20.05.2026
EXPANSION

TU-Wien-Absolvent baut Schweizer Deep-Tech-Scaleup: Expansion in die USA

Mit seinem Scaleup Avian will der ehemalige TU-Wien-Student Thomas Längle den jährlichen Milliardenschäden durch Industriebrände entgegenwirken. Nach einer Seed-Finanzierungsrunde über 2 Mio. CHF im August 2025 expandiert das Schweizer Unternehmen nun verstärkt in die USA.
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Das Avian Team, 8 Personen, stehen in einem Avian Shirt in einem Garten und schauen in die Kamera (c) avian
Thomas Längle (Zweiter v. l.) und das Avian-Team (c) Avian

Durch einen Großbrand zur Produktidee

Im Jahr 2017 hat das Schweizer Sägewerk Schilliger Holz einen schweren Brand am Standort Haltikon erlebt (SRF berichtete). Ernest Schilliger, der Inhaber von Schilliger Holz, suchte daraufhin ein System, welches Brände in Zukunft vermeiden kann. Mit seinem Anliegen wandte sich Schilliger an Thomas Längle und dem heutigen Avian-CTO Drew Hanover, die sich am Robotics and Perception Lab der Universität Zürich kennenlernten. Aus diesem Anliegen heraus entstand 2023 das Unternehmen.

Avian kombiniert KI-gestützte Thermalkameras mit einer Software, die echte Hitzeereignisse von Rauschen unterscheidet und innerhalb von Sekunden alarmiert. Das System unterstützt dabei, Brandrisiken an Stellen zu erkennen, die von Menschen nicht kontinuierlich überwacht werden können. Heute zählt das Scaleup neben Schilliger noch 50 Industriebetriebe in neun Ländern zu seinen Kunden. Dazu gehören auch US-Industriegrößen wie Sierra Pacific Industries und Tolko. Der Branchenfokus von Avian liegt auf Sägewerken und Holzverarbeitungsbetrieben sowie Abfall- und Recyclinganlagen.

Avian-CEO Thomas Längle (c) Avian

Von der TU Wien in den US-Markt

Thomas Längle, der 2017 sein Studium im Fach Elektrotechnik an der TU Wien abschloss, steht beispielhaft für den Weg aus einer österreichischen Universität in die internationale Deep-Tech-Gründerszene. „Wir wollten beweisen, dass man von Österreich und der Schweiz aus ein global wettbewerbsfähiges Industrie-KI-Unternehmen bauen kann. Innerhalb von zwei Jahren sind wir auf über 50 geschützte Betriebe in neun Ländern gewachsen und haben den Sprung in den US-Markt geschafft – das zeigt, wie viel Substanz hinter europäischer Deep-Tech-Forschung steckt, wenn man sie konsequent in echte Produkte übersetzt“, so Längle.

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Das neue Labor von Sequestra ist weltweit einzigartig. | © sequestra

Es ist wohl eine der großen Fragen unserer Zeit: Wie kann der CO2-Gehalt in der Atmosphäre reduziert werden? Das Wiener Startup sequestra nimmt sich dieses Problems an. In seinem neu eröffneten und weltweit einzigartigen Labor erhebt es, wie viel CO2 in Schlacken, Aschen und Baurestmaterialien gebunden werden kann. Dadurch sollen die technologischen und monetären Nutzungsmöglichkeiten von diesen Materialen bewertet werden können. Kernstück ist die selbst entwickelte Analyseplattform Luma, die durch automatisierte Versuchsabläufe fundierte Daten über die CO2-Bindung und Materialumwandlung liefert.

„Maßnahmen zur CO2-Reduktion, sei es durch Verringerung industrieller Emissionen oder das Entfernen von CO2 aus der Atmosphäre, müssen durch transparente und wissenschaftlich fundierte Methoden belegt werden. Bei sequestra arbeiten wir an audit- und zukunftsfähigen Lösungen, welche das Rückgrat der Messung und Validierung von CO2-Bindung durch Mineralisierung bilden“, erklärt Chief Scientific Officer Matthias Ginterseder.

Ziel ist die globale Marktführung

Zu sequestras Kunden zählen Unternehmen z. B. aus der Stahl-, Zement- oder Bauindustrie. Die Absicht des Greentech-Startups ist klar. Es möchte globaler Marktführer im Feld der Messung und Optimierung von CO2-Mineralisierungsprozessen, also der Bindung von CO2 in z. B. mineralischen Reststoffen, werden. Mittelfristig will sequestra seine Messmethoden und Analysetechnologien zum Industriestandard entwickeln.

Sequestra untersucht wie viel CO2 in diversen Materialien gebunden werden kann. | © sequestra

2027 sollen Anlagen vermarktet werden

„Zurückblickend freuen wir uns sehr, sogar deutlich früher als ursprünglich geplant von unseren ersten Schritten der Technologieentwicklung bis zur Inbetriebnahme des kommerziellen Labors fortgeschritten zu sein“, sagt Roberto Lerche-Antoniazzi, Founder and Co-CEO von sequestra. Das Wiener Startup baut aktuell eine vorindustrielle Anlage am Standort Attnang-Puchheim. Ende 2027 möchte das Greentech-Unternehmen erste industrielle Anlagen zur CO2-Abbindung vermarkten.

Laut eigenen Angaben gehört die Firma zu den am schnellsten wachsenden Greentech-Unternehmen Mitteleuropas. Anfang des Jahres schloss sie eine Seed-Finanzierungsrunde über drei Millionen Euro ab. Überdies wurde sequestra durch die aufeinander aufbauende Förderprogramme der FFG unterstützt.

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