05.03.2021

Uber-Österreich-Chef: „Enormer Rückgang der Fahrgäste“ durch Taxitarife

Seit März kann man nach langen Rechtsstreitigkeiten in Wien wieder ohne Taxameter Uber fahren. Uber-Österreich-Chef Martin Essl erzählt im Interview, ob er mit der Lösung zufrieden ist und was das neue Gesetz für Fahrgäste bedeutet.
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Uber Österreich: Martin Essl
Martin Essl ist Chef von © Uber Österreich

Seit 1. März kann man in Wien wieder ohne Taxameter Uber fahren. Seit Jahren tobt in Österreich ein Streit zwischen Taxlern und der neuen Konkurrenz – ein neues Gesetz und neue Tarife sollen die Lösung bringen. Uber-Österreich-Chef Martin Essl erzählt im Interview mit dem brutkasten, ob er mit der Lösung zufrieden ist und was das neue Gesetz nun für Fahrer und Fahrgäste bedeutet. Bonusfrage: Kommt Uber nach Linz?

Seit 1. März sind dank einer Novelle des Gelegenheitsverkehrsgesetzes in Wien wieder Fixtarife möglich. Die genaue Ausgestaltung wird für Mitte März erwartet, jedenfalls ist eine Preisspanne von 20 Prozent auf oder ab möglich – ist Uber jetzt mit dieser Regelung zufrieden?

Martin Essl: Diese Regelung ermöglicht es uns, unser Produkt Uber X wieder einzuführen – da sind wir sehr glücklich. Die Preisregelung von plus-minus 20 Prozent wird erst in Kraft treten wenn die Tarifordnung von der Stadt Wien erlassen worden ist. Ab 1. März gilt das Gelegenheitsverkehrsgesetz, das einen Mindestpreis für die Stadt Wien von 6,60 Euro vorschreibt. Das ermöglicht es uns, weiter im Markt zu bleiben. Schade ist natürlich, dass es tausende Mietwagenlenker betroffen hat, die schon mit 1.1.2021 ihre Existenzgrundlage verloren haben und ihre Services ohne Taxilenkerausweis nicht mehr anbieten können. 

Der Streit geht schon sehr lange, seit ihr jetzt zufrieden und ist das jetzt eine gute Lösung für Uber?

Zufrieden ist glaube ich niemand so recht. Wir haben leider sehr viele Mietwagenlenker verloren. Es werden mit Inkrafttreten der Wiener Tarifverordnung auch Mindest- und Höchstpreise vorgeschrieben. Zufrieden kann man das nicht nennen, aber wir sind zumindest glücklich, dass wir unsere Produkte überhaupt wieder anbieten können. 

Muss man derzeit eigentlich länger auf ein Uber warten, weil es durch die neue Regelung auch weniger Fahrer gibt – Stichwort Taxischein?

Momentan sehen wir dieses Problem zum Glück nicht. Ein Uber ist in wenigen Minuten verfügbar. Wir arbeiten ja mit lizenzierten Taxiunternehmen zusammen, mit denen wir eine sehr gute Partnerschaft aufgebaut haben. Die Lockdowns haben aber natürlich die Nachfrage so geschwächt, dass es auch dadurch keine Engpässe gibt. Wie sich das weiterentwickeln wird, werden wir erst sehen.

Wenn die endgültigen Tarife feststehen, wird Uberfahren im Vergleich zu vergangenen Jahren unterm Strich teurer?

Wir nehmen an, dass es mit den neuen Tarifen eine leichte Erhöhung geben wird. Soweit wir das verstehen wurde der momentane Taxitarif in Wien um 14,8 Prozent erhöht und es wird eine Preisspanne von plus-minus 20 Prozent geben. Das wird zur Folge haben, dass die Mindestpreise wohl doch über den derzeitigen Preisen, wie man sie von UberX kennt, liegen werden. Mit der Preisspanne wird es aber eine gute Möglichkeit geben, Angebot und Nachfrage auszugleichen und auch in Zukunft ein kostengünstiges Produkt anbieten zu können. 

UberX wird also auch in Zukunft billiger sein als der herkömmliche Taxitarif?

Das auf jeden Fall.

