18.01.2021

Trumps Twitter-Bann: Soziale Netzwerke im Dilemma!

In seiner aktuellen Kolumne setzt sich Mic Hirschbrich mit den Auswirkungen von Trumps Twitter-Bann und den damit einhergehenden Rückgang von Falschinformationen in den sozialen Netzwerken auseinander. Zudem beleuchtet Hirschbrich die längerfristigen Folgen des "Deplatforming" für die Zukunft bestehender und neuaufkommender Plattformen.
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Trumps Twitter-Bann
Mic Hirschbrich | (c) Adobestock

Stelle dir vor, du bist CEO eines mächtigen, börsennotierten Unternehmens und du verlierst deinen wichtigsten Kunden. Du musst ihn von deinem Angebot ausschließen, weil er deinen Werten widerspricht.

Wenn Kolumnisten kritisieren, dass die großen sozialen Netzwerke zu viel Macht entwickelt hätten, wenn sie einfach einen amtierenden Präsidenten einer großen Demokratie von ihrem Service aussperren können, haben sie gleichzeitig recht aber auch nicht.

Für Twitter-CEO Jack Dorsey war die Sperre von Trump jedenfalls die schwierigste und weitreichendste Entscheidung der 15-jährigen Unternehmensgeschichte und bestimmt kein „business as usual“.

Twitter machte Trump

Trump war nicht irgendein Präsident, der ein soziales Netzwerk nutzte, denn davon gibt es reichlich, – demokratische wie autokratische. Donald Trump erreichte mit Twitter seine Reichweite und machte sich damit unabhängig von den „Fake News“-Medien, wie er praktisch alle außer Fox und Breitbart bezeichnete.

Er ließ der Welt in Echtzeit wissen, wie seine Befindlichkeiten waren, was er als nächstes plante und wer als nächstes gefeuert werden würde. Mit rund 88 Millionen Followern und Abermillionen Kommentaren und Nennungen von seinen Tweets, war Trump damit ein großer ökonomischer Faktor für Twitter und Co mit noch dazu gewaltigem politischem Gewicht.

Abschied vom Traum freier Plattformen?

Twitter, Facebook und Co wurden vor allem von Europa seit vielen Jahren unter Druck gesetzt, wegen ihrer mangelnden Sorgfalt bei Hass-Rede und Fake-News stärker einzugreifen. Hier sind seit Beginn dieser Portale zwei Welten aufeinandergeprallt. Hier die Vision der Silicon Valley Unternehmer, die mit ihren Produkten die freie Rede zum obersten Gebot erheben und Meinungen digital und global demokratisieren und liberalisieren wollten. Und da europäische Kunden, Medien und Behörden, die mit unregulierter Plattform-Ökonomie nichts anfangen können und wollen. Sie betrachten soziale Netze als Medien, um sie für die von ihren Usern publizierten Inhalte auch haftbar machen zu können.

Ein wenig erinnert uns die Positionierung der US-Netzwerke an naive liberale Parteiprogramme, die auf dem Prinzip überwiegend „eigenverantwortlich handelnder und vernünftiger Menschen“ beruhen. Eh schön, nur eben an der Realität der Menschheit vorbeigeplant, wie wir alle schmerzlich lernen mussten.

Davon auszugehen, man könne ein digitales Netzwerk inhaltlich auf sich selbst gestellt lassen, mutet in etwa so an, als würde man bei einer hochinfektiösen und tödlichen Pandemie auf Eigenverantwortung und freiwilliges Testen und Impfen setzen.

Gutmeinend Richtung 1984 marschieren!

Die Vision von freien Kommunikations-Plattformen ist großartig, besonders in einer Welt, in der demokratische Werte wie die Meinungsfreiheit nicht einmal in einem Fünftel aller Staaten verwirklicht sind. (22 von 167 Staaten gelten als „vollständige Demokratie„).

Nur, dass ausgerechnet ein demokratisch gewählter Präsident damit eine regelrechte Manipulations-Maschinerie aufbauen und laut seinen Kritikern sogar implizit zu Gewalt aufrufen würde, damit war nicht zu rechnen. Auch nicht, dass Millionen Menschen völlig unwidersprochen glaubten, was er schrieb, egal wie absurd es sich las sowie Tausende einen „Protestmarsch zum Kapitol“ sofort in die Tat umsetzen würden.

