21.11.2025
NEUES ABKOMMEN

TU Wien und AIT vertiefen Kooperation – auch bei Spinoffs

Unter den Schwerpunkten einer neuen strategischen Kooperation zwischen TU Wien und AIT ist auch die Zusammenarbeit im Bereich Spinoffs.
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vl. Andreas Kugi, Scientific Director des AIT Austrian Institute of Technology und Jens Schneider, Rektor der TU Wien | (c) TU Wien/Matthias Heisler
vl. Andreas Kugi, Scientific Director des AIT Austrian Institute of Technology und Jens Schneider, Rektor der TU Wien | (c) TU Wien/Matthias Heisler

Dass Kooperationen für ihn ein absolut zentraler Bestandteil der Strategie sind, machte TU-Wien-Rektor Jens Schneider erst kürzlich im brutkasten-Interview unmissverständlich klar. Kern ist dabei die Initiative „TU Austria“ aus TU Wien, TU Graz, Montanuni Leoben und den technischen Fakultäten der Unis Linz und Innsbruck sowie der BOKU Wien. Doch auch darüber hinaus strebt die Uni nach Partnerschaften – zuletzt etwa mit dem „Energy Launchpad“, wo man zusammen mit ETH Zürich, TU München, Verbund, EnBW und Energie 360° Spinoffs fördern will (brutkasten berichtete).

„Grundstein für ein einzigartiges Innovations-Ökosystem“

Nun wurde ein weiterer Schritt verkündet: TU Wien und AIT Austrian Institute of Technology unterzeichneten nun ein Abkommen über eine strategische Kooperation. Man lege damit den „Grundstein für ein einzigartiges Innovations-Ökosystem“, heißt es von den beiden Partnern. Neben Forschung, Innovation, Infrastrukturnutzung, Ausbildung von Master- und Doktoratsstudierenden, Talente-/Nachwuchsförderung, Karrieremodelle und Kommunikation umfasst die Partnerschaft auch die Startup- und Spinoff-Strategie.

Konkret sollen im Rahmen der Partnerschaft künftig etwa „Core Facilities“, also z.B. Labors und Testanlagen, wechselseitig genutzt werden können und gemeinsame Doktoratsprogramme aufgebaut werden. „Mit dieser Strategiepartnerschaft forcieren wir gemeinsam die Entwicklung von Methoden, Konzepten und Technologien in ausgewählten Stärkefeldern – mit der klaren Zielsetzung, in diesem Verbund eine stärkere internationale Sichtbarkeit und Positionierung zu erreichen“, kommentiert TU-Rektor Schneider in einer Aussendung.

Und AIT Scientific Director Andreas Kugi meint: „Insgesamt entsteht durch diese Partnerschaft ein leistungsfähiger Forschungs- und Innovations-Hub, der die Innovationskette schließt, zur Stärkung des Wirtschafts- und Technologiestandorts beiträgt und die internationale Sichtbarkeit erhöht.“

Enge Zusammenarbeit bei „Spinoff Factory“ und Noctua Science Ventures

Zu den konkreten Startup- und Spinoff Aktivitäten heißt es von TU und AIT: „Entwickelt und gelebt werden sollen Kooperationsmodelle zur Suche, Entwicklung und Unterstützung von Startups aus dem universitären und außeruniversitären Sektor. Geplant ist eine enge Zusammenarbeit zwischen dem AIT und der im (Mit-)Eigentum der TU Wien stehenden „Spinoff Factory“ bzw. dem Fonds Noctua Science Ventures.“

Jener Fonds Noctua Ventures, der von der TU Wien gemeinsam mit Speedinvest aufgesetzt wird (brutkasten berichtete) befindet sich aktuell noch im Aufbau. „Ich glaube, wir stehen momentan bei etwa zehn Millionen Euro. Das First Closing wird dann wahrscheinlich im nächsten Frühjahr sein“, sagte TU-Rektor Schneider Ende Oktober im brutkasten-Interview zum Status Quo. Der Fonds soll schon bald – neben den inhaltlichen Fördermaßnahmen für Spinoffs – auch für die nötige Start-Finanzierung sorgen.

