Der Fachkräftemangel bringt Aufwind für ein Grazer Startup, das Unternehmen mit Künstlicher Intelligenz dabei hilft, eine starke Arbeitgebermarke aufzubauen. Das erst 2020 als Tochter des Grazer Technologie-Unternehmens Moshbit gegründete Startup hat nun ein erstes Investment aufgenommen. Die Kapa Ventures rund um Frank Kappe und Gerhard Pail steigt gleich mit einem siebenstelligen Betrag ein und sichert sich damit laut Firmenbuch 0,2 Prozent der Firmenanteile. Eine Sprecherin erklärt dieses in Österreich im Early-Stage-Bereich durchaus unübliche Verhältnis zwischen Investmentsumme und Beteiligung mit einem Wandeldarlehen – die Anteile der Investoren würden noch auf einen einstelligen Prozentbereich steigen.
Gleichzeitig mit dem Einstieg der Investoren hat Gründer Manuel Schmölzer 43,4 Prozent des Unternehmens übernommen, das zuvor eine 100-prozentige Tochter von Moshbit war, das Schmölzer ebenfalls mitgegründet hat. Schmölzer ist CEO von Talto und die Übernahme der Anteile spiegle wieder, dass er sich operativ aus Moshbit zurückzieht, um sich vollinhaltlich Talto zu widmen.
Unternehmen mit Studierenden zusammenbringen
Das Startup bietet Unternehmen eine Plattform, über die Employer-Branding-Marketing in der Zielgruppe Studierende und Absolvent:innen gesteuert werden kann. Unternehmen bezahlen eine Jahresgebühr und werden so mithilfe von Künstlicher Intelligenz mit Studierenden vernetzt, die inhaltlich gut zu ihnen passen und umgekehrt. Talto wirbt dabei beispielsweise exklusiv in der beliebten Studierenden-App Studo, an der Moshbit ebenfalls beteiligt ist.
Starkes Wachstum in der Coronazeit
In der Coronazeit konnte Talto nach eigenen Angaben sowohl Nutzer:innen als auch Umsatz binnen eines Jahres verdreifachen und hält jetzt bei rund 500.000 Nutzer:innen. Zu den Kunden zählen Unternehmen wie Deloitte Österreich, Mercedes-Benz oder BMW. Schmölzer: „Wir haben bewiesen, dass Employer Branding weit über einfache Job-Listen hinausgeht. Mit der neuesten Technologie im Hintergrund bieten wir eine Plattform, auf der sich Unternehmen zum richtigen Zeitpunkt, bei der richtigen Zielgruppe und mit dem richtigen Content positionieren.” Mit dem Investment will Talto mit der Plattform im DACH-Raum expandieren und konzentriert sich zunächst vor allem auf Deutschland.
„Die Gebäude von 2050 stehen schon“: Wiener Startup druckt Sandfassaden für die Altbausanierung
Das 2024 gegründete Wiener Startup Joyh nutzt 3D-Druck, um historische Gründerzeithäuser mit Sandfassaden thermisch zu sanieren. Das modulare System soll die Architektur erhalten, den Energieverbrauch senken und langfristig als Software-Abo skalieren.
„Die Gebäude von 2050 stehen schon“: Wiener Startup druckt Sandfassaden für die Altbausanierung
Das 2024 gegründete Wiener Startup Joyh nutzt 3D-Druck, um historische Gründerzeithäuser mit Sandfassaden thermisch zu sanieren. Das modulare System soll die Architektur erhalten, den Energieverbrauch senken und langfristig als Software-Abo skalieren.
Ein Spaziergang durch die Wiener Innenstadt oder den Gürtel genügt: Stuckfassaden, hohe Fenster, verzierte Erker – jene Gründerzeithäuser, wegen derer jährlich Millionen Tourist:innen nach Wien kommen. Fast alle sind heute begehrte Wohnadressen. Dasselbe Bild findet sich auch in vielen anderen europäischen Städten wieder, von Paris bis Berlin.
Doch während die Gebäude nach außen mit ihrer Schönheit glänzen verbirgt sich im Inneren ein Energieeffizienz-Alptraum. Rund 80 Prozent der österreichischen Gebäude stammen aus der Zeit vor der ersten OIB-Wärmeschutzrichtlinie, und liegen großteils in einer der schlechtesten Energieklassen. Die Sanierungsrate lag zuletzt bei 1,2 Prozent, denn aufgrund der Fassadenerhaltung scheitert es meist an der Genehmigung. Genau hier will das Wiener Startup Joyh ansetzen. Mit Sandfassaden aus dem 3D-Drucker will man die Gründerzeithäuser energietechnisch in die Neuzeit holen.
