22.12.2025
FACHKRÄFTEMANGEL

Talente im Aufbruch: Wie Startups in Bosnien gegen die Abwanderung ankämpfen

Mostar und Sarajevo – zwei Städte voller Geschichte, Kontraste und Hoffnungsträger:innen. Während Bosnien-Herzegowina mit einer massiven Abwanderung junger Fachkräfte ringt, entsteht in der Startup-Szene ein vorsichtiger Gegentrend.
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Die bosnische Stadt Mostar. | © Unsplash

Dieser Artikel ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von November 2025 “Verantwortung” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Ein Spaziergang durch die Altstadt von Mostar: Hier treffen Tourist:innen aus aller Welt aufeinander, um die weltberühmte Steinbrücke, die „Stari Most“, zu fotografieren. Unten glitzert die Neretva, der Fluss, der durch die Stadt führt. In Sarajevo wiederum, der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina, laufen der osmanische Basar und die österreichisch-ungarischen Kaffeehäuser fließend ineinander. Doch die geschäftigen Straßen und die beeindruckende Architektur täuschen nicht über eine Sache hinweg: Die junge Generation des Landes ist auf dem Sprung – hinaus.

Laut einer Studie der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung aus 2024 denken rund zwei Drittel der jungen Menschen in Bosnien-Herzegowina über eine Auswanderung nach. Ökonom Branimir Jovanović vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) erklärt im Gespräch mit brutkasten: „Politische Instabilität, schwache Institutionen und ein Mangel an wirtschaftlichen Perspektiven: Das Problem ist nicht nur ökonomisch, sondern auch psychologisch – viele haben das Vertrauen in Staat und Zukunft verloren.“ Wirtschaftlich wie demografisch hat das Folgen: Schon heute fehlen Fachkräfte im Gesundheitswesen und in der IT; kleine Städte verlieren ihre jungen Familien. „Das Land altert, bevor es reich ist“, sagt Jovanović.

Das wiiw weist in Berichten auf den wirtschaftlichen Schaden hin: Durch den Verlust qualifizierter Arbeitskräfte verringert sich das Bruttoinlandsprodukt Bosniens langfristig um bis zu zwei Prozent pro Jahr. Die Reformfähigkeit der Verwaltung leide dadurch zusätzlich, weil Know-how und Innovationskraft abfließen.

Startups setzen Zeichen

Wie man gegen diesen Trend arbeitet, zeigt Senad Šantić. Der aus Mostar stammende Gründer flüchtete während des Kriegs in den 1990er-Jahren als Kind mit seinen Eltern nach Schweden. Er studierte Software-Engineering und Entrepreneurship, arbeitete eine Zeit lang im Silicon Valley in den USA – und kehrte 2016 nach Bosnien zurück. In Mostar gründete er das Tech-Startup ZenDev. Heute beschäftigt es rund hundert Menschen in Bosnien und Schweden. „Ich wollte beweisen, dass man von hier aus international arbeiten kann“, erklärt Šantić. „Wir outsourcen nicht nur – wir bauen Kompetenz auf.“ Dass viele seiner Mitarbeiter:innen freiwillig in Bosnien bleiben, liegt auch daran, dass ZenDev internationale Gehälter, flexible Arbeitsmodelle und Verantwortung bietet. „Es gibt hier eine Menge Talent, aber es braucht die richtigen Bedingungen“, so der bosnische Unternehmer.

Trotz des Erfolgs seines Unternehmens sieht Šantić auch die Grenzen in Bosnien: „Die Gesetzeslage ist altmodisch, alles braucht lange. Venture Capital ist kaum verfügbar und Zahlungsanbieter wie Stripe funktionieren gar nicht. Wer digital denkt, muss kreativ werden.“

Senad Šantić, ZenDev. | © Zendev

Ähnlich sieht das Adnan Ahmethodžić vom Venture Studio Ministry of Programming (MoP) in Sarajevo. Auch das MoP zählt zu den Leuchtturmprojekten in dem Land, das noch immer vom Krieg in den 90ern geprägt ist. Das Unternehmen begleitet weltweit Startups, von der Idee bis zum Markteintritt. „Wir wollen ein Umfeld schaffen, in dem kreative Tech-Köpfe nicht nur bleiben, sondern sich auch entfalten können – und so zeigen, dass exzellente Produktentwicklung auch aus Bosnien kommen kann“, erklärt Ahmethodžić. MoP arbeitet mit internationalen Kund:innen, investiert aber auch gezielt in lokale Startups. Doch auch Ahmethodžić kritisiert die Finanzierungsmöglichkeiten im Land: „Kleine Startups bekommen Anschubfinanzierung – aber wenn sie wachsen wollen, müssen sie ins Ausland.“