Uber konnte im Jänner und Februar nur Taxis mit dem herkömmlichen Taxitarif vermitteln – wie stark ist die Zahl der Buchungen dadurch eingebrochen?

Jetzt zu Beginn des Jahres haben wir gesehen, dass eine Preiserhöhung fast orthogonal mit einem Rückgang der Nachfrage in Verbindung steht. Im Jänner und im Februar haben wir durch die hohen Taxitarife einen enormen Rückgang der Fahrgäste gesehen. Wir sehen jetzt aber auch, dass die Rückkehr von UberX und die flexiblen Preise die Kunden wieder zurückkommen lässt. 

Uber ist 2014 in Österreich gestartet, 2015 gab es die erste einstweilige Verfügung gegen eine Mietwagenfirma, die mit Uber arbeitet. Ab 2018 folgten Fahrtstopps durch das Wiener Handelsgericht und der OGH stellte fest, dass Uber keine reine Technologiefirma ist, sich also an das Mietwagengesetz halten muss. Uber kämpft quasi seit dem Markteintritt in Österreich mit den Regularien – wie oft habt ihr schon ans Aufgeben gedacht und warum kämpft ihr bis heute weiter?

Ans Aufgeben haben wir natürlich nicht gedacht. Wir haben durch die Digitalisierung hier in Österreich einen Markt sehr stark verändert, der auf zu alten Gesetzen aufgebaut ist. Wir haben unser Geschäftsmodell in den letzten Jahren so aufgebaut, dass es auch vom OGH bestätigt und als gesetzeskonform betrachtet wird. Wir wussten auch von Anfang an, dass wir innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen sind, auch wenn das manche Player am Markt nicht so sehen. 

Uber hat nicht nur in Österreich, sondern in vielen Ländern Schwierigkeiten. Wie gut läuft das Geschäft in Österreich im internationalen Vergleich?

Das ist speziell durch Corona schwer zu sagen. Die Lockdowns haben eine unterschiedliche Auswirkung in unterschiedlichen Ländern. Die Wiener lieben aber Uber und ich würde sagen, dass es in den letzten Jahren ein sehr gutes Geschäft gegeben hat und wir freuen uns, wenn das Geschäft mit den Lockerungen auch wieder zurückkommt. 

Denkst du, dass der Streit mit den neuen Tarifen abgeschlossen ist? Die SPÖ hat in einer Aussendung gemeint, dass dieser „Gesetzespfusch endlose Rechtsstreitigkeiten nach sich ziehen wird“. 

Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube, es gibt jetzt hier eine sehr gute Gesetzesgrundlage auf Bundesebene und auf Landesebene. Mit dem Erlass der Wiener Tarifordnung hat die Stadt Wien auch bekannt gegeben, dass es eine Beobachtungsphase von einem Jahr geben wird. Wir sind sehr bereitwillig, auch datenbasiert eine Zusammenarbeit mit der Stadt voranzutreiben und den Tarif weiterzuentwickeln, damit es den Fahrgästen und den Fahrern hilft. 

Ein kleiner Blick in die Zukunft: Was hat sich Uber in den nächsten ein bis zwei Jahren in Österreich vorgenommen?

Wir sind ja zwei Wochen vor der Corona-Pandemie in Salzburg gestartet. Das ist eine Stadt, die sich sehr gut entwickelt – während der Pandemie nur sehr eingeschränkt, aber wir sehen sehr großes Potenzial und machen hier auch weiter. Wir haben unsere Fühler auch Richtung Graz ausgestreckt und evaluieren in den nächsten Wochen, wie sich die Stadt entwickelt. Wir glauben, dass im ländlichen Bereich in Zusammenarbeit mit Taxiunternehmen sehr viel Potenzial liegt und hoffen, dass sich in Österreich diese Form der Mobilität durchsetzen kann. 

Ihr seid in Linz schon einmal Probegefahren – ist Linz ein Ziel für Uber?

Wenn ich mir die Liste der Städte in Österreich anschaue, ist Linz in einem ähnlichen Bereich wie Graz. Es ist natürlich eine Frage der Priorisierung der Ressourcen, aber würde ich nicht vom Tisch nehmen. 

