23.12.2025
KI-LEKTORAT

Textshine: Wie ein Wiener Startup das Korrektorat neu denkt

Was als Nebenprojekt eines Wiener Verlagssohns begann, ist heute ein KI-gestütztes Korrektoratstool für Redaktionen und Verlage im gesamten deutschsprachigen Raum. Textshine automatisiert professionelles Korrektorat, erkennt Grammatik-, Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler sowie einfache sachliche Inkonsistenzen und verzichtet bewusst auf Textproduktion.
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Das Team von Textshine wächst weiter. (c) Textshine

Was einst als Nebenprojekt begann, ist laut Gründer heute ein Werkzeug, das in Redaktionen und Verlagen im gesamten deutschsprachigen Raum eingesetzt wird. Textshine automatisiert professionelles Korrektorat und will dort ansetzen, wo klassische Rechtschreibprogramme an ihre Grenzen stoßen.

Hinter dem Startup stehen Alexander Seifert, seine Frau Anna Bozecski und ein sechsköpfiges Team. Gemeinsam wollen sie mit Textshine ein sehr spezifisches Problem lösen, das Seifert aus eigener Erfahrung kennt. Seine Mutter gründete einen Verlag und er selbst arbeitete bereits während der Matura im Familienbetrieb mit. Dabei setzte er Bücher, kümmerte sich um IT-Themen und half dort aus, wo es notwendig war.

Seifert studierte Informatik, Linguistik und Philosophie. Seit 2015 beschäftigt er sich intensiv mit KI-Entwicklung. Ziel war zunächst, seine Mutter im Verlag zu entlasten. Ihn störte vor allem eines am klassischen Korrektorat: dass immer wieder dieselben Fehler durchrutschen, für den Massenmarkt seien einfache Rechtschreibkorrekturen ausreichend, für den professionellen Einsatz aber nicht. Dort werde nach wie vor externes Korrektorat eingekauft.

Korrektorat als Übersetzungsproblem

2019 begann Seifert, sich systematisch mit der Automatisierung von Korrektorat zu beschäftigen. Parallel betreute er beruflich zahlreiche KI-Projekte, in einer Phase, in der die ersten großen Sprachmodelle und Transformer-Architekturen publiziert wurden. Viele dieser Modelle waren auf Übersetzung ausgelegt. „Ich habe mir gedacht, man kann Korrektorat im Grunde wie eine Übersetzung betrachten“, sagt Seifert im Gespräch mit brutkasten.

Er trainierte auf Basis verlagsinterner Daten ein eigenes Sprachmodell. Der erste Prototyp war ein Proof of Concept, funktionierte überraschend gut und blieb zunächst ein Nebenprojekt. 2022 kam der Wendepunkt. Seine Mutter stellte fest, dass sie sich pro Buch ein bis zwei komplette Korrekturdurchgänge sparen konnte. Ein Buch werde bis zum Druck fünf- bis sechsmal gelesen. Textshine reduzierte diesen Aufwand deutlich.

Seifert bot das Tool daraufhin auch anderen Verlagen an. Zu diesem Zeitpunkt war er noch angestellt, hatte ein kleines Kind und kaum finanzielle Rücklagen für einen derartigen Versuch. Eine AWS-KI-Förderung ermöglichte es ihm schließlich, ein Jahr lang ausschließlich an Textshine zu arbeiten. „Meine größte Sorge war, dass der Bedarf irgendwo dazwischen liegt und es zu wenig zum Leben, aber zu viel zum Sterben wäre“, sagt er. Die Einnahmen reichten damals noch nicht zum Leben, das Feedback aus der Branche war jedoch durchgehend positiv und Seifert vertiefte das Projekt.

Vom Einzelkämpfer zum Team

Ende 2024 folgte ein AWS-Deeptech-Seed-Financing, später auch Unterstützung im Zuge des Fellowship Programmes der Mediengruppe Wiener Zeitung. Heute besteht das gesamte Team aus acht Personen. Vor einem Jahr waren es rechnerisch eineinhalb. Textshine sei inzwischen „in aller Munde“, sagt Seifert, und das tägliche Feedback bestätige den starken Product-Market-Fit.

Zu den Kund:innen zählen Buchverlage, Tageszeitungen, Magazine, Selfpublisher:innen und vereinzelt auch Wissenschaftler:innen. Besonders bei Buchverlagen sei die Kaufentscheidung vergleichsweise einfach, da Korrektorat dort ohnehin extern vergeben werde. Bei Tageszeitungen sei der Einstieg komplexer, da viele Korrekturschritte direkt in den Redaktionen stattfinden. Textshine wird derzeit von mehreren Hundert Kund:innen genutzt. Diese sind vor allem im deutschsprachigen Raum angesiedelt, also in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Aber auch in New York soll das Wiener KI-Korrektorat laufen.

