06.05.2025
PET-HEALTH

Tractive führt Herz- und Atemfrequenz-Messung für Hunde ein – soll Tierarztkosten senken

Das Paschinger Pet-Tracking-Startup Tractive verkündet den Rollout neuer Features. Die Funktionen zur Gesundheitsüberwachung sollen dazu dienen, frühzeitig Probleme beim Haustier zu erkennen. Und auch die Tierarztrechnungen senken.
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Tractive, Haustier Versicherung, Insurance, Pet Cover
(c) Tractive - Michael Hurnaus, CEO von Tractive.

Ein Dutzend. So viele Jahre ist es her, dass das Pet-Tracking-Startup Tractive im Bereich GPS-Tracking und Aktivitätsüberwachung für Hunde und Katzen seine Arbeit begann. Im Vorjahr konnte man als Erfolg 100 Millionen Euro ARR (Annual Recurring Revenue) vermelden. Heute wiederum spricht Gründer Michael Hurnaus von einem „mutigen Schritt nach vorne“, den man wagt.

Tractive: „Fortschrittlichste Features“

„Wir freuen uns sehr, den Rollout unserer neuen Gesundheitsüberwachungsfunktionen zu starten – darunter Herzfrequenz- und Atemfrequenzmessung. Das bedeutet, dass Haustierbesitzer künftig frühzeitig Benachrichtigungen über potenzielle Gesundheitsprobleme erhalten können – oft noch bevor diese sichtbar oder ernst werden“, heißt es konkret im LinkedIn-Post des Founders. „Wir setzen verstärkt auf prädiktive Gesundheit und arbeiten auf eine Zukunft hin, in der Tractive nicht nur ein Tracker ist – sondern ein vertrauenswürdiges Frühwarnsystem, auf das sich jeder Haustierbesitzer verlassen kann, um seine Tiere länger gesund zu halten.“

Die vom Startup als „bisher fortschrittlichsten Funktionen“ betitelte Neuerung soll es Hundebesitzern ermöglichen, tiefere Einblicke in die Gesundheit ihrer Tiere zu gewinnen – und gesundheitliche Probleme zu erkennen, bevor sie ernst und teuer werden.

„Das ist ein riesiger Fortschritt in der Tiergesundheitspflege“, sagt Hurnaus. „Zum ersten Mal können Tractive-Nutzer mühelos die täglichen Vitalzeichen ihres Haustiers überwachen. Frühzeitige Erkenntnisse können den entscheidenden Unterschied machen – nicht nur für die Beruhigung des Besitzers, sondern auch für die langfristige Gesundheit des Tieres.“

Hohe Kosten für Tierarzt-Besuch

Die Lebenshaltungskosten für Hunde können leicht über 34.000 US-Dollar betragen. Allein die Tierarztkosten seien im letzten Jahr um elf Prozent gestiegen, betont das seit rund vier Jahren in den USA tätige Startup.

Zur Einordnung: Eine Routineuntersuchung für Hunde in den USA kostet: 70 bis 174 US-Dollar pro Besuch. Jährliche Gesamtkosten (inkl. Impfungen, Zahnpflege, Labortests) können schnell einmal über 1.000 US-Dollar ausmachen, während eine Notfallbehandlung preislich von 250 bis 8.000 rangiert; abhängig von der Schwere des Falls.

Zum Vergleich: Die Gesamtkosten für einen ernsten Notfall (z. B. akute Magendrehung, Operation, Intensivpflege) liegen in Österreich typischerweise zwischen 500 bis 1.000 Euro oder mehr, ebenso nach Schwere des Notfalls. Lebenserhaltungskosten eines Hundes werden hierzulande mit 15.000 Euro geschätzt.

