15.05.2025
ANSCHLUSSFINANZIERUNG

TechEU: EIB verspricht 70 Mrd. Euro für Startups

TechEU soll das "bisher größte Finanzierungsprogramm für europäische Innovation und Technologieführerschaft" werden, sagt EIB-Präsidentin Nadia Calviño.
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EIB-Präsidentin Nadia Calviño | (c) EIB
EIB-Präsidentin Nadia Calviño | (c) EIB

Das Problem ist so alt, wie die europäische Startup-Szene selbst: Während die Frühphasenfinanzierung am alten Kontinent noch relativ gut durch private und öffentliche Kapitalgeber abgedeckt ist, muss das Kapital für spätere, größere Finanzierungsrunden häufig in Übersee aufgestellt werden. Nicht nur Firmenanteile wandern damit oft in die USA und asiatische Länder ab – ganze Unternehmen verlegen ihren Sitz und gehen Europa damit verloren.

70 Mrd. Euro von der EIB sollen weitere 180 Mrd. Euro privates Kapital hebeln

Doch eine neue Dynamik zeigt sich nun – wie sollte es anders sein – wegen der Politik von US-Präsident Donald Trump. Die Europäische Investitionsbank EIB will das Problem mit einem umfassenden Paket angehen. Details dazu verriet EIB-Präsidentin Nadia Calviño nun in einem Interview mit dem deutschen Handelsblatt.

Nicht weniger als 70 Milliarden Euro will die europäische Förderbank bis 2027 im Rahmen der Initiative TechEU, die noch dieses Jahr starten soll, für Startups bereitstellen. Vergeben wird das Geld dann in Form von Krediten, Garantien und Beteiligungen. Damit sollen auch private Kapitalgeber zum Investieren animiert werden, wodurch – geht es nach der EIB – weitere 180 Milliarden Euro gehebelt werden sollen.

„Wir reden über das bisher größte Finanzierungsprogramm für europäische Innovation und Technologieführerschaft“, so Calviño gegenüber dem Handelsblatt. Das Vorhaben muss allerdings noch von den 27 EU-Finanzminister:innen abgesegnet werden.

„Aktuelle Situation in den USA“ als Chance für Europa

Die EIB-Präsidentin spricht dabei klar aus, woher die neue Investitionsbereitschaft herrührt: „Die aktuelle Situation in den USA schafft eine Gelegenheit für Europa, Fachkräfte, Investitionen und Kapital anzulocken.“ Internationale Investoren würden großes Interesse an Europa zeigen.

Damit es auch in der Umsetzung klappt, soll die Förderung der Startups „größer, schneller und einfacher“ werden, verspricht Calviño. So soll es künftig maximal sechs Monate dauern, bis ein Antrag auf Risikofinanzierung beantwortet werde – laut der EIB-Präsidentin „ein Gamechanger“. Zudem sei man auch bereits risikofreudiger als in der Vergangenheit, wiewohl man auf die Bewahrung des AAA-Ratings achten müsse, um weiterhin selbst zu günstigen Konditionen an Kapital zu kommen.

Bündelung der EU-Startup-Förderprogramme auf TechEU

Auch insgesamt soll TechEU den Bürokratie-Aufwand für Startups in der EU verringern. Die zahlreichen EU-Förderprogramme für Forscher:innen und Startups sollen nämlich auf der Plattform gebündelt werden, wodurch jedes Projekt nur mehr einmal bewertet werden müsse. 

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Der Prototyp auf dem PROTEAS-Forschungsgelände des Cyprus-Instituts in Zypern © Waldstein

„Ich habe erstmal aus Meerwasser destilliertes Wasser getrunken. Es schmeckte sehr gut“, berichtet Carl Albrecht Waldstein, Geschäftsführer der Wiener Seawater BV GmbH im brutkasten-Gespräch über die gelungene Inbetriebnahme der ersten solaren Meerwasser-Entsalzungsanlage des Desertgreener-Projekts in Limassol, Zypern.

