23.06.2023

Uber-Österreich-Chef: „Das Anheben der Taxitarife könnte die ganze Branche in Gefahr bringen“

Interview. Uber-Österreich-Chef Martin Essl kritisiert im Gespräch mit dem brutkasten die jüngste Anhebung der Taxitarife in Wien. Zudem spricht Essl darüber, wie der Vermittlungsdienst hierzulande die Probleme in puncto Zuverlässigkeit wieder in den Griff bekommen hat.
/artikel/uber-oesterreich-chef-martin-essl-interview
© Uber / Niklas Stadler

Im Gegensatz zu anderen Branchen können Taxis in der Regel ihre Preise nicht selbst bestimmen. In Wien wird dies beispielsweise über eine eigene Verordnung geregelt, in der klar festgeschrieben ist, wie viel Taxiunternehmen für eine Strecke und etwaige Zusatzleistungen verrechnen dürfen.

Angesichts der allgemeinen Teuerung übte die Wiener Taxiinnung bereits im Frühling Druck auf die Stadt aus, die Preise anzuheben. Argumentiert wurde dies mit den gestiegenen Treibstoffkosten. Auf Wunsch der Innung lud die Stadt Wien schlussendlich zu Verhandlungsrunden, in der sich die Beteiligten auf eine Erhöhung des Taxitarifs um 15,2 Prozent einigten. Die Anpassung ist seit 1. Juni in Kraft.

Kritik an der Preiserhöhung kam hingegen von Uber-Österreich-Chef Martin Essl. Im brutkasten-Interview erläutert Essl die Gründe für seine Kritik und spricht zudem über aktuelle Herausforderungen des Vermittlungsdienstes in Wien sowie die weiteren Expansionspläne. Zudem äußert er sich auch zum Thema Nachhaltigkeit und erläutert, welche neuen Services angeboten werden.


Seit dem 1. Juni gelten in der Bundeshauptstadt Wien neue Taxitarife. Diese stiegen um 15,2 Prozent. Die Fachgruppe Taxi bei der Wirtschaftskammer Wien (WKW) argumentiert dies mit der „herausfordernden wirtschaftlichen Gesamtsituation”. Sie übten bereits im Vorfeld Kritik an der Erhöhung, warum?

Wir verstehen, dass es aufgrund der Teuerung einen Druck auf die Taxiunternehmen gibt. Allerdings sehen wir auch, dass ein Anheben der Preise die Nachfrage reduziert und somit die ganze Branche in Gefahr bringen kann. Bei der Reduzierung der Nachfrage reduziert sich nämlich auch die Effizienz und dadurch können eventuell nicht mehr die Umsätze wie früher generiert werden. Dieses Risiko besteht insbesondere bei einer einseitigen Teuerung, die eher von der Wirtschaft getrieben wird, als von den Endkunden, die schlussendlich die Nachfrage bestimmen. Preiserhöhungen, die einseitig auf die Endkunden abgewälzt werden, sind aus unserer Sicht keine Lösung. Deswegen sprechen wir uns immer für Preise aus, die auf Angebot und Nachfrage basieren.

Bei Uber gibt es das sogenannte Surge-Pricing, also eine dynamische Fahrpreisanpassung. Wenn mehr Nachfrage besteht, wird der Preis teurer, wenn weniger Nachfrage vorherrscht, wird der Preis günstiger. Aufgrund der gesetzlichen Regelungen sind wir in Wien momentan in der Preisgestaltung auf plus/minus 20 Prozent in Bezug auf den Taxitarif limitiert. Wir können uns daher nur in dieser Preisspanne bewegen.

Inwiefern spielt die Teuerung auch bei Uber eine Rolle?

Wir haben die neuen Tarife auf unserer Plattform integriert, wie es mit 1. Juni vom Gesetz vorgesehen war. Wir können weiterhin die Preisspanne um den normalen Taxitarif anbieten:  Also bei niedriger Nachfrage bis auf Minus 20 Prozent vom Taxitarif und bei höherer Nachfrage bis auf Plus 20 Prozent. Natürlich nutzen wir diese Preisspanne auch im Sinne der Kunden und Partner aus. 

