27.10.2025
INTERVIEW

TU-Wien-Rektor Schneider: „Unser mittelfristiges Ziel: 30 bis 50 Spin-offs pro Jahr“

Jens Schneider, Rektor der TU Wien, spricht im Interview über die aktuelle Spin-off-Strategie und Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen.
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Jens Schneider, Rektor der TU Wien | (c) Dominik Perlaki / brutkasten
Jens Schneider, Rektor der TU Wien | (c) Dominik Perlaki / brutkasten

Seit etwa zwei Jahren ist Jens Schneider Rektor der Technischen Universität Wien (TU Wien). Dieses Jahr setzte er mit der Uni gleich mehrere auffällige Schritte in Sachen Spin-off-Strategie: Im März wurden erstmals die Pläne für den gemeinsam mit Speedinvest aufgestellten Fonds Noctua Science Ventures präsentiert. Im Mai folgte die Vorstellung der neuen „Spinoff Factory“.

Zuletzt präsentierte sich die TU Wien am Verbund Venture Day als Teil der Initiative „Energy Launchpad“, die ebenfalls Spin-offs fördern soll, zusammen mit ETH Zürich, TU München, Verbund, EnBW und Energie 360° – brutkasten berichtete.

Im Interview im Rahmen des Verbund Venture Day sprach brutkasten mit Schneider über die Spin-off-Strategie, das neue „Energy Launchpad“, die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Corporates sowie zwischen Universitäten untereinander – und über eine Vision von Wien als „das neue New York, aber anders interpretiert“.


brutkasten: Die TU Wien hat in letzter Zeit ihre Spin-off-Strategie sehr stark forciert. Die Strategie hat mehrere Komponenten. Was sind für Sie die Kernelemente, mit denen Sie die Ausgründungen in der TU Wien vorantreiben wollen?

Jens Schneider: Drei Kernelemente sind entscheidend: Erstens die ‚Spin-off Factory‘, die entlang der gesamten Student Journey und Researcher Journey – von Bachelor und Master über Docs und Postdocs bis zu Professor:innen – maßgeschneiderte Serviceleistungen bietet. Dies soll dazu dienen, dass Entrepreneurship und Ausgründung gut begleitet und dadurch viele an der TU Wien motiviert werden, selbst zu gründen.

Der zweite Punkt ist mir besonders wichtig: Wir entwickeln gerade das Konzept ‚Entrepreneurship for All‘. Wir wollen unternehmerische Grundlagen bereits im Bachelorstudium in allen Fakultäten verankern. Nicht jede:r Studierende soll gründen. Aber jede:r soll in Kontakt mit Entrepreneurship kommen, um zu verstehen, wie ein Unternehmen funktioniert. Es soll vermittelt werden, was ein Businessplan ist und was Cashflow bedeutet, wie Buchführung grundsätzlich funktioniert und wie eine Bilanz aufgebaut ist. In Unternehmensberatungen wird das manchmal als “Mini MBA” bezeichnet. Dieses wirtschaftliche Grundverständnis ist enorm wichtig, weil es einem überall helfen kann, egal welchen Karriereweg man nimmt.

Der dritte Punkt, der mir ebenfalls sehr wichtig ist, betrifft das Schaffen von Strukturen, die eine die Ausgründung wirklich aktiv unterstützen. Ein Beispiel hierfür ist unser Pre-Seed Fonds Noctua Ventures, den wir gemeinsam mit Speedinvest aufgesetzt haben.

Gleichzeitig ist es auch sehr wichtig, die internen Regelwerke in der TU Wien so zu gestalten, dass bekannt ist, was man machen darf und was nicht. Denn es kann auch Interessenskonflikte geben. Es muss geregelt sein, zu welchen Bedingungen Räume, Labore oder High-Performance-Computer genutzt werden können oder wie Anstellungsverhältnisse gestaltet sein müssen, damit man parallel an der TU Wien und im Spin-off arbeiten kann. Und bei Erfindungen bzw. IP muss geklärt sein, was im Bereich der TU Wien und was beim Spin-off liegt und wie beide Partner die Erfindungen möglichst erfolgreich valorisieren.

Gestern haben wir entschieden, die TU Wien an einem unserer vielversprechendsten Spin-offs mit einem ‚IP for Shares‘-Modell zu beteiligen. Das bedeutet, dass wir als TU Wien nicht sofort das Geld aus dem IP-Lizenzvertrag erhalten, sondern einen Anteil an dem Startup halten, und selbst investieren. Das machen wir naturgemäß nur bei Themen und Technologien, von denen wir überzeugt sind, dass es funktionieren wird.

