18.12.2025
EXPANSION

Tractive geht zwei neue Partnerschaften in Großbritannien ein

Das Paschinger Pet-Tech-Scaleup Tractive hat im Vereinigten Königreich zwei neue Kooperationen bekanntgegeben. Laut Unternehmensangaben betreffen diese den Versicherer “Napo Pet” Insurance sowie den Tierfutteranbieter “Bella + Duke”.
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Tractive
Michael Hurnaus | (c) Tractive.

Im Rahmen der Kooperation mit Napo Pet Insurance erhalten neue Versicherungskund:innen in Großbritannien beim Abschluss einer Polizze einen GPS-Tracker von Tractive. 

„Diese Partnerschaft mit Napo ist ein wichtiger Schritt, um Haustier-Versicherung und smarte Technologie enger zusammenzubringen“, sagt Michael Hurnaus, CEO von Tractive. Ziel sei es, Haustierhalter:innen von Beginn an einen zusätzlichen Nutzen zu bieten.

Auch Jean-Philippe Doumeng, CEO von Napo, verweist auf den praktischen Charakter der Zusammenarbeit: „Mit Tractive können wir unseren Kund:innen ab dem ersten Tag einen konkreten Mehrwert bieten. Das ist der Anfang einer weitergehenden Zusammenarbeit.“

Die Versicherungsnehmer:innen erhalten die Geräte im Rahmen der Versicherung kostenlos, das dazugehörige Abonnement müssen sie jedoch selbst abschließen. „So machen wir dort weiter auf uns aufmerksam und binden neue Kund:innen an uns“, kommentiert Hurnaus das Angebot gegenüber brutkasten.

Derartige Kooperationen sollen laufend ausgebaut werden, auch mit der im Juni 2025 verkauften unternehmenseigenen Versicherungssparte (brutkasten berichtete) soll es eine derartige Kooperation geben.

Zukünftig sei laut Hurnaus angedacht, Versicherungsprämien für versicherte Tiere entsprechend anzupassen und mit einem Bonussystem zu arbeiten. Die Erfahrung habe gezeigt, dass Nutzer:innen von Tractive besonders auf die Gesundheit ihrer Tiere achten und dadurch weniger tierärztliche Leistungen in Anspruch nehmen würden.Eine derartige Kooperation gäbe es bereits mit dem schwedischen Versicherunganbieter „Lassie”.

Die genauen Details der Kooperation werden nicht genannt, man habe aber eine Lösung gefunden, „die für beide Seiten sehr gut passt”, sagt Hurnaus im Interview.

Auswertung von Aktivitäts- und Ruhedaten

Parallel dazu arbeitet Tractive mit dem britischen Tierfutteranbieter Bella + Duke zusammen. Grundlage der Kooperation ist eine Auswertung anonymisierter Tracking-Daten tausender Hunde. Verglichen wurden Aktivitäts- und Ruhewerte von Hunden, die laut Nutzer:innen mit Bella + Duke gefüttert werden und solcher, die anderes Futter bekommen.

„Unsere Daten zeigen, dass Hunde, die ‘Bella + Duke’-Mahlzeiten erhalten, im Durchschnitt aktiver sind und besser ruhen“, erklärt Michael Hurnaus. Die Auswertung basiere auf realen Nutzungsdaten aus dem Tractive-System.

Auch Bella + Duke sieht in den Ergebnissen eine Bestätigung des eigenen Ansatzes. Brendan Clarke, Chief Veterinary Advisor bei Bella + Duke, sagt: „Eine natürliche, rohe Ernährung kann das Wohlbefinden von Hunden deutlich verbessern. Es ist wertvoll, diese Effekte nun auch anhand objektiver Daten sichtbar zu machen.“

Kooperationen mit Tierfutterproduzenten werden nach Angaben von Tractive laufend ausgebaut. Dadurch könne das Unternehmen die Genauigkeit der erhobenen Daten, darunter Ruhephasen, Bellaktivität und Pulswerte, demonstrieren. Im Rahmen der Expansion im Vereinigten Königreich wirke sich dies laut Tractive positiv auf die Glaubwürdigkeit der Daten sowie auf die Markenbekanntheit aus.