Wie hat sich in den letzten zwei Jahren das Wachstum von Uber in Österreich entwickelt?

In den letzten Jahren standen wir im Prinzip vor zwei Herausforderungen: Einerseits der Corona-Krise und andererseits dem Einheitsgewerbe ab Ende 2020. Beide Umstände haben natürlich der gesamten Branche schwer zugeschlagen. Wir hatten in den letzten zwei Jahren – speziell im Sommer – einige Schwierigkeiten durch Fahrermangel, weil einfach nicht genügend Fahrer mit Taxischein vorhanden waren. Dieser Zustand hat sich aber seit letztem Herbst wieder gelegt und wir haben jetzt ein zuverlässiges System für unsere Endkunden. Grundsätzlich sind wir mit der Entwicklung unter den Umständen zufrieden und sehen  aktuell ein gutes Wachstumspotenzial in Österreich. Neben Wien sind wir ja auch noch in Salzburg und Graz aktiv.

Was hat sich konkret am Service von Uber verbessert?

In erster Linie haben sich die Wartezeiten verringert. Zudem gibt es weniger bis gar keine Stornos von Fahrten mehr. Vor ein bis zwei Jahren waren wir mit der Situation konfrontiert, dass viele Fahrer ihre Fahrt storniert haben, weil sie vielleicht alternativ eine lukrativere Fahrt bekommen haben. Wir haben die Plattform entsprechend adaptiert, sodass diese für Fahrer und Fahrgäste den größtmöglichen Nutzen hat. Zudem führen wir laufend neue Angebote ein, zuletzt etwa “Uber Pet” und “Uber Kindersitz”.

In Wien bieten Sie auch den Service “Uber Green” an. Wie viele Fahrten werden aktuell mit Elektrofahrzeugen zurückgelegt? 

Diese Thematik kann man aus zwei Blickwinkeln betrachten. Einerseits, wie viele Fahrten mit einem emissionsarmen Green Fahrzeug zurückgelegt werden: Aktuell handelt es sich hier um 50 Prozent aller Fahrten. Wie viele Nutzer sich bewusst für eine Uber Green Fahrt entscheiden, kann ich allerdings nicht sagen.

Die Stadt Wien bietet einen Fördertopf von rund sieben Millionen Euro an, um E-Mobilität in der Taxibranche zu fördern. Reicht dies aus? 

Ich finde es sehr gut, dass es erste Schritte in Richtung Elektrifizierung der Flotten gibt und die Stadt Wien hier Förderungen zur Verfügung stellt. Ich glaube, die Taxiindustrie arbeitet auf Hochtouren, um ihre Fahrzeuge zu elektrifizieren. Es gibt auch schon unterschiedliche Anbieter, die Abo-Modelle  für Elektrofahrzeuge anbieten. 

Wichtig wird aber auch sein, dass man von Seiten des Gesetzgebers nachzieht und sicherstellt, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt, wie zum Beispiel ab 2025, flächendeckend nur mehr Elektrofahrzeuge zugelassen werden. Das muss dann natürlich sehr vorsichtig gemacht werden, damit auch ausreichend Ladepunkte zur Verfügung stehen und die Effizienz für die Taxiunternehmer nicht darunter leidet.

Uber Eats wurde in Österreich eingestellt. Was waren die Gründe dafür und könnte es eventuell eine Rückkehr geben? 

Die Uber Eats-Sparte wurde in Österreich im März 2019 leider eingestellt. Damals hat man hierzulande nicht den Return-of-Investment erzielt, den man sich ursprünglich vorgenommen hatte. Wir schauen uns natürlich immer potenzielle Märkte an, aber derzeit gibt es keine Pläne, dass Uber Eats nach Österreich zurückkehrt.

Welche neuen Services bietet Uber seinen Kund:innen in Österreich an?

