09.01.2026
FINANZIERUNG

Turn-Motion: Wiener Orthesen-Startup erhält 334.000 Euro aws-Förderung

Turn-Motion entwickelt KI-gestützte Orthesen und automatisierte Fertigungstechnologien, um die Versorgung effizienter und skalierbarer zu machen. Wir haben mit Gründer Georg Popp über den aktuellen Entwicklungsstand, neue Fördermittel und die nächsten Schritte des Startups gesprochen.
/artikel/turn-motion-aws-foerderung
Die Turn-Motion-Gründer v.l. Chien-hua Huang, Georg Popp und Manuel Lachmayr | (c) Stefan Fuertbauer
Die Turn-Motion-Gründer v.l. Chien-hua Huang, Georg Popp und Manuel Lachmayr | (c) Stefan Fuertbauer

Georg Popp lebt seit seiner Kindheit aufgrund einer Polio-Erkrankung mit eingeschränkter Mobilität. Die regelmäßige Versorgung mit Orthesen – also medizinischen Hilfsmitteln, die Gelenke stabilisieren – wurde für ihn damit früh zur Selbstverständlichkeit. Ebenso prägend war die Erfahrung, dass sich in diesem Bereich über Jahrzehnte hinweg nur wenig verändert hat. Herstellungsprozesse waren aus seiner Sicht aufwendig, stark handwerklich geprägt und kaum skalierbar. Aus dieser persönlichen Perspektive heraus entstand die Idee zu Turn-Motion. Gemeinsam mit seinem Team verfolgt Popp das Ziel, die Orthesenversorgung technologisch neu aufzustellen. Der Fokus liegt auf Software, Algorithmen und industriellen Fertigungsmethoden – brutkasten berichtete über die Gründergeschichte.

KI, Algorithmen und eine eigene Produktionsmaschine

Kern der Entwicklung ist eine Plattform, die biomechanische Daten systematisch erfasst und daraus individualisierte Orthesen berechnet. Im Zentrum steht eine eigens entwickelte Produktionsmaschine, ergänzt durch KI-gestützte Algorithmen. In den vergangenen Monaten konnte das Team hier einen entscheidenden Schritt setzen.

„Wir haben eine weitere Entwicklungsstufe unserer Technologie erreicht und sehen, dass die Kombination aus Produktionsmaschine und KI-Algorithmen außergewöhnlich gut funktioniert“, sagt Popp. „Die aktuellen Ergebnisse bestätigen, dass unser Ansatz technologisch und in der Umsetzung hervorragend ineinandergreift.“

FFG-Förderung als technologische Basis

Eine zentrale Grundlage für diese Entwicklung wurde bereits im vergangenen Jahr gelegt. Turn-Motion erhielt eine Förderung aus dem FFG-Basisprogramm in Höhe von insgesamt 1,2 Mio. Euro. Mit diesen Mitteln konnte das Startup die technologische Entwicklung beschleunigen, Prototypen weiterentwickeln und Produktionsprozesse stabilisieren. Parallel dazu begann das Team, den Marktzugang strukturiert vorzubereiten und erste Gespräche mit Sanitätshäusern zu führen.

v.l. Chien-hua Huang, Georg Popp und Manuel Lachmayr (c) Stefan Fuertbauer

334.000 Euro aws-Deep-Tech-Förderung kommen hinzu

Nun wird diese Basis durch eine weitere Finanzierung ergänzt: eine aws-Deep-Tech-Förderung in Höhe von 334.000 Euro. Für Turn-Motion ist die Kombination beider Programme strategisch entscheidend. „Für uns ist das wirklich optimal, weil wir damit bereits den Marktzugang vorbereiten, Kunden gewinnen und Marktanalysen durchführen können“, erklärt Popp. Die Förderung schaffe zusätzliche Klarheit über den Fokus: „Sie befähigt uns, den Product-Market-Fit zu setzen, alle Materialien für die Due Diligence vorzubereiten und die Basis für spätere Finanzierungsrunden aufzubauen.“

Internationale Sichtbarkeit: Japan und europäische Tech-Events

Zusätzliche Impulse kamen zuletzt durch die Teilnahme an der österreichischen Wirtschaftsdelegation in Japan. Der Markt gilt für Turn-Motion als besonders attraktiv. „Japan ist für uns ein derart spannender Markt, weil die Menschen sehr aufgeschlossen gegenüber Technologien wie unserer sind – gleichzeitig gibt es durch die alternde Bevölkerung ein enormes strukturelles Bedürfnis“, sagt Popp. Ergänzend präsentierte sich das Startup auf mehreren internationalen Bühnen, darunter StageTWO in Berlin, SLUSH in Helsinki, invest.austria, dem Bionic Limb Reconstruction Symposium in Wien sowie dem Health Tech Investor Summit in Utrecht. 

