03.11.2022

Together.Audio: Persönliche Audio-Files für Menschen im Tiefschlaf oder Demenz-Erkrankte

Together.Audio erstellt gemeinsam mit Angehörigen verbindende Momente über Audio-Files, um die Verbundenheit zu einem geliebten Menschen aufrechtzuhalten, wenn dieser im künstlichen Tiefschlaf liegt, an Demenz erkrankt ist oder man einfach nicht rund um die Uhr für ihn da sein kann.
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Together.Audio, Musiktherapie, Tiefschlaf, Koma,
(c) Together.Audio - Sonja Amann und Andreas Mühlmann von Together.Audio.

„Es gibt Momente im Leben, die alles verändern. Nichts stimmt mehr. Die Verbindung zu einem Menschen beginnt langsam zu schwinden“ – Das ist die Erfahrung, die Together.Audio-Gründerin Sonja Amann, Landwirtin, Sprecherin und Coach, durchmachen musste. Ihr Mann wurde 2020 aufgrund einer COVID-Erkrankung in den Tiefschlaf versetzt.

Together.Audio mit „Bonding Moments“

„Für mich brach die Welt zusammen. Abgründe der Ohnmacht und Hilflosigkeit kamen in mir auf“, erinnert sie sich. Das Schlimmste war für Amann jedoch, dass sie ihren Mann nicht auf der Intensivstation besuchen durfte, auch wenn sie verzweifelt nach Möglichkeiten suchte. In dieser Verzweiflung kam ihr der Impuls, verbindende Momente – Bonding Moments – für ihren Mann aufzunehmen, um mit ihm in Kontakt treten zu können. So entstand gemeinsam mit Andreas Mühlmann ihr Audio-Startup.

Sie sprach mit dem langjährigen Freund der Familie, dem die Lösung für ihr Problem einfiel: die Kombination aus Stimme und Musik. An zwei Nachmittagen nahmen die beiden im Tonstudio Erinnerungen aus dem gemeinsamen Leben des Ehepaars auf.

Amann sprach über gemeinsame Visionen. Sie las ihrem Mann Briefe von Freunden vor und sprach über Musik, die das Ehepaar von Beginn an verbunden hat.

Audio-Files als Hilfe

„Die Möglichkeit, für ihn etwas tun zu können und mit ihm über diesen Weg Kontakt aufzunehmen, löste bei mir ein intensives Gefühl der Nähe und Verbundenheit aus“, erzählt Amann. Ähnlich dürfte es auch bei ihrem Mann gewesen sein. Jener wurde zunehmend ruhiger und entspannter, wie ihr das unterstützende Pflegepersonal berichtete. Sie setzten ihm mehrmals täglich die Kopfhörer auf, damit er die vertrauten Klänge hören konnte.

Andreas Bartl starb jedoch an der damals noch viel zu unbekannten COVID-Erkrankung. Durch seinen Tod brach für die plötzlich alleinstehende Frau die Welt zusammen.

Heute sagt sie, dass die für ihren Mann aufgenommenen Audio-Files ihr während der schweren Trauerphase bei der Konfrontation mit den Themen Leben und Tod geholfen haben. „Wenn die Trauer vorbei ist, kommt alles wieder ins Laufen“, weiß sie heute.

Minimierung des Alleinseins

Mit ihrem Geschäftspartner Mühlmann beschäftigte sich Amann daher in den letzten Monaten intensiv mit den Auswirkungen von Stimmen und Musik aufs Gehirn. Die beiden gründeten im Jahr 2022 Together.Audio.

Ihre verbindende Vision ist es, anderen zu helfen, die in ähnlich aussichtslos erscheinenden Situationen sind, wie die Gründerin damals – gleich ob der geliebte Mensch im Koma liegt, im Pflegeheim ist oder man einfach nicht rund um die Uhr für ihn da sein kann. Auch in Aufwachphasen von Tiefschlafpatienten sollen ihre „Bonding Moments“ unterstützen. Sie minimieren das Gefühl des Alleinseins.

Das Audio-File des Wiener Startups ist eine Art Radiosendung bis zu einer Länge von 74 Minuten in hoher Tonqualität. Darauf legt der studierte Ton-Ingenieur Mühlmann besonderen Wert.

„Für die Entspannung ist es enorm wichtig, dass auch die Obertöne ins Gehirn kommen“, weiß er. Daher seien die „Bonding Moments“ nur im Set mit besonders weichen Kopfhörern und einem leicht bedienbaren Abspielgerät, verpackt in einem Koffer, erhältlich. „Nur so kann die hohe Wirksamkeit garantiert werden und Entspannung und Regeneration entstehen.“

Together.Audio-Aufnahme in Tonstudio in Hernals

Zusätzlich ist bei Together.Audio, neben individueller Begleitung, Beratung und Aufnahme, auch ein Ratgeber (ebenfalls als Hörbuch) erhältlich, den Amann verfasst hat.