Wir haben im ersten Halbjahr zwei neue Services für unsere Nutzer gestartet. Einerseits Uber Pet im Feber. Das ist eine ganz neue Produktoption, bei der wir Fahrgäste mit Fahrern zusammenbringen, die bereit sind, Haustiere mitzunehmen. Vergangene Woche haben wir dann “Uber Kindersitz” gelauncht. Von dieser Option sollen insbesondere Familien mit Kindern profitieren. Sofern man diese Kategorie auswählt, kommt das Fahrzeug mit einer entsprechenden Sitzerhöhung, um mehr Sicherheit zu gewährleisten. Taxis in Österreich sind aktuell nicht verpflichtet, einen Kindersitz mitzuführen. Aber wir wollen trotzdem eine zusätzliche Sicherheit bieten und den Markt für Eltern mit Kindern öffnen.

Wie sehen die weiteren Expansionspläne von Uber in Österreich aus?

Neben Wien bieten wir unseren Service bereits in Graz und Salzburg an. Die Expansion in weitere Städte ist natürlich immer ein Thema. Es gibt zwei Städte in Österreich, die dafür quasi auf der Hand liegen. Das sind Linz und Innsbruck. Ein genaues Timing kann ich derzeit aber noch nicht nennen.

Deine ungelesenen Artikel:
30.10.2026

Zwischen „Tagespresse-Meldung“ und „großer Chance“: Das sagt die Szene zum geplanten KI-Zentrum in Wien

Die Pläne der Bundesregierung für ein internationales KI-Zentrum unter dem Dach der UNO in Wien stoßen in der heimischen Tech- und Startup-Szene auf unterschiedliche Reaktionen. Während einige darin eine Chance sehen, Österreich als internationalen Standort für KI-Governance und Innovation zu stärken, hinterfragen andere den konkreten Nutzen und kritisieren die politischen Prioritäten. Ein Überblick.
/artikel/zwischen-tagespresse-meldung-und-grosser-chance-das-sagt-die-szene-zum-geplanten-ki-zentrum-in-wien
30.10.2026

Zwischen „Tagespresse-Meldung“ und „großer Chance“: Das sagt die Szene zum geplanten KI-Zentrum in Wien

Die Pläne der Bundesregierung für ein internationales KI-Zentrum unter dem Dach der UNO in Wien stoßen in der heimischen Tech- und Startup-Szene auf unterschiedliche Reaktionen. Während einige darin eine Chance sehen, Österreich als internationalen Standort für KI-Governance und Innovation zu stärken, hinterfragen andere den konkreten Nutzen und kritisieren die politischen Prioritäten. Ein Überblick.
/artikel/zwischen-tagespresse-meldung-und-grosser-chance-das-sagt-die-szene-zum-geplanten-ki-zentrum-in-wien
KI-Rechenzentrum Wien, UNO, UNO-Rechenzentrum
(v.l.o.) Manuel Mofidian, Mic Hirschbrich, Julia Eisner, Alexandra Ciarnau, (v.l.u.) Carina Zehetmaier, Jeanette Gorzala und Clemens Wasner. © Canva/Armin Hubner, zVg/ Women in AI/LinkedIn/paiper.one/Enlite.AI

Am Mittwoch schlug die Bundesregierung ein internationales KI-Zentrum in Wien vor. Es soll unter dem Dach der UNO angesiedelt werden und Staaten, Wissenschaft sowie Wirtschaft zusammenbringen, um das Potenzial von KI auszuloten, ihre Risiken zu erforschen und gemeinsame Standards zu entwickeln – brutkasten berichtete.


Wir haben uns in der heimischen Startup-Szene zu diesem Vorhaben umgehört und gemerkt, dass die Meinungen variieren: Es fallen Begriffe wie „Virtue Signalling“, globale KI-Governance, Antwort auf eine zentrale Machtfrage, Mehrwert und „Capacity-Building“.

Zehetmaier: „KI-Governance global denken“

Als ehemalige Vertreterin Österreichs und der EU bei der UNO in Genf weiß Carina Zehetmaier aus eigener Erfahrung, wie wichtig ein gemeinsamer Ort für die globale Zusammenarbeit zwischen Staaten sei.

