09.04.2018

Twitch.tv-Gründer Emmett Shear beim Pioneers ´18

Die Games-Streaming-Plattform Twitch.tv wurde 2014 um knapp eine Milliarde Dollar an Amazon verkauft. Twitch-Gründer Emmett Shear ist nun erstmals im Rahmen des Pioneers `18 als Speaker in Wien.
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Shear über die digitale Zukunft - twitch
(c) Pioneers: Emmet Shear

Täglich besuchen rund 10 Millionen Menschen die Streaming-Plattform Twitch.tv. Anderen Menschen beim Spielen von Computergames zuzusehen, gehört zu den beliebtesten Trends unserer Zeit. Die Plattform ist dominanter Marktführer.

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Twitch.tv: Als kleine Schwester gestartet

2007 fällt der Startschuss für eine der ersten Streaming-Plattformen überhaupt: Justin.tv. Emmett Shear ist Mitbegründer. Den vor allem in Asien wachsenden Esport-Markt will man mit der Schwesterplattform Twitch.tv abdecken, die 2011 startet. Es dauert nicht lange, bis Twitch.tv seinen großen Bruder überholt und zur wichtigeren Marke aufsteigt. Bereits 2013 verzeichnete die Plattform rund 45 Millionen Zuseher auf über sechs Millionen Kanälen. Das anhaltende Wachstum blieb nicht unbemerkt. 2014 folgte der Kauf durch Amazon – für 970 Millionen US-Dollar.

Emmett Shear Superstar

Aktuell leitet Shear die Live-Streaming Plattform als CEO und profitiert vom anhaltenden Esports-Hype. Das Übertragen der ganz großen Turniere versammelt regelmäßig mehrere Millionen Menschen gleichzeitig vor nur einem Kanal. Ein Ende des Hypes ist nicht abzusehen. Aktuell investieren Firmen wie Mercedes, Tag Heuer, A1 und auch die großen US-Sportteams der NFL und NBA bekommen nicht genug von neu gegründeten Esports-Teams bzw. Esports-Turnieren.

Twitch.tv verbindet all das. Games-Streaming und eben den großen Esport-Hype, bei dem man dank der Plattform live dabei sein kann. Bei seinem Besuch in Wien wird der Serial Entrepreneur über seinen Werdegang, seine Erfahrungen mit Twitch.tv und generell über die Möglichkeiten im digitalen Bereich sprechen. Einblicke wird es auch in Y Combinator geben, der führende Accelerator in Silicon Valley. Twitch.tv ist Y Combinator Alumnus und deshalb will Shear auf die Vorzüge dieser Zusammenarbeit eingehen.

+++ Fokus: eSports +++

Pioneers ´18

Das Pioneers ´18 findet am 24. Und 25. Mai in der Wiener Hofburg statt. Bis zu 2.500 Entrepreneurs werden erwartet, die an diesen beiden Tagen gemeinsam in die Zukunft der digitalen Welt blicken wollen. Die Mischung aus Startups, Führungskräften und Investoren wird einen sicher fruchtbaren Boden für zukünftige Erfolgsgeschichten bieten.

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Die beiden kokei-Geschäftsführer Nima Derakhshan und Alexander Groll am Standort des übernommenen Transportbetriebs Winkler F & S Transport in Hörsching. | (c) kokei

Die klassische Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie verliert in Österreich zunehmend an Bedeutung. Eine aktuelle Studie von Creditreform Österreich und CH Consult zeigt: 45 Prozent der befragten Unternehmen benötigen bis 2030 eine Nachfolgelösung. Bereits 40 Prozent planen dabei eine Übergabe außerhalb der Familie, etwa durch den Verkauf an Investoren oder die Übernahme durch das Management.

Genau hier setzt die 2025 gegründete kokei Nachfolge GmbH an. Ein bekanntes Gesicht der österreichischen Startup-Szene hat die Idee dazu ins Rollen gebracht: Daniel Horak, Mitgründer der Finanzierungsplattform CONDA. Durch Gespräche mit Unternehmen wurde er auf die zunehmende Nachfolgeproblematik im österreichischen Mittelstand aufmerksam. Gemeinsam mit Alexander Groll, Nima Derakhshan und Dirk Littig entwickelte sich daraus das heutige Geschäftsmodell. Das Wiener Unternehmen will profitable österreichische KMU übernehmen und langfristig weiterführen. Anders als klassische Private-Equity-Gesellschaften setzt kokei dabei nicht auf einen gewinnbringenden Weiterverkauf.

