19.08.2025
BIOTECH

Tailytics: Klosterneuburger Biotech-Startup launcht Mikrobiom-Testkit für Hunde

Tailytics aus Niederösterreich bringt ein Heimtest-Kit für Hunde auf den Markt. Durch eine vollautomatisierte, KI-gestützte Auswertung werden konkrete Empfehlungen für eine individuell angepasste Ernährung geliefert.
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Moritz Wieser (links), Philipp Wanka (rechts) tailytics
Moritz Wieser (links), Philipp Wanka (rechts) | Foto: tailytics

In unserem Darm lebt eine riesige „Wohngemeinschaft“ aus Milliarden winziger Organismen – vor allem Bakterien, aber auch Pilze und Viren. Gemeinsam bilden sie unsere Darmflora, unser Mikrobiom. Sie beeinflusst unser Wohlbefinden, unsere psychische Gesundheit und zahlreiche Krankheiten. Mit einer Stuhlprobe lässt sich die Darmflora analysieren. In der Humanmedizin ist die Mikrobiom-Analyse bereits gängig, und auch Künstliche Intelligenz kommt dabei zum Einsatz. Am bekanntesten in Österreich ist wohl „myBioma“, 2018 von Barbara Sladek und Nikolaus Gasche als Marke der Biome Diagnostics GmbH gegründet (brutkasten berichtete). Nun möchte das Klosterneuburger Startup Tailytics einen ähnlichen Mikrobiom-Test für Hunde auf den Markt bringen.

Was das Geschäft verrät

Die beiden Gründer von Tailytics, Moritz Wieser und Philipp Wanka, adressieren dabei ein unter Hundebesitzern bekanntes Problem: Der Vierbeiner hat wieder weichen Stuhl, rührt das Futter nicht an oder wirkt unerklärlich unruhig. Die Idee kam ihnen bei einem gemeinsamen Spaziergang mit einem Hund. Wanka hat einen Background als Bioinformatiker sowie im Qualitätsmanagement und Wieser als Data Scientist.

Bereits am nächsten Tag saßen sie gemeinsam und feilten an ihrem Startup-Konzept, um die Darmmikrobiom-Analyse aus der Humanmedizin in den Heimtierbereich zu bringen. Für beide ist es das erste Unternehmen; eine große Herausforderung für die Gründer ohne jegliche unternehmerische Vorerfahrung. „Aber dafür umso spannender“, so Wieser. Die Unternehmensgründung erfolgte im November 2024. Das Produkt soll am 17. August 2025 auf den Markt gebracht werden. Beide arbeiten neben ihrem Startup bis heute Vollzeit.

Wanka und Wieser übernehmen im Startup alle Aufgaben zu zweit: von der Webentwicklung über die eigenständige Programmierung von Machine-Learning-Algorithmen bis hin zur Laborpartnerschaft. Bisher ist das Startup selbstfinanziert finanziert. Langfristig ist der Einstieg von Investor:innen geplant. Aber in der Anfangsphase meint Wieser jedoch: „Zu viele Köche versalzen die Suppe.“

Wie das funktionieren soll

Für Konsument:innen ist der Aufwand gering. Eine kurze Registrierung der Probe auf der mobilen Webseite mittels QR-Code, Probeentnahme, ins Rücksendekuvert und ab zum nächsten Postkasten. So sieht beispielsweise das Starterkit aus:

Das Testkit

Via Web-App erhalten die Kund:innen einen personalisierten Bericht – darin stehen u.a. gezielte Anpassungen des Futters. Entdeckte Risiken können gemeinsam mit der Tierärztin oder dem Tierarzt besprochen werden.

Was im Hintergrund geschieht, ist durchaus komplexer. Die KI-Algorithmen befassen sich mit der Zusammensetzung des Mikrobioms, welche Bakterien vorkommen und wie häufig sie auftreten, diese bringen sie mit Metadaten wie Alter des Hundes oder Futtertyp in Verbindung. So sollen Muster und Zusammenhänge erkannt werden, die auf mögliche gesundheitliche Risiken hinweisen.

