17.09.2025
DOMINO

TU Wien startet Forschungsprojekt für sichere Edge-KI in der Industrie

Die TU Wien will mit einem neuen Forschungsprojekt KI-Anwendungen in der Industrie nicht nur leistungsfähiger, sondern auch sicherer und nachhaltiger gestalten.
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Projektpartner beim Kick-off-Event im Juni. | © TU Wien

Die TU Wien hat gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Technologie das österreichweite Projekt “Domino” gestartet. Ziel der Initiative ist es, die nächste Generation industrieller Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) zu entwickeln – direkt auf dezentralen Geräten, also in Form von Edge-KI. Damit will man die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Industrieunternehmen stärken und einen Beitrag zu mehr Sicherheit und Nachhaltigkeit leisten.

Vorteile von Edge Computing

Beim Edge Computing werden Daten nicht zentral in der Cloud, sondern direkt an ihrer Entstehungsquelle verarbeitet. Dieses Konzept bringt zahlreiche Vorteile mit sich: schnellere Reaktionszeiten, niedrigeren Energieverbrauch, bessere Datensicherheit und geringere Kosten.

Die Umsetzung erweist sich jedoch als komplex. KI-Modelle müssen an die begrenzte Rechen- und Speicherleistung der Edge-Geräte angepasst, während des Betriebs überwacht und bei Bedarf sicher aktualisiert werden. Genau hier setzt das Projekt Domino an.

Schwerpunkte

„Sicher, energieeffizient und dauerhaft leistungsfähig“ – mit diesen Leitlinien beschreibt die TU Wien die Ziele von Domino. Die Initiative betrachtet den gesamten Lebenszyklus von Edge-AI-Systemen, von der Entwicklung (Dev) über den operativen Einsatz (Ops) bis hin zur kontinuierlichen Aktualisierung.

Im Zentrum stehen drei Schwerpunkte:

  • Entwicklung KI-optimierter Modelle für Industrieanwendungen wie Bahnwesen, erneuerbare Energien und Holzverarbeitung
  • Überwachung der Systemleistung unter realen Bedingungen, etwa bei Staub, Witterung oder Geräteverschleiß
  • Kontinuierliche Verbesserung durch Betriebsdaten und Nutzerfeedback – mit einem klar menschenzentrierten Ansatz

So soll nicht nur die Leistungsfähigkeit gesichert, sondern auch der Entwicklungsaufwand für Unternehmen, insbesondere KMU, spürbar reduziert werden. Zudem orientiert sich Domino an den hohen Anforderungen des EU-AI-Acts, der Sicherheit und Nachhaltigkeit von KI-Systemen einfordert.

Partner des Projekts

Neben der TU Wien sind als Technologiepartner Siemens, Mission Embedded und Vrull beteiligt. Die TU Graz bringt weitere Forschungsexpertise ein, während die Industriepartner Fill (Holzindustrie) und Reisenbauer Solutions (Photovoltaik) konkrete Anwendungsfelder bereitstellen.

Gefördert wird Domino durch das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) sowie die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Die Ergebnisse sollen in drei praxisnahen Demonstrationsprojekten umgesetzt werden.

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KI führt zu „Seniorisierung“ von Junior-Rollen und zweigeteiltem Arbeitsmarkt

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Personen im Büro an Laptops
(c) Annie Spratt via Unsplash

„Wer heute in den Arbeitsmarkt einsteigt, wird von Anfang an gefordert. Das ist für junge Menschen eine große Chance, aber auch eine Herausforderung“, ordnet Rudolf Krickl, CEO von PwC Österreich, die Ergebnisse einer aktuellen Studie ein. Im Rahmen des globalen „AI Jobs Barometer 2026“ hat die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC weltweit mehr als eine Milliarde Stellenanzeigen aus 27 Ländern auf sechs Kontinenten analysiert. Die Untersuchung soll aufzeigen, wie Künstliche Intelligenz (KI) Berufsprofile, Gehälter, Fähigkeiten und die Arbeitsproduktivität beeinflusst.

Neue Ansprüche bei Einstiegsjobs

Besonders stark zeigt sich der Wandel am Anfang der Karriereleiter. Für Einstiegspositionen erwarten Arbeitgeber in KI-geprägten Berufen zunehmend Fähigkeiten, die traditionell eher erfahrenen Fachkräften vorbehalten waren. Zu diesen gehört die Entwicklung fortgeschrittener, spezifisch menschlicher Kompetenzen wie kritisches Denken, Kooperationsfähigkeit, Veränderungsbereitschaft und Führungskompetenz.

