10.02.2020

tonestro: Sechsstelliges Investment für Blasmusik-App aus OÖ

Das oberösterreichische Startup tonestro hat eine App für das Erlernen von Blasmusik entwickelt. Das Startup hat nun in einer zweiten Finanzierungsrunde für das weitere Wachstum ein sechsstelliges Investment bekommen.
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tonestro
(c) tonestro: Das Gründer-Team Heinrich Huber, Christoph Huber, Christian Kapplmüller und Alexander Kogler

Das oberösterreichische Startup tonestro rund um den Gründer Heinrich Huber ist mit dem Ziel angetreten, das Erlernen von Blasinstrumenten zu vereinfachen. 2016 gab es bereits einen ersten Prototypen für eine App, die beim Üben mittels Live-Algorithmus Feedback an die Musiker gibt.

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Die App sagt den Musizierenden sofort, was richtig oder falsch gespielt wurde. Das Mikrofon des Smartphones zeichnet jeden einzelnen gespielten Ton auf und analysiert ihn. Die Musiker erhalten so ein detailliertes Feedback bezüglich Tonhöhe und Rhythmus.

13 Musikinstrumente und 9 Apps

Seit Jänner 2019 verfolgt das Startup eine Multi-App-Strategie und bietet mittlerweile für dreizehn unterschiedliche Blasmusikinstrumente neun unterschiedliche Apps an.

Wie Huber gegenüber brutkasten erläutert, konnte tonestro so organisch die Reichweite enorm erhöhen, da die Nutzer in den App-Stores von Google und Apple spezifisch nach einzelnen Musikinstrumenten suchen. Und die Strategie geht auf: Mittlerweile verzeichnet die App rund 190.000 Downloads.

Sechsstelliges Investment

Erst im November 2018 konnte sich das Startup in einer ersten Finanzierungsrunde ein sechsstelliges Investment sichern – der brutkasten berichtete.

Mehr als ein Jahr später steht nun das nächste Investment an. Die zweite Finanzierungsgrunde beläuft sich ebenfalls auf eine nicht näher genannte sechsstellige Summe.

Investor ist kein Geringerer als Christoph Steindl, der nicht nur die Linzer Software-Schmiede Catalysts mitbegründet hat, sondern auch begnadeter Blasmusiker ist.

Erste Gespräche zwischen Steindl und tonestro erfolgten bereits im Oktober 2018. Nun konnte der Deal unter Dach und Fach gebracht werden. Das Geld soll für das weitere Wachstum des Startups und die technologische Weiterentwicklung eingesetzt werden.

Wachstumsmarkt China

Als Wachstumsmarkt nennt Huber den asiatischen Markt. Allein in China schätzen Analysten das Marktpotential für Online-Music-Education auf rund 13 Milliarden US-Dollar.

„Am Anfang sind wir von Investoren abgelehnt worden, da sie meinten, dass Online-Music-Education für Blasmusik ein Nischenmarkt sei. Betrachtet man den globalen Markt und entsprechende Marktanalysen, so zeigt sich ein gänzlich anderes Bild“, so Huber.

Zudem möchte das Startup in Zukunft den Kreis an Musikinstrumenten erweitern. Als nächsten Schritt nennt Huber Streichinstrumente, die im ersten Quartal 2021 zur Verfügung stehen sollen.

Neue App-Features

Dass die App regelmäßig weiterentwickelt wird, beweisen die unzähligen App-Features, die Nutzern zur Verfügung stehen.

Im April 2019 wurde unter anderem die tonestro-Challenge gelauncht. Über diese können sich Musiker weltweit anhand eines Rankings miteinander matchen. Sofern sie im Ranking abrutschen, werden sie übrigens über eine Notification informiert und zum Üben animiert.

Zudem soll noch dieses Jahr eine eigene Vorspiel-Funktion hinzukommen, mit der die Musiker eine Begleitmusik erhalten und somit nicht mehr alleine spielen müssen.

