02.08.2019

Wie ein Corporate Innovation Hub in einem Traditionsbetrieb funktioniert

Die Umdasch Group hat im Jahr 2017 mit der Umdasch Group Ventures GmbH ein neues Tochterunternehmen gegründet, in dem losgelöst vom Tagesgeschäft neue Geschäftsmodelle entstehen können. Die Innovationsschmiede beschäftigt sich mit Megatrends, den neuesten Technologien und globalen Herausforderungen, um daraus zukunftsfähige Geschäftsmodelle abzuleiten.
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Viele Unternehmen haben sich Innovation als Leitsatz auf die Fahne geschrieben – allerdings sieht die Realität oft anders aus: Meist werden dringende Agendapunkte gegenüber jenen vorgezogen, die langfristig wichtig wären, und oft steht das Erzielen eines schnellen Return on Investment im Vordergrund. So bleiben radikale Innovationen auf der Strecke, die langfristig wirken können, aber ein hohes Risiko mit sich bringen. Die Herausforderung besteht darin, gleichzeitig gut im Ausnutzen von Bestehenden, dem operativem Geschäft, und im Erkunden und Verwerten von Neuem zu sein.

Diese Herausforderung hat die Umdasch Group erkannt und im Jahr 2017 neben Doka und Umdasch The Store Makers mit der Umdasch Group Ventures GmbH ein drittes Tochterunternehmen gegründet, das sich nur mit potentiell disruptiven Innovationen beschäftigt. Es hat etliche Vorteile, dass es sich dabei um ein eigenständiges Unternehmen  handelt: Innovation passiert völlig losgelöst vom bestehenden Geschäft. Durch kleine Teams und kurze Entscheidungswege ist agiles Arbeiten möglich – während man zugleich Zugriff auf die starken Wurzeln des Mutterunternehmens und ein internationales Netzwerk hat. In Summe nutzt die Umdasch Group Ventures GmbH also Startup-Strukturen und ist zugleich in ein international erfolgreiches Familienunternehmen mit 150jähriger Tradition eingebettet.

Neue Geschäftsfelder statt neuer Produkte

Die Inhalte und Vorgehensweise sind bei der Umdasch Group Ventures GmbH somit auch andere als bei den Schwesterunternehmen: Während bei doka und Umdasch The Store Makers der Fokus auf Produkten und Services liegt, beschäftigt man sich bei der Ventures-Schwester mit neuen Geschäftsfeldern. Und während die beiden ursprünglichen Schwesterunternehmen sich in erster Linie mit ihrem Kerngeschäft auseinandersetzen, betrachtet man bei Umdasch Group Ventures ganzheitlich die Themen Bau und Handel.

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In der Praxis bedeutet das, dass man sich bei Umdasch Group Ventures mit Megatrends und deren Auswirkungen, sowie mit neuen Technologien beschäftigt, um daraus mögliche Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dazu gehört auch, dass man sich mit Themen beschäftigt, die weit in der Zukunft liegen.

Projekte mit externer und interner Unterstützung

Wenn das Team ein Thema findet, aus dem ein neues Business entstehen kann, so wird daraus ein New Business Development Projekt definiert, für das ein Projektleiter gesucht wird. Dabei kann es sich um den Mitarbeiter handeln, der das Thema entdeckt  oder es wird die Stelle extern und innerhalb der gesamten Umdasch Gruppe ausgeschrieben.

Der Projektleiter ist daraufhin für das gesamte Projekt verantwortlich, von der Entwicklung des Geschäftsmodells bis zur technischen Lösung. Zugriff auf Technologien oder Know-How beschafft sich die Umdasch Group Ventures entweder durch Beteiligung an jungen Technologieunternehmen (reifen Startups) oder durch die Zusammenarbeit mit externen Partnern. Das ist vor allem deswegen sinnvoll, weil es sich meist um neue Technologien handelt, für die innerhalb des Unternehmens das erforderliche Wissen zu diesem Zeitpunkt oft noch nicht aufgebaut ist. Weiters bekommt der Ventures-Arm über Shared Services des gemeinsamen Konzerns Unterstützung, etwa in Sachen Einkauf, Recht, Technologie, sowie beim Kontakt zu Kunden, Lieferanten und anderen Stakeholdern.

