14.08.2025
EXPANSION

Together: Grazer Social-Media-App startet mit neuer KI-Funktion in den US-Markt

Das Grazer Startup hinter der Social-Media-App Together plant eineinhalb Jahre nach dem Launch den Schritt in die USA. Im Gespräch mit brutkasten erklärt CFO und Co-Founder Tiemo Stoißer, wie das Team die App dafür optimiert und das Geschäftsmodell angepasst hat.
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Gründerteam (v.l.n.r.): Martin Leuprecht, Luca Klauß, Tiemo Stoißer (c) Together

Facebook, Instagram, TikTok: Große Social-Media-Plattformen kommen bislang nicht aus Europa. Drei Gründer aus Graz wollen das ändern und bei den ganz Großen mitmischen: Martin Leuprecht, Luca Klauß und Tiemo Stoißer haben mit Together eine App entwickelt, die mehr Authentizität und Imperfektion in die Social-Media-Welt bringen soll. Nun plant das Startup die Expansion in die USA und integriert ein eigens entwickeltes KI-Modell.

Im Mittelpunkt der Plattform steht der gemeinschaftliche Aspekt: Nutzer:innen können gemeinsam Fotoalben erstellen und verwalten – ein digitaler Raum, in dem Erinnerungen aus unterschiedlichen Perspektiven gesammelt werden. Die Bilder werden in einer Cloud gespeichert, wodurch das umständliche Verschicken entfällt.

Neue KI-Anwendung

Im November 2023 gründete das Gründer-Trio die LKK Together Development GmbH, im Mai 2024 ging die App im App Store online. Innerhalb der ersten sechs Monate verzeichnete Together nach eigenen Angaben rund 7.500 Downloads (brutkasten berichtete). Danach begann das Team, die Anwendung basierend auf Nutzer:innen-Feedback zu optimieren.

„Das Problem war, dass der Austausch der Bilder und Videos viel zu kompliziert war. Da waren einfach sehr viele Schritte dazwischen, bis man an die Bilder und an die Medien kam“, erklärt Stoißer gegenüber brutkasten. Die Lösung brachte ein neu eingestellter AI-Engineer: Gemeinsam entwickelte das Team eine KI, die den Foto- und Videoaustausch automatisiert.

„Unsere KI erkennt jetzt anhand verschiedener Metadaten an Standort, Location und anderen Dingen, wenn Freunde oder Familie was gemeinsam unternehmen und tauscht die Bilder automatisch untereinander aus“, so Stoißer. Sobald Nutzer:innen die Freigabe erteilen, sammelt die KI die Inhalte in einem gemeinsamen Ordner – und das laut Gründer unter Einhaltung der EU-Datenschutzrichtlinien. „Das heißt, Nutzern bleibt immer die Entscheidung darüber, was mit ihren Daten passiert.“ Der Launch der neuen Funktion ist für Ende des Monats geplant.

Kooperation mit Netzwerk an der UC Berkeley

Schon im Dezember 2024 sprach Stoißer gegenüber brutkasten von Expansionsplänen in die USA. Inzwischen ist daraus ein konkretes Vorhaben geworden. „Wir haben einfach gemerkt, dass Österreich bzw. Europa generell sehr zurückhaltend ist, wenn es um neue Technologien geht. Vor allem bei unserer Zielgruppe haben wir gemerkt, dass wir uns extrem schwer tun, neue Nutzer zu generieren. Einfach nur weil wir eine neue Plattform sind.“

Auch die Investoren – die IT-Unternehmensberatung optiPro Solutions sowie mehrere private Geldgeber – empfahlen den Schritt. „Es muss unsere Zukunftsvision sein, in Amerika Fuß zu fassen“, so Stoißer. Weitere Unterstützung erhält das Startup durch das Accelerator-Programm GoUSA der Wirtschaftskammer Österreich. „Dort konnten wir gute Kontakte kennenlernen. Das hat extrem weitergeholfen im Bezug auf den Netzwerkaufbau in Amerika.“

