Tricentis Co-Founder über die Learnings des 165 Mio. Investments
Der Co-Founder der Wiener Software-Firma Tricentis, Franz Fuchsberger, spricht im brutkasten Interview über die Learnings, die er seit dem 165 Millionen US-Dollar schweren Investment im Jahr 2017 gemacht hat. Tricentis hat sich auf automatisierte Software-Tests spezialisiert und zählt zu Österreichs erstem Unicorn.
(c) feldmann / der brutkasten: Franz Fuchsberger ist Ende 2018 operativ aus dem Unternehmen ausgestiegen und hält aber noch Gesellschaftsanteile am Unternehmen.
Die Erfolgsbilanz der Wiener Software-Firma Tricentis ist beeindruckend. Das Unternehmen wurde im Jahr 2007 gegründet und hat sich auf automatisierte Software-Tests spezialisiert. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Firma zu einem Hidden-Champion in der Branche entwickelt. Der aktuelle Buchwert beträgt eine Milliarde Euro. Zum Unicorn-Status hat unter anderem auch ein Rekord-Investment in der Höhe von 165 Millionen US-Dollar im Jänner 2017 beigetragen. Damals hat sich das US-amerikanische Private-Equity- und VC-Unternehmen „Insight Venture Partners“ an Tricentis beteiligt (der brutkasten berichtete). Mittlerweile ist die Softwarefirma global vertreten, zählt 700 Mitarbeiter und erwartet bis Ende 2019 einen Jahresumsatz in der Höhe von 100 Millionen Euro.
Franz Fuchsberger, Co-Founder und ehemaliger Vertriebsleiter von Tricentis, hat in einem brutkasten-Livestream im Rahmen des Business Angel Summit 2019 in Kitzbühel über seine Erfahrungen und Learnings gesprochen, die er im Zuge des dreistelligen Millioneninvestments gemacht hat. Fuchsberger ist Ende 2018 aus dem operativen Geschäft von Tricentis ausgestiegen, hält aber nach wie vor Anteile an dem Unternehmen mit Milliardenbewertung. Derzeit ist Fuchsberger als Investor bei der steirischen Beteiligungsgesellschaft eQventure aktiv.
Unicorn-Talk: Tricentis ist der österreichische #Unicorn. Der Co-Gründer Franz Fuchsberger sprach mit uns beim Business Angel Summit in Kitzbühel über seine Gründerstory, das 165 Mio Invesment, die Erfolgsfaktoren, seine Learnings, seine Investoren-Rolle bei eQventures uvm.
Mit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2007 sei er und sein Team in einen Markt eingestiegen, der schon drei Jahrzehnte existierte. „Testautomation war schon seit 30 Jahren verfügbar. Die Automatisierungsrate war allerdings so gering, dass man von einem Versagen der Branche sprechen konnte“, so Fuchsberger. Damals hat sein Geschäftspartner eine Software entwickelt, die das Potential hatte, das Problem der Branche zu lösen. Das Werkzeug wurde so weit optimiert, dass Mitarbeiter ohne großes Fachwissen Testfälle erstellen konnten, um automatisiert Software-Bugs zu finden.
Fokus auf Global 2000 Unternehmen
Im Fokus stehen laut Fuchsberger hauptsächlich große Enterprise-Kunden. „Grundsätzlich positionieren wir ‚Tosca‘ bei Global 2000 Unternehmen. In Österreich gibt es aber kaum Kunden, die den Status eines Global 2000 Unternehmens erfüllen“, so Fuchsberger. Demnach bestand immer schon ein hoher Druck, das Unternehmen sowie das Produkt global zu positionieren. Zu den Kunden zählen beispielsweise Unternehmen, wie Toyota, Starbucks, BMW oder die Deutsche Bank.
