20.05.2025
DOKUMENTATION

Theradocx: Wiener Startup bringt KI in Therapiepraxis

Theradocx will Schluss machen mit überfrachteter Praxissoftware und endlosen Notizen. Das Wiener Startup setzt auf künstliche Intelligenz, um die Dokumentation in der Psychotherapie einfacher und schneller zu machen.
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Selin Matun, Co-Founderin von Theradocx
Selin Matun, Co-Founderin von Theradocx | Foto: Theradocx

Kaum jemand genießt die Bürokratie rund um die eigentliche Arbeit. Auch Therapeut:innen kostet es viel Zeit, ihre Sitzungen zu dokumentieren. Und: Das passiert oft immer noch manuell. Psychotherapie-Studentin Selin Matun arbeitet bald selbst mit Patient:innen – und wollte einen effizienteren Weg finden, Daten zu erstellen und zu strukturieren. „Ich habe mich gefragt, wie ich die Dokumentation machen möchte – und für mich ist 50 Minuten lang merken einfach nicht in Frage gekommen“, sagt Matun. Mit Theradocx will sie den Dokumentationsalltag in der Psychotherapie radikal vereinfachen.

Statt Stift, Papier und veralteter Software übernimmt eine KI die Protokollerstellung. Hinter dem Konzept stecken neben Matun auch die Softwareentwickler Jan Hoppel und Petronel Liciu. Sie sagen: So viele Branchen profitieren bereits von KI – warum nicht auch Psychotherapeut:innen?

Dokumentation, aber einfach

Die Hauptfunktion der digitalen Plattform Theradocx ist die automatisierte Dokumentation von Therapiesitzungen mittels KI. „Es gibt drei Modi: KI-gestützte Aufzeichnung, manuelles Einsprechen oder ganz klassische Eingabe ohne KI“, erklärt Matun. Die KI analysiert die Aufnahme und erstellt eine strukturierte Zusammenfassung. „Wir rechnen damit, dass sich ein Therapeut durch automatisierte Dokumentation 8 bis 10 Stunden pro Woche sparen kann“, sagt Matun.

Datenschutz im Fokus

Das alles soll DSGVO-konform passieren. Für jene Patient:innen, die nicht wollen, dass ihre Sitzungen aufgezeichnet werden, gibt es die klassische Eingabe ohne KI. Und auch danach gilt: Wenn Patient:innen ihrer Datenverarbeitung mithilfe von KI nicht zustimmen, dann darf das auch nicht stattfinden. „Datenschutz ist ein großes Thema – ohne Einverständnis der Patient:innen wird keine KI genutzt“, sagt Matun.

Um Fehler seitens der KI zu vermeiden, soll das System die Daten mehrmals prüfen. Theradocx setzt außerdem auf das „Human in the Loop“-Prinzip: Am Ende kontrollieren die Therapeut:innen die Zusammenfassungen der Software nochmals selbst.

Theradocx setzt auf Abomodell

Die Idee entstand vor etwa einem Jahr, seit Februar werkelt das Team intensiv an der Software. „Wir schlafen wenig und arbeiten viel“, resümiert Matun die vergangenen Wochen. Die Beta-Version der Software geht in wenigen Tagen online.

Interessierte bekommen sie gratis, dem Gründungsteam geht es vorerst um Feedback – und den Proof of Concept. „Wir stellen das System vor allem jungen Therapeut:innen kostenlos zur Verfügung“, sagt Matun. Bis dato ist das Projekt eigenfinanziert, später soll mittels Abomodell Geld fließen. Irgendwann auch Investor:innen an Bord zu holen, kann sich die Co-Founderin gut vorstellen.

„Unser Ziel ist es, dass Therapeuten nicht mehr 100.000 verschiedene Programme brauchen“, sagt Matun. Theradocx soll nämlich nicht nur Gespräche dokumentieren, sondern in Zukunft auch Buchhaltung, Kalender und Austausch verwalten.