Die drei Elemente sind also: erstens die komplette “Customer Journey” unserer Studentinnen und Studenten und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bedienen, zweitens Entrepreneurship in der Lehre von Anfang und drittens die richtigen Randbedingungen dafür zu schaffen, dass Spin-offs und die TU Wien profitieren.

Was sind die mittelfristigen Ziele, die Sie sich gesetzt haben? Kann man das in Zahlen gießen?

Unser mittelfristiges Ziel: 30 bis 50 Spin-offs pro Jahr an der TU Wien und 100 bis 200 im gesamten TU-Austria-Netzwerk. TU Austria besteht aus TU Wien, TU Graz, Montanuni Leoben und den technischen Fakultäten der Unis Linz und Innsbruck sowie der BOKU Wien.

Wir stehen momentan bei etwa zehn Millionen Euro.

Wir brauchen eine breitere Basis, weshalb ich überzeugt bin, dass es nicht reicht, nur auf der Ebene der Doktorand:innen, Postdocs und Professor:innen anzusetzen. Wir müssen die Anreize schon bei Bachelor und Master setzen. Die TU Wien hat 25.000 Studierende, die TU Austria insgesamt rund 40.000. Wenn wir die technik-affinen Studierenden der Uni Innsbruck, der JKU Linz und der BOKU noch dazurechnen, kommen wir locker auf 100.000 Studierende. Das ist ein wahnsinniges Potenzial, das überhaupt noch nicht ausgeschöpft ist.

Und eine weitere Zahl: Wir lukrieren zur Zeit das Kapital für den Noctua Venture Fonds. Ich glaube, wir stehen momentan bei etwa zehn Millionen Euro. Das First Closing wird dann wahrscheinlich im nächsten Frühjahr sein. Geld zu lukrieren ist nie einfach, deshalb muss es auch gut vorbereitet sein. Und ich bin wirklich stolz, dass die Einrichtung des Fonds mit Speedinvest hier in Österreich so schnell geklappt hat. Dafür gebührt allen Beteiligten großer Dank.

Wir sind heute auf einem Event von Verbund und Xista, auf dem das “Energy Launchpad” präsentiert wurde. Die TU ist zusammen mit Verbund, der TU München, der ETH Zürich, der deutschen EnBW und der Schweizer Energie 360° daran beteiligt. Die Initiative steht im Zeichen der Kooperation von Wissenschaft und Corporates mit Spin-offs und Startups. Wie wichtig ist diese Ebene der Kooperation mit etablierten Unternehmen für die TU?

Technische Universitäten pflegen traditionell viele Kooperationen mit Unternehmen. Allerdings sind das oft nur Eins-zu-eins-Kooperationen von einzelnen Professor:innen mit den Unternehmen. Meistens kommt ein Unternehmen auf die Professor:innen zu, weil es eine Anforderung hat und nach Lösung sucht. Für uns ist es wichtig, dass dies strukturierter abläuft.

Wir wollen keinen zusätzlichen Aufwand oder eine weitere administrative Ebene schaffen. Aber Kooperationen mit wichtigen Corporates sollen zum Nutzen aller für unterschiedliche Bereiche an der TU offen sein, und dafür brauchen wir einen Key Account für die Koordination. Bei uns ist das beim Energy Launchpad zum Beispiel Professor Rene Hofmann, der das hervorragend macht und auch sofort identifiziert, welche Themen aufkommen, die man mit anderen Professorinnen und Professoren gemeinsam zu lösen sind.

Wenn sich nun ein starkes Netzwerk mit München, Zürich und Wien entwickelt, hat man natürlich ganz andere Hebelwirkungen, zum Beispiel auch um zu den richtigen Ebenen in den Unternehmen vorzudringen. Gemeinsam können wir Themen besser in die Politik einbringen und etwas bewegen. Dies ist für alle Beteiligten wichtig, gerade weil im Energiebereich die Transformation voll im Gange ist. Und Energie ist auch ein sehr wichtiges Feld für die TU Wien und die TU Austria.

Die TU München und die ETH Zürich sind auch zwei Universitäten, die in Österreich immer genannt werden, wenn es darum geht, wo eine Spin-off-Strategie besonders gut gelungen ist. Sind das für Sie auch Vorbilder?