An einer Stelle in diesem Video wird das auch für Skeptiker offensichtlich. Da schreit ein Anhänger des Mob einem einschreitenden Polizisten innerhalb des gewaltsam erstürmten Kapitols entgegen: „We follow our president Trump, your boss“.

Etliche Inhalte in sozialen Medien sind punkto Radikalität und Verbreitung offenkundig brandgefährlich und jemand muss – so scheint es – regulierend eingreifen.

Technologen warnen davor, dass mit dem Beginn des inhaltlichen Eingreifens, die Büchse der Pandora geöffnet wurde. Zum einen haben wir sehr verschiedene Werte auf der Welt. Es gibt freie Gesellschaften, aber auch Diktaturen, linke, rechte und liberale Regime. Die global agierenden Plattformen müssen bei ihren inhaltlichen Alarm-Filtern und Eingriffen mehr und mehr auf die jeweiligen Befindlichkeiten und nationalen Normen Rücksicht nehmen, auch auf solche die im diametralen Widerspruch zu ihren eigenen Werten stehen.

Der Druck für Eingriffe wird indes immer weiter steigen, ist die Tür dafür mal offen. Und wer zieht jetzt wo und nach welchen Gesetzmäßigkeiten die Grenzen? Zum anderen müssen sie algorithmisch immer häufiger und tiefer eingreifen, zensieren und sanktionieren. (Nur menschlich ließe sich das enorme Inhaltsvolumen unmöglich überwachen).

Damit erhalten sie eine Macht, die ihnen gar nicht recht sein kann und auch nicht ist. Und auch die Befürworter solcher Eingriffe freuen sich zu früh, denn sie zwingen die Sozialen Netze zu dem zu werden, was sie selbst nie wollten: Plattformen, in denen semantisch intelligente KI-Zensur-Algorithmen entscheiden, was richtig und falsch ist, was veröffentlicht wird und was nicht, wer kommunizieren darf und wer nicht. Man muss nicht immer 1984 zitieren, um zu erahnen, dass dies eine mehr als problematische Entwicklung genau dahin darstellt.

Der Trump-Effekt war gewaltig, vor seinem Bann und danach

Die vergangenen Jahre habe ich zu Weihnachten immer alle Online-Kanäle abgedreht und, wie viele von Ihnen, digitales „Detox“ betrieben. Heuer war es anders, aus irgendeinem Grund blieb ich online und erlebte eine völlig anderes Twitter um den 24. Dezember herum.

Der übliche Hass, die gewohnte Häme, die bissigen und zynischen Kommentare, das sich auf Kosten anderer lustig machen und dieses narzisstische sich selbst Abfeiern, – es war alles wie weggeblasen. Es waren noch etliche User online, aber sie kommunizierten zivilisiert, lustig, sachlich, hart aber fair und ich sah das, was ich seit langem nicht mehr erleben durfte: Ein soziales Netzwerk, in dem man sich beim Informieren und Austauschen auch richtig wohlfühlen konnte. Vielleicht war es der von vielen ersehnte Weihnachtsfriede nach einem irren Jahr. Ich weiß es nicht. Aber es war großartig!

Das was dieses Weihnachten für mein kurzes friedvolles Online-Glück war, ist der Trump-Bann für viele Menschen. Auch wenn wir grundsätzlich seinen Ausschluss als problematisch empfinden können, der positive Effekt seines Bannes ist um vieles größer, als wir vermutet hätten. Das hat nun eine spannende Studie, der in San Francisco sitzenden Zignal Labs gezeigt.

„Deplatforming“: Trump-Bann heilt Soziale Netzwerke

Alleine die Fehlinformationen um den angeblichen Wahlbetrug verringerten sich seit Trumps Ausschluss um sagenhafte 73 Prozent. So gab es davor noch 2,5 Millionen falsche Erwähnungen zu diesem Thema, seit seinem Bann nur mehr rund 700.000. Auch die Konten auf Facebook, Instagram, Snapchat, Twitch und Spotify wurden gesperrt oder gelöscht und hatten aliquote Effekte zu verzeichnen.

Die Studie zeigt nicht nur, wie Falschinformationen wirken, sondern auch, wie sehr sie sich verstärken. Dass obendrein 70.000 Konten gesperrt wurden, die mit Verschwörungstheorien rund um QAnon in Verbindung gebracht wurden, hatte ebenfalls enorme Wirkkraft. Das Hashtag „march for trump“ ging um 95 Prozent zurück und entsprechende User haben unmittelbar ihre Mobilisierungskraft verloren.

