22.11.2017

Texible: Ein universitäres Spin-off nimmt sich Tabu-Thema an

Ein Startup aus Vorarlberg löst mit smarten Textilien ein bisher tabuisiertes Problem und entlastet damit viele Betroffene, sowie ihre Angehörigen und Pfleger.
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(c) Texible Gründer Thomas Fröis

Mit dem Begriff der smarten Textilien verbindet man gewöhnlich Kleidungsstücke, die mit Hilfe integrierter Elektronik zusätzliche Aufgaben übernehmen – etwa T-Shirts, die Vitaldaten wie Puls oder Atemfrequenz erheben. Im Bereich technischer Textilien bieten sich aber noch viele weitere Anwendungsgebiete, die nicht unbedingt am menschlichen Körper liegen müssen. Beispielsweise können textile Strukturen in Form von 3D-Elektroden Batterien, Akkus und Brennstoffzellen effizienter machen.

Innovationstreiber

Texible entwickelt maßgeschneiderte technische Textilprodukte für seine Kunden und vermarktet eigene Produkte. Gegründet wurde das in Hohenems beheimatete Startup im Frühjahr 2016, von der Universität Innsbruck und zusammen mit Textilunternehmen aus Vorarlberg, um Innovationen in diesem Bereich voranzutreiben. „Als Texible profitieren wir bei der Entwicklung und Herstellung technischer Textilien in Vorarlberg im Besonderen von einem Umfeld, das in der Vergangenheit stark von der Textilindustrie geprägt wurde und somit die gesamte textile Wertschöpfungskette bereitstellt“, sagt Texible-Geschäftsführer Thomas Fröis. Neben intelligenten Textilien im Medizin- und Pflegebereich arbeitet er mit seinem Team konstant an textilen Lösungen für innovative Stromspeichertechnologien und kundenspezifischen Entwicklungen von maßgeschneiderten, technischen Textilprodukten.

Sensoren aus der Stickmaschine

Die in Vorarlberg stark verankerte Stickerei ist eine der flexibelsten Fertigungstechniken für technische Textilien. Dabei kommen allerdings Materialien zum Einsatz, mit denen gewöhnliche Stickmaschinen oft überfordert sind. Speziell entwickelte Maschinenerweiterungen ermöglicht es, selbst Drähte mit einem Durchmesser von 0,08mm oder Materialien wie Glasfaser, Kupfer und Stahl mit konventionellen Stickmaschinen zu verarbeiten. Mit dieser Technologie lassen sich neue Stromkollektoren für elektrochemische Zellen herstellen, die ohne Verluste in der Energieeffizienz mit einem bis zu fünffach höheren Strom belastet werden können.

Redaktionstipps

Tech-Innovation für die Pflege

Der Grundstein für Texible wurde bereits 2011 durch ein gemeinsames Forschungsprojekt des Instituts für Textilchemie und Textilphysik und des Unternehmensnetzwerks „Smart Embroideries Austria“ gelegt. Gemeinsam mit Vorarlberger Textilunternehmen, der Universität Innsbruck und dem Pflegeheim Dornbirn wurde an der Idee gearbeitet und bis zur Serienreife gebracht. Mit einem interdisziplinären Projektteam wurde ein waschbarer Sensor entwickelt, welcher die Pflege von inkontinenten Patienten erleichtern soll. Eingewebt in die Bettwäsche schlägt dieser Sensor Alarm, sobald Feuchtigkeit eindringt. Die für Patienten und Pflegepersonal umständlichen, regelmäßigen Kontrollen entfallen. Was einfach klingt, ist in der Praxis allerdings gar nicht so leicht umzusetzen: „Wesentliche Herausforderungen bei der Gestaltung und Entwicklung solcher Pflegeprodukte sind beispielsweise die industrielle Waschbeständigkeit, das einfache Handling in der Pflege, eine flexible und belastbare Gestaltung ohne Fehlalarme und die Auswahl geeigneter Prozesse zum Aufbringen der Nässebarriere“, schildert Thomas Fröis. Das junge Startup konnte sich im bisherigen Gründungsprozess bereits über Förderungen von AWS PreSeed und dem Programm Marktstart der FFG, freuen.

Tabu-Thema

„Für Betroffene wie auch Angehörige und das Pflegepersonal stellt Harninkontinenz eine enorme körperliche und psychische Belastung dar. Österreichweit sind rund eine Million Menschen von diesem Krankheitsbild betroffen. Unsere Anstrengung zielt darauf ab, hier eine optimierte Hilfestellung bieten zu können, um das Leben für die betroffenen Menschen zu verbessern”, so das Texible-Team. Ihre Antwort ist Texible Wisbi, die weltweit erste industriell waschbare Inkontinenz-Betteinlage, die automatisch bei Kontakt mit Nässe das Pflegepersonal alarmiert. Sämtliche Anforderungen an Funktionalität, Hygiene und Waschbeständigkeit des Textils wurden im Vorfeld in enger Zusammenarbeit mit den Pflegeheimen der Stadt Dornbirn sowie führenden Mietwäschen eruiert und berücksichtigt. Für Entwicklung der Inkontinenz-Betteinlage wurde das Unternehmen mit dem Vorarlberger Innovationspreis 2016 ausgezeichnet.