Laut Studie machen solche traditionell seniorigen Fähigkeiten wie motivierende Führung, strategische Entscheidungsfindung oder Teambildung bereits 52 Prozent der neu geforderten Skills in KI-exponierten Einstiegsberufen aus. Bei Berufen mit geringem KI-Kontakt liegt dieser Anteil bei lediglich sieben Prozent. Die Studienautor:innen schreiben in diesem Zusammenhang von einer „Seniorisierung“ von Junior-Rollen. Während klassische Einstiegsjobs in stark betroffenen Branchen insgesamt stagnieren, verzeichnen solche „seniorisierten“ Einstiegspositionen, die mindestens zehn dieser neuen fortgeschrittenen Fähigkeiten verlangen, ein deutliches Wachstum von 35 Prozent. Dies zwingt Unternehmen und das Bildungssystem dazu, Berufseinsteiger:innen künftig anders zu fördern und zu begleiten.

Produktivität treibt Beschäftigungswachstum

Entgegen bekannter Befürchtungen, dass Künstliche Intelligenz in großem Stil Arbeitsplätze ersetzen wird, zeichnet der Bericht ein anderes Bild. Unternehmen mit hoher KI-Intensität verzeichnen nicht nur stärkere Produktivitätszuwächse, sondern bauen auch ihre Belegschaften schneller aus. Zwischen 2018 und 2025 stieg die Produktivität von Firmen mit starkem KI-Einsatz um 34 Prozent (im Vergleich zu 24 Prozent bei geringem Einsatz). Parallel dazu wuchs deren Beschäftigung um 52 Prozent, während Unternehmen mit geringer KI-Nutzung ihre Belegschaft nur um 36 Prozent vergrößerten.

PwC-Österreich-Chef Krickl zieht dazu eine historische Parallele: „Wir beobachten hier ein klassisches Muster der Wirtschaftsgeschichte. Auch die Industrialisierung hat kurzfristig Jobs verdrängt, langfristig aber deutlich mehr neue geschaffen, weil Produktivitätsgewinne Wachstum ermöglichen. Dieses Wachstum schafft wiederum neue Aufgaben und erhöht den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften“.

Zweigeteilter Arbeitsmarkt: „Professionalised“ vs. „Democratised“

Die Analysen deuten darauf hin, dass sich ein zunehmend zweigeteilter Arbeitsmarkt entwickelt. Auf der einen Seite stehen sogenannte „Professionalised Roles“ (professionalisierte Berufe), in denen KI Routineaufgaben übernimmt, wodurch menschliches Urteilsvermögen, Fachwissen und strategische Entscheidungen an Bedeutung gewinnen. Diese Berufsgruppen, zu denen etwa Personalvermittler:innen oder Jurist:innen gehören, wachsen weltweit mehr als doppelt so schnell wie „Democratised Roles“ (demokratisierte Berufe). In Letzteren standardisiert die Technologie Aufgaben so stark, dass sie auch für Nicht-Fachkräfte leichter zugänglich werden, was jedoch das Lohnwachstum dämpfen kann. Seit 2021 verzeichnen die professionalisierten Berufe eine um 42 Prozent raschere Gehaltsentwicklung als demokratisierte Positionen.

KI-Kompetenzen als Gehalts- und Einstellungsfaktor

Gleichzeitig erweisen sich spezifische KI-Kenntnisse als massiver Gehaltsfaktor. Stellen, die entsprechendes Fachwissen – wie Machine Learning oder Prompt Engineering – explizit verlangen, bieten weltweit einen durchschnittlichen Gehaltsaufschlag von 62 Prozent (nach 57 Prozent im Vorjahr). Zudem wächst die Nachfrage schnell: Binnen eines Jahres stieg die Anzahl der Stellenausschreibungen, die KI-Kompetenzen fordern, um 69 Prozent. Die Einstellung von KI-Spezialist:innen wuchs im Jahr 2025 weltweit achtmal schneller als der gesamte Arbeitsmarkt. Spitzenreiter ist die Technologie-, Medien- und Telekommunikationsbranche, in der 11,4 Prozent aller Stellenausschreibungen auf KI-Spezialist:innen abzielen.

Für Unternehmen bedeutet diese Entwicklung, dass sie sich vermehrt auf die menschlichen Erfolgsfaktoren konzentrieren müssen. Krickl betont in diesem Zusammenhang: „KI-Kompetenzen sind gefragter denn je, Menschen, die sie souverän einsetzen können, bleiben jedoch rar. Nicht die Technologie allein macht Unternehmen erfolgreicher, sondern die Menschen, die sie sinnvoll einsetzen. KI-Tools kann heute jedes Unternehmen kaufen – kritisches Denken, Urteilsvermögen und Teamfähigkeit nicht. Wer jetzt in diese Fähigkeiten investiert, verschafft sich einen Vorsprung, der in den kommenden Jahren weiter an Wert gewinnen wird“.

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