08.11.2018

Umfrage: Österreichs EPU und KMU fehlt Bewusstsein für IT-Sicherheit

Menschliches Fehlverhalten und mangelndes Verständnis im Umgang mit IT-Systemen zählen zu den Hauptgründen für IT-Probleme von EPU und KMU, so eine aktuelle Umfrage der Fachgruppe UBIT der Wiener Wirtschaftskammer unter IT-Dienstleistern. Die Fachgruppe sieht Aufholbedarf in der Ausbildung.
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UBIT-Umfrage zur IT-Sicherheit Wien
(c) fotolia - valerybrozhinsky

Die IT-Sicherheit bei mittelständischen Unternehmen scheitert meist am Menschen, nicht an der Technik. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Fachgruppe UBIT der Wiener Wirtschaftskammer unter 114 Wiener IT-Dienstleistern, die Auskunft über die häufigsten Probleme ihrer Kunden gaben. „Menschliche Fehlverhalten“ als Ursache für Datenverlust oder Systemausfälle wird von den IT-Spezialisten mit 87,4 Prozent als häufigstes Problem genannt. Mit 68,1 Prozent folgen „Viren und Schadsoftware“, wobei sich laut UBIT auch dieses Problem auf den falschen Umgang der Nutzer zurückführen lässt. Als weitere Stolpersteine nennen die Befragten „nicht aktualisierte Software“ (40,4 Prozent) und „fehlende Backups“ (39,6 Prozent). „Physischer Diebstahl“ oder „Cybercrime-Attacken“ zählt hingegen nur jeder Fünfte zu den Ursachen von Datenverlust und Systemausfällen.

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Unternehmen handeln erst nach Eintritt des Problems

Aus der Umfrage geht weiters hervor, dass sich drei von vier Unternehmen erst nach Eintritt des Problemfalls an professionelle IT-Experten wenden. Martin Puaschitz, Obmann der Fachgruppe UBIT, sieht den Grund dafür in einer fehlenden Sensibilisierung. „Vor allem kleinere Unternehmen wähnen sich oft fälschlicherweise in Sicherheit. Ganz nach dem Motto ‘Was soll mir schon passieren?’. Das führt dazu, dass viele Unternehmen wenig bis kaum finanzielle Mittel für die IT ausgeben“, so Puaschitz. 

Mangel an IT-Sicherheit führt zu finanziellen Schäden

Die Umfrage unter den IT-Dienstleistern zeigt zudem, dass Schwachstellen in der IT-Sicherheit meist mit finanziellen Schäden für EPU und KMU einhergehen. Am häufigsten werden Umsatzverluste sowie entgangene Gewinne (79,4 Prozent) genannt. Auch einen Imageverlust bei Kunden und Lieferanten (59,9 Prozent) ziehen IT-Probleme mit sich, was auf längere Sicht ebenfalls den Unternehmenserfolg bedrohen kann. Lediglich 15 Prozent der IT-Dienstleister meinen, dass IT-Probleme keine unmittelbaren Effekte auf das unternehmerische Handeln ihrer Kunden haben. Auf Grundlage dieser Ergebnisse appelliert die UBIT, dass sich Unternehmer bereits vor dem Eintreten von Schadensfällen professionelle Unterstützung ins Boot holen.

UBIT sieht Aufholbedarf bei Bildung

Die UBIT sieht jedoch nicht nur die Unternehmer gefordert, sondern auch die Politik. Um dem fehlenden Bewusstsein entgegenzuwirken, müssten IT-Themen im Lehrplan einen größeren Stellenwert bekommen, so Puaschitz. „Wir müssen sowohl die Ausbildung von Fachkräften forcieren, aber auch das allgemeine Bildungsniveau in Bezug auf die IT heben. Besseres Verständnis führt auch dazu, dass die Anwender sicherer im Umgang mit digitalen Systemen sind.“

⇒ zur Page der Fachgruppe UBIT

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Er ist seit vielen Jahren einer der obersten Punkte auf der politischen Wunschliste der heimischen Startup-Szene: der Beteiligungsfreibetrag. Das Prinzip ist schnell erklärt: Man kann mit ihm Startup-Investments bis zu einem gewissen jährlichen Betrag von der Steuer absetzen. Das soll einen starken Anreiz schaffen, Risikokapital anderen Veranlagungsformen vorzuziehen und somit mehr privates Kapital für Startups mobilisieren.

Die genaue Ausgestaltung wäre bei einer möglichen Umsetzung Gegenstand politischer Verhandlungen. Die Forderungen aus dem Ökosystem gehen bis zu einem Betrag von 500.000 Euro pro Jahr, wie etwa in der „Vision 2030“ von invest.austria, AustrianStartups, Junge Wirtschaft und StartupNOW aus dem Jahr 2024. Großes internationales Vorbild ist das Vereinigte Königreich, das unter anderem dank eines solchen Modells konstant die mit Abstand höchsten Startup-Investment-Volumina Europas vorweist.

Bei der SPÖ nicht durchzubringen

Doch im Gegensatz zur anderen großen Forderung des heimischen Startup-Ökosystems, dem Dachfonds, der mittlerweile im Entstehen ist, schaffte es der Beteiligungsfreibetrag 2025 nicht ins schwarz-rot-pinke Regierungsprogramm. Hinter vorgehaltener Hand wird der Grund dafür in ÖVP-Kreisen klar benannt: Der Vorschlag sei beim Koalitionspartner SPÖ nicht durchzubringen. Im Frühling 2024, also noch in der Opposition, äußerte sich SPÖ-Chef Andreas Babler, konkret auf das Thema angesprochen, gegenüber brutkasten knapp, aber deutlich: „Steuerbegünstigungen für private Investoren, die in der Regel zu den Top 1 Prozent der Einkommens- und Vermögensverteilung zählen, sind keine Priorität der SPÖ.“

Für Zehetner „nächster logischer Schritt“

On the record ging man dem Thema in der ÖVP seit der Regierungsbildung 2025 dagegen mit Verweis auf die Koalitionsvereinbarung lieber aus dem Weg. Bis jetzt. Denn Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner forderte den Beteiligungsfreibetrag nun via LinkedIn-Posting offen ein. Nach dem Dachfonds wäre dieser, „der nächste logische Schritt“, schreibt sie und führt eine EcoAustria-Studie und internationale Vorbilder ins Treffen.

Unverhoffte Schützenhilfe in der Diskussion

Doch woher kommt der plötzliche Mut zur offenen Forderung entgegen dem koalitionären Konsens? Zehetner bekam Anfang dieser Woche eine Steilvorlage aus Deutschland, über die auch brutkasten berichtete. Dort war es nicht etwa CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, sondern mit Lars Klingbeil der amtierende SPD-Chef, Vizekanzler und Finanzminister, der Steuererleichterungen für Startup-Beteiligungen aufs Tapet brachte.

„Deutschland will mehr privates Kapital für Startups mobilisieren. Österreich sollte das auch tun“, schreibt Zehetner und verweist direkt auf die Ankündigung des SPD-Chefs. Das argumentative Kalkül dahinter liegt auf der Hand: Gegen den Vorstoß des deutschen Parteigenossen, dessen Schützenhilfe für Zehetner wohl unverhofft kam, lässt sich in der österreichischen Sozialdemokratie deutlich schwerer argumentieren, als gegen die Dauerforderung aus der liberalen Ecke. Ob dadurch tatsächlich eine offene Diskussion innerhalb der Koalition angestoßen wird, ist freilich zu bezweifeln.

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