Die Idee dazu entstand zufällig: 2023 druckten und gestalteten die beiden Gründer:innen eine Sandskulptur für die Dubai Design Week. Tagelang stand sie in praller Sonne im Freien. „Wir haben gemerkt, dass sie sich beim Anfassen gar nicht aufgeheizt hat“, erzählt Mitgründer Oliver Hamedinger.
Der Grund liegt in der Porosität des Materials: „Der beste Wärmedämmstoff ist Luft“, erklärt Hamedinger – und 3D-gedruckter Sand enthält davon mehr als Beton oder Ton. Mit dieser Erkenntnis in der Tasche gründeten Oliver Hamedinger und Jade Bailey 2024 ihr Sanierungsstartup mit einer klaren Haltung: „Die Gebäude von 2050 stehen schon. Wir müssen nur einen neuen Weg finden, sie zu sanieren“, sagt Co-Founderin Bailey.
Joyh setzt hier mit seinem System „Brian“ an: mineralische Bauteile, gedruckt per Binder-Jetting aus Sand – demselben Verfahren, mit dem sonst Formen für den Stahlguss entstehen. Aktuell arbeitet man für den Druck der einzelnen Fassadenteile mit der voestalpine Foundry Group zusammen, die über die nötigen Maschinen verfügt.
Für die Sanierung wird die Fassade zuvor digital gescannt. So entsteht auch ein digitaler Zwilling, der vor allem bei Reparaturen interessant wird. Die einzelnen Fassadenelemente sind laut Hamedinger rund 12 bis 15 Kilogramm schwer“ die Größe, die ein Bauarbeiter allein auf der Baustelle handhaben darf“ und werden ohne Kleber ineinandergesteckt. Das ermöglicht laut Gründerduo nicht, nur eine simple Anbringung sondern auch einen separaten Austausch.
Eine vollständige thermische Sanierung kostet aktuell 600 bis 800 Euro pro Quadratmeter. Das ist zwar mehr als klassisches WDVS (Wärmedämmverbundsystem), eine mehrschichtige Konstruktion an der Außenseite von Gebäuden, die zur effektiven Wärmedämmung dient, für Gründerzeitfassaden, durch die ganzheitlich benötigte Abtragung allerdings ungeeignet. „Ein großer Teil des Wiener Altbestands fällt aus der Sanierungslogik heraus, weil die üblichen Systeme dort nicht infrage kommen. Genau diese Gebäude wollen wir erreichen“, sagt Mitgründerin Jade Bailey.
Die operative Sanierung soll allerdings nicht bei Joyh bleiben. Skalieren will man hingegen über die dazugehörige Plattform „D2P“, die aktuell aus den Gebäudedaten die fertigungsfertige Druckdateien erzeugt. Diese soll langfristig als Abo-Modell an Architekt:innen und Fertigungspartner:innen weltweit lizenziert werden. „Ein Produkt kann man kopieren. Ein System, das mit jedem Projekt dazulernt, nicht“, sagt Hamedinger.
Von Architektur und Technik zum Startup
Hamedinger bringt technisches Know-how mit, unter anderem aus seiner Zeit bei Siemens, Bailey ist ausgebildete Architektin mit Erfahrung in Österreich, Deutschland, Großbritannien und den USA. Finanziert haben die beiden ihr Startup bislang aus mehreren Quellen: Rund 30.000 Euro brachten sie privat ein, dazu kam eine FFG-Patentförderung. Zuletzt sicherte sich das Team 202.000 Euro aws-PreSeed-Deep-Tech-Förderung und gewann das nationale Finale des ClimateLaunchpad Austria.
Bevor ihr System auf reale Fassaden kommt, muss es sich noch durch Brandschutz-, Statik- und Frost-Tau-Prüfungen beweisen, erste Pilotprojekte sind für Anfang 2027 geplant. „Der eigentliche Test kommt erst, wenn wir es auf echte Fassaden bringen“, sagt Bailey. Ab Mitte desselben Jahres will das Gründerduo zusätzlich strategische Investor:innen an Bord holen.
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