Warum Textshine teurer ist und trotzdem günstiger

Im Marktvergleich positioniert sich Textshine bewusst oberhalb einfacher Tools wie beispielsweise “Language Tool”. Das Startup ist teurer, reduziert nach eigenen Angaben aber den Nachbearbeitungsaufwand deutlich. Während andere Systeme bei längeren Texten an Qualität verlieren, bleibt Textshine stabil, sagt Seifert. Eigennamen werden erkannt und nicht fälschlich korrigiert, einfache fachliche Fehler wie Verwechslungen sollen ebenfalls erkannt werden.

Das Tool korrigiert Grammatik, Orthografie, Zeichensetzung und einfache sachliche Fehler in einem Durchgang. Es greift nicht stilistisch ein und schreibt keine neuen Texte. Genau das sei entscheidend. Viele hätten versucht, ähnliche Ergebnisse mit generativen KI-Modellen zu erzielen, scheiterten aber daran, dass diese zu stark eingreifen oder Änderungen nicht sauber nachvollziehbar machen.


Nutzer:innen können ein Word-Dokument hochladen und erhalten innerhalb weniger Sekunden bis Minuten eine automatisch korrigierte Version per E-Mail zurück. Textshine lässt sich aber auch über eine Browser-Extension in die meisten Redaktionssysteme integrieren und funktioniert auch in Layout- und Printsystemen wie InDesign. Gerade für Buchverlage, die oft keine geeigneten digitalen Korrekturwerkzeuge haben, sei das ein entscheidender Vorteil.

Dass das Tool besonders anwenderfreundlich ist und sich gut integrieren lasse, bestätigen auch diverse Referenzkunden wie etwa die Salzburger Nachrichten oder der Falter-Verlag.

Selfservice und Redaktionstarife

Ein Alleinstellungsmerkmal ist das Selfservice-Angebot auf der Website. Ein klassisches Buchkorrektorat herkömmlich rund 1000 Euro pro Durchgang, bei Textshine zahlt man dafür nur einen Bruchteil. Mit Textshine lassen sich Texte deutlich günstiger prüfen. Eine Bachelorarbeit kostet im Selfservice etwa 30 bis 40 Euro, ohne Abo, rein zeichenbasiert.

Für Redaktionen gibt es Vertragsmodell. Die Flatfee liegt bei rund 500 Euro, darüber hinaus wird nach Umfang abgerechnet. In einer Redaktion mit rund 100 Personen sollen sich die monatlichen Kosten im mittleren vierstelligen Bereich bewegen. Ursprünglich setzte Textshine auf Pro-Kopf-Lizenzen, ist davon aber abgegangen. Redaktionen seien zu unterschiedlich strukturiert, sagt Seifert.

Das Startup ist aktuell in der glücklichen Lage, sowohl solide finanziert zu sein als auch laufend Umsätze zu erzielen. Textshine unterstützt derzeit Deutsch und Englisch.

Qualitätssicherung statt Textproduktion

Für die Zukunft verfolgt Textshine eine klare Linie. Das Tool soll weiterhin keine eigenen Texte schreiben: „Das sollen Menschen machen“, sagt Seifert. Stattdessen will das Startup den Bereich der Qualitätssicherung weiter ausbauen. In der Buchproduktion gebe es zahlreiche manuelle, repetitive Schritte, vom Prüfen gesetzter Texte bis zur Kontrolle von Basisinformationen wie Öffnungszeiten oder Points of Interest. Vieles davon lasse sich automatisieren.

Auch innerhalb eines Textes erkennt Textshine bereits heute Inkonsistenzen zwischen unterschiedlichen Passagen. Anfragen für weitere Sprachen, etwa Französisch, gebe es regelmäßig, sie stehen aktuell aber nicht auf der Agenda.

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Stefan Wierzbinski und Michal Lewandowski | (c) Walter Real Estate / Walter Group
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Der Corporate-Venture-Capital-Arm (CVC) WaVe-X der in Wiener Neudorf ansässigen Walter Group, investiert im Rahmen einer Zehn-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde in den Berliner Energie- und Sanierungsexperten Fuchs & Eule. Angeführt wurde die Runde von GET Fund als Lead-Investor, daneben beteiligten sich weitere Partner wie PI Impact sowie die Bestandsinvestoren SET Ventures, Picus Capital und Realyze Ventures. Das 2021 gegründete Berliner Startup begleitet Eigentümer:innen von Wohn- und Gewerbeimmobilien durch künstliche Intelligenz und Datenanalysen bei der energetischen Sanierung.

„Ein generationsübergreifender Sanierungs-Superzyklus“

Bei seinen Investments konzentriere sich WaVe-X auf Unternehmen, die sich durch die „Bewältigung komplexer operativer und regulatorischer Herausforderungen nachhaltige Wettbewerbsvorteile erarbeiten“, erklärt Michal Lewandowski, Senior Investment Manager bei WaVe-X, gegenüber brutkasten. Er zeigt sich überzeugt, dass Fuchs & Eule einen „einzigartigen Zugang zu einem riesigen Markt“ biete, der aktuell von einem „generationsübergreifenden Sanierungs-Superzyklus in der DACH-Region“ angetrieben werde.