Ja, natürlich. Das muss man klar sagen: Zürich hat sehr früh mit Spin-off Konzepten angefangen. Auch Helmut Schönenberger aus München [Anm. Mitgründer und CEO UnternehmerTUM] war schon sehr früh dabei – vor mehr als 20 Jahren. Ich denke, der Unterschied hier in Österreich ist nur, dass wir das für das ganze Land aufbauen müssen. Wir sehen nicht nur die TU Wien, sondern wollen in TU Austria und mit den anderen Partnern aus den Unis, z.B. der MedUni, den Fachhochschulen und mit AIT und ISTA immer für ganz Österreich denken.

Die TU Wien selbst ist auch nicht groß genug, das muss man ehrlich sagen.

Denn wenn die Aktivitäten zu fragmentiert und zu klein sind, können wir nicht gut skalieren. Die TU Wien setzt hier Maßstäbe, aber wir denken immer an die gesamte Community. Denn die TU Wien selbst ist auch nicht groß genug, das muss man ehrlich sagen. Der Erfolg kommt nur mit einer gemeinschaftlichen Aktion.

Man könnte also sagen, das übergeordnete Motto sowohl innerhalb der Wissenschaft als auch mit Corporates und im gesamten Spin-off-Bereich ist Vernetzung und Zusammenarbeit?

Zusammenarbeit ist entscheidend, wo Mindestgrößen und Hebelwirkung benötigt werden. In manchen Bereichen der Forschung und dem Wettbewerb um die besten Köpfe werden wir nach wie vor im Mitbewerb zur ETH Zürich oder zur TU München sein. Unser Alleinstellungsmerkmal sind die Ökosysteme, die jetzt bei uns in Österreich gerade entstehen und dass wir es zusammen anpacken. Dann haben wir eine riesige Chance, zum Beispiel auch durch die Nähe zu, Ost- und Südosteuropa. Dort gibt es einen enorm guten MINT-Bildungsbereich und Österreich und Wien können als Talentemagnet für den gesamten Kulturkreis fungieren.

Gibt es da auch Hürden, die Sie spüren?

Regionale Eigenheiten können teilweise mühsam sein. Wien wird sowohl positiv als Magnet als auch negativ als “schwarzes Loch” gesehen. Die Stadt ist natürlich mit über zwei Millionen Einwohnern in einem Land von knapp neun Millionen sehr dominant in Österreich. Deswegen entstehen Sorgen nach dem Motto: Alles wird von Wien vereinnahmt. Dem müssen wir entgegentreten. Denn oft kommen motivierte Talente aus der Umgebung, die sehr konzentriert und ehrgeizig ihren Weg machen. Wir müssen dafür sorgen, dass in ganz Österreich Innovation entsteht. Denn Österreich ist überall dort lebenswert, wo die Menschen merken, dass ein Zusammenspiel zwischen Urbanität und ländlichem Raum funktioniert. Davon profitiert die gesamte Gesellschaft.

Mein Traum ist, dass Wien langfristig so etwas wie das neue New York wird, aber anders interpretiert.

Andererseits kann man global aber keine Rolle spielen, wenn eine Millionenstadt wie Wien nicht das Zugpferd ist. Wien muss ein Innovation Hub werden – wie Kopenhagen oder Paris oder Regionen um die Universitäten in Stanford, MIT, Cambridge und Oxford. Wien hat diese Chance durch seine kulturelle Vielfalt. Vor etwas mehr als 100 Jahren gab es hier zehn Amtssprachen. Wien ist eine Stadt mit einer unglaublich breiten kulturellen Verankerung.

Mein Traum ist, dass Wien langfristig so etwas wie das neue New York wird, aber anders interpretiert. Es geht dabei nicht nur um Cash. Wir müssen auch an die Menschen und den Purpose denken und daran, wie dieser gesellschaftspolitisch funktioniert. Das ist meines Erachtens die Schwäche im Silicon Valley. Dort sind einzelne Leute extrem reich geworden und viele andere haben nichts davon. Das führt zwangsläufig zu einer gesellschaftlichen Spaltung.

Zu sehen zum Beispiel an den Zeltstädten von Obdachlosen direkt in San Francisco…

Ja, denn leider wird viel zu oft nur das Schöne gezeigt. Das mag beeindruckend sein, aber eine Ellenbogenmentalität führt langfristig nicht zum guten Ziel. Dennoch muss sich Leistung lohnen und es ist ein permanenter Aushandlungsprozess.