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Cyber-Attacken, Cybersecurity, KI-Scam
© KPMG/Eva Kelety - (v.l.) Andreas Tomek, Michael Höllerer und Robert Lamprecht.

Cyberangriffe auf heimische Unternehmen sind in den vergangenen zwölf Monaten – auch wenn diese bereits auf hohem Niveau waren – noch einmal mehr geworden. 25 Prozent der Befragten in einer aktuellen KPMG-Studie sagen, dass Cyberangriffe auf ihr Unternehmen stark bzw. eher zugenommen haben. Jeder achte registrierte Cyberangriff war dabei erfolgreich und überwand die Sicherheitsbarrieren der Unternehmen. Der Trend, der sich abzeichnet: Cyberangriffe werden effizienter, nicht harmloser. Heute dominieren unauffällige und mit KI strategisch orchestrierte Angriffe das Bild.

Diese Erkenntnisse aus der KPMG-Studie lassen sich mit einem konkreten Beispiel der jüngsten Vergangenheit gut belegen und zeigen, wie gefährlich Unachtsamkeit in so einem Fall sein kann.

Niederösterreichisches Startup als jüngstes Beispiel

Letzte Woche wurde – wie brutkasten berichtete – das NÖ-Kindermöbel-Startup poptop Opfer eines KI-Scams. Und überwies 41.000 Euro an eine dubiose US-Firma. Dabei wurden interne Zahlungsfreigaben per KI-generierter Mail täuschend echt imitiert. Man konnte den überwiesenen Betrag mithilfe der Bank zurückbekommen.

Doch KI- und Cyberangriffe kommen nicht nur über E-Mail, wie die Untersuchung weiter ausweist.

Die Top-Angriffsarten sind in diesem Jahr Malware über E-Mail-Anhänge (von 78 Prozent der Unternehmen berichtet), (Spear-)Phishing über Links (69 Prozent), die Ausnutzung von Hardware-/Software-Schwachstellen (58 Prozent), Business-E-Mail-Compromise, also CEO-/CFO-Fraud (57 Prozent), sowie Scam-Anrufe (52 Prozent).

Abgenommen haben im Vergleich zum Vorjahr Denial-of-Service-Attacken, Scam-Anrufe und (Spear-)Phishing-Angriffe. Gestiegen sind unter anderem die Umgehung der Multifaktor-Authentifizierung (MFA) sowie Angriffe gegen Industriesteuerungsanlagen (OT).

Neu hinzugekommen ist das Ausnutzen von Hardware-/Software-Schwachstellen, was verdeutlicht, dass KI die Art der Angriffe in den letzten zwölf Monaten wesentlich verändert hat.

  • Die Hälfte aller Angriffe (50 Prozent) lässt sich auf organisierte Kriminalität zurückführen.
  • Jeder zehnte Angriff wird von staatlich unterstützten Akteuren ausgeführt.
  • Jedes vierte von Ransomware betroffene Unternehmen gibt an, die Lösegeldforderungen bezahlt zu haben.
  • In 40 Prozent der Angriffsfälle war ineffektives Patch-Management das Einfallstor.

Künstliche Intelligenz verändert die Spielregeln

„Wir stehen mit KI an einem Wendepunkt und bewegen uns weg von einer Welt, die auf klaren Regeln, bekannten Mustern und nachvollziehbaren Reaktionen basiert, hin zu Systemen, die Entscheidungen zunehmend autonom treffen und die wir nicht immer vollständig nachvollziehen können. Die zentrale Frage ist daher nicht nur, ob KI eingesetzt wird, sondern ob sie steuerbar bleibt“, beschreibt KPMG-Partner und Studienautor Robert Lamprecht die aktuelle Lage.

Besonders kritisch sei zudem die Verkürzung der Zeitspanne zwischen dem Auffinden von Schwachstellen und deren Ausnutzung durch die Angreifer. Was früher Tage oder Wochen gedauert hat, kann heute in wenigen Stunden passieren. Gleichzeitig herrsche in Unternehmen eine spürbare Skepsis, ob KI tatsächlich zur Verbesserung der Cybersicherheit beiträgt (nur 33 Prozent Zustimmung), da die Vorteile aktuell stärker aufseiten der Cyberkriminellen gesehen werden.

  • Für jedes zweite befragte Unternehmen (50 Prozent) stellen KI-unterstützte Cyberangriffe die größte Herausforderung dar.
  • 47 Prozent geben an, dass bei Cyberangriffen gegen ihr Unternehmen verstärkt KI eingesetzt wird. 28 Prozent haben sich mit dem Einsatz von KI zur Verbesserung der eigenen Cybersicherheit beschäftigt.
  • Bei 61 Prozent führten Anwender:innenfehler bei der Nutzung von KI zu Cybersicherheits- und Datenschutzvorfällen sowie Know-how-Abfluss.

