14.04.2016

Toby: Mit dieser App vergisst man keinen Einkauf mehr

Eine App soll ab sofort den Alltag erleichtern: "Toby" erinnert den User automatisch an Besorgungen, wenn ein passendes Geschäft in der Nähe ist. Dabei kann man die gewünschten Erinnerungen nach Uhrzeit, Preisklasse und Geschäften einschränken - und auch mit anderen teilen.
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(c) fotolia-Korta: Toby ist eine App, die einen an Shopping-To-Dos erinnert.

Das kennt jeder: Der letzte Tropfen Milch und man nimmt sich vor eine neue Flasche am Heimweg zu besorgen. Nach der Arbeit hat man aber längst wieder darauf vergessen. Am nächsten Morgen ist der Frust groß, wenn man den Kaffee schwarz trinken muss. „Das nächste Mal speicher ich mir eine Erinnerung ins Smartphone ab!“, denkt man dann. Das Wiener Startup Toby möchte seinen Nutzern genau solche Situationen in Zukunft ersparen. Der Brutkasten hat die beiden Gründer Danny Kleckers und Joachim Leonfellner zum Gespräch getroffen.

Euer Elevator Pitch?

Toby erinnert dich automatisch am richtigen Ort an deine Besorgungen. Wenn du z.B. heute neue Milch kaufen musst, öffnest du einfach die App, klickst auf Milch und Toby erinnert dich automatisch daran, wenn ein Supermarkt in der Nähe ist. Du kannst Erinnerungen auch einschränken – auf bestimmte Preisklassen, Tageszeiten und Geschäfte. Außerdem kannst du auch deinem Partner oder Mitbewohner eine Erinnerung eintragen.

Toby App Team: Joachim Leonfellner & Danny Kleckers
Toby App Team

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Als ich eine Zeit ohne meine Freundin (sie ist der gut organisierte Part in der Beziehung) in München gewohnt habe, ist es mir oft passiert, dass ich morgens die letzte Scheibe Brot gegessen habe. Am nächsten Tag in der früh musste ich dann feststellen, dass ich kein neues gekauft habe. Dabei bin ich auf dem Weg in die Arbeit und wieder zurück an mehreren Bäckereien und Supermärkten vorbei gelaufen – daran lag es also nicht. Herkömmliche „Location Based Reminder“ fand ich sehr aufwendig, da musst du die Adresse immer erst raussuchen, dann manuell eingeben oder eine Stecknadel platzieren und bekommst dann auch nur an diesem speziellen einen Ort eine Erinnerung. Mir war klar, dass man für diesen speziellen Usecase, der übrigens sehr verbreitet ist, den Prozess deutlich einfacher und effizienter gestalten kann.

Wie setzt sich euer Team zusammen? Wie habt ihr euch gefunden?

Wir sind momentan noch zu zweit. Joachim ist das Gehirn hinter Toby- der macht alles was Tech ist und dazu meistens auch noch das Design. Ich kümmere mich um alles was Business ist, also Marketing, Fundraising etc… Wir planen aber nach einer ersten Finanzierungsrunde unser Team etwas zu vergrößern. Gefunden haben wir uns 2014 als wir beide ein Internship Programm bei Microsoft begonnen haben.

Welche Eigenschaften muss ein guter Mitarbeiter für dich haben?

Das ist genau die richtige Frage für mich, denn da bin ich, glaube ich, relativ schwierig. Ganz wichtig ist, dass er oder sie aufgeschlossen diskutieren kann, nicht rechthaberisch ist, aber auch nicht total unsicher. Ich glaube, damit verbunden ist auch eine gewisse Selbstreflexion. Außerdem schätze ich es, wenn jemand als Mensch entspannt ist, im Job aber ambitioniert und zuverlässig. Offene und ehrliche Kommunikation finde ich auch noch ganz wichtig.

Welche Learnings waren für dich besonders wichtig?

Ich finde, wir haben zu lange versucht über Freunde und Bekannte als Tester Feedback zu bekommen. Irgendwann musste ich einsehen, dass das bei einer App, die du im Alltag draußen testen musst, einfach sehr schwer ist. Das Feedback hatte selten die Qualität, die wir gebraucht hätten (welche Uhrzeit, welches Device, welche Software, bei welchem Store kam keine / eine falsche Push etc.). Ich glaube, hier ist es auch nicht zielführend, die Freunde immer weiter zu nerven, sondern lieber ein MVP zu launchen und nach den begeisterten Early Adoptern zu suchen- die helfen dann gerne. Das klappt übrigens bei Windows ganz großartig. Außerdem musste ich lernen, dass ein gutes Netzwerk wichtiger ist, als ich geglaubt hätte.

Was würdest du deinem jüngeren Ich mitgeben bzw. raten?

Starte früh an deiner Idee zu arbeiten und vernetze dich gut, es gibt wirkliche viele Leute die dir helfen können und wollen.

Danke für das Gespräch!