Neue Unternehmen entstehen

Funktioniert das Produkt schließlich auf technischer Ebene und ist das Geschäftsmodell zur Marktreife fertig entwickelt, so steht das Projekt vor dem offiziellen Launch. Dazu wird meist ein neues Tochterunternehmen etabliert, so wie zu Jahresbeginn die Contakt GmbH und die Neulandt GmbH gegründet wurden. Der Projektleiter hat die Möglichkeit, das Unternehmen selbst aufzubauen. Das kann herausfordernd sein, zumal man für die innovative Generierung von Ideen und die operative Umsetzung eines laufenden Geschäfts jeweils andere Kompetenzen und Leidenschaften braucht.

Lucas Winter hat diesen Spagat gemeistert. Contakt wurde von ihm vor zwei Jahren als Projektleiter gescouted und wird nun von ihm als Geschäftsführer aufgebaut und geführt. Das Unternehmen beschäftigt sich mit dem Messen von Daten am Bau und dem daraus resultierenden Optimieren von Prozessen. Maria Tagwerker-Sturm wiederum war im Unternehmen für Kommunikation und Innovation zuständig. Dabei hat sie sich mit dem Thema Retail beschäftigt und ein neues Thema entdeckt. Die Position des Projektleiters wurde ausgeschrieben, Tagwerker-Sturm hat sich dafür beworben und ist nun dafür verantwortlich. “Das ist eine großartige und extrem spannende Herausforderung”, sagt sie: “Ich hab nun die Chance, wenn die Innovation und Entwicklung erfolgreich sind, ein neues Unternehmen in einem Unternehmen aufzubauen.”


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Zwei der PlanRadar-Co-Founder, Sander van de Rijdt und Ibrahim Imam | (c) PlanRadar
Zwei der PlanRadar-Co-Founder, Sander van de Rijdt und Ibrahim Imam | (c) PlanRadar

Das Unternehmen konnte sein Standing innerhalb Österreichs in den vergangenen Jahren konstant halten: 2013 in Wien gegründet zählt PlanRadar zu den erfolgreichsten Scaleups im Land – nicht zuletzt wegen seiner anhaltenden internationalen Expansion. Nun legte das Unternehmen seinen Jahresabschluss 2025 und einen begleitenden Lagebericht vor, die nicht nur Einblicke in die Finanzen geben.

Umsatz steigt auf 33,64 Millionen Euro

Aber zunächst zu den zentralen Kennzahlen: Im vergangenen Jahr erzielte die Wiener PlanRadar GmbH, die nach wie vor als Muttergesellschaft der internationalen Gruppe fungiert, Umsatzerlöse in Höhe von 33,64 Millionen Euro nach 31,97 Mio. Euro im Vorjahr. Das entspricht einer Steigerung von 5,24 Prozent. Und das „trotz eines herausfordernden Marktumfelds“ im europäischen Kernmarkt, wie die Geschäftsführung im Lagebericht festhält. Zu beachten ist hier, dass es sich um den Einzelabschluss der GmbH handelt und für die internationalen Tochtergesellschaften keine Zahlen vorliegen. Der ausgewiesene Umsatz enthält auch sogenannte Intercompany-Umsätze, da die Muttergesellschaft ihren Vertriebstöchtern konzernintern Lizenzgebühren für die Softwarenutzung verrechnet.

Als wesentliche Treiber der Entwicklung im Jahr 2025 nennt das Unternehmen „sowohl die Akquise neuer Kunden als auch die Erweiterung bestehender Verträge“. Während der europäische Markt unter den Nachwehen des Rückgangs im Wohnungsbau gelitten habe, sei die Konjunktur in den Wachstumsmärkten MENA (Middle East / Northern Africa) und APAC (Asia Pacific), wo Großprojekte für eine erhöhte Nachfrage sorgten, dynamischer verlaufen, heißt es weiter. Gerade in der MENA-Region hat sich die Gesamtlage bekanntermaßen seitdem geändert: Im Lagebericht weist die Geschäftsführung explizit auf eine erhöhte geopolitische Unsicherheit infolge des Konflikts im Iran hin. Zudem musste ein konzerninternes Darlehen an die Tochtergesellschaft in Dubai bereits vollständig abgeschrieben werden.

