17.02.2025
INVESTMENT

Talentir: Wiener FinTech sichert sich Millionen-Investment nach erfolgreichem Pivot

Beim Wiener Startup Talentir hat sich in den letzten Wochen viel getan. Von einem Stock Market für YouTube-Videos entwickelte sich das Startup zu einem FinTech, das sich auf Payment Services für die Kreativbranche spezialisiert. Dafür sicherte es sich ein Millionen-Investment. Wie der Pivot gelang und wie das neue Geschäftsmodell aussieht, verrät Co-Founder und CEO Lukas Steiner im Gespräch mit brutkasten.
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Die beiden Talentir-Founder Lukas Sticksel-Steiner und Johannes Kares
Die beiden Talentir-Founder Lukas Steiner und Johannes Kares | © Oliver Jiszda

Auszahlungsprozesse für Creator auf YouTube sind oft umständlich: monatliche Zahlungen, keine Rechteverwaltung und hohe Gebühren durch Mittelsmänner. Das Wiener Startup Talentir will das nun grundlegend ändern. Durch die direkte Anbindung an YouTube und den Einsatz von Stablecoins ermöglicht das Startup Echtzeit-Auszahlungen, automatisierte Advances und eine transparente Kostenstruktur. Mit dieser Lösung positioniert sich Talentir als globaler Player in der Creator-Finanzierung.

Dafür sicherte sich das Unternehmen ein siebenstelliges Seed-Investment. Die Seed-Runde kam laut Steiner schnell zustande, mit Beteiligung vieler Investoren aus der Pre-Seed-Runde, darunter Blockchain Founders Capital, CV VC aus der Schweiz und Noia Capital. Das frische Kapital eröffnet neue Wachstumschancen und soll die Skalierung des Geschäftsmodells weiter vorantreiben.

Creator bekommen Zinsen auf das erwirtschaftete Kapital

Das aktuelle Produkt von Talentir ist eine Payment-Plattform, die Auszahlungsprobleme für Kreative – insbesondere auf Plattformen wie YouTube – löst. „Wir werden als erster Player weltweit unseren Kundinnen ermöglichen, ohne Zutun Zinsen auf das erwirtschaftete Kapital von YouTube zu bekommen – alles an einem Ort“, sagt Co-Founder und CTO Johannes Kares.

Von Anfang an setzte Talentir auf Blockchain-Technologie: „Wir sind at heart und in unserem Core ein Krypto-Produkt“. Ein eigenes Yielding-Protokoll soll es Creator nun ermöglichen, größere YouTube-Einnahmen bei Talentir zu parken und darauf Zinsen zu erhalten. Diese Lösung eröffne seinen Kunden „Zinsen im aktuellen Umfeld von 10 bis 15 Prozent zu generieren“, sagt CEO Lukas Steiner im Gespräch mit brutkasten.

Talentir-CEO Lukas Steiner im Videotalk

Talentir ermöglicht „weltweit günstigsten“ Mikrokredit

Traditionelle Auszahlungssysteme von Plattformen wie YouTube zahlen Werbeeinnahmen nur einmal im Monat und an eine einzige Stelle aus. Dies führt zu Verzögerungen und erschwert die sofortige Verfügbarkeit von Geld. Besonders problematisch ist das für Creator, da sie meist schnell auf Mittel zugreifen müssen. Auch für dieses Problem stellt Talentir eine Lösung bereit.

Um sekündliche Auszahlungen in Echtzeit zu gewähren, entwickelte Talentir ein eigenes System, das keine administrativen Hürden im Auszahlungsprozess verspricht. „Statt Wochen zu warten, ermöglichen wir die weltweit günstigsten ‘Mikro Advances’ – voll automatisiert über ein eigens dafür gebautes ‘Advance-Protocol’ auszugeben“, erklärt Kares.