Ich möchte zuletzt noch einmal auf das heute präsentierte Energy Launchpad zurückkommen. Die Initiative zielt sehr stark auf Zusammenarbeit und gemeinsame Open Innovation ab. Allerdings ist sie branchenmäßig klar auf die Energiebranche fixiert. Ist das ein spannendes Modell auch für andere Bereiche, da die TU wissenschaftlich doch deutlich breiter aufgestellt ist als nur im Energiebereich?

Absolut. Das ist ein Pilotprojekt, bei dem wir testen wie eine solche Plattform für Open Innovation funktioniert. Dabei geht es erst einmal nicht um Top-Down-Förderung durch Ministerien oder Ähnliches, sondern um einen Bottom-Up-Ansatz. Wir haben das selbst mit den Partnern initiiert. Daher ist es auch ein Funktionstest.

Gleichzeitig denke ich, dass das auf andere Felder ausgedehnt werden kann, beispielsweise auf den Quantenbereich. Österreich ist führend in Quantentechnologie – etwa im Quantencomputing in Innsbruck oder in Quantenoptik und -sensoren in Wien. Dafür könnte man sich auch solch eine Plattform vorstellen – obwohl es außer Infineon noch nicht so viele Industriepartner in der Größe gibt, wie im Energiebereich. Diese müssen erst entstehen. Weitere spannende Bereiche sind Biotech, Automation, der gesamte KI-Bereich und Cyber Security.

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Manuel Gahn und Lena Manzenreiter | (c) Lumia
Manuel Gahn und Lena Manzenreiter | (c) Lumia

Eine ganze Reihe internationaler Krypto-Anbieter baut bekanntlich seine EU-Hauptquartiere in Wien auf. Während Player wie Bybit EU, KuCoin EU oder zuletzt WhiteBit EU dank Erhalt der MiCAR-Lizenz bereits offiziell die Arbeit aufgenommen haben, müssen andere vorerst unter dem Radar bleiben.Nicht weniger als fünf dieser Player, KuCoin EU, WhiteBit EU und drei weitere, die noch nicht genannt werden dürfen, haben sich an den beiden Standorten des Wiener Office-Space-Unternehmens Lumia angesiedelt. Das wiederum befindet sich aktuell in der nächsten Expansionsphase, nachdem nach dem Start mit dem Startup House vor drei Jahren bereits 2024 ein zweiter Standort eröffnet wurde.

Dabei setzt man nicht nur auf internationale Krypto-Unternehmen. Kürzlich hat Lumia-Gründer Manuel Gahn mit Lena Manzenreiter als neue Head of Ecosystem & EUHQ eine Verantwortliche für diese internationalen Ansiedlungen an Bord geholt, die auch als Ansprechpartnerin für Partnerorganisationen wie Wirtschaftsagentur Wien, FFG, GIN, WKO, und DAAA fungiert. Im Interview erzählte uns Gahn über die besondere Position von Lumia im Krypto-Bereich, die Anforderungen, die man dafür erfüllt und die Strategie, die dahinterliegt.


brutkasten: Wie hat sich Lumia seit dem Start mit dem Startup House vor einigen Jahren entwickelt? Wo steht ihr gerade?

Manuel Gahn: Mit dem Startup House haben wir vor gut drei Jahren angefangen. Wir sind wirklich zu diesem physischen Ankerpunkt der Wiener Startup-Szene geworden, vor allem auch als Community Place. Etwas unbeabsichtigt hat sich ja auch das hocherfolgreiche Geschäftsmodell der Event-Venues entwickelt, wobei wir hier mit Loft und Prisma zwei Standorte haben. All das ist im Lumia-Ökosystem gebündelt. Wir haben zudem gemerkt, dass es sich bei unseren Coworkern mittlerweile auch über das Startup-Segment hinaus entwickelt hat. Mit unseren Serviced Offices ziehen wir auch größere Firmen an – beispielsweise Dyson und Uber.

Prisma fungiert bei Lumia als Event-Venue | (c) Lumia

Hat sich das auch auf euer Angebot ausgewirkt?

Ja, wir haben gemerkt, dass wir in Premium Serviced Offices expandieren können. Vor gut eineinhalb Jahren kam dann die Ansiedlung von KuCoin Europe, die dann den Prozess begonnen haben, sich für die MiCAR-Lizenz zu bewerben. Das war für uns eine neue Herausforderung, aber auch sehr spannend. Mit dem chinesischen Markt war ich davor schon ein bisschen in Berührung, weil ich in Hongkong studiert habe. Auch mit dem chinesischen Eigentümern konnte ich dementsprechend etwas besser umgehen als vielleicht andere Spaces in Wien.