In den USA soll der Start Anfang September erfolgen, zunächst in Zusammenarbeit mit Studierenden-Netzwerken an Universitäten wie der UC Berkeley. „So haben BeReal, Instagram und Facebook damals auch gestartet. Wir wollen die App zunächst an einer Universität verbreiten und danach geht es quasi von Uni zu Uni weiter und somit wollen wir skalieren.“

2026: Büro im Silicon Valley

Finanziert werden soll die Plattform über Werbung. „Wenn wir ein Subscription Modell implementieren würden, würde das das Nutzerwachstum extrem einschränken“, sagt Stoißer. „Wir müssen mit großen Plattformen wie Instagram und Facebook mithalten können. Deshalb setzen wir auf ein Werbemodell, damit wir auch ein bisschen Umsatz machen und das weitere Wachstum finanzieren können.“

Bis Ende 2026 plant Together, ein eigenes Büro im Silicon Valley zu eröffnen. Derzeit läuft die zweite Finanzierungsrunde. Rund 40 Prozent des Investments sollen demnach in Marketingmaßnahmen fließen.

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Mit dem Marienkäfer-förmigen Sensor „Mary“, der an der Unterwäsche von Babys und Kleinkindern angebracht werden kann, und dort Vitalwerte wie Temperatur und Atmung misst, wollte das Klagenfurter Startup Sticklett durchstarten. 2016 gestartet, holte man sich 2017 ein sechsstelliges Investment, wie brutkasten berichtete. 2018 schloss man eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne ab, im Jahr danach gab es eine Investment-Zusage in der Show 2 Minuten 2 Millionen – samt Listung bei Bipa. Hinzu kam eine ganze Reihe von Awards in den Folgejahren.

„Geschäftsverlauf ist hinter den Erwartungen geblieben“

Doch der große Durchbruch gelang dem Startup seitdem nicht. Und wie die Kreditschutzverbände nun vermelden, musste das Unternehmen einen Konkursantrag einbringen.

Die Kosten für Produktentwicklung und Markteinführung seien in den ersten Jahren primär durch Eigenmittel und Förderungen gedeckt worden, wird beim AKV aus dem Konkursantrag zitiert. „Der Geschäftsverlauf ist jedoch trotz grundsätzlich guter Voraussetzungen (funktionierende Produkte; funktionierender Produktionsprozess) letztendlich leider hinter den Erwartungen geblieben, da es nicht gelungen ist, die Produktionskosten auf ein solches Maß zu senken, dass auch die Attraktivität und damit die Nachfrage am Markt eine entsprechende Steigerung erfahren hätte.“

Zuletzt geplatztes Millioneninvestment

Für Vertriebs- bzw. Marketingaktivitäten, die es ermöglicht hätten, einen weit größeren Bekanntheitsgrad zu erlangen und damit einen weit größeren Markt zu erschließen, habe das Geld nicht ausgereicht. Zuletzt habe man noch intensiv versucht, Investor:innen zu finden und dabei auch über ein Investment in Höhe von einer Million Euro verhandelt. „Bedauerlicherweise ist es – trotz zunächst auch positiv abgeschlossener Gespräche – dann zu keiner Umsetzung des Investments gekommen“, heißt es von Sticklett. Entsprechend könne man aktuell keine positive Fortbestandsprognose stellen.

Möglicher Sanierungsantrag steht noch im Raum

Insgesamt sind zwölf Gläubiger:innen betroffen. Dienstnehmer:innen hatte das Unternehmen hingegen zuletzt keine mehr. Die Passiva betragen 550.527 Euro. Diesen stehen laut Unternehmensangaben Aktiva von rund 124.000 Euro gegenüber. Es scheint aber noch einen Hoffnungsschimmer für das Startup zu geben: Noch stehe nicht fest, ob ein Sanierungsplan gestellt werden kann oder nicht, heißt es im Konkursantrag.

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