„Die UNO hat mit dem Independent International Scientific Panel on AI und dem Global Dialogue on AI Governance bereits zwei wichtige Mechanismen für die globale KI-Governance geschaffen. Der erste ‚Global Dialogue‘ fand im Juli 2026 in Genf statt, womit die Stadt wichtige Vorarbeit geleistet hat. Wien besitzt nun die besten Voraussetzungen, um diese internationale Zusammenarbeit weiterzuentwickeln“, sagt die Vorsitzende der „Arbeitsgruppe 42“ bei Austrian Standards.

KI-Governance müsse ihr zufolge global gedacht werden – nicht nur aus der Perspektive einer einzelnen Region: „Gerade bei den leistungsfähigsten KI-Modellen brauchen wir internationale Zusammenarbeit, unabhängige Prüfungen und klare Verantwortlichkeiten. Als Gründerin von Humably – einem Startup, das Organisationen bei der verantwortungsvollen Entwicklung sowie beim Einsatz von KI unterstützt und Ausbildungsformate zur Stärkung menschlicher Aufsicht entwickelt – sehe ich sehr deutlich, wie wichtig es ist, Governance von Anfang an mitzudenken.“

Metriken und Evaluierungsmethoden

Dementsprechend bleibe es entscheidend, dass ein solches Zentrum — wie in Wien angedacht — nicht nur den globalen Dialog ermögliche, sondern konkrete Wirkung entfalte: durch unabhängige Prüfungen leistungsfähiger KI-Modelle sowie die systematische Erfassung und Untersuchung schwerwiegender Vorfälle, betont Zehetmaier.

„Darüber hinaus sollten wir international vergleichbare Metriken und Evaluierungsmethoden entwickeln, um auch die gesellschaftlichen Auswirkungen von KI systematisch zu untersuchen – etwa auf Grundrechte, Chancengerechtigkeit, Diskriminierung, Umwelt, Arbeitsmarkt und demokratische Prozesse. Denn wir müssen nicht nur wissen, ob ein KI-Modell sicher funktioniert, sondern auch, welche Folgen sein Einsatz für Menschen und Gesellschaften hat.“

Für Österreich sieht sie in einem solchen Zentrum einen enormen Gewinn – volkswirtschaftlich, für den Innovationsstandort und für die internationale Rolle der Republik. „Es könnte hochqualifizierte Talente aus aller Welt nach Wien bringen, internationale Expertise bündeln und Österreich als Standort für die Gestaltung globaler KI-Governance stärken“, meint die KI-Expertin.

Wien als vielfältiges Ökosystem

Die Hauptstadt hätte dafür bereits ein vielfältiges Ökosystem aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen: Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA), die EU-Agentur für Grundrechte (FRA) oder das IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers).

Dazu kämen Forschungsprojekte wie FAIR-AI, Vereine wie Women in AI Austria und AI Austria und politisch gestützte Initiativen wie ShegoesAI, die Diversität und gesellschaftliche Teilhabe in der KI vorantrieben: „Wir haben somit ein Ökosystem, in dem Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Standardisierung und Zivilgesellschaft bereits heute an der verantwortungsvollen Gestaltung von KI arbeiten.“

Digitaler Humanismus

Was Wien darüber hinaus besonders auszeichne, sei seine Tradition des Digitalen Humanismus.

„Ein Beispiel dafür ist das von Prof. Sarah Spiekermann-Hoff an der WU Wien entwickelte ‚Value-based Engineering‘, welches Werte systematisch in die Technologieentwicklung integriert. Damit existiert hierzulande ein starkes Fundament, um technologische Innovation mit Grundrechten und demokratischen Werten zusammenzudenken. Genau diese Perspektive sollte auch in der globalen KI-Governance eine zentrale Rolle spielen“, sagt Zehetmaier.