Laut der, zum elften Mal in Folge veröffentlichten, Studie bringen zudem KI-Systeme und zunehmende Vernetzung Unternehmen unter Druck, da Kontrolle und Überblick über komplexe Abhängigkeiten schwinden. Besonders die Lieferkette gilt als kritisches Einfallstor: Angreifer nutzen gezielt schwache Glieder im IT-Ökosystem, wodurch ganze vernetzte Strukturen gefährdet werden.

So waren bei 39 Prozent der Unternehmen die eigenen Dienstleister oder Lieferanten innerhalb der letzten zwölf Monate Opfer eines Cyberangriffs; bei weiteren 14 Prozent gab es zumindest einen entsprechenden Verdacht. Derartige Vorfälle bleiben oft nicht ohne direkte Konsequenzen für die Auftraggeber: Mehr als jedes fünfte Unternehmen (22 Prozent) berichtet, dass ein Vorfall bei einem Dienstleister oder Lieferanten in der Folge auch zu einem Angriff auf das eigene Haus geführt hat. Dementsprechend groß ist die Verunsicherung hinsichtlich der IT-Sicherheit in der Lieferkette. 31 Prozent der Betriebe treibt die Sorge um, dass ihre Zulieferer nicht dieselben hohen Sicherheitsstandards einhalten wie sie selbst und dadurch zu einem gefährlichen Einfallstor für Angreifer werden.

„Es geht nicht darum, Lieferanten als Risiko zu sehen. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass unsere Vernetzung unsere größte Stärke und gleichzeitig unsere größte Verwundbarkeit ist“, betont KPMG-Partner Andreas Tomek.

Digitale Souveränität als Antwort auf Cyber-Attacken

Digitale Souveränität – so der Bericht weiter – sei ein Eckpfeiler wirksamer Cybersicherheit: Nur wer Kontrolle über Daten und Infrastruktur behalte, könne Abhängigkeiten reduzieren und im Ernstfall handlungsfähig bleiben. Laut Studie sind jedoch 70 Prozent der Unternehmen stark von digitalen Technologien aus dem Ausland abhängig, 69 Prozent beziehen Cybersicherheitsanwendungen von dort – und mehr als die Hälfte könnte im Ernstfall nicht länger als drei Monate ohne diese auskommen.

Außerdem ende Cybersicherheit nicht bei technischen Schutzmaßnahmen: Fallen Cloud-Lösungen oder Plattformen plötzlich aus, geraten Unternehmen schnell in reale Existenzprobleme. Andreas Tomek dazu: „Für digitale Souveränität ist es notwendig, dass Unternehmen ihre strategische Ausrichtung neu denken und Abhängigkeiten klar identifizieren und analysieren.“

Staat doch gefragt

All dies sowie steigende Komplexität und Dynamik der Bedrohungslage führen den Autoren zufolge zu einer zentralen Erkenntnis: Cybersicherheit sei nicht länger ein optionales Investitionsthema, sondern eine Voraussetzung für stabile Geschäftsmodelle in einer digitalisierten Wirtschaft.

Unternehmen sehen hierbei den Staat zunehmend als aktiven Partner in Sachen Cybersicherheit: „Wir brauchen nicht nur das Miteinander von Unternehmen, Behörden sowie Forschungs- und Technologieeinrichtungen auf nationaler Ebene: Vielmehr braucht es eine gemeinsame europäische Kraftanstrengung in einem geopolitisch volatilen Umfeld, um die digitale Sicherheit von Unternehmen zu unterstützen“, sagt Michael Höllerer, Präsident des KSÖ (Kompetenz­zentrum Sicheres Österreich) und aktuell noch Generaldirektor von Raiffeisen NÖ-Wien.

„Eine Welt, in der wir den Angreifern gezeigt haben, wie schnell verwundbar wir sind“

Und Robert Lamprecht ergänzt: „Es ist eine Welt, in der wir den Angreifern gezeigt haben, wie schnell wir heute verwundbar sind. Im Wettlauf gegen die Cyberkriminellen sind wir um viele Plätze zurückgefallen, und das Momentum liegt eindeutig auf der Seite der Angreifer. Angriffe werden dort erfolgreicher, wo Verteidigung zu spät, zu langsam oder zu bequem ist. Das ist kein Grund für Alarmismus, aber ein guter Grund für Cybersecurity. Wer hier noch auf Zeit spielt, wird irgendwann überholt. Nicht die Bedrohung ist neu. Neu ist nur die Geschwindigkeit. Die entscheidende Frage für Unternehmen lautet heute nicht mehr, ob sie in Cybersicherheit investieren sollen, sondern ob sie es sich leisten können, es nicht zu tun.“

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