Kosten, Finanzierung und Kooperationen

Warum sich ihr Test von anderen unterscheidet? „Grundsätzlich gibt es in Europa niemanden, der das Darmmikrobiom für Hunde testen kann, vor allem auf einer Direct-To-Consumer-Basis“, sagt Wieser. Es gäbe zwar bereits Tests am Markt, diese testen aber auf gewisse Marker und Bakterien, aber ergeben laut Wieser kein „Gesamtbild“. Bei ihrer Analyse werden alle vorkommenden Arten erfasst, so solle man nachvollziehen können, wie sie zusammenwirken und welche Effekte das im Alltag hätte. Oder wie es Wieser zusammenfasst: „Das gibt ein umfassendes Bild, das weit über einzelne herkömmliche Labormessungen hinausgeht.“

Getestet wurde das Produkt „in einer kleinen Bubble, die dafür bezahlt hat“, meint Wieser.

Eine Kooperation steht bereits fest: und zwar mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Langfristig planen sie auch, beispielsweise mit Futtermittelherstellern oder der Pharmaindustrie mit dem Datensatz zu forschen. „So einen Datensatz gibt es in Europa nicht. Das ist für die medizinische Forschung ein richtiger Fundus“, sagt Wieser.

Vom Gassigehen zur weltweiten Marktführerschaft

Das sind zumindest die Pläne von Wieser und Wanka. Kurzfristig soll die Mikrobiom-Datenbank ausgebaut und die KI-Modelle verbessert werden. Der nächste Schritt soll die Diagnostik und Expansion auf weitere Tierarten und Märkte sein. Langfristig streben sie eine ganzheitliche Tierdiagnostik an – mit dem Ziel, Tailytics zum weltweiten Marktführer im Bereich datenbasierter Tiergesundheit zu machen. Aber gut, zunächst steht der Produktlaunch an.

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Enact, Roboter die fühlen, Roboter, Robotik
© Enact

Roboter können viel. Sie sehen fast alles, sie schweißen, heben, sortieren. Eines fehlt ihnen jedoch: Fingerspitzengefühl. Deshalb bleiben die letzten Handgriffe der Montage Handarbeit: ein Kabel, das einrasten muss, eine Dichtung, die sitzen muss, eine Schraube, die klemmt. Diesem Mangel an Feinfühligkeit stellt sich das Schweizer Startup Enact entgegen und baut Roboter, die Kraft spüren. Sie messen Druck und Widerstand über ihre eigenen Antriebe, wie der Mensch über Muskeln und Sehnen, und ein Modell lernt daraus, heißt es. Der Roboter merkt ohne Zusatzsensoren und ohne künstliche Haut, ob das Teil sitzt.

Enact von Caltech-Forscher gegründet

Dass das mehr als eine Nische ist, zeigen die Zahlen. China etwa hat 2025 354.000 Industrieroboter installiert, fast drei von fünf weltweit (IFR). Europa gewinne dagegen nicht über Masse sondern über Varianz, und genau dort rechnen sich Roboter bisher selten, weil jemand jede Aufgabe einzeln programmieren müsse. Roboter, die durch Vormachen lernen und spüren, ob ein Teil sitzt, sollen diese Einzelprogrammierung ersparen und auch kleine Serien automatisierbar machen. Genau hier setzt Enact an: bei den letzten Handgriffen der Montage.

Gegründet wurde das Zürcher Startup im März 2026 von Manuel Yves Galliker. Der Maschinenbauer der ETH Zürich war Gastforscher am Caltech, leitete bei 1X das Team, das dem Humanoiden NEO das Gehen beibrachte, und arbeitete danach bei Physical Intelligence.

Dort sah er, dass Kamera und Teleoperation für die Fabrik nicht ausreichen, und ging zurück nach Zürich. „Das Silicon Valley hat historisch betrachtet enorme Stärken in Software und KI, aber es fehlt an Spezialisten für Robotik und Hardware-Engineering“, sagt Galliker.

Investment von Mensch

Nun sammelte er mit Enact 30 Millionen US-Dollar in einer Pre-Seed-Runde ein, und das noch bevor es ein Produkt gibt. Das hat einen Grund, wie man in der Aussendung liest: „Das Startup baut alles selbst. Antriebe, Regelung und Modell entstehen unter einem Dach, was am Anfang mehr kostet als ein Modell auf einen fremden Arm zu setzen.“ Die ersten Antriebe laufen, der Ansatz sei laut Enact validiert.

Angeführt wird die Millionen-Runde von redalpine, Notion Capital und firstminute capital. Als Business Angels investieren Yann LeCun (von 2013 bis Ende 2025 Chief AI-Scientist bei Meta), Arthur Mensch (Co-Founder Mistral AI), Andrew Lonsberry (Path Robotics) und David Wallerstein (früher Tencent). Aktuell arbeiten zehn Personen in Zürich, bis Ende 2027 sollen es viermal so viele werden.

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