Wasner: „Schlechtes Timing“

Eine abweichende Meinung zu diesem Thema hat Clemens Wasner, Gründer von enlite.ai. Er sieht diesen Vorschlag als „typisch österreichisches Virtue Signalling“, also das öffentliche Zurschaustellen moralischer Werte.

„Im ersten Moment dachte ich, es handelt sich dabei um eine Tagespresse-Meldung“, sagt er. „Man hat das Gefühl, dass das Land den Bedeutungsverlust seit der Ära Kreisky nie ganz verwunden hat und deshalb immer wieder nach internationaler Bühne sucht. Wie schon beim Sitz im UN-Sicherheitsrat oder den täglichen Erasmus-Meldungen aus dem Außenministerium zeigt sich, dass die Regierung Schwierigkeiten hat, ihre Prioritäten richtig zu setzen. Dabei liegen diese auf der Hand: Budget und Wirtschaft fixen, ‚Ease of Doing Business‘ verbessern, Forschung und Innovation fördern. ‚Virtue Signalling‘ ist keine Standortpolitik. Ein UN-Kooperationszentrum bringt weder Investitionen noch Rechenkapazität noch Gründungen ins Land.“

Wasner sieht zudem vor allem das Timing dieses Vorschlags als „besonders unglücklich“ an: „Nur eine Woche nach der Ankündigung drastischer Kürzungen bei den Universitätsbudgets wirkt das ziemlich realitätsfern. Man fragt sich, ob die Regierung die richtigen Berater hat, wenn sie sich ausgerechnet bei jener Community Pluspunkte holen will, die sie künftig unterfinanzieren wird. Die Zeit wäre besser investiert in Themen, für die die Menschen diese Regierung tatsächlich gewählt haben. Die Niederlande haben gestern angekündigt mithilfe von KI 25.000 Beamte einzusparen zu wollen, Österreich will Brownie-Points (Anm.: zynischer Ausdruck, um sich bei Autoritäten einzuschmeicheln) sammeln.“

Gorzala: „Strategische Antwort auf zentrale Machtfrage unserer Zeit“

CEO und Founderin von Act AI Now und stellvertretende Vorsitzende des KI-Beirats der österreichischen Bundesregierung Jeannette Gorzala meint, dass die Skalierung exponentieller Technologien schlicht nach einer neuen geopolitischen Architektur verlange.

„Der Vorstoß, ein UN-Zentrum für KI-Kooperation in Wien anzusiedeln, ist eine strategische Antwort auf die zentrale Machtfrage unserer Zeit: Wie sichern wir Kontrolle, wenn die Entwicklungsgeschwindigkeit unsere Institutionen längst herausfordert?“

Wien bringe hierzu entscheidende Assets mit: „Etwa die etablierte multilaterale Infrastruktur eines UN-Sitzes, diplomatische Reichweite und die Tradition des digitalen Humanismus. Das Fundament ist da. Jetzt geht es darum, daraus einen globalen Hub für KI-Sicherheit und verantwortungsvolle Innovation zu formen“, sagt sie.

Diplomatie dürfe jedoch nicht zum Synonym für Langsamkeit werden. „Im Zeitalter immer leistungsfähigerer KI-Modelle ist ein institutioneller Debattierclub ohne operative Wirkung keine Lösung. Die Zukunft von KI-Technologie ist global. Ihre Sicherheit auch. Wien kann der Ort sein, an dem aus globaler Konkurrenz gemeinsame Verantwortung wird.“

Women in AI: „Mehrwert in internationaler Koordination“

Alexandra Ciarnau, Präsidentin, und Julia Eisner, Vizepräsidentin Women in AI, stehen dem Vorschlag der Regierung grundsätzlich positiv gegenüber. „Wenn es ein KI-Zentrum unter dem Dach der UNO wird, könnte der Mehrwert vor allem in internationaler Koordination, wissenschaftlicher Zusammenarbeit, Governance und ‚Capacity Building‘ liegen“, sagen sie. „Ein reines KI-Rechenzentrum wäre zu wenig und da stellt sich die Kosten-Nutzen-Frage. Das beginnt beim Infrastruktur-Ausbau und geht bis hin zu höheren Energiepreisen für Haushalte.“

Österreichs Pläne für ein internationales KI-Zentrum sollten ihrer Ansicht nach nicht allein als technische Sicherheitsfrage gesehen werden. Ebenso wichtig sei der Blick auf vertrauenswürdige und verantwortungsvolle KI.