Und mittlerweile seid ihr im Krypto-Segment aber noch deutlich weiter gewachsen…

Ja, wir sind wieder in der Expansion, weil wir mittlerweile so viel Nachfrage und volle Büros haben. Insbesondere mit dem Fokus auf zukünftige sogenannte CASPs, also Crypto Asset Service Providers. Das sind jetzt nicht nur Krypto-Player und Krypto-Börsen selbst, sondern auch zum Beispiel Stablecoin-Unternehmen, die sehr strenge regulatorische Vorschriften und Vorgaben für die Office Compliance haben, mit der Finanzmarktaufsicht als sehr kompetenter Regulatorin. Die Fragen für die Büro-Requirements sind zwar komplex, aber für alle die gleichen und die haben wir mittlerweile am besten ausgearbeitet. Zwei unserer Unternehmen haben diesen Prozess bereits geschafft und weitere drei sind aktuell dabei.

Du hast KuCoin EU schon erwähnt. Die zweiten, die diesen Prozess geschafft haben, darfst du auch nennen…

Ja, KuCoinEU ist an unserem zweiten Standort in der Tribüne, wo auch das Prisma als Konferenzzentrum läuft. Im Startup House ist im Frühjahr Whitebit EU eingezogen und hat letzte Woche die MiCAR-Lizenz bekommen. Die drei weiteren Unternehmen darf ich noch nicht nennen, weil sie gerade im Lizenz-Prozess sind. Aber auch die sind bereits in Office-Größen von 5 bis 20 Leuten und arbeiten sehr stark an ihrer Compliance, um die Lizenzen zu bekommen. Da wird es in den nächsten paar Wochen noch neue Announcements geben.

Mit was überzeugt ihr die Krypto-Unternehmen? Warum kommen alle zu euch?

Es sind nicht alle bei uns. Bybit EU, die wohl größte Wette auf Österreich, etwa nicht. Ich weiß von sieben oder acht, die diese Prozesse haben, und fünf davon sind hier. Natürlich ist es die starke Flexibilität, anfangs ein kleines Team zu haben und bei uns wachsen zu können. Lumia zieht außerdem Wiens engagierteste Personen und Firmen an – viele davon jung und Expats. Im Krypto-Bereich liegt das auch an der Nähe zu Bitpanda. Viele Leute, die in diesen in MiCAR-Lizenzierungsprozessen steckenden Firmen angestellt sind, sind ehemalige Pandas und schätzen den Business Hub rund um die Krieau.

Die Bitpanda-Zentrale ist direkt gegenüber vom Startup House…

Ja. Und der größte Hebel ist letztlich das Netzwerk. Angefangen hat es bei KuCoin Europe mit Oliver Stauber, Christian Niedermüller, Christian Derler und so weiter. Keiner von denen ist jetzt noch dort und sie haben alle neue Arbeitgeber, die auch in diesen Lizenzprozessen sind. Sie alle sind bei uns geblieben.

Und so trifft sich dann das gesamte ehemalige Team bei euch wieder?

Lustigerweise ja. Sonst würde man sagen, wir sind im B2B-Business, also Lumia macht Office Business, aber eigentlich, nachdem wir einfach die besten Arbeitsplätze Österreichs anbieten, ist es ein bisschen ein B2C-Business. Vielleicht verändern sich die Arbeitgeber:innen von den Personen, aber die Personen wollen bei uns bleiben.

Du hast auch von regulatorischen Hürden gesprochen. Bei jenen davon, die das Office angehen, seid ihr am Zug. Kannst du mir da mehr erzählen?

Ja, die Office-Compliance hat sich als Quick Win für MiCAR-Applicants herauskristallisiert. Da geht es etwa darum, dass laut Vorschriften drei voneinander getrennte Bereiche für eine Krypto-Company nötig sind. Holding, Compliance-Team, Anti-Money-Laundering Officer, Anti-Terrorism-Financing und so weiter. Wie wird die Hot Wallet gestored? Wie sind die Access Logs? Wie gehen wir mit Umsatzsteuerschädlingen um? Wie werden Besucher:innen registriert? Gibt es ein High-Security-Zutrittskontrollsystem? Das ist das, was wir jetzt auch gerade wieder aufrüsten und nochmal verbessern. Wir brauchen etwa verstärkte Sicherheitstüren und Fenster mit einbruchsicheren Sichtschutzfolien. Es ist schon wirklich ein Aufwand, sich da zu spezialisieren. Die ersten ein, zwei Male waren nicht lustig, aber jetzt haben wir das perfektioniert.