Die nächsten Schritte

Turn-Motion arbeitet derzeit an einer Finanzierungsrunde in Höhe von 400.000 bis 600.000 Euro. Mit dem Kapital will das Startup weitere Förderungen hebeln und die Grundlagen für die Marktreife legen. Gesucht werden vor allem strategische Investor:innen – insbesondere Business Angels mit Erfahrung und Netzwerken in der Orthopädietechnik, im B2B-Sales, im Bereich Industriedesign und Hardware sowie in der Plattform- und Softwareentwicklung. Parallel dazu führt das Unternehmen Gespräche mit ausgewählten Early-Stage-VCs.

Der nächste Entwicklungsschritt ist klar definiert, wird jedoch bewusst erst in den kommenden Monaten erfolgen. Georg Popp möchte Anfang dieses Jahres selbst erstmals als Patient einen Real-Life-Test durchführen. Ende des Jahres sollen Pilotkunden und erste Testpatient:innen folgen. Zurzeit liegt der Fokus vorerst auf Validierung, Iteration und enger Zusammenarbeit mit Praktiker:innen – bevor weitere Skalierungsschritte gesetzt werden. 

Deine ungelesenen Artikel:
02.09.2026

Vorbild Finnland: Neues 60-Mio.-FFG-Programm soll Ökosysteme rund um Leitbetriebe stärken

Über die FFG startet das Wirtschaftsministerium mit "Leading Companies & Ecosystems" sein laut eigenen Angaben bisher größtes Einzelprojekt-Förderformat im F&E-Bereich. Drei bis vier Leitbetriebe sollen mit je bis zu 20 Millionen Euro Innovationsökosysteme aufbauen, in die Startups, Spinoffs und KMU eingebunden werden. Vorbild ist Finnland, wo das Modell seit 2020 Milliarden an privaten F&E-Investitionen mobilisiert hat.
/artikel/vorbild-finnland-neues-60-mio-ffg-programm-soll-oekosysteme-rund-um-leitbetriebe-staerken
02.09.2026

Vorbild Finnland: Neues 60-Mio.-FFG-Programm soll Ökosysteme rund um Leitbetriebe stärken

Über die FFG startet das Wirtschaftsministerium mit "Leading Companies & Ecosystems" sein laut eigenen Angaben bisher größtes Einzelprojekt-Förderformat im F&E-Bereich. Drei bis vier Leitbetriebe sollen mit je bis zu 20 Millionen Euro Innovationsökosysteme aufbauen, in die Startups, Spinoffs und KMU eingebunden werden. Vorbild ist Finnland, wo das Modell seit 2020 Milliarden an privaten F&E-Investitionen mobilisiert hat.
/artikel/vorbild-finnland-neues-60-mio-ffg-programm-soll-oekosysteme-rund-um-leitbetriebe-staerken
V.l.: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth und Finnvera-CEO Juuso Heinilä beim Pressegespräch in Alpbach | (c) Martin Pacher / brutkasten

Was Finnland kann, will Österreich jetzt kopieren. Seit 2020 lässt das Land große Industriebetriebe Forschungsökosysteme rund um sich aufbauen, mit einem Hebel von zuletzt 6,6 Euro privater F&E-Investitionen pro Fördereuro. Beim European Forum Alpbach präsentierten Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth am Mittwoch die österreichische Version: „Leading Companies & Ecosystems“, ausgestattet mit 60 Millionen Euro für drei bis vier Projekte.

Die Ausschreibung ging noch während des Pressegesprächs online. Die 60 Millionen Euro sind für die Umsetzungsphase reserviert, weitere zwei Millionen Euro fließen in die vorgelagerte Roadmap-Phase. Mit bis zu 20 Millionen Euro pro Projekt ist es laut Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) auf nationaler Ebene die größte Einzelprojektförderung im F&E-Bereich des Ressorts. Einreichungen sind bis 30. November 2026, 12:00 Uhr, möglich.

Der Befund hinter dem Programm: Mit einer Forschungsquote von 3,34 Prozent liegt Österreich EU-weit auf Rang drei, beim Innovationsoutput nur auf Rang acht. „Österreich ist Forschungs-Europameister, aber noch kein Innovations-Europameister“, sagte Hattmannsdorfer. Als ungenutztes Stärkefeld sieht er die exportorientierten Leitbetriebe, denn bei den Hochtechnologieexporten liege Österreich ebenfalls auf Rang drei. Sie sollen nun als „Zugpferde“ KMU, Startups und Forschungseinrichtungen mitziehen.

So funktioniert das Programm

Das Format ist zweistufig. In der jetzt gestarteten Roadmapping-Phase entwickeln Industrieunternehmen eine mehrjährige F&E-Roadmap für eine Schlüsseltechnologie und binden dafür Partner aus Wissenschaft, Startups, Spinoffs und KMU per Absichtserklärungen und Verträgen ein. Jedes einreichende Unternehmen erhält dafür laut Egerth 150.000 Euro, bei der FFG rechnet man mit zehn bis 15 Roadmaps. Die überzeugendsten drei bis vier Konzepte gehen ab 2027 in die auf drei bis fünf Jahre angelegte Umsetzungsphase. Entschieden wird im Wettbewerb: Ausschlaggebend ist laut Egerth, wer die ambitionierteste Roadmap vorlegt, am meisten zusätzliches eigenes Kapital in F&E investiert, die meisten zusätzlichen Forschungsbeschäftigten aufbaut und die stärksten Kooperationen schafft. Die Förderintensität für Großindustrie liegt laut Egerth bei 23 Prozent, den Rest tragen die Unternehmen selbst.