Der begrenzte Binnenmarkt bleibt eines der größten Wachstumshemmnisse für Gründer:innen in Bosnien und Herzegowina: Mit nur rund 3,2 Millionen Einwohner:innen und einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 26 Milliarden Euro ist die Kaufkraft des Landes überschaubar. Auch Ahmethodžić beobachtet, dass viele Gründer:innen nicht an mangelndem Können, sondern an fehlenden Strukturen und Anleitungen scheitern: „Es gibt viel Wissen im Land, aber nichts, um es in Kapital zu verwandeln.“

Die Unternehmerin Jovana Musić leitet Hub387, den ersten Co-Working-Space und Tech-Campus in Bosnien und Herzegowina. „Wir haben 2014 mit zehn Startups begonnen, heute sind hier Dutzende Teams aktiv“, sagt Musić. Ihr Konzept: Lernräume, Co-Working, internationale Mentorships. Direkt angeschlossen ist die Academy387, eine private Tech-Schule, die bereits mehr als 6.000 Absolvent:innen hervorgebracht hat. „Wir wollten die Lücke zwischen Universität und Arbeitsmarkt schließen“, erklärt Musić.

Jovana Musić, Hub387. | © Hub387

Und das hat auch funktioniert: Viele Absolvent:innen finden ihren ersten Job im Inland. Doch auch hier bleibt Geld das Problem – internationale Partner, etwa aus der Schweiz und Deutschland, finanzieren Stipendien. Der Staat? Bisher vor allem stiller Beobachter. „Seit Kurzem sieht man Interesse auf kommunaler Ebene, etwa rund um Steuererleichterungen und Förderprogramme. Aber es fehlt eine nationale Strategie“, so Musić. Weiters kritisiert sie den fehlenden Innovationsgeist vieler Gründer:innen im Land.

Finanzierung und Vertrauen

Das Fazit: Viele Unternehmer:innen sehen große Hürden in der Finanzierung; internationale Investor:innen seien vorsichtig, berichten Šantić und Ahmethodžić. „Viele Kapitalgeber sehen Bosnien nur als Risikoregion. Dabei gibt es hier eine sehr lebendige Szene und junge Leute mit Drive“, sagt Šantić von ZenDev im Gespräch mit brutkasten.

Adnan Ahmethodžić, Ministry of Programming. | © Miriam Al Kafur

Auch Adi Škaljić von der Boris Divković Foundation betont die systematischen Probleme: „Ohne eine grundlegende Verwaltungsreform werden viele junge Menschen den Eindruck behalten, dass das Ausland der einfachere Weg ist. Aber wenn sie die Wirkung ihrer Stimme spüren, sehen sie wieder Zukunft im Land.“ Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, politische Bildung und das Vertrauen in die Demokratie zu stärken. In Škaljićs Augen braucht Gründungskultur auch demokratische Strukturen rundherum.

Škaljić betont, dass die Ursachen des Brain-Drains, also des Auswanderns qualifizierter Fachkräfte, tiefer reichen als rein ökonomische Anreize. „Wenn die besten Köpfe gehen, verliert das Land nicht nur Arbeitskräfte, sondern auch jene Generation, die das Land eigentlich führen sollte“, sagt er im Gespräch mit brutkasten. Besonders der Wegzug junger Familien schwäche die gesellschaftliche Mitte. Die Politik müsse deshalb nicht nur Arbeitsplätze schaffen, sondern Vertrauen: „Wir arbeiten daran, die Idee zurückzubringen, dass Politik moralisch sein kann“, so Škaljić. Durch Bildungsinitiativen in kleineren Städten und die Ausbildung lokaler Entscheidungsträger:innen will die Stiftung Teilhabe ermöglichen. Das ist nicht einfach: Škaljić erklärt, dass das Land „administrativ immer noch in den 1980ern steckt. Für jede Gründung braucht man zig Stempel, für jede Entscheidung muss man durch mehrere Ebenen gehen, bis etwas fixiert ist.“

Adi Škaljić, Boris Divković Foundation. | © Miriam Al Kafur

Internationale Skepsis

Der Zugang zu Kapital bleibt die Achillesferse. Zwar gibt es einzelne Fonds, etwa Swiss EP oder Fil Rouge Capital aus Kroatien, doch vielfach müssen Gründer ihre Firmen in der EU registrieren, um Investments zu erhalten, so Musić von Hub387.

Besonders Investoren aus dem Westen zögern, berichten alle Interviewpartner: Korruption, politische Unsicherheit und ein zersplittertes Verwaltungssystem schrecken ab. In Bosnien gibt es zehn Kantone, zwei Entitäten und die gesamtstaatliche Ebene. „Wer hier ein Unternehmen gründen möchte, muss mehr Formulare ausfüllen als in Wien und Stockholm zusammen“, sagt Šantić von ZenDev.