„Außerdem ist fraglich, welche Aufgaben, Ressourcen und Entscheidungsbefugnisse das Zentrum tatsächlich erhalten soll. Wichtig wäre, dass es bestehende internationale Initiativen sinnvoll ergänzt und nicht lediglich eine zusätzliche institutionelle Ebene schafft“, sagen sie. „Ebenso braucht es transparente Entscheidungsprozesse, wissenschaftliche Unabhängigkeit und eine breite Beteiligung unterschiedlicher Akteur:innen.“

„Zivilgesellschaft einbinden“

Dabei müsse Österreich nicht bei null beginnen. Das Land verfüge über eine vielfältige Forschungslandschaft, europäisch vernetzte KI-Infrastrukturen und Initiativen wie die AI Factory Austria.

Diese Strukturen sollten der Women-in-AI-Führung nach von Anfang an strategisch eingebunden werden. Ein internationales Zentrum müsste dabei auf vorhandenen Stärken aufbauen und sie miteinander verbinden, raten sie.

„KI-Governance darf nicht ausschließlich von Regierungen, großen Technologieunternehmen und technischen Expert:innen geprägt werden“, so ihr Appell. „Auch die Zivilgesellschaft, unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen und insbesondere bisher unterrepräsentierte Gruppen müssen eingebunden werden. Diversität ist dabei nicht nur eine Frage der Repräsentation, sondern auch der Qualität von Entscheidungen: Unterschiedliche Perspektiven helfen, gesellschaftliche Risiken, Diskriminierung und ungleiche Auswirkungen von KI frühzeitig zu erkennen.“

Hirschbrich: „Verankerung im diplomatischen Gefüge“

Mic Hirschbrich, Co-Founder von Apollo.ai sieht in diesem Vorhaben den Vorteil zusätzlicher Sichtbarkeit und eines breiteren Zugangs zu einem zentralen Thema unserer Zeit. „Es ist eine weitere Absicherung der Verankerung unseres Landes im diplomatischen Gefüge“, sagt er.

„Dazu werden wir im KI-Bereich die kommenden Jahre sehr viel Anstrengung brauchen. Ein Grundset globaler Spielregeln scheint mir fast noch bedeutender zu sein, als nationale oder kontinentale Alleingänge bei der KI-Regulierung. Als Land haben wir nach IAEO und Co. sicher die notwendige Glaubwürdigkeit und hätten damit dauerhaft wichtige KI-Player im Land, was sich auch auf den Standort positiv auswirken wird.“

Mofidian: „Einfluss nehmen“

Wirtschafts- und Tech-Anwalt Manuel Mofidian glaubt, dass Wien für die Entwicklung neuer Ansätze globaler KI-Governance eine „außergewöhnlich gute Ausgangsposition“ hat.

„Wir sind einer von vier großen Amtssitzen der Vereinten Nationen weltweit und der einzige innerhalb der Europäischen Union“, sagt er. „Hier treffen internationale Diplomatie, jahrzehntelange europäische Erfahrung mit Supranationalität und die österreichische Tradition der Neutralität aufeinander. Dazu kommt, dass Wien bereits ein international anerkannter Standort für die Bewältigung globaler technologischer Risiken ist. Denken wir nur an die Internationale Atomenergie-Organisation, die IAEA, die hier internationale Standards für nukleare Sicherheit entwickelt. Österreich hat bereits bewiesen, dass es durch Diplomatie, internationale Institutionen und politische Initiative weit über seine Größe hinaus Einfluss nehmen kann.“

Neutralität als Stärke für Glaubwürdigkeit

Auch sollte man Österreichs Neutralität wieder stärker als außenpolitische Stärke begreifen.

