28.03.2023

trastic: Kärntner Startup produziert Designmöbel aus Joghurtbecher

Das Kärntner Startup trastic produziert aus recyceltem Plastikmüll Designmöbel. Dabei geht es für das Jung-Unternehmen nun in die entscheidende Phase.
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Arno Trinkl und sein Partner Wolfgang Rauter.
Arno Trinkl und sein Partner Wolfgang Rauter. (C) trastic

Wie viele Joghurtbecher braucht es, um einen Tisch herzustellen? Fragen, die sich vermutlich nur die wenigsten Personen im Verlauf ihres Lebens stellten. Für Arno Trinkl, CEO von trastic, gehört dies aber zum daily business.

Als Trinkl sein Haus in Kärnten renovierte, kam ihm die Idee – wieso nicht Nachhaltigkeit und Design kombinieren? So entstand das Startup trastic, das es sich als Ziel setzt, aus Plastik Designmöbel herzustellen.

Trastic verspricht Nachhaltigkeit und Schönheit

„Niemand kauft etwas Hässliches, nur weil es nachhaltig ist“, sagt Trinkl lachend im brutkasten-Gespräch lachend. Eine Woche vor dem ersten Corona-Lockdown gründete er gemeinsam mit Wolfgang Rauter trastic. Die komplette Umstellung des öffentlichen Lebens hat den beiden Gründern in die Karten gespielt. So konnten sich Trinkl und Rauter voll und ganz auf ihr neues Vorhaben konzentrieren.

In einem eigenen Pressverfahren schafft es trastic seither Designmöbel aus Joghurtbechern, PET-Flaschen und anderem Plastikmüll herzustellen. Im Gegensatz zu anderen Pressverfahren, wo das Material erhitzt und gekühlt wird, läuft dieser Prozess bei trastic zweistufig. So spart das Kärntner Startup laut eigenen Angaben bei der Herstellung ihrer Möbel rund 80 Prozent Energie ein. Pro verarbeiteter Tonne Plastik würde trastic rund 3,2 Tonnen CO² einsparen, sagt Trinkl.

Ein Esstisch von trastic.
Ein Esstisch und Stühle von trastic. (C) trastic

Derzeit herrscht ein echter Run auf das Unternehmen. „Wir müssen immer wieder Anfragen ablehnen, einfach, weil wir mit der Produktion noch nicht so schnell sein können“, meint Trinkl. Die nächsten Schritte sind aber bereits geplant. Das vierköpfige Team soll nun vergrößert werden. Zudem sicherte sich das Unternehmen eine neue Maschine, die längere Platten pressen kann. Größere Möbelstücke, die final in einer regionalen Tischlerei „zusammengesteckt“ werden, sind dann möglich.

Nächste Entwicklungsphase vor der Tür

Neben der Maschine ist vor allem „Müll“ oder zumindest das, was andere unter Müll verstehen, das Herzstück von trastic. Dabei kommt das notwendige Material von örtlichen Recycling-Firmen. Zuletzt haben auch Unternehmen wie Vöslauer oder ein Kärntner Snowboard-Hersteller ihr Material angeboten. „Das ist eine Win-Win-Situation, wir bekommen Material und Firmen erhalten dafür eine Innenausstattung aus dem eigenen Produkt“, sagt Trinkl. Die Coporate Idendity ist somit sichergestellt.

Ein Wohnzimmer mit trastic-Möbel eingerichtet.
Ein Wohnzimmer mit trastic-Möbel eingerichtet. (C) trastic

Zu den Kunden von trastic zählen hauptsächlich größere Unternehmen. Laut Trinkl sind knapp 90 Prozent des Geschäftes B2B-Beziehungen. Zuletzt belieferte man das Casino Zögernitz mit neuen Stühlen für die Wiedereröffnung – allesamt aus wiederverwertetem Material. Finanziert wurde das Unternehmen einst durch Eigenkapital. Nach Abschluss der ersten Entwicklungsphase will man nun auch schon bald Investoren an Bord holen. „Es ist ein Herzensprojekt, dass wir diese erste Phase alleine abschließen können“, sagt Trinkl.

Übrigens zur Auflösung:

Wenn man davon ausgeht, dass ein leerer Joghurtbecher 3,5 Gramm wiegt und ein Tisch laut trastic-Angaben rund 35 Kilogramm Plastik benötigt, braucht man knapp 10.000 Joghurtbecher.