Futterhersteller zeigten laut Tractive grundsätzlich Interesse an solchen Studien, da sich damit gesundheitliche Effekte ihres Futters darstellen ließen.

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Opening Fireside Chat bei der aIQon: Peter Allan (accilium) diskutierte mit Alexia Feick (Microsoft) und Paul Strunz (Wien Energie) über KI im Unternehmensalltag. (c) Zsolt Marton

Keine Charts, keine Keynotes, nur Dinge, die funktionieren. Mit dieser Regel eröffnete Peter Allan, AI Lead und Managing Partner bei accilium, am 22. Oktober die erste aIQon im 15. Stock des Juwel Wien. Das Format lehnt sich an Tech-Konferenzen an: Ein Team stellt ein Problem vor, zeigt live, was es dagegen gebaut hat, und erklärt, was es dabei gelernt hat. Allan nannte den Nachmittag ein Experiment. Wer Organisationen das Potenzial von KI vermitteln wolle, komme mit Folien nicht mehr weit, man müsse es zeigen.

Von der Beratung zum Bauen

accilium ist eine österreichische Strategie- und Managementberatung mit Sitz am Wiener Schubertring, die unter anderem für den öffentlichen Sektor arbeitet. Erst im September erhielt das Unternehmen den Zuschlag für einen Rahmenvertrag der Bundesbeschaffung GmbH (BBG) zur Digitalisierung der Verwaltung mit einem Volumen von bis zu 39 Millionen Euro.

Mit der aIQon zeigt accilium eine weitere Seite: Das Unternehmen hat heuer ein eigenes Team aus Forward Deployed Engineers aufgebaut, also Entwickler:innen, die direkt mit den Kunden arbeiten und Lösungen nicht nur konzipieren, sondern auch bauen. Die Rolle kommt aus der Software-Industrie und wird derzeit von führenden KI-Anbietern etabliert. Für eine Beratung heißt das: Strategie und Umsetzung aus einer Hand. Die gezeigten Agenten stammen alle aus diesem Team und laufen bei accilium selbst im Echtbetrieb.

(c) Zsolt Marton

Eine Kollegin, die alles mitliest

Aurelia ist ein eigenes Mitglied in einem Teams-Kanal. Sie hat ein eigenes Konto, liest Kanal, Postfach, Planner und Kalender eines Projekts mit und tut, was das Team ihr sagt. Im Szenario der Demo kehrt Projektleiterin Pia aus zwei Wochen Urlaub zurück und fragt Aurelia, was passiert ist. Statt Dutzende Nachrichten nachzulesen, bekommt sie in einer Antwort, was entschieden wurde und was für sie offen ist. Eine Kollegin ist krank: Aurelia findet deren fällige Aufgaben, schlägt Vertretungen vor und hängt die Aufgaben nach Pias Zustimmung im Planner um. Als die Kundin per Mail den Lenkungskreis vorziehen will, meldet sich Aurelia von selbst, weist darauf hin, dass eine Kollegin an dem Tag im Urlaub ist, und fragt nach, bevor sie den Termin verschiebt. Zum Jour fixe steht die Agenda in der Einladung, und eine Kollegin wird an ihren Kurzbericht erinnert.

(c) Zsolt Marton

Die Regeln dahinter sind klar: Aurelia liest alles mit, meldet sich von selbst aber nur dort, wo das Team es ihr aufgetragen hat. Planner und Kalender ändert sie erst nach einem Ja, Mails nach außen schickt sie nicht. Was sie darf, steht laut accilium im Code und nicht im Prompt. Die Regeln selbst gibt ihr das Team im Kanal, in ganz normalen Sätzen, so wie einer neuen Kollegin. Technisch läuft alles in einem Microsoft-Tenant auf Azure in der EU, das Sprachmodell in der EU-Datenzone.