„Wenn die Neutralität, derzeit teils heiß diskutiert, weiterhin dem politischen Willen der österreichischen Bevölkerung entspricht, sollten wir sie nicht als eine Art politisches Sorglos-Paket verstehen, das uns vor den Konflikten der Welt bewahrt“, sagt er. Vielmehr könne sie dem Land bei globalen Herausforderungen helfen, als glaubwürdiger Initiator und Vermittler ernst genommen zu werden.

„Gerade bei Künstlicher Intelligenz sehe ich hier eine große Chance. Wir sprechen über ein potenziell wesentlich umfassenderes globales Risikofeld als etwa in der internationalen Luftfahrt. KI kann praktisch sämtliche digitalisierten Bereiche unserer Gesellschaft betreffen“, mahnt Mofidian.

Und er ergänzt: „Gleichzeitig zeigen uns die vergangenen Jahre, wie schnell klassische internationale Kooperationsmechanismen an ihre Grenzen stoßen, wenn fundamentale nationale Interessen aufeinanderprallen. Mein Ansatz wäre deshalb, die globale Erfahrung und den Kooperationsanspruch der Vereinten Nationen mit der europäischen Erfahrung aus der Supranationalität zu verbinden.“

Die EU habe seiner Ansicht nach über Jahrzehnte gezeigt, wie souveräne Staaten bestimmte Kompetenzen gemeinsam ausüben und verbindliche überstaatliche Entscheidungen ermöglichen können. „Warum sollten wir diese Erfahrung nicht nutzen, um für ausgewählte, besonders wichtige Fragen der globalen KI-Governance neue institutionelle Modelle zu entwickeln?“

Keine Weltregierung

Dabei gehe es ihm ausdrücklich nicht um eine Weltregierung oder um Überregulierung, sondern um verhältnismäßige Regeln und wirksame gemeinsame Strukturen zur Bewältigung globaler Risiken. „Vielleicht bietet uns Künstliche Intelligenz die Gelegenheit, an Österreichs internationale Tradition anzuknüpfen und Wien zu einem Ort zu machen, an dem nicht nur über globale KI-Herausforderungen gesprochen, sondern auch an neuen Modellen verbindlicher internationaler KI-Zusammenarbeit gearbeitet wird.“

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Uber-Österreich-Chef: „Das Anheben der Taxitarife könnte die ganze Branche in Gefahr bringen“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Der Artikel hat gesellschaftspolitische Auswirkungen auf die Taxi- und Vermittlungsdienstbranche in Österreich. Insbesondere geht es um die Frage der Tarifanpassungen und deren Auswirkungen auf die Nachfrage und Effizienz der Dienstleister. Auch die Themen Elektromobilität und Nachhaltigkeit sowie die Einführung neuer Services für Fahrgäste spielen eine Rolle. Der Artikel zeigt auf, wie die Branche auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und gesetzliche Vorgaben reagiert und welche Strategien sie verfolgt, um zukunftsfähig zu bleiben.

Uber-Österreich-Chef: „Das Anheben der Taxitarife könnte die ganze Branche in Gefahr bringen“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Der Artikel beschreibt, wie die Taxipreise in Wien aufgrund gestiegener Treibstoffkosten um 15,2 Prozent angehoben wurden und wie der Uber-Österreich-Chef Martin Essl gegen diese Preiserhöhung argumentiert hat. Während die Taxiinnung aufgrund der Teuerung einen Druck auf die Stadt ausübte, um die Preise anzuheben, betonte Essl, dass eine einseitige Preisanhebung die Nachfrage reduziert und die gesamte Branche gefährden kann. Außerdem sprach Essl über die aktuellen Herausforderungen von Uber in Wien und die Pläne zur weiteren Expansion in Österreich.