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Rivero
© Rivero - (v.l.) Stephan Wächter, Fatemeh Nikayin und Thomas Müller.

Rivero, die europäische Plattform für Zahlungsoperationen, hat heute bekanntgegeben, dass Elevator Ventures, der Corporate-Venture-Capital-Fonds der Raiffeisen Bank International (RBI), als Investor beim Schweizer Fintech eingestiegen ist. Die Partnerschaft soll Riveros weitere Expansion in Europa unterstützen, mit besonderem Fokus auf die Märkte in Zentral- und Osteuropa. Über die genaue Summe ist nichts bekannt.

Rivero: Kajo und Amiko

Rivero wurde von Thomas Müller, Fatemeh Nikayin und Stephan Wächter gegründet, um Intelligenz und Automatisierung in einige der besonders komplexen operativen Herausforderungen der Zahlungsbranche zu bringen. Die Technologie soll es Finanzinstituten ermöglichen, stark regulierte und ressourcenintensive Zahlungsprozesse zu modernisieren und manuelle Arbeitsabläufe durch intelligente Automatisierung zu ersetzen.

Die Compliance-Plattform von Rivero heißt Kajo und soll die Compliance in Zahlungsnetzwerken vereinfachen, indem sie Updates automatisch verteilt, eine Übersicht auf einen Blick liefert und fragmentierte Dokumente und Anforderungen der Zahlungsnetzwerke in ein KI-gestütztes Wissensverzeichnis verwandelt.

Die KI-gestützte Anwendung Amiko indes bringt agentische KI in das Streitfallmanagement (Dispute Management) und die Betrugsrückgewinnung. Die Lösung sortiere Fälle intelligent vor, koordiniere die nächsten sinnvollen Schritte und automatisiere Dispute-Workflows vom Eingang bis zur Lösung, während sie Agent:innen bei komplexen Fällen anleitet, die menschliche Spezialist:innen erfordern. Das soll Instituten helfen, Gelder schneller zurückzuholen, den operativen Aufwand zu reduzieren und ein besseres Erlebnis für Karteninhaber:innen zu bieten.

„Elevator Ventures von strategischer Relevanz“

Während Rivero in Europa expandiert, konzentriert sich das Unternehmen zunehmend nicht nur auf den Ausbau seiner Technologie, sondern auch auf die Stärkung seiner Position im breiteren europäischen Bankenökosystem. Für die nächste Entwicklungsphase von Rivero sei Elevator Ventures von besonderer strategischer Relevanz: Durch die Verbindung zur RBI Group und das Netzwerk in Zentral- und Osteuropa verfüge Elevator Ventures über umfangreiche Erfahrung darin, Technologieunternehmen, die Finanzinstitute bedienen, zu unterstützen und ihnen bei der Orientierung und Expansion in europäischen Bankenmärkten zu helfen, heißt es.

„Europas Finanzinstitute suchen nach besseren Wegen, zunehmend komplexe Zahlungsoperationen zu managen, und wir sehen eine große Chance, Riveros Technologie zu vielen weiteren Instituten auf dem Kontinent zu bringen“, sagt Thomas Müller, CEO von Rivero. „Da wir nun in die nächste Wachstumsphase eintreten, wollen wir Investor:innen am Tisch haben, die sowohl die Komplexität des Bankgeschäfts als auch die Märkte verstehen, in denen wir tätig sind. Die Expertise von Elevator Ventures im Finanzdienstleistungsbereich und ihr besonders starkes Netzwerk in Zentral- und Osteuropa machen sie zu einem hoch relevanten strategischen Partner für Rivero.“

Maximilian Schausberger, Managing Director bei Elevator Ventures, ergänzt: „Rivero adressiert eine Reihe operativer Herausforderungen, die für Banken und Zahlungsinstitute in ganz Europa immer wichtiger werden. Das Team verbindet tiefgehende Zahlungsverkehrsexpertise mit Technologie, die speziell auf die Anforderungen regulierter Finanzinstitute ausgelegt ist. Wir sehen eine starke Übereinstimmung zwischen Riveros Ambitionen und unserer Erfahrung und unserem Netzwerk im europäischen Bankwesen und freuen uns darauf, das Unternehmen bei seiner weiteren Expansion zu unterstützen.“

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