Trotz der raschen Internationalisierung hat Tricentis den Bezug zu Österreich nicht verloren, da sich der Unternehmenssitz nach wie vor in Wien befindet. „Hochtechnologie muss nicht nur aus dem Silicon Valley kommen, sondern kann auch im Danube Valley entstehen. Das ist uns auch gelungen und hat uns sehr stolz gemacht.“ Mittlerweile unterhält Tricentis aber auch Büros in den USA, Australien sowie Indien.
Lange Vertragsverhandlungen
Im Jänner 2017 konnte das Unternehmen ein 165 Millionen US-Dollar Investment an Land ziehen (der brutkasten berichtete). Der Grund des Investments war damals der Markteintritt in den USA, der laut Fuchsberger sehr kostenintensiv gewesen sei. Fuchsberger ist damals selbst für eineinhalb Jahre in die USA übersiedelt, um die nötigen Strukturen aufzubauen.
Im Zuge des Investments hat er gemeinsam mit seinem Team zahlreiche Learnings gemacht. Eines davon war die lange Verhandlungsdauer der Series-A-Finanzierungsrunde. „Wir haben elf Monate über die Verträge verhandelt und das war eindeutig zu lange“, so Fuchsberger. Die A-Series-Runde wurde schlussendlich in einer Höhe von sechs Millionen Euro abgeschlossen. Durch die Verhandlungsdauer wäre der Fokus zu sehr auf den Vertragswerk gelegen, wobei die Gefahr bestand, dass die wichtigen Punkte im Rahmen der Skalierung zu kurz kommen.
165 Millionen US-Dollar in acht Wochen
Aus der ersten Finanzierungsrunde hätte er und sein Team die richtigen Learnings gezogen. Kurze Verhandlungen mit einem klaren Ziel standen damals für die zweite Finanzierungsrunde auf der Agenda. In nur acht Wochen konnte er in einer B-Series-Finanzierungsrunde ein Investment in der Höhe von 165 Millionen US-Dollar an Land ziehen. Als eine Weisheit gibt Fuchsberger Gründern mit auf den Weg: „Gute Unternehmen verkauft man nicht, sondern sie werden gekauft.“
Das Voting zum „Innovator of the Year“ 2026 – Kategorie Scaleups
Mit dem Innovator of the Year kürt brutkasten jedes Jahr gemeinsam mit seiner Community die innovativsten Köpfe Österreichs. In der Kategorie „Scaleups“ kannst du jetzt bis 1. November 2026 für deine:n Favorit:in abstimmen. Der Award wird am 5. November im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum vergeben.
Das Voting zum „Innovator of the Year“ 2026 – Kategorie Scaleups
Mit dem Innovator of the Year kürt brutkasten jedes Jahr gemeinsam mit seiner Community die innovativsten Köpfe Österreichs. In der Kategorie „Scaleups“ kannst du jetzt bis 1. November 2026 für deine:n Favorit:in abstimmen. Der Award wird am 5. November im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum vergeben.
Erfolgreiche Skalierung ist das Ziel jedes Startups. Bekanntlich schaffen das bei weitem nicht alle, doch auch hierzulande wird die Gruppe jener, denen der Sprung zum starken Wachstum gelungen ist, immer größer – und das auch unter bekanntlich teils widrigen Bedingungen.
Auch dieses Jahr schafften wieder einige heimische Unternehmen den Schritt vom Startup zum Scaleup und legten beeindruckende Wachstumsstorys vor. Und einige bereits etablierte Scaleups zeigten eindrücklich, dass ihre Wachstumsambition ungebrochen ist.
Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.
Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.
Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“
Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.
(Hinweis: Bei mehrfacher Stimmabgabe pro Tag erfolgt zwar keine gesonderte Fehlermeldung im Voting-Tool, Mehrfachvotes werden vom System jedoch automatisiert erkannt und ausgefiltert).
Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.
Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.
fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.
Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.
fonio.ai
fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai
Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.
Helferline
v.l.: Die Helferline-Gründer Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer mit CTO Janko Glavić | (c) Helferline
Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.
Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.
Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.
Reploid
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs.
waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.
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