Uber-Österreich-Chef: „Das Anheben der Taxitarife könnte die ganze Branche in Gefahr bringen“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Als Innovationsmanager:in ist es wichtig, Trends und Entwicklungen in verschiedenen Branchen im Auge zu behalten, um mögliche Chancen für Innovationen zu identifizieren. Der Artikel über den Uber-Österreich-Chef Martin Essl ist besonders relevant, da er Einblicke in die aktuelle Lage der Taxi- und Vermittlungsdienstbranche in Wien gibt. Es wird dargelegt, wie die Taxitarife in Wien im Zuge der gestiegenen Treibstoffkosten erhöht wurden und welche Auswirkungen dies auf die Branche haben könnte. Außerdem wird diskutiert, wie Innovationen wie Uber, die mit dynamischer Preisgestaltung arbeiten, auf Gesetzesbeschränkungen in der Branche reagieren. Als Innovationsmanager:in ist es wichtig, sich diese Veränderungen bewusst zu machen, um mögliche innovative Lösungen zu finden, die auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig sind.

Uber-Österreich-Chef: „Das Anheben der Taxitarife könnte die ganze Branche in Gefahr bringen“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Der Artikel gibt als Investor:in einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen bei Uber in Österreich und thematisiert insbesondere die Auswirkungen der neuen Taxitarife und die Herausforderungen bei der Elektrifizierung der Flotten. Zudem gibt der Artikel Einblicke in neue Services von Uber und die weiteren Expansionspläne des Unternehmens in Österreich. Als Investor:in kann man die Informationen nutzen, um die Entwicklung von Uber in Österreich zu verfolgen und gegebenenfalls Investmententscheidungen zu treffen.

Uber-Österreich-Chef: „Das Anheben der Taxitarife könnte die ganze Branche in Gefahr bringen“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Als Politiker:in ist es wichtig, sich über die Entwicklung und Herausforderungen, die die Taxi- und Mobilitätsbranche betreffen, auf dem Laufenden zu halten. Die Kritik von Uber-Österreich-Chef Martin Essl an der Preiserhöhung für Taxifahrten in Wien und seine Argumentation für Preise basierend auf Angebot und Nachfrage sind ein wichtiger Beitrag zur Debatte um die Preisgestaltung und -regulierung von Taxifahrten. Zudem zeigen die weiteren Expansionspläne von Uber in Österreich sowie die Einführung neuer Services wie Uber Pet und Uber Kindersitz, welche Trends und Entwicklungen in der Mobilitätsbranche zu erwarten sind. Politiker:innen können diese Informationen nutzen, um informierte Entscheidungen im Hinblick auf die Regulierung und Förderung der Mobilitätsbranche zu treffen.

Uber-Österreich-Chef: „Das Anheben der Taxitarife könnte die ganze Branche in Gefahr bringen“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Der Artikel thematisiert die Preiserhöhung bei Taxis in Wien und die Kritik von Uber-Österreich-Chef Martin Essl daran. Er betont, dass eine einseitige Teuerung die Nachfrage reduzieren und die gesamte Branche in Gefahr bringen könnte. Essl spricht auch über die aktuellen Herausforderungen von Uber in Wien sowie über die neuen Services, die das Unternehmen seinen Kunden in Österreich anbietet. Darüber hinaus erläutert er die Bedeutung der Elektromobilität in der Taxibranche und die zukünftigen Expansionspläne von Uber in Österreich. Insgesamt scheint es, als würde Uber versuchen, mit innovativen Dienstleistungen und Technologien seine Präsenz in Österreich auszubauen und gleichzeitig den Anforderungen des Marktes und der Gesetzgebung gerecht zu werden.

Uber-Österreich-Chef: „Das Anheben der Taxitarife könnte die ganze Branche in Gefahr bringen“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

  • Martin Essl – Uber-Österreich-Chef

Uber-Österreich-Chef: „Das Anheben der Taxitarife könnte die ganze Branche in Gefahr bringen“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

  • Uber
  • Wiener Taxiinnung
  • Stadt Wien
  • Fachgruppe Taxi bei der Wirtschaftskammer Wien

Uber-Österreich-Chef: „Das Anheben der Taxitarife könnte die ganze Branche in Gefahr bringen“