Lumia stellt für seine Mieter spezielle Zugangssysteme bereit | (c) Lumia

Damit wissen mittlerweile auch die Regulatoren, wenn sie für den sogenannten Office Visit “wiedermal” bei uns vorbeikommen, dass wir wissen, was zu tun ist. Ich will damit nicht sagen, dass es die Unternehmen leichter haben, die Lizenz zu bekommen und Office Compliance ist auch wirklich nur ein ganz kleiner Teil. Es sind genau dieselben strengen Regeln, die sie in anderen Immobilien auch haben. Nur wir können dabei unterstützen, weil wir in diesem konkreten Thema vermutlich europaweit am meisten Erfahrung haben.

Und ich nehme jetzt an, der Prüfer, der zum fünften Mal wegen der fünften Firma zu euch kommt, weiß dann schon, dass eure Fenster bruchsicher sind…

Zum Beispiel. Sie wissen auch, dass wir die WLAN-Netzwerke voneinander trennen, es komplett sichere Storage Archives gibt, die Zutrittskontrollen on-premise laufen und es Security-Kameras gibt. Zum Beispiel müssen alle Besucher:innen getrackt werden. Da gibt es dann eine Registrierung über unsere Rezeption. Die checkt sie ein und aus, prüft die IDs und teilt Visitor-Badges aus. Das haben wir wirklich zur Perfektion getrieben.

Jetzt Anfang Juli ist ein großes Thema natürlich, dass die MiCAR-Regelungen endgültig schlagend werden. Wie nimmst du das von deiner Position aus wahr?

Wir kriegen das gar nicht so viel mit, weil wir nicht im Tagesgeschäft involviert sind. Eine neue Firma hat morgen diesen Office Visit. Heute stellen wir auch gerade nochmal sicher, dass alle Systeme laufen, damit alles funktioniert. Nachdem es einmal aufgesetzt wurde, muss es dann ja immer funktionieren. Es ist schon auch lustig, wenn dann viele internationale Gäste hier sind.

Aber die Firmen siedeln sich unter anderem deswegen bei uns an, weil sie auch noch nicht wissen, was passiert, wenn sie abgelehnt werden. Da kann man keinen Fünf-Jahres-Vertrag mit vielleicht 400 Quadratmetern unterschreiben, wenn man nach sechs Monaten abgelehnt wird und keine Lizenz bekommt. Da sind Flex-Office-Lösungen eine sehr gute Lösung.

Ich stelle zum Ende nochmal eine klassische Ausblicksfrage: Du hast am Anfang des Interviews anklingen lassen, dass ihr weiter in der Expansionsphase seid. Und du hast gesagt, dass sich auch internationale Unternehmen abseits der Krypto-Branche wegen eines EU-Headquarters bei euch umsehen.

Wir sind jetzt gerade dabei, weitere 500 bis 1.500 Quadratmeter dazu zu mieten – das ist noch nicht ganz fix. Je nach Arbeitsplätzen und Conference Center kann das noch variieren oder auch noch viel mehr werden, falls noch mehr von diesen Firmen kommen. Was wir gemerkt haben: Es gibt zum Beispiel dank „Go Austria“ von GIN und FFG ziemlich viel Zuzug nach Wien als Basis für einen Markteintritt in Europa. Flexible Premium-Arbeitsplätze können hier natürlich auch von Wirtschaftsagentur Wien und ABA gut positioniert werden. Diese Firmen brauchen anfangs mal ein Virtual Office und expandieren dann womöglich auch auf Arbeitsplätze. Die wissen oft noch gar nicht, was genau deren Europe Entry Strategy sein wird.

Deswegen haben wir auch diese Marke „EUHQ by Lumia“ erfunden. Das können Finanzdienstleister oder Crypto Asset Service Provider sein, auf die wir aktuell unseren Fokus legen, weil es eben sehr schwer ist, denen zu genügen, und wir da den perfekten Product-Market-Fit gefunden haben. Aber es gibt auch andere, die in unserem Tech-Expat-Hub gerne einziehen würden.

Unsere Mitarbeiterin Lena Manzenreiter leitet die Expansion in dieses Geschäftsfeld. Sie wird viel im Ökosystem, mit der DAAA und mit der Wirtschaftsagentur Wien an neuen Initiativen arbeiten, um mit diesen internationalen White-Collar-Jobs neue Akzente zu setzen – um Wien als wichtigen Tech-Standort und Expansions Hub für Europa weiter zu etablieren.

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