Tractive sendet Warnung

Wenn Tractive nun mit seinen neuen Features subtile Veränderungen in der Aktivität oder dem Schlaf eines Hundes feststellt, sendet das System eine Gesundheitswarnung und gibt den Besitzern die Möglichkeit, schnell zu reagieren. Nach sieben Tagen des Tragens legt das Startup einen individuellen Bezugspunkt für die Herz- und Atemfrequenz jedes Hundes fest – anschließend werden die täglichen Vitaldaten verfolgt und angezeigt, ob sie erhöht, unter dem Normalwert oder im erwarteten Bereich liegen. Die neuen Funktionen umfassen:

  • Herzfrequenzüberwachung: Eine erhöhte Ruheherzfrequenz kann auf Stress, Fieber, Dehydrierung, Herzprobleme und mehr hinweisen.
  • Atemfrequenzüberwachung: Veränderungen der Atmung können auf Atemwegserkrankungen, Schmerzen oder Herzprobleme hindeuten.

Zudem führt Tractive ein neues „Health Dashboard“ ein, das fünf zentrale Gesundheitsindikatoren vereint:

  • Aktivität
  • Schlafqualität
  • Herzfrequenz
  • Atemfrequenz
  • Bellverhalten

Für die Analyse von Milliarden von Datenpunkten über verschiedene Rassen, Altersgruppen und Größen hinweg greift das Paschinger Unternehmen auf Künstliche Intelligenz zurück, um Erkenntnisse zu verfeinern. Und liefert so Vergleichswerte, die Hundebesitzern helfen sollen, zu verstehen, was für ihren Vierbeiner „normal“ ist und wann es Zeit sei, genauer hinzuschauen.

Diese neuen Funktionen zur Gesundheitsüberwachung werden im Mai allen Tractive-Kunden mit Hundetrackern – ohne weitere Kosten – zur Verfügung gestellt.

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Die beiden Polytender-Gründer Matthias Neumayer und Dima Rubanov | (c) Vlad Dobre

„Dream Big“ passt wohl auch zu Polytender. Die beiden Gründer Dima Rubanov und Matthias Neumayer haben sich zum Ziel gesetzt, sie zur größten Ausschreibungsplattform der Welt zu machen. Die beiden Wiener sehen großes ungenutztes Potential in öffentlichen Ausschreibungen. „Behörden vergeben in der EU jedes Jahr Aufträge im Wert von zwei Billionen Euro“, sagt Co-Founder Dima Rubanov im brutkasten-Gespräch.

Diese seien auf Hunderte Portale verteilt. Viele Unternehmen wüssten schlicht nicht, welche Aufträge sie gewinnen können, wodurch viele Ausschreibungen oftmals nur ein einziges Angebot hätten. Dabei sei die staatliche Beschaffung eine große Möglichkeit für Unternehmen. „SpaceX würde ohne die öffentliche Hand nicht existieren. Man vergisst oft, wie wichtig dieses Thema eigentlich ist“, sagt Rubanov. Ihre neue Plattform Polytender soll das nun ändern und die Suche nach öffentlichen Ausschreibungen erleichtern – in der gesamten EU.

Startup-Studio „Run Labs“

Die Gründer sind in der Szene keine Unbekannten. Rubanov und Matthias Neumayer entwickelten in den letzten Jahren Produkte wie Oscar Stories, die kindgerechte KI Lora oder den Dokumente-Erklär-Chatbot FragDasPDF. Alles läuft unter dem Startup-Studio Run Labs zusammen.

SpaceX würde ohne die öffentliche Hand nicht existieren.

Dima Rubanov, Co-CEO von Run Labs

400 Unternehmen in zwei Monaten

Ihre neueste Plattform, Polytender, wurde im August gelauncht und soll seitdem über 400 registrierte Unternehmen auf der Plattform gewonnen haben. Einige davon sind laut den Geschäftsführern noch Pilotkunden, es gebe aber auch bereits um die dreißig reguläre Abnehmer wie Helferline oder AV-Professional.

„Polytender beschleunigt unseren Prozess in der Suche, Bewertung und Abwicklung von Ausschreibungen wesentlich. Die dadurch freigesetzten Ressourcen können optimal eingesetzt werden“, sagt David Knapp, CEO der AV-Professional GmbH.