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Das Flatwise-Gründertrio (v.l.) Marc Lindorfer, Edwin Schneider und Johannes Reichl © Flatwise

Wenn es nach Johannes Reichl, Edwin Schneider und Marc Lindorfer geht, ist Immobilienverwaltung bis heute vor allem eines: kleinteilig, zeitintensiv und von manuellen Abläufen geprägt. Genau hier wollen die drei Linzer mit ihrem Startup Flatwise ansetzen. Das Gründerteam entwickelt eine Software, die zentrale Aufgaben von Vermieter:innen, von Mietanpassungen über Betriebskostenabrechnungen bis zur Vorbereitung von Steuerunterlagen, mithilfe von KI-Agenten automatisieren soll. Bereits vor dem offiziellen Marktstart setzen laut Angaben des Startups Vermieter:innen mit insgesamt mehr als 3.000 Wohnungen auf die Plattform.

Von der Pilot- zur Marktphase

Das Team, das erst im August 2026 eine GmbH gegründet hat, hat sein Produkt in den vergangenen Monaten eng mit den ersten 100 Pilotnutzer:innen weiterentwickelt, mit Feedback, Interviews und echten Kund:innendaten, wie Mitgründer Johannes Reichl im Interview erklärt. Der Ansatz unterscheide sich damit von klassischen Proptech-Lösungen, die bestehende Prozesse lediglich digitalisieren: „Wir wollen Immobilienverwaltung nicht nur digitalisieren, sondern grundlegend neu denken. Immobilien sollen sich künftig weitgehend von selbst verwalten können. Vermieter:innen können durch die Software von Flatwise professionell vermieten, ohne dabei selbst Fachexpert:innen sein zu müssen“, so Reichl.

KI-Agenten im Einsatz

Konkret möchte Flatwise KI dort einsetzen, wo Verwaltungsprozesse sinnvoll automatisiert oder unterstützt werden können. Dazu zählen für das Team unter anderem die Vorbereitung und Berechnung von Mietanpassungen, die Unterstützung bei Betriebskostenabrechnungen sowie die strukturierte Aufbereitung von Finanz- und Steuerinformationen. Der KI-Agent verbindet dabei unterschiedliche Daten und Prozessschritte innerhalb der Software, bereitet relevante Informationen auf und unterstützt Vermieter:innen bei der weiteren Bearbeitung.

Der Weg zum Ökosystem

Im Schnitt verwaltet ein:e Flatwise-Nutzer:in laut Unternehmen aktuell rund zehn Wohnungen. Für Reichl zeigt sich dabei ein klares Bild der Branche: „Der Markt ist extrem fragmentiert, es gibt viele Anbieter, die eigentlich zusammenhängen müssten, aber kaum vernetzt sind.“

Dieses Nebeneinander will Flatwise auflösen und sich schrittweise zu einem Ökosystem entwickeln, das Vermieter:innen, Mieter:innen und Dienstleister:innen auf einer Plattform zusammenbringt. „Wir glauben daran, dass gute Vermieter:innen das Wohnen für alle besser machen. Flatwise soll es einfacher machen, gut zu vermieten“, heißt es dazu vom Gründungsteam.

Enterprise-Lösung in Arbeit

Flatwise richtet sich an Vermieter:innen mit Beständen zwischen einer und hundert Immobilien. Mittlerweile hätten sich aber auch Hausverwaltungen und Bestandshalter:innen mit deutlich größeren Portfolios gemeldet. Deshalb entwickelt Flatwise momentan ein Enterprise-Modell, das künftig gezielt auf die Anforderungen größerer Bestandshalter:innen und Hausverwaltungen eingehen soll, wie der Mitgründer im Interview erklärt.

Wachstum vorerst ohne Angels oder VCs

Trotz bestehender Investmentangebote will das Team bei der Finanzierung vorerst auf Förderungen und den eigenen Cashflow setzen. Rund 20 Angebote von Angels und Venture-Capital-Geber:innen sind laut Reichl bereits eingegangen. Aufgegriffen werden sollen sie frühestens, wenn erste Umsätze stehen. Für eine geplante Wachstumsphase ist jedoch in der ersten Jahreshälfte 2027 eine Finanzierungsrunde angedacht. Unterstützung erhält das Gründerteam zudem im Inkubatorprogramm von tech2b durch ein Advisory Board aus Immobilienexpert:innen und erfahrenen Unternehmer:innen.

Wissen als Türöffner

Um neue Kund:innen zu erreichen, setzt Flatwise zusätzlich auf einen eigenen Immobilienratgeber mit aktuell rund 160 Artikeln, der komplexe Themen rund um Immobilien und Wohnen laienverständlich aufbereitet. Bereits mehrere tausend Personen sollen die Inhalte monatlich lesen. Für Reichl ist das ein wichtiger Kanal, um Vertrauen aufzubauen und so langfristig neue Nutzer:innen für die Plattform zu gewinnen.

Im kommenden Jahr will Flatwise nach eigenen Angaben marktführend in Österreich werden. Mittelfristig ist auch eine internationale Expansion, etwa nach Deutschland, angedacht. Ein konkreter Zeitpunkt steht laut Reichl aber noch nicht fest.

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