Dass Trumps Bann so große Wirkung zeigt, hing auch mit seiner Fähigkeit zusammen, Twitter und Co für sich zu nutzen. So erklärte eine Professorin für Informationswissenschaft an der University of Colorado, Leysia Palen: „Trumps Verstärkungsmaschine ist unvergleichlich.“

Fazit

Punkto Hass und Fake-News in sozialen Medien lernten wir also, dass ein radikaler Bann einzelner
Accounts, mittels massiver Eingriffe in die Rechte der Eigentümer, eine deutliche Verbesserung bringen kann. Bei quasi Plattform-Oligopolen darauf zu verweisen, dass diese ja private Unternehmen seien und solche harten Eingriffe deshalb ohne weiteres vornehmen könnten, ist jedoch kurzsichtig. Sie sind aufgrund ihrer Größe womöglich schon systemrelevant. Diese Frage ist umstritten und wird uns noch eine Weile beschäftigen.

Die Trumpisten werden auf Telegram und Co ausweichen und wahrscheinlich eigene Netzwerke aufbauen. Aber es wird noch genug Hass und Missinformation bleiben. Wir werden uns überlegen müssen, wie die Sozialen Netze der Zukunft aussehen sollen, wenn sie uns größeren Nutzen stiften, besser informieren und wieder mehr Freude bereiten sollen.

Apropos: Freunde machten mich auf Clubhouse aufmerksam, der „neue geile Scheiß“, wie man in der Szene gerne sagt. Wie im Club abhängen, aber Pandemie-konform zuhause sein und -auf Audio basierend- neue Leute kennenlernen und spannende Diskussionen führen. Mal sehen. Ich mag das ja, statt fluchen und verbieten, etwas Neues gründen. Es ist die Zeit für neue Soziale Netze, denn die bisherigen kamen in die Jahre und stecken unübersehbar in einer Sackgasse. Seien wir gespannt, wer diese länger nicht vorhandene „opportunity“ auch nutzen wird!


Zum Autor

Mic Hirschbrich ist CEO des KI-Unternehmens Apollo.AI, beriet führende Politiker in digitalen Fragen und leitete den digitalen Think-Tank von Sebastian Kurz. Seine beruflichen Aufenthalte in Südostasien, Indien und den USA haben ihn nachhaltig geprägt und dazu gebracht, die eigene Sichtweise stets erweitern zu wollen. Im Jahr 2018 veröffentlichte Hirschbrich das Buch „Schöne Neue Welt 4.0 – Chancen und Risiken der Vierten Industriellen Revolution“, in dem er sich unter anderem mit den gesellschaftspolitischen Implikationen durch künstliche Intelligenz auseinandersetzt.


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Wyoming E-Auto-Verbot E-Auto-Förderung , Ladepunkt, Charging, E-Mobility
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„Elektromobilität ist in Österreich angekommen“. So lautet eine aktuelle Meldung des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI). Demnach waren im Juli 2026 erstmals mehr als 300.000 rein batterieelektrische Pkw (BEV) auf Österreichs Straßen unterwegs. Konkret lag der hochgerechnete Bestand Ende Juli bei 304.328 E-Pkw. Gleichzeitig setze sich der dynamische Hochlauf bei den Neuzulassungen fort: Im Juli waren 27,39 Prozent aller neu zugelassenen Pkw rein elektrisch, insgesamt wurden im Juli 7.073 E-Pkw neu zugelassen.

E-Autos: Drei Jahre später

„300.000 E-Pkw auf Österreichs Straßen sind ein starkes Signal: Die Elektromobilität ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Besonders erfreulich ist, dass wir gleichzeitig bei den Neuzulassungen einen Rekord sehen. Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein E-Auto, weil das Angebot größer wird, die Technologie ausgereifter ist und die Ladeinfrastruktur kontinuierlich wächst. Diesen Weg werden wir mit eMOVE Austria (Anm.: Dachmarke des Bundes für emissionsfreie Mobilität) weitergehen“, kommentiert Mobilitätsminister Peter Hanke.

Blickt man etwas mehr als drei Jahre zurück, sah die Lage noch anders aus: Damals zeigte eine Deloitte-Umfrage unter rund 1.000 Österreicher:innen ein zurückhaltendes Stimmungsbild: Nur neun Prozent der Befragten planten der im Jänner 2023 erschienenen Befragung nach, sich als nächstes Auto ein E-Fahrzeug anzuschaffen. Verbrennungsmotoren blieben damals für die Mehrheit weiterhin die erste Wahl, während Plug-in-Hybride an Zuspruch gewannen.