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Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche | (c) Grunpfnul vie Wikimedia Commons
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Zuletzt starke Gründungsdynamik

Das deutsche Startup-Ökosystem konnte trotz eines herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds zuletzt eine beachtliche Gründungsdynamik aufweisen. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete die Bundesrepublik mit 3.053 Startup-Gründungen einen historischen Rekordwert, was einem Zuwachs von 52 Prozent im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 entspricht. Getrieben wurde dieser Aufschwung insbesondere durch den anhaltenden Boom im Bereich der Künstlichen Intelligenz, auf den allein über 1.000 Neugründungen entfielen. Die nackten Rekordzahlen täuschen jedoch darüber hinweg, dass es dem deutschen Markt nach wie vor nicht ausreichend gelingt, erfolgreiche junge Firmen in die kapitalintensive Wachstums- und Skalierungsphase zu überführen. Mit rund 90 Euro Wagniskapitalinvestitionen pro Kopf im Jahr 2025 liegt die Investitionsaktivität in Deutschland signifikant hinter den führenden Märkten in den USA und Großbritannien zurück.

Risikokapital und das Hebeln privater Milliarden

Um das Abwandern vielversprechender Innovationen und den Ausverkauf ins Ausland zu verhindern, setzt die neue Strategie vor allem bei der Mobilisierung von privatem und institutionellem Kapital an. Ein zentrales Vorhaben ist die Fortführung und Weiterentwicklung der sogenannten WIN-Initiative. Laut dem Strategiepapier soll damit darauf hingearbeitet werden, die Zusagen privater Investoren für Investitionen in Wagniskapital und das Startup-Ökosystem auf 25 Milliarden Euro mehr als zu verdoppeln. Flankiert wird diese Absicht durch die nationale Umsetzung der überarbeiteten europäischen Solvency-II-Richtlinie, die es Versicherungsgesellschaften erleichtert, Kapitalanlagen als langfristige Aktieninvestitionen einzustufen. Dadurch sinken die regulatorischen Eigenkapitalanforderungen für solche Risikokapitalinvestitionen drastisch von 49 auf 22 Prozent. Ergänzend ist die Bereitstellung von Bundesmitteln für eine Nachfolgegeneration des größten europäischen Dachfonds, den „Wachstumsfonds II“, über die KfW Capital geplant.

Neuer Fokus auf DefenceTech und Sicherheit

Zu den markantesten und zugleich politisch sensibelsten Neuerungen der Regierungsstrategie gehört die erstmalige, systematische Berücksichtigung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. In einer Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums heißt es von Ministerin Reiche, das Konzept verfolge das Ziel, das „Gründen zu erleichtern, das Wachstum zu beschleunigen und Innovation in Deutschland zu halten“. Für Startups aus dem Rüstungssektor wird im Rahmen des verbleibenden „Deutschlandfonds“ ein spezielles Direktbeteiligungsvehikel des Bundes geschaffen. Damit beabsichtigt die Bundesregierung, sich künftig erstmals direkt an jungen Unternehmen zu beteiligen, die Waffen herstellen, um deren Kapitalzugang zu sichern.

Neben der Rüstungsförderung adressiert die Strategie auch administrative Hürden, die im internationalen Vergleich als Standortnachteil gelten. Über das Hebelprojekt „Schneller Gründen“ soll bis Ende 2026 der Entwurf für ein Gründungsbeschleunigungsgesetz ausgearbeitet werden, um Anmeldeverfahren und die Vergabe von Steuernummern digital zu vereinheitlichen. Zudem unterstützt die deutsche Bundesregierung den Vorschlag der EU-Kommission für die EU Inc., die als europäisch vereinheitlichte Rechtsform für grenzüberschreitend tätige Startups etabliert werden soll.

Kritik von mehreren Seiten

Trotz des breiten Maßnahmenpakets regt sich im deutschen Ökosystem und in den Verbänden auch Kritik an der strategischen Ausrichtung der Bundesregierung. Vor allem der starke Rüstungsfokus bei gleichzeitiger Vernachlässigung gesellschaftlicher Aspekte steht im Zentrum der Debatte. So wird etwa vom Bundesverband für Social Entrepreneurship in Deutschland (SEND e.V.) kritisiert, dass „soziale Gründungsvorhaben“ in der neuen Fassung überhaupt keine Rolle mehr spielen. Auch der Verband der Business Angels äußert Unmut und bezeichnet die fast ausschließliche Fokussierung auf Venture-Kapital als Finanzierungsinstrument als eine Maßnahme „an den Gründungsrealitäten vorbei“, da erfahrene private Geldgeber für die Nachhaltigkeit von Gründungen entscheidender seien.

Fachkommentare aus den Bereichen Bioökonomie und Nachhaltigkeit warnen zudem vor einem „Klumpenrisiko“ durch den engen Fokus auf Verteidigungstechnologien. Aus der Gründerszene selbst wird bemängelt, dass das ehemals politisch stark beworbene Vorreiterprojekt einer „Gründung in 24 Stunden“ sowie Erleichterungen für das „Gründen aus dem Beruf“ im finalen Papier nicht mehr auftauchen. Zudem weisen Industrievertreter darauf hin, dass zentrale Herausforderungen für innovationsintensive Branchen über die reine Startup-Finanzierung hinausgehen; es fehle an Impulsen für spätere Finanzierungsrunden, an regulatorischer Beschleunigung sowie am Ausbau industrieller Produktionskapazitäten. Ob die Strategie die Erwartungen der Praxis erfüllen kann, wird von Branchenbeobachtern auch aufgrund des Zeithorizonts bezweifelt: Dass mit der Umsetzung der Maßnahmen lediglich „noch in dieser Legislaturperiode begonnen“ werden soll, lasse kein hohes Tempo vermuten.

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