Rücküberweisungen spielen in der bosnischen Wirtschaft eine zentrale Rolle. Laut Weltbank betrugen sie 2023 rund 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit zählt Bosnien-Herzegowina zu den Ländern Europas, die am stärksten von Geldtransfers ihrer Diaspora abhängen. Im Langfristvergleich schwankt der Anteil laut Weltbank zwischen neun und elf Prozent des BIP, bleibt aber konstant hoch.

Kroatien als Vorbild?

Ein Blick ins EU-Nachbarland Kroatien zeigt, was die EU-Integration bewirken kann. „Der Zugang zu Förderprogrammen und die Perspektive auf Stabilität geben Jungunternehmen dort einen großen Vorteil“, sagt Wissenschaftler Jovanović vom wiiw. Der Unterschied sei deutlich spürbar, gerade bei der Kapitalverfügbarkeit. „In Sarajevo haben wir Talent, aber keine Hebel“, vergleicht Musić mit dem Nachbarland. „Unsere Gründer:innen arbeiten doppelt so hart für die selbe Sichtbarkeit.“

Branimir Jovanović, Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche. | © Hans Schubert

Kroatien profitiert nicht nur von Fördergeldern, sondern auch vom Vertrauen der Märkte und besserer Infrastruktur. Doch auch dort verließen nach dem EU‐Beitritt zunächst Zehntausende das Land. „Man darf die ersten Jahre nicht unterschätzen“, sagt Jovanović, „langfristig aber hilft Integration, Rückkehr attraktiv zu machen.“ Paradoxerweise bringt die schwächelnde Konjunktur in Europa aber auch in Bosnien erste Rückkehrer:innen: hoch qualifizierte Entwickler:innen, die sich in der Europäischen Union bereits profiliert haben. „Seit 2024 sehen wir mehr Bewerbungen von Leuten aus der Diaspora“, erklärt Musić. Auch ZenDev in Mostar profitiert von den Rückkehrenden: „Mehrere Mitarbeitende kamen zurück, mit internationalen Netzwerken im Gepäck“, gibt Šantić einen Einblick in seine Mitarbeiter:innendemografie.

Jovanović vom wiiw bestätigt die Tendenz: „Langfristig kehren Menschen zurück, wenn sie Fortschritt spüren.“ Dabei habe die Diaspora – rund zwei Millionen Menschen – großes ökonomisches Potenzial und die Möglichkeit, ihr Heimatland voranzubringen. „Würden diese Leute strategisch investieren, statt bloß Geld an die Familie, die noch im Land ist, zu schicken, wäre das der größte Hebel gegen Abwanderung.“ Bosnien und Herzegowina gehört zu den Ländern mit der prozentuell größten Auslandsbevölkerung ­weltweit.

Wer heute durch Sarajevo oder Mostar geht, trifft auf eine Generation, die sich zwischen zwei Polen bewegt: Abwanderung und Aufbruch. Viele junge Unternehmer:innen haben Auslandserfahrung, internationale Kontakte – und bleiben trotzdem. „Du brauchst Mut, um hier zu gründen“, sagt Šantić, „aber wenn niemand bleibt, ändert sich nie etwas.“


Hinweis: Diese Reportage ist im Zuge des Projektes „Eurotours 2025“ des österreichischen Bundeskanzleramtes entstanden.


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Die diesjährigen Nominierten des "Innovator of the Year" in der Kategorie Scaleups. | © brutkasten

Erfolgreiche Skalierung ist das Ziel jedes Startups. Bekanntlich schaffen das bei weitem nicht alle, doch auch hierzulande wird die Gruppe jener, denen der Sprung zum starken Wachstum gelungen ist, immer größer – und das auch unter bekanntlich teils widrigen Bedingungen.

Auch dieses Jahr schafften wieder einige heimische Unternehmen den Schritt vom Startup zum Scaleup und legten beeindruckende Wachstumsstorys vor. Und einige bereits etablierte Scaleups zeigten eindrücklich, dass ihre Wachstumsambition ungebrochen ist.

Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

(Hinweis: Bei mehrfacher Stimmabgabe pro Tag erfolgt zwar keine gesonderte Fehlermeldung im Voting-Tool, Mehrfachvotes werden vom System jedoch automatisiert erkannt und ausgefiltert).

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Emerald Horizon

Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

Enpulsion

Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion

Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.

fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly

Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

Flinn AI

Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
Das Founder-Team von Flinn | © Flinn

Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

fonio.ai

fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai

Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

Helferline

v.l.: Die Helferline-Gründer Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer mit CTO Janko Glavić | (c) Helferline

Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

ParityQC

Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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