Die Mobilfunker A1 und Magenta haben angesichts der Lage in der Ukraine die Roaminggebühren für dieses Land teilweise ausgesetzt. Kostenlos sind bei A1 Telefonate und SMS von und in die Ukraine für Kund:innen. Magenta-Chef Bierwirth bestätigte zunächst am Freitag kostenfreie Telefonate von und in die Ukraine. Am Freitagnachmittag gab auch der Provider Drei bekannt, die Kosten für Telefonate und SMS für ein Monat auszusetzen.
Die „üblichen Roamingkosten“ würden außerdem auch bei der Nutzung mobiler Daten entfallen, schreibt A1 in einer Aussendung. Das gelte für die Marken A1, yesss!, bob, Red Bull Mobile und XOXO „bis auf Widerruf“. „All jene A1 Kund:innen, die ihre Angehörigen, Freunde oder Geschäftspartner in der Ukraine erreichen möchten, tun dies ab sofort bis auf Widerruf kostenlos von ihrem A1 Handy oder A1 Festnetz aus“, so der Provider.
Warnung vor verdächtigen Mails oder Links
Bierwirth schrieb am Freitag auf LinkedIn, dass die Geschäftsführung entschieden habe, die Kosten für Telefonate für 14 Tage auszusetzen. „Die Erreichbarkeit von Familien, Freunden und Mitarbeitern in dieser Situation wollen wir nicht als Geschäft nutzen, sondern für unsere Kunden da sein“, so Bierwirth. Mitarbeiter:innen bot er psychologischen Support an und bat Kund:innen um erhöhte Vorsicht in Bezug auf verdächtige Links und E-Mails. Magenta arbeite derzeit mit „maximaler Aufmerksamkeit“ an Gefahren wie Cyber-Attacken.
„Sprungbrett statt Schutzwall“: Sieben Leitbetriebe starten Initiative für digitale Souveränität
Sieben österreichische Leitbetriebe wollen Europas technologische Unabhängigkeit vorantreiben – nicht als Abschottung, sondern als Standortchance. Heute wurde in Wien die „Initiative Digitale Souveränität" vorgestellt. Ihr konkretester Vorschlag: ein Gütesiegel für digitale Souveränität in der öffentlichen Beschaffung.
„Sprungbrett statt Schutzwall“: Sieben Leitbetriebe starten Initiative für digitale Souveränität
Sieben österreichische Leitbetriebe wollen Europas technologische Unabhängigkeit vorantreiben – nicht als Abschottung, sondern als Standortchance. Heute wurde in Wien die „Initiative Digitale Souveränität" vorgestellt. Ihr konkretester Vorschlag: ein Gütesiegel für digitale Souveränität in der öffentlichen Beschaffung.
Bei Energie und bei Verteidigung hat Europa spät und teuer gelernt, was strategische Abhängigkeit kostet. Im Digitalen – bei Betriebssystemen, Cloud und Künstlicher Intelligenz – ist die Abhängigkeit von wenigen außereuropäischen Anbietern mindestens genauso groß. Genau dort will eine neue Allianz heimischer Leitbetriebe gegensteuern.
Getragen wird die „Initiative Digitale Souveränität“ von A1 Telekom, Anexia, Erste Bank, Keba Group, Spar ICS, Umdasch Group und der Vienna Insurance Group – sieben Unternehmen aus sieben Branchen. Gemeinsam wollen sie Initiativen und Pilotprojekte vorantreiben, um den Digitalstandort Österreich und Europa zu stärken, mit besonderem Fokus auf den Schutz kritischer Infrastruktur.
Die Stoßrichtung ist dabei ausdrücklich keine defensive. „Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit und europäische Alternativen — besonders bei kritischen Daten“, sagte A1-Deputy-CEO Thomas Arnoldner. Souveränität sei kein Schutzwall, sondern ein Sprungbrett – und man müsse sie aufbauen, bevor man sie brauche.
Vorschlag: ein Gütesiegel für die öffentliche Beschaffung
Der konkreteste Vorschlag steht im Positionspapier selbst: ein „Gütesiegel für Souveränität“ für die öffentliche Beschaffung. Es soll verlässliche Qualitätsstandards im Cloud-Bereich sichtbar machen, Transparenz schaffen und sogenanntem „Sovereign-Washing“ vorbeugen – also dem bloßen Etikett „souverän“ ohne echte Substanz. Zugleich soll digitale Souveränität in den Bewertungskriterien öffentlicher Vergaben verankert werden; für besonders sensible Daten aus Verwaltung, Gesundheit oder Bildung schlägt die Initiative europäische beziehungsweise österreichische „Souveränitätszonen“ vor.
Keba-CEO Christoph Knogler führte den Gedanken bei der Pressekonferenz aus Industriesicht aus: Ein solches Siegel müsse nachvollziehbar ausweisen, wo Daten gespeichert und verarbeitet werden, wer die Infrastruktur betreibt und in welchem Rechtsraum das geschieht. Berücksichtige die öffentliche Hand Souveränität bei ihren Vergaben, sei das kein bürokratisches Zusatzmerkmal, sondern ein Qualitätskriterium. Zusätzlich warb Knogler dafür, nicht jede Anwendung in der Cloud zu betreiben: On-Device- und On-Edge-KI könnten sensible Daten direkt an Gerät oder Maschine verarbeiten.
Hinter der Debatte steht ein juristischer Kern. Auf Nachfrage aus dem Publikum verwiesen die Initiatoren auf den US Cloud Act als zentrales Problem bei der Frage, welchem Rechtsraum in Europa verarbeitete Daten unterliegen. Fertige Kriterien für das Gütesiegel gebe es noch nicht – die Arbeit laufe auf europäischer wie nationaler Ebene.
Anexia-CEO Alexander Windbichler brachte einen regulatorischen Vergleich ins Spiel: Wie einst im Telekom- und Energiemarkt die Netze geöffnet wurden, ohne Produkte vorzuschreiben, könnte im Cloud-Bereich eine klare Trennung zwischen Software und Betrieb – samt offener Schnittstellen – für fairen Wettbewerb sorgen.
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