28.07.2025
AKQUISITION

Vielleicht größte Übernahme durch Ö-Scaleup: Tractive kauft US-Konkurrenten

Das Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive kauft den US-Mitbewerber Whistle von Mars Petcare. Die Tochter des US-Konzerns Mars hatte das Unternehmen 2016 für kolportierte 117 Millionen US-Dollar übernommen.
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Tractive
(c) Tractive - (v.l.) Wolfgang Reisinger, COO/CFO bei Tractive und Founder Michael Hurnaus.

Den Fokus behalten, beim Kerngeschäft bleiben – diese Grundsätze betonte Michael Hurnaus, Gründer des Haustier-Tracking-Scaleups Tractive mit Sitz im oberösterreichischen Pasching, zuletzt, als das Unternehmen seine Versicherungs-Tochter verkaufte. Keine eineinhalb Monate nach diesem Verkauf folgt nun die Meldung über einen Zukauf, der gut zu den genannten Grundsätzen passt: Tractive übernimmt den US-Konkurrenten Whistle, der sich mit GPS- und Health-Tracking für Haustiere im exakt selben Marktsegment bewegt. Das US-Unternehmen war seit 2016 eine Tochter von Mars Petcare, dem Tierfutter-Segment des Lebensmittelkonzerns Mars.

„Seit 2013 parallel Innovationen entwickelt“

„Seit 2013 haben Tractive und Whistle parallel Innovationen entwickelt, Tractive in Europa und Whistle in den USA“, kommentiert Hurnaus in einer Presseaussendung zur Übernahme. Nun bündle man die Stärken zweier Marktführer, „um die globale Führungsposition von Tractive zu stärken“. Die Akquisition sei ein „entscheidender Moment“ für das Scaleup. Sie stärke die Präsenz in den USA und erweitere den Kundenstamm. Bereits jetzt hat das Unternehmen nach eigenen Angaben weltweit mehr als 1,4 Millionen aktive Nutzer:innen. Whistle ist mit – laut Homepage – „bislang mehr als 500.000“ getrackten Hunden deutlich kleiner.

Mars Petcare kaufte Whistle 2016 für 117 Mio. US-Dollar

Über den Kaufpreis wurde, wie so oft Stillschweigen vereinbart. Hurnaus schätzt jedoch gegenüber brutkasten, es sei „vermutlich eine der größten, wenn nicht die größte, Akquisition, die ein österreichisches Scaleup gemacht hat“. Mars Petcare hatte Whistle 2016 für kolportierte 117 Millionen US-Dollar übernommen. Darüber, in welche Richtung sich die Unternehmensbewertung seitdem entwickelt hat, kann man freilich nur spekulieren.

Tractive überschritt 2024 100-Mio.-Euro-ARR-Grenze

Tractive hat zuletzt 2021 eine größere Summe Kapital aufgenommen – damals holte sich das Scaleup 35 Millionen US-Dollar, wie brutkasten berichtete. Im Herbst 2024 gab das Unternehmen bekannt, die 100-Millionen-Euro-Grenze beim jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) überschritten zu haben.

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Soluto-Chef Martin Zagler | (c) Sima Prodinger
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„Wie eine Baufirma nach 70 Jahren zum Scaleup wurde“ titelte brutkasten 2024 bei einer Story über das Sanierungunternehmen Soluto. Denn die Firma rund um Unternehmer Martin Zagler zeigt exemplarisch, das nicht nur Startups zu Scaleups werden können, sondern auch alteingesessene KMU – wenn die entsprechende Ambition vorhanden ist.

Und die hat Zagler. Bereits mit 19 erbte er zwei Baufirmen „obwohl ich mich eigentlich nicht für die Baubranche interessiert habe“, wie er brutkasten erzählte. Mit einer davon musste er einige Jahre später Insolvenz anmelden. Mit der anderen vollzog er 2012 einen Pivot zum Sanierungsunternehmen – und zu einer durchaus riskanten Wachstumsstrategie.

Ambitionierte Deutschland-Expansionspläne via Franchise

Soluto setzt rein auf durch Versicherungen gedeckte Schadenssanierung und expandiert dabei über ein Franchise-System. In Österreich betreibt man aktuell drei Standorte selbst und acht über Franchisenehmer. Fünf weitere seien in Planung, heißt es vom Unternehmen. In Deutschland eröffnete man im April dieses Jahres den ersten Standort in der Metropolregion München.

Und so soll es weitergehen. Seit 2023 steigerte Soluto seinen Umsatz um 53 Prozent auf rund 35 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter:innen stieg in der Zeit von 200 auf 301. Bis 2029 sollen es laut Plan 600 Leute werden – bei einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro und 20 Franchise-Standorten in Deutschland.

Kapitalspritze von Tauros

Um die ambitionierten Ziele zu stemmen, setzt Soluto neben dem Cashflow auch auf externe Finanzierung. Bereits zum zeiten Mal nach 2023 holte man sich nun eine siebenstellige Kapitalspritze von Tauros Capital. Das Wiener Unternehmen setzt auf Revenue-based Financing, also Finanzierung gegen Umsatzbeteiligung.

„Ein Folgeinvestment ist für uns die stärkste Bestätigung unserer ursprünglichen Investmententscheidung. Soluto hat die ambitionierten Wachstumspläne der vergangenen Jahre erfolgreich umgesetzt und unsere Erwartungen in vielerlei Hinsicht erfüllt“, kommentiert Christof Neuner, Senior Investment Manager bei Tauros Capital. Zagler gibt das Lob zurück: „Sie waren und sind für uns ein souveräner Partner und erweisen uns auch das nötige Vertrauen, so dass wir unsere operativen und strategischen Ziele auf unsere individuelle Art und Weise erreichen können.“

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