15.05.2019

„Im Idealfall spart man mit einer Solaranlage 50 Prozent der Stromkosten“

Das 1948 gegründete KMU Leidenfrost-pool hat alle verfügbaren Dächer mit einer Solaranlage ausgestattet. Das hat nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Gründe. Expertin Cornelia Daniel spricht über Potenziale und Hindernisse.
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(c) Tony Gigov

Bis Ende 2020 sollen 1001 Dächer in Unternehmen mit Solarpanelen ausgestattet werden – das ist das Ziel der Initiative „Tausendundein Dach“ von Solarexpertin Cornelia Daniel, Inhaberin der Solarberatung Dachgold, und dem Photovoltaikspezialisten 10hoch4 aus Niederösterreich. Neben dem ökologischen Ziel hat das Projekt auch einen sozialen Nutzen: Für jedes Dach mit 20 kWp wird ein Augenlicht an Licht für die Welt gespendet.

Nun hat die Initiative einen wichtigen Meilenstein genommen: Mit dem auf die Herstellung von Faserverbundkunststoff-Fertigbecken spezialisierten Unternehmen Leidenfrost-pool GmbH wurde das 300. Dach im gemeinsamen Netzwerk fertiggestellt.

Leidenfrost: 26 Prozent weniger Stromkosten

Die neue Photovoltaikanlage des 1948 gegründeten Unternehmens erstreckt sich über 735 Quadratmeter, wobei eine Leistung von 105 kWp realisiert wurde. Umgerechnet entspricht dies einer jährlichen Solarstromerzeugung von rund 100.500 kWh, wovon circa 70 Prozent des selbst erzeugten Stroms direkt im Unternehmen verbraucht werden können. Das ist nicht nur ökologisch vorbildlich, sondern zeigt sich auch in harten wirtschaftlichen Zahlen: Die Stromkostenersparnis liegt bei 26 Prozent jährlich.

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Zusätzlich zu den 175.000 kg, welche durch das Heizsystem der Biomasse eingespart werden, konnte der CO2- Ausstoß um weitere 34.560 kg reduziert werden. Veranschaulicht man die Zahlen der Photovoltaikanlage, entspricht dies 1188 Bäumen, beziehungsweise einer Strecke von 700.000 km mit einem E-Auto. Damit ließe sich die Strecke einmal zum Mond und wieder retour fast zurücklegen.

Laut Geschäftsführer Johann Poinstingl wurde gemeinsam mit der Initiative Tausendunein Dach im ersten Schritt eine Bedarfsanalyse des Standorts durchgeführt, wirtschaftliche Aspekte mit einberechnet sowie eine Auflistung der möglichen Förderungen erhoben. „Letzten Endes haben wir alle in Frage kommenden Dächer mit PV-Paneelen ausgestattet “, so Poinstingl.

Das Einsparpotenzial – und die Stolpersteine

Doch wie berechnet man wirklich, ob sich die Investition in eine Solaranlage rentiert? Dabei spielen natürlich die Kosten für den Strom aus dem Netz eine Rolle: Je teurer dieser ist, desto billiger ist im Vergleich dazu der selbst produzierte Strom. „Der Strom vom Dach kostet mittlerweile 5-6 ct/kWh und der Strom vom Netz bei den meisten Fällen über 10 ct/kWh“, sagt Daniel:  „Mit der Anlage spart man also im Idealfall 50 Prozent der Stromkosten für den Teil, der auf dem Dach Platz hat.“

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Doch natürlich muss auch beim Solarstrom so manches Hindernis bewältigt werden. Ein großer Stolperstein ist die Beschaffenheit und Größe des Daches: „Die verfügbare Fläche ist einfach der begrenzende Faktor und davon hängt es ab, ob ich nur zehn Prozent meines Strombedarfs selbst produzieren kann oder bis zu 50 Prozent“, sagt Daniel: 100 Prozent Eigenversorgung sei derzeit noch nicht wirtschaftlich möglich, weil es eben Tag und Nacht und Winter und Sommer gibt und die Speicher noch relativ teuer sind.

