraus wiederum die Forschung speisen. Es gehe dabei nicht darum, eine App zu entwickeln, betont Manz, sondern darum, tiefe Technologien aus der eigenen Forschung mit Industriepartnern und Universitäten in Unternehmensgründungen zu bringen. Ein vergleichbares Modell, bei dem ein angewandtes Forschungszentrum eine eigene Beteiligungsgesellschaft betreibt, kenne er aus seiner Recherche nicht.

Die Gesellschaft soll zu Beginn mit rund 500.000 Euro kapitalisiert werden. Große Einzelinvestments sind damit nicht geplant: Die Ticketgröße für Erstinvestments liegt laut Manz bei maximal 100.000 Euro. Das Startkapital soll Gründer:innen helfen, die erste Phase zu überbrücken, Förderungen einzureichen und das Produkt weiterzuentwickeln. Noch heuer sind drei weitere Beteiligungen geplant, zwei davon im Deep-Tech-Bereich und eine im Dienstleistungsbereich, um schneller rekapitalisieren zu können.

Die Wege in den Markt

Die SCCH Innovations GmbH verfolgt mehrere Beteiligungsmodelle. Bei klassischen Spinoffs aus Forschungsprojekten setzt das Forschungszentrum bewusst auf externe, erfahrene Gründer:innen statt auf die eigenen Forscher:innen. Diese erhalten die Mehrheit der Anteile, während sich das SCCH einen bis zu einem vereinbarten Unternehmenswert nicht verwässerbaren Minderheitsanteil sichert. Dazu kommen Joint Ventures mit Unternehmenspartnern, etwa die gemeinsam mit TÜV AUSTRIA gegründete TRUSTIFAI, der österreichische Prüf- und Zertifizierungshub für KI-Systeme, sowie strategische Beteiligungen ohne Kapitalfluss.

Das vierte Modell heißt Research for Equity: Das SCCH bringt Forschungs- und Entwicklungsleistungen in ein Startup ein und erhält dafür, ganz oder teilweise anstelle einer klassischen Vergütung, Unternehmensanteile. „Mit diesen unterschiedlichen Modellen schafft die SCCH Innovations GmbH neue Möglichkeiten für den Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft“, so Manz.

Erste Beteiligungen

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die erste Beteiligung der neuen Gesellschaft. Oleh Kostromin, Data Scientist am SCCH, hat gemeinsam mit Iryna Kondrashchenko und Nikita Gonchar die LUML FlexCo gegründet. Die entwickelte Plattform soll Data Scientists helfen, Machine-Learning-Modelle schneller in die Praxis zu bringen, und ist von Anfang an darauf ausgelegt, dass Menschen und KI-Agenten gemeinsam an ML-Projekten arbeiten. „LUML läuft auf der Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens. Die Daten und Modelle verlassen die Unternehmensumgebung nicht“, sagt Kostromin.

An LUML hält die SCCH Innovations GmbH auf brutkasten-Nachfrage fünf Prozent, als reine strategische Beteiligung ohne Kapitalfluss. Laut Manz bringt das SCCH dafür vor allem Zugang zu seinem Industrienetzwerk, eine gemeinsame Vermarktungskampagne und Mitarbeiterstunden ein und setzt die Plattform in eigenen Forschungsprojekten ein. Zusätzliches Kapital habe das Startup nicht benötigt, weil das Produkt bereits fertig entwickelt war. Der bewusst niedrige Anteil soll LUML für spätere Investoren attraktiv halten. Das Wachstum soll vorerst gebootstrapped erfolgen, je nach Entwicklung sind laut SCCH aber auch eigene Finanzierungsrunden denkbar.

Das SCCH gehört als Mitglied des UAR Innovation Network zu den Beteiligungsgesellschaften der Upper Austrian Research GmbH und beschäftigt derzeit rund 130 Mitarbeiter:innen. Bereits im Jänner hatte sich das Forschungszentrum am KI-Spin-off Responsible Annotation Services beteiligt (brutkasten berichtete) und hält weitere Beteiligungen, die zukünftig auf die SCCH Innovations GmbH übertragen werden sollen.

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Austro-Projekt für smarte Baustellen gewinnt German Innovation Award

  • Digitalisierung macht auch vor der Baubranche nicht Halt, auch hier wurden Prozesse und Geschäftsmodelle in den vergangenen Jahren zunehmend digitalisiert.
  • Oft gehören Ineffizienzen hier aber noch immer zum Alltag, auf den Baustellen selbst werden Daten selten systematisch digital erfasst und analysiert.
  • Hier setzt die CONTAKT GmbH, ein Unternehmen der Umdasch Group Ventures, gemeinsam mit Sclable an: Mit der neue entwickelten Baueffizienzplattform werden Echtzeitdaten auf Baustellen erfasst, analysiert und verknüpft.
  • Mit der Lösung werden nicht nur Daten gesammelt, sondern auch die Planungs- und Koordinationsprozesse am Bau unter Einsatz der „Lean Construction Methode“ erfasst.
  • CONTAKT ist derzeit auf ausgewählten Baustellen in Österreich, Deutschland und Schweiz im Einsatz.
  • Im nächsten Jahr will man die Software in Westeuropa und darüber hinaus ausrollen.

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