Durch Talentir könnten Milliarden eingespart werden

Üblicherweise landen in der Creator-Branche oft 30 bis 40 Prozent der Einnahmen bei Mittelsmännern. Talentir will dies ändern und verspricht, als erstes Multi-Channel-Network (MCN) weltweit die Gebühren für „lebenswichtige Features“ auf null Prozent zu senken. Laut Steiner könnten dadurch künftig Milliarden an Kosten eingespart werden.

Um grenzüberschreitende Transaktionen effizienter zu gestalten, setzt Talentir auf Stablecoins – digitale Währungen, die an klassische Fiat-Währungen gekoppelt sind. „Für unsere Kund*innen in Afrika, Indien, Argentinien, Brasilien und Co. bedeutet das nicht nur schnellere und günstigere Überweisungen, sondern auch erstmals eine finanzielle Planungssicherheit“, so Steiner. „Die Kryptobranche nimmt wieder Fahrt auf, und Stablecoins werden nicht mehr wegzudenken sein, schon gar nicht aus der Creative Industry“.

Entstehung der neuen Produktidee

Talentir startete 2022 mit einer etwas anderen Geschäftsidee: YouTube-Videos in handelbare Assets verwandeln. Retail-Investoren konnten in YouTube-Videos investieren und erhielten einen Anteil an den Werbeeinnahmen, die ein Video generierte. Dafür sicherte sich das Startup 2023 sogar ein Millioneninvestment. Unter den Investoren waren unter anderem Bitpanda-CEO Eric Demuth und Storebox-Gründer Johannes Braith (brutkasten berichtete).

Um die Geldverteilung damals möglichst genau zu steuern, entwickelte das Team ein automatisiertes System. „Wir haben gar nicht gewusst, dass wir ein mächtiges Backend gebaut haben, das eigentlich für dieses ganze Rechte-Management, Split-Payments einfach perfekt geschaffen ist“, sagt Steiner. Erst an diesem Punkt wurde ihm bewusst, „dass wir die Geldverteilung für Creative Assets besser können als die meisten auf diesem Planeten“. So entstand die neue Produktidee von Talentir – und schließlich der Pivot.

„Haben ab Pivot gewusst, dass das Produkt funktioniert“

Im Gespräch mit brutkasten gibt Steiner aber offen zu: „Man muss auch ehrlicherweise sagen: Das Marktplatzsystem, das wir damals an den Tag gelegt haben, ist auch nicht so durchgestartet, wie wir uns das gedacht haben. Aber ich glaube, jedes Startup muss einmal so richtig kurz vor dem Scheitern sein, um nachher dann wirklich wie der Phönix aus der Asche zu fallen“.

Der Pivot markierte für Talentir einen entscheidenden Schritt in eine neue Richtung. „Wir haben ab dem Pivot gewusst, dass das Produkt funktioniert, dass wir eine Zielgruppe haben. Und von dem Zeitpunkt an, wo wir gewusst haben, dass wir den Sales replizieren können, ist es dann relativ schnell klar gewesen: Wenn wir jetzt noch mehr Öl ins Feuer gießen, dann geht es natürlich noch schneller“, sagt Steiner.

„Ziel für Ende des Jahres ist, dass wir zu One Million MRR kommen“

Momentan steht Talentir noch am Anfang seiner neuen Reise. Trotzdem hat das Startup bereits einiges vorzuweisen: Das verwaltete Vermögen habe sich vertausendfacht, verrät Steiner. „Wir haben uns jetzt auch weiterentwickelt, so dass es nicht nur YouTube alleine ist, sondern die Tech, die wir gebaut haben, findet jetzt auch Anklang bei vielen Influencer-Agenturen“, so Steiner.

Ein wesentlicher Faktor für den bisherigen Erfolg des Startups ist die enge Verbindung zu den Kunden. „Was wir von Anfang an richtig gemacht haben, ist, dass wir Sales einfach nie ausgelagert haben. Wir haben immer zugehört. Sonst programmierst du immer irgendwie an deiner Zielgruppe vorbei. Aber du brauchst halt einfach diesen Layer of Trust, dass die Leute sehen, hey, das funktioniert“, verrät Steiner.