„Mir ist es wichtig, dass jedes Unternehmen einfach mal das Projekt durchrechnen lässt und wir das Dach ansehen. Es gibt hier einfach keine Pauschalprojekte“, sagt Daniel: „Wir haben oft am selben Standort ein Top-Projekt und ein Flop-Projekt, weil es eben vom Stromverbrauch und der verfügbaren Fläche abhängt.“

Optimistische Utopie

Aber ist die Vorstellung realistisch, dass bis Ende kommenden Jahres 1001 Dächer mit Solarzellen ausgestattet werden, wenn es bisher nur 300 Dächer sind? „Tausendundein Dach ist vor fünf Jahren als Utopie gestartet“, sagt Daniel: „Es ist eigentlich völlig unmöglich, dass wir es schaffen, aber ich glaube an ein Wunder und die Kraft von positiven Visionen.“

Man müsse sich vorstellen, dass die Projektierung von solchen Projekten bis zu zwei Jahre dauert und viele Unternehmen derzeit einfach keine Zeit und keinen Druck haben, sich mit dem Thema zu beschäftigen, weil Energie noch immer relativ günstig ist. Dieser Status ändert sich derzeit aber, betont Daniel: „Gleichzeitig haben wir jetzt schon viel mehr geschafft, als ich mir jemals erträumt habe.“ Das Ziel könne jedoch nur erreicht werden, „wenn in den nächsten Jahren auch die Konzerne aufwachen und einige Megawattkraftwerke dazukommen.“

Ein „Success Event“ ist jedenfalls bereits für den 1. Juni 2021 geplant, mit 1001 Gästen in Wien oder Andau. Und ein Ticket bekommen nur jene, die ihre Dächer dem Projekt zur Verfügung gestellt haben.

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Easelink
© Luxshare - (v.l.) Hermann Stockinger, Gründer & CEO Easelink und Harvey Yuan, General Manager Luxshare.

2022 schloss das Grazer Startup Easelink eine 8,3 Millionen Euro schwere Series-A-Finanzierungsrunde ab, der im Oktober 2024 ein 1,5 Mio. Euro-Investment von Verbund X Ventures folgte. Im November 2025 gründete man die Matrix Charging Interest Group (MCIG), eine Branchenkooperation zur Standardisierung der „Matrix Charging Technologie“, die vom österreichischen High-Tech-Unternehmen entwickelt wurde. Dem folgte heuer eine Kooperation mit SEG Automotive – brutkasten berichtete. Nun hat man in China den ersten Technologie-Lizenzpartner gewinnen können.

China gilt als der weltweit größte Markt für Elektromobilität und war für Easelink schon immer von zentraler strategischer Bedeutung – siehe 2018. Für die Industrialisierung und Bereitstellung von Matrix Charging verlangen die spezifischen Anforderungen des chinesischen Automobilmarkts einen Local-for-Local-Ansatz. „Mit Luxshare gewinnt Easelink einen dedizierten Lizenznehmer für China – ein weiterer Schritt in der Strategie, in allen wichtigen Automobilmärkten Lizenz- und Industrialisierungspartner für Matrix Charging aufzubauen“, liest man in der Aussendung. Die Partnerschaft hat bereits zu konkreten Marktaktivitäten geführt: Beide Unternehmen arbeiten an ersten OEM-Projekten (Original Equipment Manufacturer), um die Technologie in künftige Fahrzeugplattformen zu integrieren.

„Wir sehen großes Potenzial in unserer Zusammenarbeit mit Easelink, die es uns ermöglicht, neue Kundensegmente im Bereich der automatisierten Abrechnung zu erschließen. Darüber hinaus sind wir uns der entscheidenden Rolle bewusst, die die Standardisierung neuer Schnittstellen spielt, und setzen uns daher in der ‚Matrix Charging Interest Group‘ für die entsprechenden Standardisierungsbemühungen ein, um Interoperabilität und eine breite Marktakzeptanz sicherzustellen“, sagt Harvey Yuan, General Manager von Luxshare.

„Wachsende Präsenz in China“

Die Zusammenarbeit baut auf Luxshares Erfahrung auf, gemeinsam mit führenden internationalen Technologieunternehmen Produkte zu industrialisieren und „in großem Maßstab“ zu fertigen. Gleichzeitig wird Easelink sein lokales Team in China weiter ausbauen, um die technische und projektbezogene Zusammenarbeit mit Luxshare und chinesischen OEMs eng zu begleiten.

„Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit einem global so bedeutenden Unternehmen wie Luxshare – einem komplementären Partner mit starkem Engineering-Know-how“, sagt Hermann Stockinger, Gründer & CEO Easelink. „Gemeinsam konzentrieren wir uns darauf, Kunden in China vor Ort zu betreuen und Matrix Charging in bestehende Wertschöpfungsketten der Automobilindustrie zu integrieren. Diese Partnerschaft ist ein wichtiger Meilenstein für unsere wachsende Präsenz in China und ein zentraler Baustein unserer Mission, den globalen Industriestandard für automatisiertes Laden zu setzen.“

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