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(c) Brantner

Die Paprec-Gruppe wird strategischer Mehrheitsgesellschafter von Brantner green solutions, der Umwelt- und Abfallwirtschaftssparte der Kremser Brantner Gruppe. Das gaben die Unternehmen am Dienstag bekannt. Paprec übernimmt 80 Prozent, die restlichen 20 Prozent bleiben im Besitz der Familie Brantner. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der erforderlichen regulatorischen Genehmigungen, der Vollzug wird für das vierte Quartal 2026 erwartet. Zum Kaufpreis machen die Unternehmen keine Angaben. Der brutkasten hat bei Brantner green solutions nachgefragt.

Fünf Länder, 65 Standorte

Brantner green solutions wurde 1936 gegründet und ist in Österreich, wo sich auch der Hauptsitz befindet, sowie in der Slowakei, Tschechien, Rumänien und Serbien tätig. Das Unternehmen beschäftigt rund 2.500 Mitarbeitende an 65 Anlagen und Niederlassungen und betreut mehr als 28.000 kommunale, industrielle und gewerbliche Kunden. Der Umsatz liegt bei mehr als 320 Mio. Euro.

Für Paprec ist es der Eintritt in fünf neue Märkte. Nach der Schweiz, Spanien und Italien bezeichnet die Gruppe den Schritt als nächste Etappe ihrer europäischen Expansion und als Wachstumsplattform in Mittel- und Osteuropa.

„Diese Transaktion ist unsere wichtigste Akquisition seit dem Zusammenschluss mit Coved im Jahr 2016. Sie ermöglicht uns den Eintritt in fünf neue Länder und stärkt unsere europäische Präsenz erheblich“, wird Mathieu Petithuguenin, Chairman und CEO der Paprec-Gruppe, in der Aussendung zitiert.

Logistik und Immobilien bleiben in der Familie

Der Deal betrifft ausdrücklich nur die Kreislaufsparte. „Wichtig ist zu betonen, dass sich diese Partnerschaft ausschließlich auf Brantner green solutions bezieht. Brantner logistic solutions und Brantner Real Estate bleiben vollständig im Eigentum der Familie Brantner und werden unabhängig weiterentwickelt“, stellt Bernd Brantner klar. Er führt die Brantner Gruppe seit 24 Jahren als CEO und vertritt die dritte Generation der Familie.

Der Entscheidung ging laut Aussendung ein fast zweijähriger Prozess voraus, an dessen Ende sich die Familie einstimmig für Paprec aussprach. „Die Chancen, die vor uns liegen, sind enorm, ihre Realisierung wird jedoch erhebliche langfristige Investitionen erfordern“, begründet Bernd Brantner den Schritt. Als Familie habe man sich deshalb bewusst für einen starken strategischen Gesellschafter entschieden, der die eigenen unternehmerischen Werte teile. In der neu geschaffenen Gesellschaft übernimmt er die Rolle des stellvertretenden Vorsitzenden.

Von 40 auf 26.000 Mitarbeitende

Paprec startete vor 32 Jahren als kleines Altpapierrecycling-Unternehmen mit 40 Mitarbeitenden in La Courneuve bei Paris. Die Schweiz war vor mehr als 15 Jahren der erste Markt außerhalb Frankreichs, in Spanien beschäftigt die Gruppe heute fast 4.000 Menschen. Nach Abschluss der Transaktion soll Paprec rund 26.000 Mitarbeitende in 15 Ländern zählen und einen Jahresumsatz von mehr als 4,5 Mrd. Euro erreichen.

Brantner fiel zuletzt mit Innovationsprojekten auf

Das Kremser Familienunternehmen war in den vergangenen Jahren mehrfach mit Vorstößen in der Kreislaufwirtschaft präsent. 2024 vereinbarte Brantner green solutions gemeinsam mit dem Schaumstoffproduzenten Neveon die Gründung eines Joint Ventures für das Recycling von Matratzen mit Sitz in Krems. In Hohenruppersdorf betreibt das Unternehmen zudem eine Anlage, in der Asche und Schlacke aus der Müllverbrennung aufbereitet werden. Und mit Scarab brachte Brantner Österreichs ersten autonomen Müllroboter auf die Straße, der Mülltonnen ohne menschliches Zutun leert.

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