Das wichtigste Learning kam aus dem eigenen Betrieb: Das richtige Maß ist für jedes Team ein anderes. Manche wollen täglich einen Status, andere jemanden, der im Hintergrund die Fäden zusammenhält und sich nur auf Nachfrage meldet. Deshalb lässt sich heute einstellen, wie proaktiv Aurelia ist. Und weil Teams einen Agenten als Kollegin wahrnehmen, gelte dasselbe wie bei jeder neuen Mitarbeiterin: Beide Seiten müssen sich aneinander gewöhnen.

Dasselbe Prinzip auf drei Ebenen

(c) Zsolt Marton

Zwei weitere Demos zeigten, dass der Ansatz auch jenseits des Projektteams funktioniert. „Linda Legal“ bündelt das Erfahrungswissen einer Rechtsabteilung und prüft direkt in Outlook Verträge gegen Richtlinie und Verhandlungsprotokoll. In der Demo entdeckte sie, dass in einem Paragrafen „jeweils“ statt des vereinbarten „zusammen“ stand, womit pro Wochenabruf 8.000 statt 4.000 Euro fällig geworden wären. Ihr Wissen liegt in lesbaren Dateien, die die Fachabteilung ohne IT selbst pflegt. „Erich Aigner“ wiederum ist ein persönlicher Assistent: Ein Berater erzählt ihm nach einem Kundentermin eine Minute lang, was zu tun ist, danach stehen Nachricht, Folgetermin und Mailentwürfe bereit. Gesendet wird nichts, das entscheidet der Mensch.

(c) Zsolt Marton

Drei Agenten, drei Ebenen: Team, Fachwissen, einzelne Person. Allen gemeinsam ist dasselbe Prinzip. Lesen, sortieren und vorbereiten tun die Agenten selbstständig, ändern und nach außen kommunizieren nur nach menschlicher Freigabe. Und diese Grenze ist technisch verankert, nicht bloß im Prompt versprochen.

Die Technik ist nicht der Engpass

Dass genau das die eigentliche Arbeit ist, zeigte auch der Opening Fireside Chat, in dem Peter Allan mit Alexia Feick und Paul Strunz über KI im Alltag, Top-down und Bottom-up in der Transformation und die Messbarkeit von KI-Projekten sprach. Strunz leitet das Digital Competence Center der Wien Energie, Feick war früher bei accilium und arbeitet heute im Customer Success bei Microsoft. Ihr gemeinsamer Befund: Die heutigen Modelle sind gut genug, der Hebel liegt in Prozessen, Governance und Befähigung. Feick riet, bei konkreten Pain Points anzusetzen statt bei dem Wunsch, „KI zu haben“. Der Output nach sechs Monaten solle eine veränderte Arbeitsweise mit messbarem Ergebnis sein, und lieber ein Use Case im crossfunktionalen Team als 30 kleine Proof-of-Concepts. Strunz ergänzte, dass Effizienzgewinne verpuffen, wenn die Prozesse dahinter nicht angepasst werden; bei der Wien Energie misst man unter anderem die Zahl aktiver Citizen Developer, eingesparte Stunden und eingespartes Geld.

(c) Zsolt Marton

Allan sieht in Agenten vor allem eine Wachstumschance: Es gebe unendlich viel Nachfrage nach Services, und wer es clever mache, nutze Agenten, um jeden einzelnen Job besser und kreativer zu machen. Bei accilium selbst sei keine Stelle durch KI ersetzt worden, wohl aber viel administrative Arbeit weggefallen. Intern begleitet das Unternehmen den Wandel mit einem eigenen Rhythmus: Jede Woche gibt es einen neuen „Build“ mit Skills, Tools und Trainings, wie bei einem Software-Unternehmen.

Alle Demos, Baupläne, Prompts und Skills stellt accilium offen zum Download bereit. Wer nicht dabei war, kann die Agenten also nachbauen. Auch das ist für eine Beratung ungewöhnlich und passt zum Anspruch des Formats: zeigen statt erklären.

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