„Da redet das Industrieunternehmen nicht mit“

Für die Startup-Szene ist ein Detail der Förderarchitektur entscheidend: Die bis zu 20 Millionen Euro pro Projekt werden geteilt. Maximal zehn Millionen Euro gehen an den Leitbetrieb, weitere zehn Millionen Euro sind für das Ökosystem reserviert, und über diesen zweiten Topf entscheidet nicht der Konzern. Die Projekte der Partner werden unabhängig vom Leitbetrieb bei der FFG eingereicht. „Da redet das Industrieunternehmen nicht mit“, betonte Egerth. Auch Hattmannsdorfer hob hervor, der Leitbetrieb sei bewusst nicht als Gatekeeper konzipiert, damit „wirklich Ökosysteme entstehen“. Startups winkt zudem eine kommerzielle Perspektive: Die Leitbetriebe sollen laut Egerth teils auch als erste Kunden („First User“) fungieren.

Das finnische Original: Veturi

Das kopierte Programm läuft bei der finnischen Innovationsagentur Business Finland unter dem Namen „Veturi“, auf Deutsch Lokomotive. Ein Bild, das auch Egerth bemühte: Die großen Industrieunternehmen sollen „Lokomotive sein“ und KMU, Startups und Wissenschaft mitziehen. Angepeilt war in Finnland ursprünglich ein Hebel von 3,9 Euro privater F&E-Investitionen pro Fördereuro, die tatsächlichen 6,6 stammen aus den ersten, bis 2024 abgeschlossenen Projekten. Insgesamt haben sich die teilnehmenden Unternehmen zu 2,48 Milliarden Euro an zusätzlichen Forschungsinvestitionen verpflichtet. „Bei einer vergleichbaren Hebelwirkung könnten aus unseren 60 Millionen Euro bis zu 400 Millionen Euro an F&E-Investitionen entstehen“, rechnete Hattmannsdorfer vor.

Juuso Heinilä, CEO der staatlichen finnischen Förderbank Finnvera und Boardmitglied von Business Finland, bestätigte in Alpbach die außergewöhnlich hohe gemessene Wirkung des Programms, beim Hebel ebenso wie bei den Wissens-Spillovers von großen zu kleinen Unternehmen (aus dem Englischen übersetzt): „Ein einzelnes Unternehmen kann gekauft werden oder scheitern. Aber wenn es Ökosysteme gibt, entstehen daraus neue Unternehmen, die auf diesen Erfahrungen und diesem Wissen aufbauen.“ Finnland werde das Programm jedenfalls fortführen und aufstocken.

Dual Use ausdrücklich förderfähig

Auf Nachfrage stellten Hattmannsdorfer und Egerth klar, dass auch Dual-Use-Technologien, also zivil wie militärisch nutzbare Entwicklungen, förderfähig sind. Die Neutralität sei keine Absage an die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, so der Minister: Rund 150 österreichische Unternehmen seien in dem Bereich aktiv, mit einer F&E-Quote von 7,5 Prozent. Noch heuer werde präsentiert, was der Schwerpunkt für die FFG-Förderlandschaft bedeutet. Egerth sprach von einem Paradigmenwechsel: Dual Use sei immer im Portfolio gewesen, aufgrund der geopolitischen Lage nun aber auch „salonfähig“.

„Leading Companies & Ecosystems“ ist Teil der Schlüsseltechnologie-Offensive der Industriestrategie Österreich 2035, von deren 117 Maßnahmen laut BMWET bereits 43 umgesetzt oder in Umsetzung sind. Es folgt auf „Made in Europe“ und die mit 18 Millionen Euro dotierte Pilotanlagenförderung.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Turn-Motion: Wiener Orthesen-Startup erhält 334.000 Euro aws-Förderung

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Turn-Motion: Wiener Orthesen-Startup erhält 334.000 Euro aws-Förderung

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Turn-Motion: Wiener Orthesen-Startup erhält 334.000 Euro aws-Förderung

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Turn-Motion: Wiener Orthesen-Startup erhält 334.000 Euro aws-Förderung

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Turn-Motion: Wiener Orthesen-Startup erhält 334.000 Euro aws-Förderung

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Turn-Motion: Wiener Orthesen-Startup erhält 334.000 Euro aws-Förderung

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Turn-Motion: Wiener Orthesen-Startup erhält 334.000 Euro aws-Förderung

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Turn-Motion: Wiener Orthesen-Startup erhält 334.000 Euro aws-Förderung

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Turn-Motion: Wiener Orthesen-Startup erhält 334.000 Euro aws-Förderung