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Die Gründer Rafael Schwarz und Philipp Linsbichler vor einem Sammelmodul | © Social Cycle

Jeder kennt es: Der Softdrink ist getrunken und übrig bleibt nur die leere Plastikflasche. Was soll man mit ihr machen? Wegwerfen und so Pfandsammlern die Arbeit erschweren oder doch bis zum nächsten Supermarkt gehen und dort die Flasche ordnungsgemäß retournieren? Genau diesem Problem nehmen sich die beiden Gründer von Social Cycle, Rafael Schwarz und Philipp Linsbichler, an. Sie haben ein System zum Pfandsammeln entwickelt, das herkömmliche Pfandringe ersetzen soll. Laut den Gründern ist es u.a. flexibler einsetzbar, sauberer und billiger.

Sammeln mit einer Röhre

Social Cycle setzt auf eine röhrenartige Konstruktion, in die leere Flaschen und Dosen gesteckt werden können. Ihr Sammelsystem ist wesentlich günstiger als herkömmliche Pfandringe. „Unser System kostet zwischen 79 und 99 Euro. Die Pfandringe kosten alleine in der Produktion schon 300 Euro, mit genau der gleichen Kapazität an Flaschen. Außerdem spart man sich die Montage“, sagt der Unternehmensberater. Die Sammelkonstruktionen von Social Cycle werden nämlich nur mit Schellen fixiert, was für zusätzliche Flexibilität sorge. „Du kannst dann einfach die Module z.B. vom Bahnhof abmontieren und dann bei einem Fest montieren“, erklärt Schwarz.

Zudem sei die Reinigung wesentlich einfacher als bei allen anderen Systemen am Markt. Weiters passen die Module laut dem Co-Founder besser ins Stadtbild als bisherige Sammelsysteme. „Wir haben auch das Feedback bekommen, dass es einfach viel besser im öffentlichen Raum ausschaut, was natürlich eins der größten Probleme bei den Pfandringen ist“, erklärt Schwarz.

So sehen die Sammelmodule von Social Cycle aus. | © Social Cycle

Wien als nächstes Ziel

Social Cycle ist bereits an über 150 Standorten in Österreich und Deutschland vertreten, unter anderem in Bregenz, Steyr und Kahl am Main. Nur in Wien fehlen noch jegliche Pfandsammelsysteme. Auf brutkasten-Anfrage erklärt das Büro des Wiener Klimastadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ), dass Pfandsammelsysteme auch zur „Ablagerung sonstiger Abfälle“ verwendet würden, was zu höheren Reinigungskosten führe.

„Dabei haben wir eben unser System genau so entwickelt, dass es dieses Problem nicht gibt“, erklärt Schwarz. Ab September gebe es erneut Gespräche mit der SPÖ, den NEOS und den Grünen. Der 25-Jährige ergänzt: „Wir rechnen zu 100 Prozent mit einem positiven Ausgang. Wir sind wirklich überzeugt, dass es einfach eine perfekte Lösung auch für Wien ist.“

Dem Büro des Klimastadtrats sind Gespräche im Herbst nicht bekannt. Es erklärt, dass das Einwegpfand u. a. das Ziel verfolge, Getränkeverpackungen in den Recyclingkreislauf zurückzuführen. „Die Einführung von Pfandsammelbehältnissen würde diesem Grundgedanken entgegenstehen, da dadurch ein Anreiz entstehen kann, Pfandgebinde bewusst im öffentlichen Raum zurückzulassen und deren Rückführung auf Dritte zu verlagern“, ergänzt das Büro.

Präsenz in ganz Europa

Das im März 2026 gegründete Unternehmen finanziert sich mittels Bootstrapping. Investoren soll es keine geben. Als Kunden kommen für Social Cycle Städte, Gemeinden und Abfallverbände in Frage. Die Gründer wollen ihr Produkt durch konstantes Feedback verbessern und sich so gegenüber ihrer Konkurrenz durchsetzen. Dabei setzen sie auf Mundpropaganda, Medienberichte und die eigene Kommunikation z.B. mittels Mails. Schwarz und Linsbichler denken trotz langsamen Wachstums bereits an die nächsten großen Schritte. Das Startup soll u.a. nach Holland und Irland expandieren und seine Präsenz in Deutschland verstärken. Schwarz möchte mit dem Pfandsammelsystem auch in Hamburg und Berlin vertreten sein. „Unser Ziel ist es wirklich, dass unsere Module in die Infrastruktur eingebunden sind wie Mistkübel, in ganz Europa“, stellt der Co-Founder fest.

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