Eine „signifikante Zeitersparnis“

Die erhöhte Geschwindigkeit sei einer der großen Benefits, die Polytender für Firmen aufweise. „Gerade bei der Suche bieten wir für Unternehmen eine signifikante Zeitersparnis. Das funktioniert schon über alle EU-Länder und ein paar weitere Länder hinweg“, erklärt Rubanov. Neben den 27 EU-Staaten operiert Polytender auch in den USA, der Schweiz, Norwegen und Großbritannien und bündle so über 300 Vergabeportale. Die Plattform vereinfacht es den Unternehmen, Ausschreibungen überhaupt zu finden und daran teilzunehmen. Alles mit KI-Unterstützung.

KI-nativ als Alleinstellungsmerkmal

Ein Matching-Algorithmus gleicht neue Ausschreibungen sprachübergreifend mit Suchprofilen ab. Noch im November soll es auch eine KI-Zusammenfassung und eine Bid-Einschätzung geben. „Wir werden dann KI-Agenten haben, die riesige Datenmengen durchforsten, zusammenfassen und für den User personalisiert aufbereiten. Dadurch muss man nicht 100 Seiten lesen, um zu wissen, ob man sich bewerben soll oder nicht“, erklärt Neumayer.

Das Besondere: Polytender funktioniert KI-nativ. Jede Ausschreibung lässt sich direkt aus KI-Assistenten wie Mistral, Claude, ChatGPT und Microsoft Copilot durchsuchen. Unternehmen können dadurch eigene Ausschreibungs-Agenten bauen und so passende Aufträge finden und bewerten.

„Wir sind der Meinung, dass in einer AI-Agent-Zukunft weniger Interfaces notwendig sein werden. Deshalb haben wir alle App-Funktionen auch für Agents zugänglich gemacht“, erklärt Neumayer und ergänzt: „Wir haben auch Kunden, die ihre eigenen internen Agents haben, die wiederum mit ihren eigenen Daten angereichert sind. Diese Daten können sie dann mit unseren Daten aus öffentlichen Ausschreibungen, aus Dokumenten etc. verbinden und in ihre eigenen Abläufe einbauen.“

Die europäische Lösung, Datenschutz etc.

Wichtig sei den beiden Wienern, die sich bereits seit ihrer Schulzeit kennen, eine europäische Lösung anzubieten. „Wer unsere LinkedIn-Aktivitäten kennt, weiß, dass wir sehr pro-europäisch denken und uns auch europäische Souveränität wichtig ist. Wir sind auch der Meinung, dass diesbezüglich gerade die öffentliche Beschaffung ein großer Hebel wäre, der underused ist“, sagt Neumayer.

Auch bezüglich Datenschutz haben Rubanov und Neumayer klare Vorstellungen. „Wir hosten alles auf Hetzner, einem Server in Deutschland. Unsere KI-Modelle laufen auf europäischer Infrastruktur. Wir passen sehr auf, dass kein Abfluss von Daten entstehen kann. Wir sind auch DSGVO-konform“, sagt Rubanov.

Die All-in-Tender-Lösung

Rubanov und Neumayer denken die Plattform bereits weiter. Sie wollen nämlich nicht nur die Abläufe auf der Bieterseite vereinfachen, sondern auch auf der Vergabeseite. „Unsere große Vision ist es, eine All-in-one-Tender-Plattform zu haben. Sie soll auf der Bieterseite die Suche nach Aufträgen und Unterlagenerstellung und auf der Auftraggeberseite die Erstellung der Ausschreibungsunterlagen abdecken“, sagt Neumayer. Sie können sich auch vorstellen, Ausschreibungen von Unternehmen auf Polytender zu veröffentlichen, wobei der Fokus auf staatlichen Ausschreibungen liege. Diese „Vision“ wolle man noch im ersten Quartal 2027 umsetzen.

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