Allerdings: Eine heuer veröffentlichte Deloitte-Studie stützt teilweise die Erkenntnisse des BMIMI: Der österreichische E-Automarkt komme laut aktueller Untersuchung spürbar in Bewegung, auch wenn Verbrenner bei Konsument:innen weiterhin beliebt bleiben.

Von Jänner bis November 2025 wurden – wie in der Untersuchung angeführt – laut Statistik Austria 158.000 Elektro- oder Hybridautos neu zugelassen, ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die Kaufentscheidung zugunsten eines E-Autos sprechen aus Sicht der rund 1.000 befragten Österreicher:innen vor allem geringere Treibstoffkosten (45 Prozent) und Umweltaspekte (37 Prozent), während Zweifel an der Reichweite (50 Prozent) und hohe Anschaffungskosten (40 Prozent) weiterhin als größte Hürden gelten.

Bei der Frage nach dem nächsten Autokauf hat sich der Wert gegenüber der Erhebung von vor drei Jahren hingegen kaum verändert: Rund zehn Prozent der Befragten würden sich für ein reines E-Auto entscheiden, weitere zehn Prozent für einen Plug-in-Hybrid und 15 Prozent für einen klassischen Hybrid als Einstieg.

Ladeinfrastruktur weiterhin Thema

Als zweiten zentralen Faktor identifiziert die aktuelle Deloitte-Studie die Ladeinfrastruktur: 38 Prozent nennen lange Ladezeiten als Hemmnis, und obwohl sich beim Netzausbau zuletzt viel getan habe, bleibt vor allem außerhalb Wiens Aufholbedarf. Auch bei privaten Lademöglichkeiten zeigt sich eine Lücke: Zwar würde die Mehrheit (63 Prozent) ihr E-Auto am liebsten zuhause laden, doch etwa ein Drittel (30 Prozent) verfügt gar nicht über eine eigene Ladestation.

Deloitte-Partner Matthias Kunsch bringt es so auf den Punkt: „Beim Thema Laden besteht erheblicher Handlungsbedarf. Investitionen in das Schnellladenetz sind – gerade außerhalb von Wien – dringend notwendig. Grundsätzlich ist es aber erfreulich, dass der E-Auto-Markt hierzulande endlich in Fahrt kommt. Doch Fakt ist auch: Erst durch ein effizient ausgebautes, flächendeckendes Ladenetz und vor allem leistbare Fahrzeuge wird sich die Elektromobilität wirklich bei der Masse durchsetzen.“

40.000 Ladepunkte als Sommerziel

In diesem Sinne spricht das BMIMI von einer „zunehmenden Dynamik“ bei diesem Thema: „Die Marke von 100.000 batterieelektrischen Pkw wurde in Österreich im September 2022 erreicht. Für die nächsten 100.000 Fahrzeuge waren anschließend 27 Monate notwendig. Für den Sprung von 200.000 auf 300.000 E-Pkw brauchte es hingegen nur noch rund 19 Monate. Damit beschleunigt sich der Hochlauf der Elektromobilität deutlich. In einzelnen Bundesländern liegt der Anteil der E-Pkw an den Neuzulassungen mittlerweile sogar bei über 30 Prozent“, liest man in der Aussendung.

Parallel zur steigenden Zahl an E-Fahrzeugen würde auch die öffentliche Ladeinfrastruktur kontinuierlich ausgebaut. Im Juli wurden 676 neue öffentliche Ladepunkte errichtet, seit Jahresbeginn 2026 damit insgesamt 3.817. Damit verfügt Österreich derzeit über rund 39.500 öffentliche Ladepunkte, die Marke von 40.000 soll noch im Sommer erreicht werden, so der Plan.

„Der Hochlauf der E-Mobilität funktioniert dort besonders gut, wo Fahrzeugangebot und Infrastruktur zusammenspielen. Deshalb setzen wir mit eMOVE Austria gezielt auf den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur“, erklärt Hanke. „Unser Ziel ist klar: E-Mobilität soll für die Menschen einfach, alltagstauglich und verlässlich sein – unabhängig davon, ob sie in der Stadt oder am Land leben.“

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