26.01.2023

Tier Mobility muss Stellen abbauen – auch Mitarbeiter:innen in Österreich betroffen

Der Berliner E-Mobility-Anbieter Tier muss insgesamt 80 Stellen abbauen. Zudem sollen unprofitable "Nebenprojekte" eingestellt werden.
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Tier
(c) Tier

Bereits im August 2022 musste der Berliner E-Mobility-Anbieter, der seinen Service auch in Österreich anbietet, 180 Stellen abbauen. Damals waren laut Angaben des Unternehmens rund 16 Prozent aller Arbeitsplätze in ingesamt 20 Ländern betroffen. Zudem hieß es Ende Sommer, dass Tier Projekte beenden möchte, die zu viel kosten und nicht im „Sinne der Profitabilität“ stehen würden. Wie andere Scaleups aus der Tech-Branche sah sich auch Tier bereits 2022 mit der zunehmenden Zurückhaltung von Investoren konfrontiert.

Stellenabbau bei Tier Mobility

Auf den Stellenabbau im August 2022 folgt nun erneut ein Stellenabbau bei Tier. Insgesamt sollen diesmal 80 Stellen gestrichen werden, wie TechCrunch berichtet. Dies entspricht rund sieben Prozent der der Belegschaft.

„Vom Stellenabbau bei Tier sind auch Kollegen in Österreich betroffen“, wie ein Sprecher von Tier auf Rückfrage des brutkasten erläutert. Zur genauen Anzahl der betroffenen Mitarbeiter:innen möchte das Unternemen vorerst jedoch keine Angaben machen.

Auch CEO und Tier Co-Founder, Lawrence Leuschner, meldete sich bereits zu Wort. So möchte das Unternehmen künftig eine neue Gesamtstrategie verfolgen, „weg vom reinen Wachstumsmodus“ hin zu einer „Denkweise, bei der die Rentabilität an erster Stelle steht“.

Rückzug aus Städten & Einstellen von Nebenprojekten

Zudem soll im Zuge der Umstrukturierung eine kleine Anzahl an Städten geschlossen werden, die aufgrund von „ungünstigen regulatorischen Ansätzen“ nicht profitabel sind. Auch hier hält sich das Unternehmen vorerst bedeckt, um welche Städte es sich handelt und ob auch Städte in Österreich davon betroffen sind.

Weiters soll laut TechCrunch eine Reihe an Nebenprojekten eingestellt werden. Dazu zählt unter anderem das Tier Energy Network. Dabei handelt es sich um den Plan des Unternehmens Ladestationen in Einzelhandelsgeschäften aufzustellen. Auch der monatliche Roller-Abo-Service MyTier soll aufgelöst werden. Auf der Website des Unternehmens steht bereits: „Der MyTier ist zur Zeit nicht erhältlich.“


* Die Meldung wurde um 12:40 Uhr um die Stellungnahme von Tier zum Stellenabbau in Österreich ergänzt

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Wir sprachen zur Paketabgabe mit (vl.) Johannes Braith, Petra Dobrocka und Georg Weiss | (c) brutkasten / byrd / quivo / Hintergrund / (c) RoseBox via Unsplash
Wir sprachen zur Paketabgabe mit (vl.) Johannes Braith, Petra Dobrocka und Georg Weiss | (c) brutkasten / byrd / quivo / Hintergrund / (c) RoseBox via Unsplash

Bereits seit der Veröffentlichung des Ministerialentwurfs zu einer neuen Paketsteuer im Mai trifft diese in der öffentlichen Diskussion auf Kritik. Vorgesehen ist eine Abgabe von zwei Euro pro zugestelltem Paket, die ab dem 1. Oktober 2026 von großen Online-Handelsplattformen mit einem Jahresumsatz ab 100 Millionen Euro eingehoben werden soll. Nachdem das vorparlamentarische Begutachtungsverfahren zum Gesetzesentwurf am 26. Mai 2026 offiziell geendet hat, geht die Vorlage im nächsten Schritt in die Debatte und finale Abstimmung im Nationalrat.

Mit den prognostizierten Einnahmen von jährlich rund 280 Millionen Euro will die Bundesregierung die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel teilweise gegenfinanzieren. Zudem wolle man den lokalen stationären Handel gegenüber den internationalen E-Commerce-Riesen stärken, so die Argumentation. Und auch der Umweltschutzaspekt wird seitens der Regierung ins Treffen geführt. Diese Begründung lassen viele Kritiker:innen aber nicht gelten.