Künftig möchte Talentir weiterhin stark wachsen – und das Startup hat sich dabei ein besonders ambitioniertes Ziel gesetzt: „Ziel für Ende des Jahres ist, dass wir zu One Million MRR (Monthly Recurring Revenue) kommen“.

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Das Ohana Gründer-Trio Christian Orgler, Stephan Brunner und Kevin Snajda | (c) Ohana
Das Ohana Gründertrio Christian Orgler, Stephan Brunner und Kevin Snajda | (c) Ohana

Ohana ist eine Kinderschutz-App von Christian Orgler, Stephan Brunner und Kevin Snajda. Kurz nach der Gründung 2022 investierten die Runtastic-Gründer rund um Florian Gschwandtner mit ihrer Beteiligungsgesellschaft 8eyes einen nicht näher genannten Betrag in das Startup (brutkasten berichtete). Im Jahr darauf holte man Hansi Hansmann an Bord, welcher ein siebenstelliges Investment mitfinanzierte. 2025 folgte eine Partnerschaft mit Drei. Nun lanciert Swisscom mit Kids Security eine neue App für digitale Kindersicherheit. Die Technologie dahinter stammt vom österreichischen Unternehmen Ohana.

Ohana setzt auf Inklusion und Transparenz

Für ihre neue App Kids Security liefert und betreibt Ohana die Grundlage des neuen Angebots der größten Schweizer Telekommunikationsanbieterin. Sie soll konkret Familien bei einem sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Smartphone und Internet unterstützen. Die plattformübergreifende Technologie verbindet dabei technische Schutzfunktionen mit einem Ansatz, der auf Transparenz, Medienkompetenz und die aktive Einbindung von Kindern setzt.

Kids Security ermöglicht Eltern unter anderem, Bildschirmzeiten zu strukturieren, Apps und Online-Inhalte zu verwalten sowie Einblicke in die Gerätenutzung ihrer Kinder zu erhalten. Dabei setzt die Lösung nicht auf reine Kontrolle: Kinder werden aktiv eingebunden, Regeln und Einstellungen bleiben für sie nachvollziehbar und Familien werden dabei unterstützt, gemeinsam einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln.

Neues Handlungsfeld für Telekommunikationsanbieter

„Telekommunikationsanbieter begleiten Familien jeden Tag in der digitalen Welt. Damit sind sie auch in einer besonderen Position, Eltern und Kinder dabei zu unterstützen, sich sicher und selbstbestimmt darin zu bewegen“, sagt Orgler, Geschäftsführer von Ohana. „Dass Swisscom digitale Kindersicherheit als Teil des eigenen Angebots aufgreift, zeigt, welche Bedeutung das Thema mittlerweile hat.“

Smartphones, Social Media und Gaming sind längst fester Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig stehen viele Eltern vor der Frage, wie sie ihre Kinder schützen können, ohne ihre Privatsphäre übermäßig einzuschränken, heißt es in der Presseaussendung. Für Telekommunikationsanbieter entsteht laut Ohana damit ein neues Handlungsfeld: Neben Konnektivität und Zugang zur digitalen Welt gewinnt auch die Frage an Bedeutung, wie Familien bei der sicheren Nutzung unterstützt werden können.

Ohana-Founder: „Ein Meilenstein“

„Swisscom ist für uns eine wichtige Partnerin und der Launch von Kids Security ein großer Meilenstein“, so Orgler weiter. „Digitale Kindersicherheit wird für Telekommunikationsanbieter zunehmend zu einem Thema, an dem sie nicht mehr vorbeikommen. Wer Familien Zugang zur digitalen Welt bietet, muss sich auch damit auseinandersetzen, wie Kinder diese sicher und gesund nutzen können. Swisscom geht diesen Schritt jetzt und wir sind überzeugt, dass weitere Anbieter folgen werden.“

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