Forciert durch strenge nationale Vorgaben wie das deutsche Bundes-Klimaschutzgesetz und die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) stünden institutionelle Immobilieneigentümer unter immensem Druck. Dabei würden Objekten mit unzureichenden ESG-Ratings spürbare „Brown Discounts“ und gravierende Bewertungsrisiken drohen, warnt Lewandowski. Dass diese Risiken real sind, zeigen auch aktuelle Marktdaten des Branchenportals reduco.ai: Während energieeffiziente Gebäude der Klasse A zwischen 2021 und 2025 rund 13 Prozent an Wert gewannen, verloren unsanierte Objekte der Klassen G und H im selben Zeitraum rund 12 Prozent an Wert.

„Dieses Investment liegt unserer Muttergesellschaft sehr nahe“

Daraus ergebe sich ein operativer Nutzen für die gesamte Walter Group, erklärt Stefan Wierzbinski, Vorsitzender der Geschäftsführer von Walter Real Estate: „Dieses Investment liegt unserer Muttergesellschaft sehr nahe.“ Die „investmenttaugliche Energy Due Diligence“ von Fuchs & Eule sei für das große Wohnimmobilien-Portfolio von Walter Real Estate von großem Interesse. Die Gesellschaft sei in der Assetklasse Wohnen in Österreich, Deutschland und Dänemark investiert. Das Investment biete einen „skalierbaren Weg, um das Thema ESG-Compliance anzugehen“, die eigenen Assets zu optimieren und den Gebäudewert langfristig abzusichern.

Man habe WaVe-X bereits bei der Evaluierung des Startups mit der eigenen Expertise unterstützt und bestätigt, dass Fuchs & Eule ein „echtes Problem“ löse, mit dem sich auch Walter Real Estate im eigenen Portfolio beschäftige. Diese Partnerschaft sei jedoch „keine Einbahnstraße“, betont Wierzbinski. Neben der internen Nutzung der Plattform werde man das Team bei seiner anstehenden internationalen Expansion aktiv unterstützen: „Wir werden unser Real Estate Netzwerk und unsere Marktpräsenz einbringen, um Fuchs & Eule bei einem erfolgreichen Markteintritt in Österreich zu begleiten.“

Globale VC-Standards und strategischer Wissenstransfer

Auch über diesen Deal hinaus verfolgt WaVe-X große Pläne. Man habe bis heute „13 Investments an der Seite von weltweit führenden Investoren getätigt“ sagt Lewandowski. Dabei konzentriere man sich auf Verticals wie Logistics Tech, Manufacturing Tech, Proptech und Construction Tech. „Unser Mandat ist global; wir haben bereits in ganz Europa und den USA investiert. Unser Gesamtvolumen für Erstinvestments liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich“, so der Investment-Manager. Die initialen Ticketgrößen bewegten sich zwischen 200.000 Euro und zwei Millionen Euro, wobei das Ziel darin bestehe, ein finales Portfolio von rund 20 Unternehmen aufzubauen. Das Portfolio zeige bereits eine starke Dynamik; so habe das Portfoliounternehmen Dexory vor Kurzem erfolgreich seine Series-C-Finanzierungsrunde abgeschlossen.

WaVe-X sei dabei durch die Walter Group mit einem fixen Fondsvolumen ausgestattet. „Wir agieren nach marktüblichen Venture-Capital-Standards und suchen aus Sicht der finanziellen Rendite nach den vielversprechendsten Startups innerhalb des für die Walter Group relevanten Ökosystems“, erklärt Lewandowski. Bei der Konzeption der Struktur habe man gezielt die Best Practices und Setups führender europäischer CVC-Fonds einfließen lassen.

Und man habe weiterhin signifikantes Kapital zur Verfügung, um es in erstklassige Gründerteams in den Fokusbereichen zu investieren – unabhängig von deren geografischem Standort: „Unser Ziel ist es, die disruptiven Technologien zu finanzieren, die diese Branchen nachhaltig prägen.“ Gründer:innen biete man einen „einzigartigen Zugang zum tiefen Netzwerk und der operativen Erfahrung der Walter Group“, während man gleichzeitig modernste Innovationen und wertvolles Know-how aus den Startups zurück in die Gruppe bringe. „Anhand der aktiven Zusammenarbeit mit unserem aktuellen Portfolio sehen wir aus erster Hand, wie gut dieser Wissenstransfer funktioniert und wie sehr die Gründer die Partnerschaft mit der Walter Group schätzen“, so Lewandowski. „Wir werden dieses Modell konsequent weiter ausbauen und weiterhin global investieren.“

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