16.05.2025
AUSGRÜNDUNGEN

TU Wien präsentiert neue Spinoff Factory

Die neue Plattform soll wissenschaftliche Ausgründungen vorantreiben: Offiziell vorgestellt wurde die Spinoff Factory beim gemeinsamen Event von TU Wien und Noctua Science Ventures im Rahmen der ViennaUP. brutkasten war vor Ort.
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(c) martin pacher / brutkasten

Im Rahmen des Startup-Festivals ViennaUP 2025 präsentierte die TU Wien ihre neue Innovationsplattform „The Spinoff Factory“. Ziel der Initiative ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Startups zu überführen – und damit eine zentrale Lücke im österreichischen Innovationsökosystem zu schließen.

Die Spinoff Factory wurde als hundertprozentige Tochtergesellschaft der TU Wien gegründet. Sie versteht sich als zentrale Anlaufstelle für Studierende und Forscher:innen, die mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit den Schritt in die Unternehmensgründung wagen wollen. Unterstützt wird sie dabei vom Innovation Incubation Center (i²c) und der Abteilung Forschung, Technologie & Innovation (FTI) der TU Wien.

„Wir bauen Brücken – innerhalb der TU Wien, zwischen den Universitäten und mit Partnern in ganz Österreich“, sagte Christian Hoffmann, CEO der Spinoff Factory. Ziel sei es, Co-Creation zu ermöglichen und eine systemische Wirkung zu entfalten.

Das Angebot reicht von Beratung zu Gründerverträgen und Karrieremodellen über Business-Mentoring und Frühphasenfinanzierung bis hin zur Bereitstellung von Infrastruktur. Eine neue interaktive Landkarte soll künftig alle relevanten Unterstützungsangebote für Spin-offs in Österreich sichtbar machen – darunter jene von TU Graz, JKU, AIT, Uni Wien, WU, Fraunhofer und weiteren Partnern.

Gemeinsame Mission mit Noctua Science Ventures

Parallel zur Spinoff Factory wurde auch „Noctua Science Ventures“ vorgestellt – ein Joint Venture der TU Wien mit dem europäischen Seed-Investor Speedinvest. Noctua Science Ventures fokussiert sich auf die finanzielle und operative Unterstützung von Deep-Tech-Startups aus dem akademischen Umfeld – brutkasten berichtete bereits über den Launch im März.

„Unser Ziel ist einfach“, erklärte Philipp Stangl, Investment Lead bei Noctua. „Wir wollen Gründer:innen helfen, ihre IP-lastige Forschung in skalierbare Unternehmen zu verwandeln – schneller und mit den richtigen Ressourcen vom ersten Tag an.“

Podiumsdiskussion: Herausforderungen und Potenziale

Im Rahmen der Präsentation diskutierten Vertreter:innen aus Wissenschaft und Praxis über die Bedingungen für erfolgreiche Ausgründungen. Dabei standen Themen wie geistiges Eigentum, fehlendes Risikokapital und der notwendige Kulturwandel an Universitäten im Mittelpunkt.

(c) martin pacher | brutkasten

Alexander Svejkovsky vom AIT forderte mehr Offenheit und Risikobereitschaft – etwa nach dem Vorbild Irlands. Josiane P. Lafleur, Gründerin von Invisible Light Labs, plädierte für einen Paradigmenwechsel: „Unternehmertum sollte nicht als Ablenkung von der Wissenschaft gesehen werden, sondern als ihre logische Fortsetzung.“

Ziel: Verdoppelung der Spinoffs bis 2030

Mit Blick auf die FTI-Initiative 2030 der Bundesregierung herrschte Konsens: Die angestrebte Verdoppelung der erfolgreichen Ausgründungen bis 2030 ist ambitioniert, aber erreichbar – wenn Universitäten, Gründer:innen und Investor:innen enger zusammenarbeiten. Die Spinoff Factory und Noctua Science Ventures sehen sich als zentrale Treiber dieser Entwicklung und laden zur Mitgestaltung eines vernetzten, praxisorientierten Spinoff-Ökosystems ein.