Für Ende des Jahres sei laut Huber eine dritte Investment-Runde geplant. Die Höhe des Investments soll sich dann zwischen 500.000 Euro und einer Million Euro belaufen.

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ESNA Operations Director Linda Capusa © ESNA

Um Europa im globalen Wettbewerb zu stärken, wurde 2021, auf Basis von mittlerweile 28 Staaten, die Europe Startup Nations Alliance (ESNA) gegründet. Ihr Ziel ist es, die nationalen Rahmenbedingungen für Gründer:innen durch acht vordefinierte Standards wie „Access to Finance“, „Social Inclusion, Diversity and Protecting Democratic Values“ oder „Attracting and Retaining Talent“ zu harmonisieren. Der jährliche „Startup Nations Standard Report“ dient dabei nicht als klassisches Ranking, sondern als Benchmarking-Instrument. „Wir arbeiten eng mit allen Ländern zusammen, verifizieren Daten und betreiben intensive Recherche“, erklärt Linda Capusa, Operations Director bei ESNA im brutkasten-Interview den kollaborativen Prozess hinter dem Bericht.

Österreichs Trumpfkarte: Die Talentakquise

Mit einem Gesamtwert von 67 Prozent bewegt sich Österreich nahe am europäischen Mittelwert. Besonders beeindruckend schneidet das Land beim Thema Talentakquise ab: Mit einer Bewertung von 88 Prozent liegt Österreich klar über dem EU-Schnitt. Linda Capusa hebt hierbei vor allem die beschleunigten Visaverfahren für Gründer:innen und Fachkräfte hervor, die idealerweise weniger als einen Monat dauern sollten.

„Eine Gründerin kann die beste Idee haben, aber ohne das richtige Talent ist es schwer, das Unternehmen zu skalieren und die Idee umzusetzen“, betont sie im Gespräch. Auch Initiativen zur Rückholung von Talenten nach Österreich sowie Fortschritte bei Mitarbeiterkapitalbeteiligungen (Stock Options) fielen bei der Bewertung laut Capusa positiv ins Gewicht.

Baustellen bei Bürokratie und Frühphasenkapital

Dennoch bleibt beträchtliche Luft nach oben, insbesondere bei der Startup-Regulierung und der Digitalisierung öffentlicher Dienste. Ein konkretes Manko sieht die ESNA-Managerin beim Kapitalzugang. Im Interview betont sie, dass Österreich derzeit keine Steuerbefreiungen für Business Angels anbiete, was sie jedoch als essentiellen Hebel für die wichtige Frühphasenfinanzierung wahrnimmt.

Europa auf dem Weg zum gemeinsamen Markt

Blickt man auf den gesamten Kontinent, zeigt sich ein positiver Makrotrend: Das durchschnittliche Umsetzungsniveau von empfohlenen Maßnahmen sprang signifikant von 61 auf 70 Prozent. Treiber sind laut Capusa europaweit die schnelle, kostengünstige digitale Unternehmensgründung sowie der Ausbau öffentlicher Finanzierungen.

„Regierungen werden sich zunehmend bewusst, dass Startups andere politische Rahmenbedingungen benötigen als traditionelle Unternehmen und welchen positiven wirtschaftlichen Einfluss sie bringen“, erklärt Capusa. Am schwersten tun sich die Staaten weiterhin mit regulatorischen Innovationen, wenngleich sich auch hier Verbesserungen abzeichnen.

„EU Inc“ als Hebel gegen die Marktfragmentierung

Um die Zersplitterung der nationalen Märkte endgültig zu überwinden, setzt Capusa große Hoffnung in die europäische Initiative „EU Inc“. Der Vorschlag für ein einheitliches europäisches Gesellschaftsrecht wird von der Allianz voll unterstützt. „Es würde die Fragmentierung aufheben, den Markteintritt beschleunigen und das Skalieren erleichtern“, betont die Operations Director. „Wir konkurrieren nicht innerhalb Europas, sondern als Kontinent“, fügt sie abschließend hinzu.

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