Erste Übernahme eines Transportbetriebs

Mit der Winkler F & S Transport GmbH aus Hörsching hat kokei seine erste Beteiligung übernommen. Der auf spezialisierte Stück- und WAP-Frachten ausgerichtete Transportbetrieb beschäftigt 55 Mitarbeitende und verfügt über rund 40 Fahrzeuge. „Aus unserer Sicht ist Winkler eben ein Hidden Champion in einer attraktiven Nische“, sagt kokei-Mitgründer und Co-CEO Nima Derakhshan. Der Familienbetrieb in zweiter Generation sei bereits profitabel und verfüge über weiteres Wachstumspotenzial.

Da die Kinder des bisherigen Eigentümers Felix Winkler andere berufliche Interessen verfolgen, fehlte dem Familienbetrieb in zweiter Generation eine interne Nachfolge. Trotz weiterer Kaufangebote habe sich Winkler bewusst für kokei entschieden, erklärt Derakhshan. Von den konkreten Übernahmegesprächen bis zum Abschluss verging etwas mehr als ein Jahr.

Digitalisierung und neue Geschäftsführung bei Winkler

Die operative Geschäftsführung hat kokei-Co-CEO Alexander Groll übernommen, Felix Winkler bleibt während einer Übergangsphase weiterhin eingebunden. Seit der Übernahme im Frühjahr 2026 hat kokei bei Winkler bereits Veränderungen angestoßen. Dazu zählen ein neues Transportmanagementsystem, digitalisierte Prozesse und eine Neuausrichtung des Fahrer-Recruitings. Auch der Einstieg in die E-Mobilität wird vorbereitet.

Langfristig will kokei zentrale Dienstleistungen für sämtliche Beteiligungen aufbauen. Bereiche wie Personalwesen, IT, Marketing, Controlling und Recht sollen künftig unternehmensübergreifend unterstützt werden. Dadurch sollen sich die übernommenen Betriebe stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Auch bei der Geschäftsführung verfolgt kokei einen operativen Ansatz. Während Groll den ersten Betrieb selbst leitet, sollen künftig weitere Geschäftsführer eingesetzt werden. Dafür steht das Team bereits mit potenziellen Kandidaten in Kontakt. Auch geeignete Mitarbeitende aus den übernommenen Unternehmen kommen infrage. Das Wiener Unternehmen will dabei weiterhin eng in die operative Entwicklung eingebunden bleiben.

Zwei bis drei weitere Übernahmen pro Jahr geplant

Bei weiteren Übernahmen ist kokei grundsätzlich branchenoffen. Gesucht werden profitable österreichische KMU mit einem EBITDA ab rund 500.000 Euro, idealerweise einer Million Euro. Die Umsatzrentabilität sollte mindestens zehn Prozent betragen. Die Umsatzobergrenze liegt bei rund 30 Millionen Euro. Sanierungsfälle schließt kokei grundsätzlich aus.

Für die Auswahl nutzt das Unternehmen einen standardisierten Kriterienkatalog. Potenzielle Übernahmekandidaten werden anhand verschiedener Faktoren mit Punkten bewertet. Erfüllt ein Unternehmen die Anforderungen, folgt eine vertiefte Prüfung. Aktuell befindet sich kokei laut Derakhshan mit rund vier Unternehmen in konkreten Gesprächen. Wöchentlich würden etwa ein bis zwei weitere Betriebe geprüft. Mittelfristig strebt das Team durchschnittlich zwei bis drei Übernahmen pro Jahr an.

Langfristige Beteiligungen statt schneller Weiterverkauf

Die Beteiligungen werden gemeinsam mit einem Netzwerk langfristig orientierter Co-Investoren finanziert. Diese werden für jede Transaktion individuell ausgewählt. Dabei achtet kokei insbesondere auf unternehmerische Erfahrung und Interesse an der jeweiligen Branche.

Eine feste Exit-Strategie verfolgt kokei nicht. Stattdessen sollen die übernommenen Unternehmen langfristig gehalten werden und durch laufende Gewinnausschüttungen Erträge für die Investoren erwirtschaften. Einen späteren Verkauf schließt Derakhshan bei einem außergewöhnlich attraktiven Angebot allerdings nicht grundsätzlich aus.

„Wir wollen ein Portfolio von Unternehmen aufbauen. Nach dem Prinzip eines unternehmerischen Zinshauses: stabile Erträge, langfristige Wertsteigerung“, sagt Derakhshan. Durch die langfristigen Beteiligungen an unterschiedlichen österreichischen KMU sollen deren Gewinne Dividendeneinnahmen ermöglichen. Potenzial sieht Derakhshan jedenfalls genug. Eine Herausforderung sei weniger die rechtliche Situation als vielmehr die heimische Unternehmenskultur. Der Verkauf eines Familienunternehmens an Dritte werde hierzulande teilweise noch skeptisch gesehen. Dabei könne eine externe Übernahme eine sinnvolle Alternative zur klassischen Familiennachfolge darstellen.

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