„Österreich hinkt bei der Umwandlung wissenschaftlicher Durchbrüche in erfolgreiche Startups um 50 % hinterher. Wir haben die Forschung, aber wir brauchen stärkere Investitionen, bessere Unterstützungssysteme und ein zusammenhängendes Ökosystem“, so Antonia Rinesch, Partnerships & Communications Lead für beide Initiativen.

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Wictory
©Wictory - Markus Unterweger, Amy Goodson und Klaus Müller.

Das HealthTech-Startup Wictory.ai rund um Klaus Müller und Markus Unterweger startete 2024 mit dem Ziel, Daten aus Gesundheits- und Fitnesstracking zu kombinieren und damit die Leistung von Sportler:innen zu verbessern. Wenige Monate nach dem offiziellen Start sicherte man sich ein mittleres sechsstelliges Investment – brutkasten berichtete – mit Ex-Skirennläufer Michael Walchhofer als Lead-Investor.

Aus dem Archiv: Wie Wictory.ai kurz nach dem Start ein sechsstelliges Investment holte

Nun gab das transatlantische KI-Startup die strategische Fusion mit der in Frisco, Texas, ansässigen Serviceplattform The Sports Nutrition Playbook der US-Sportdiätologin Amy Goodson bekannt. Die Transaktion soll den kommerziellen US-Markteintritt von Wictory durch die Integration von mehr als 30 erfahrenen Sport-Diätologinnen sowie eines direkt über Versicherungen abrechenbaren Geschäftsmodells beschleunigen.

„Beseitigen finanzielle Hürden“

„Was früher ausschließlich Profisportlern vorbehalten war, steht nun auch Nachwuchsathleten und ambitionierten High-Performern zur Verfügung“, sagt Klaus Müller, Co-Gründer und CEO von Wictory. „Durch die Verbindung unserer KI-Plattform mit Amys bewährtem Coaching-Framework und dem Abrechnungsmodell über die US-Versicherungen beseitigen wir finanzielle Hürden und machen erstklassige Performance-Ernährung für Millionen von Menschen zugänglich.“

„Personalisierte Ernährung ist das ideale Anwendungsfeld für Künstliche Intelligenz“, ergänzt Markus Unterweger, Co-Gründer und CTO. „Durch die Verknüpfung domänenspezifischer KI-Modelle mit Biometriedaten aus über 100 Wearables reduzieren wir den administrativen Aufwand auf ein Minimum. Damit ermöglichen wir Diätologen eine kontinuierliche Betreuung auf höchstem Niveau.“

Wictory mit agentischer KI

Im Zentrum der Transaktion steht ein Coaching-Modell, dessen Kosten von Gesundheitsversicherungen übernommen werden sollen. Dadurch sollen laut Unternehmensangaben mehr als 70 Millionen anspruchsberechtigte US-Amerikaner:innen Zugang zu professioneller Sporternährung erhalten – Wictory zufolge ohne Selbstbehalt.

Technologisch stützt sich Wictory auf eine proprietäre, agentische KI, die laut Aussendung Echtzeitdaten aus mehr als 100 Wearables, Blutbildern, Foto-Food-Logging, Audio-Inputs und Regenerationstracking in einem zentralen, selbst entwickelten „System of Intelligence“ bündelt. Die Protokolle für Ernährung, Hydration und Regeneration richten sich an Athlet:innen vom Nachwuchs- bis zum Spitzensport, mit aktuellem Fokus auf den US-Nachwuchssportmarkt, den Wictory in der Aussendung mit einem Volumen von 40 Milliarden US-Dollar beziffert.

„Athletinnen und Athleten von ‚Peewee bis Pro‘ mit personalisiertem Performance-Coaching zu begleiten, ist ein echter Gamechanger“, sagt Goodson, die The Sports Nutrition Playbook 2023 gegründet hat und nun die Rolle des Chief Nutrition Officer bekleidet. „Der Schulterschluss mit Wictory erlaubt es uns, evidenzbasierte Sportwissenschaft zu skalieren und Expertenwissen direkt auf die Smartphones von Athlet:innen in den gesamten USA zu bringen.“

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