Zudem gab es 2025 laut Lagebericht Konsolidierungsmaßnahmen in mehreren Märkten. So wurden die Tochtergesellschaften in Brasilien und der Schweiz im Geschäftsjahr 2025 geschlossen, in Deutschland läuft eine Liquidation und der Rückzug aus Russland dauere aufgrund bürokratischer Hürden weiter an.

Sprung beim Betriebsergebnis (EBIT)

Auf operativer Ebene konnte die PlanRadar GmbH ihre Profitabilität deutlich steigern. Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg laut Jahresabschluss von 2,52 Millionen Euro im Vorjahr auf 3,98 Millionen Euro im Jahr 2025 – ein Zuwachs von knapp 58 Prozent. „Diese Entwicklung spiegelt die fortgesetzte Ausrichtung des Unternehmens auf effizientes Wachstum wider“, heißt es von der Geschäftsführung dazu im Lagebericht.

Hauptverantwortlich für die verbesserte operative Marge war eine erhöhte Kosteneffizienz. Laut der im Lagebericht enthaltenen Kostenanalyse blieben die Marketingkosten im Verhältnis zum Umsatz konstant bei drei Prozent, während der Personalaufwand im Verhältnis zum Umsatz von 48 Prozent im Vorjahr auf 42 Prozent sank. Die durchschnittliche Mitarbeiteranzahl stieg gleichzeitig von 144 auf 157 Personen. Ein Wermutstropfen blieb dabei laut Bericht die Zahlungsmoral mancher Kunden: Wegen Uneinbringlichkeit mussten 2025 Forderungen in Höhe von 344.000 Euro abgeschrieben werden – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 190.000 Euro im Jahr 2024.

Negativer Finanzerfolg sorgt unterm Strich für Minus

Dem positiven Betriebsergebnis steht beim Finanzerfolg ein Minus von 4,71 Millionen Euro gegenüber (2024: minus 5,55 Millionen Euro). Dieser Posten ist maßgeblich durch Aufwendungen aus Finanzanlagen in Höhe von 6,72 Millionen Euro geprägt. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Abschreibungen auf Ausleihungen an (internationale) Tochtergesellschaften. Dem standen teilweise Wertzuschreibungen bei Finanzanlagen in Höhe von rund 393.000 Euro gegenüber. Zudem wurde ein Teil des Darlehens an die italienische Tochtergesellschaft zur Finanzierung in Eigenkapital umgewandelt, womit die Wiener Muttergesellschaft einen entsprechenden Forderungsverzicht übte.

Unterm Strich ergibt sich ein Jahresfehlbetrag von minus 732.699 Euro. Der Verlust konnte gegenüber dem Vorjahresfehlbetrag (-3,02 Millionen Euro) dabei um mehr als 75 Prozent reduziert werden. Unter Berücksichtigung des Verlustvortrags aus Vorjahren (-52,89 Millionen Euro) lag der Bilanzverlust zum 31. Dezember 2025 bei minus 53,62 Millionen Euro.

17 Millionen Euro liquide Mittel

Zur Einordnung der finanziellen Gesamtlage und der Risikostruktur verweist das Unternehmen auch auf seine Barreserven und den operativen Zahlungsstrom. Die liquiden Mittel erhöhten sich demnach auf rund 17 Millionen Euro (2024: ca. 15 Millionen Euro). Der Cashflow aus der Betriebstätigkeit stieg auf 5,38 Millionen Euro nach 3,66 Millionen Euro im Jahr 2024.

„Wachstumsaussichten bleiben optimistisch“

Für die Weiterentwicklung setzt PlanRadar laut Lagebericht weiterhin auf Produktinnovationen und Expansion. Im Geschäftsjahr 2025 wurden 4,06 Mio. Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben und durchschnittlich 37 Mitarbeiter in diesem Bereich beschäftigt. Neben KI-gestützten Funktionen hebt das Unternehmen die Markteinführung der Technologie „PlanRadar SiteView 360°“ hervor.

Und wie geht es weiter? „Trotz der anhaltenden Herausforderungen bleiben unsere Wachstumsaussichten aber optimistisch. Das Unternehmen strebt eine moderate Umsatzsteigerung an, während wir unsere Dienstleistungen über die Bauindustrie hinaus auf Branchen wie Facility Management und Brandschutz ausweiten“, heißt es von der Geschäftsführung.

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