Mit einer Kombination aus Parabolspiegeln und energetischem Recycling will man dem weltweiten Wassermangel, der aktuell über 2 Milliarden Menschen betreffe, begegnen. Was vor zwei Jahrzehnten an einer verdorrenden spanischen Küste als kühnes Gedankenspiel begann, soll nun globale Wucht entfalten.

Die Vision: Wasser für eine wachsende Welt

„Wir saßen am Ufer des Meeres an der spanischen Mittelmeerküste. Vor uns unendlich viel Meer und hinter uns trocknete alles aus. Also haben wir gesagt, das kann nicht sein, dass das Wasser vor uns die Probleme hinter uns nicht löst“, erinnert sich der Geschäftsführer an die Anfänge der Lösung eines der herausforderndsten Probleme unserer Zeit.

Die Technologie soll Süßwasser so günstig verfügbar machen, dass nicht nur Trinkwasser gesichert wird, sondern auch die wasserintensivere Landwirtschaft, Industrie und der Bergbau versorgt werden können. Bereiche, die klassische Entsalzung aus Kostengründen kaum bedient. Das Potenzial reicht laut Waldstein von der Rettung versalzter Agrarflächen über die Begrünung von Wüstenregionen bis zur Erzeugung von grünem Wasserstoff und Ammoniak als Dünger- und Treibstoffalternative.

Perspektivisch positioniert sich Desertgreener damit als Anbieter einer Basisinfrastruktur, die – wenn sie im großen Maßstab umsetzbar ist – wasserarmen Regionen weltweit neue wirtschaftliche und ökologische Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen könnte.

Wasserkreislauf der Natur als Vorbild

Statt auf energieintensive Umkehrosmose zu setzen, soll die Anlage im Kleinen kopieren, was die Natur im Wasserkreislauf im Großen macht: Sonne verdampft Meerwasser, der Dampf kondensiert wieder zu Süßwasser. Bewegliche, der Sonne nachgeführte Spiegel bündeln dafür die Sonnenstrahlen direkt auf einen mit Meerwasser gefüllten Behälter und bringen es zum Kochen. Laut Unternehmen werden so über 90 Prozent der Sonnenenergie direkt genutzt.

Der entstehende, salzfreie Dampf wird von einer Turbine abgesaugt und in ein Röhrensystem gepresst. Dabei kondensiert er sofort wieder zu Wasser und gibt seine Wärme an das noch kochende Meerwasser zurück. „Wir schicken 83 Prozent der Energie ständig im Kreis“, erklärt Waldstein. Dadurch lasse sich mit derselben Menge Sonnenenergie ein Vielfaches an Wasser verdampfen, statt sie nach einmaliger Nutzung zu verlieren.

Finanzierung über Utility-Token

Um die kapitalintensive Serienproduktion nun vorzubereiten, meidet die Seawater BV GmbH bewusst Banken und Venture Capital. Man wolle unabhängig bleiben: „Wir wissen, wir stören auch viele“, so Waldstein. Stattdessen gelangt man über den Verkauf des eigenen „DGRX“ Utility-Tokens bereits an über zehn Millionen Euro, wie der Gründer im Interview erwähnt.

Verkauft wird der Token über die DGRX Sales GmbH, welche daraus wiederum schrittweise Anteile an der Seawater BV GmbH erwirbt (bis zu 24%). Weitere sechs Millionen Euro sollen nun über die Token-Finanzierung folgen, um die Serienproduktion voranzutreiben.

1,8-Milliarden-Bewertung von „Big Four“-Prüfungsgesellschaft

Zu den anvisierten Kunden zählen Regierungen, Kommunen sowie große Agrar- und Bergbaukonzerne. „Um den Markt mache ich mir null Sorgen. Wo ich hintippe, schreien die Leute, wann könnt ihr liefern“, kommentiert Waldstein die Nachfrage. Laut ihm bewertete eine „Big Four“-Prüfungsgesellschaft die Firma Ende 2025 mit 1,8 Milliarden US-Dollar. Mit der aktiven Pilotanlage steige der Wert laut Waldstein kalkulatorisch auf 2,9 Milliarden Dollar.

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