Dobrocka: „wird nur das Angebot verringern und die Kosten für österreichische Kunden in die Höhe treiben“

Auch unter Gründer:innen heimischer Startups und Scaleups im Logistik-Bereich, die für brutkasten erreichbar waren, herrscht breite Ablehnung gegenüber der Paketabgabe. Dabei ist es nicht die Zielsetzung, die kritisiert wird. „Grundsätzlich finde ich es begrüßenswert über Maßnahmen zu diskutieren, die den österreichischen Markt vor einer Flut an ausländischen Sendungen schützen und österreichische Unternehmer stärken. Aber diese Maßnahme tut das nicht“, meint etwa Petra Dobrocka, Co-Founderin und CCO des Wiener Logistik-Scaleups byrd. „Selbst wenn ein heimischer Händler die Ware in Österreich verpackt und mit der österreichischen Post an einen österreichischen Kunden schickt: Sobald der Verkauf über einen Marktplatz wie Amazon läuft, greift die Steuer.“ Die Maßnahme werde letztlich „nur das Angebot verringern und die Kosten für österreichische Kunden in die Höhe treiben.“

Braith: „Emissionsärmere Zustellformen gezielt begünstigen“

Ähnlich argumentiert auch Storebox-Co-Founder und CEO Johannes Braith. Er führt zusätzlich eine ökologische Perspektive ins Treffen. „Wir brauchen aus meiner Sicht weniger Symbolpolitik und mehr intelligente Steuerung. Wenn Politik Lenkungswirkung ernst meint, dann sollte sie emissionsärmere Zustellformen gezielt begünstigen und nicht pauschal jede Form des Versandhandels verteuern“, so der Gründer. Das Gesetz unterscheide nämlich zu wenig zwischen emissionsintensiven und emissionsarmen Zustellmodellen. Klassische Haustürzustellung sei ineffizient und verursache Retourenverkehr und Parkdruck, meint Braith und führt Click-&-Collect-Modelle mit gebündelter Anlieferung ins Treffen, wie sie auch sein Unternehmen umsetzt.

Weiß: EU-Regelung statt „Alleingang“

Georg Weiß, Co-Founder und CEO des Wiener Logistik-Scaleups Quivo, würde in dem Zusammenhang lieber eine europäische Lösung sehen. „Auf EU-Ebene gibt es ja auch Vorschläge, etwa Zölle für Kleinpakete unter 150 Euro einzuführen, um den europäischen Markt vor Billigprodukten zu schützen. Das halte ich für die sinnvollere Maßnahme, als aus Österreich heraus einen Alleingang zu machen und eine Zwei-Euro-Paketgebühr einzuführen“, so der Gründer gegenüber brutkasten.

AustrianStartups: Nachteile für Startups und Scaleups befürchtet

Kritik an der Paketsteuer kommt auch von AustrianStartups. „Wer Österreich als Innovationsstandort stärken will, kann nicht gleichzeitig die Vertriebskanäle innovativer Unternehmen im E-Commerce belasten. In der aktuellen Form würde der Entwurf vor allem Startups, Scaleups und KMUs treffen, die über Plattformen verkaufen oder aus Österreich versenden“, meint man dort. Auch befürchtet man potenzielle Probleme für Scaleups in der Branche, weil ein gleitender Übergang bei der Umsatzschwelle fehle: „Für Scaleups, die gerade die 100-Millionen-Euro-Grenze überschreiten, bedeutet das einen abrupten Kostenschock in genau der Phase, in der sie skalieren wollen.“

Kaminski: „Das ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll“

Zudem hebt AustrianStartups eine besondere Problematik im Secondhand- und Refurbishment-Bereich hervor und zitiert dazu refurbed-Co-Founder Kilian Kaminski: „Bei einem refurbishten iPhone beispielsweise ist der Produktpreis zwar relativ hoch, aber die Marge für Refurbisher ist sehr gering. So eine Abgabe kann nicht einfach weitergegeben werden. Das Resultat: Preise im Reuse-Bereich steigen, neue Billigwaren nicht. Das ist das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Falls die Abgabe kommt, braucht es zwingend eine Ausnahmeregelung für Secondhand und Refurbished.“

AustrianStartups forderte daher bereits im Mai „eine Rücknahme des Entwurfs in seiner aktuellen Form“. Sollte dies nicht passieren jedenfalls aber eine „Prüfung eines EU-weiten Rahmens statt eines österreichischen Alleingangs“ und eine Ausnahmeregelung für Secondhand, Refurbished und Reuse.

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