Falls bei der Ausarbeitung Hilfe benötigt wird, unterstützt die Founderin telefonisch. Zusätzlich ist sie bei jeder Aufnahme durch Mühlmann im Tonstudio im 17. Wiener Gemeindebezirk dabei. Sollte man jedoch nicht ins Studio kommen können, gebe es andere Lösungen.

Musik und Klänge als Stressreduktion

Nach dem Schnitt wird das File mit der vom Angehörigen gewählten Musik hinterlegt. Wenn es besonders schnell gehen soll, erfolge die Aufnahme bis zur Auslieferung binnen 48 Stunden.

„Musik ist ein großartiges Mittel, um das psychische Feld eines Menschen zu stabilisieren und Stress zu reduzieren“, erklärt Klangforscher Thomas Chochola und erhält Zustimmung von der Musiktherapeutin Petra Mallin: „Klänge wirken positiv auf den Menschen ein und helfen, den Körper zu stabilisieren. Together.Audio bietet die einzigartige Möglichkeit, in ausweglosen Situationen trotzdem helfen zu können.“

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MyPilz Team mit Gründern Wolfgang Hinterdobler (l.) und René Lux (r.) © MyPilz

Das vor vier Jahren gegründete Startup MyPilz hat es sich zum Ziel gesetzt, das wirtschaftliche und ökologische Potenzial von Pilzen in die industrielle Anwendung zu bringen. Ermöglicht wird dies laut Unternehmen durch den technologischen Fortschritt der letzten Jahre: Dank gesunkener Kosten in der DNA-Sequenzierung lassen sich Pilzstämme heute präzise bis auf die Ebene des Individuums bestimmen, erklärt Gründer René Lux im brutkasten-Interview.

Angewandte Mykologie für die Kreislaufwirtschaft

Das biologische Reich der Fungi bietet laut Gründer Rene Lux enorme, bisher kaum genutzte Potenziale für die Wirtschaft. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von Verpackungsmaterialien und Plastikersatz über den Einsatz in der Bau- und Textilbranche bis hin zur gezielten Bodenentgiftung und dem Biomassemanagement.

Pilze agieren hierbei als essenzielle Zersetzer im Ökosystem. Um die Vernetzung zwischen internationaler Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern, veranstaltet das Startup zudem die biennale Eventreihe „Pilzfestspiele“, die auch 2027 wieder in Wien über die Bühne gehen werden.

Das Geschäftsmodell: Drei Säulen im Untergrund

Das Geschäftsmodell von MyPilz ruht laut Lux im Wesentlichen auf drei Säulen:

  • Consulting & IP: Das siebenköpfige Team unterstützt etablierte Unternehmen und Startups bei der Entwicklung von Innovationen und begleitet sie bei Förderprojekten.
  • Laboranalytik: Mittels DNA-Metabarcoding bietet das Startup standardisierte Boden- und Schadbildanalysen an. Diese Daten nutzen unter anderem NGOs, staatliche Organisationen sowie die Landwirtschaft.
  • Education: Neben Ausbildungsprogrammen und Initiativen im Bereich Bildung vertreibt MyPilz ein ökologisches Brettspiel im deutschsprachigen Raum.

„Wir produzieren nicht ein Produkt und suchen uns dann einen Markt, sondern wir finden ein Problem und einen Partner und lösen dann dieses Problem durch Innovation“, erklärt Lux den strategischen Ansatz des Unternehmens. Zu den Kund:innen und Projektpartner:innen zählen unter anderem, das für sein Fungi Pad bekannte Startup Hermann.Bio und das Entsorgungsunternehmen öKlo. Für das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft erstellte das Startup zudem eine Potenzialstudie.

Gründer René Lux mit dem „Pilzfest“ Brettspiel

Cashflow-Stabilität und AWS-Wachstumsfinanzierung

Nach einer ersten Seed-Finanzierung durch Family and Friends sowie strategische Mentoren-Investoren trägt sich die operative Basis des Startups seit dem elften Monat selbst. Im ersten Geschäftsjahr erwirtschaftete MyPilz einen sechsstelligen Umsatz, der laut Angaben des Unternehmens seither jährlich annähernd verdoppelt werden konnte.

Da die Grundkosten über den eigenen Cashflow gedeckt sind, verzichten die Gründer aktuell auf die Abgabe weiterer Unternehmensanteile. Um das geplante Wachstum, darunter die Erweiterung des Teams und der Ausbau eines größeren Labors an einem neuen Standort, zu finanzieren, setzt MyPilz auf Fremdkapital. Dieses wurde unter anderem durch das Double-Equity-Programm der Förderbank AWS mit 250.000 Euro vor einigen Wochen erfolgreich gehebelt und durch langjährige Nachrangdarlehen der bestehenden Gesellschafter:innen auf 400.000 Euro erhöht.

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