20.03.2023

Während SVB-Crash: Startup holte halbe Milliarde Dollar Investment in 12 Stunden

Über das US-HR-Startup Rippling laufen monatlich Gehaltszahlungen in der Höhe von rund zwei Milliarden US-Dollar. Der SVB-Crash führte zu einer rekordverdächtigen Investmentrunde.
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Rippling SVB Silicon Valley Bank company logo on a website with blurry st
Foto: Dennis - stock.adobe.com

„Vereinfache HR, IT und Finanzen auf magische Art und Weise“ – dieser Werbespruch steht ganz oben auf der Webseite des US-Startups Rippling. Konkret bedeutet das unter anderem, dass Kunden ihre Gehaltszahlungen über den B2B-Dienstleister laufen lassen können. Rund zwei Milliarden US-Dollar fließen auf diese Weise monatlich durch die Konten des vor gerade einmal sechs Jahren gegründeten Startups. Dieses setzt bei diesem Vorgang auf zwei Banken: JPMorgan und die spektakulär gecrashte Silicon Valley Bank (SVB).

130 Mio. Dollar Gehälter für 50.000 Personen bei SVB eingefroren

Bei SVB-Crash vor etwas mehr als einer Woche kam es durch diesen Umstand zu einer rekordverdächtigen Investmentrunde, wie Rippling nun mitteilte. Nach dem Beschluss, die Zahlungen durch die SVB einzufrieren, der dem ersten Bank-Run folgte, lagen beim HR-Startup laut Gründer Parker Conrad nicht weniger als 130 Millionen US-Dollar Gehälter für etwa 50.000 Angestellte von Kunden des HR-Startups unmittelbar in der Schwebe. Weitere 300 Millionen US-Dollar Zahlungen, die auf der Silicon Valley Bank parkten, wären schon kurze Zeit später fällig geworden. Es hieß also schnell Handeln.

Rippling auf Kapitalsuche: Auch Investor:innen hatten ihr Geld bei der Silicon Valley Bank

Er habe gleich am Freitagmorgen mehrere Investoren-Vertreter:innen aus seinem Board via Text-Message kontaktiert, um die Möglichkeiten einer schnellen Finanzierungs-Runde auszuloten, erzählt Conrad dem US-Magazin TechCrunch. Die meisten davon hätten aber geantwortet, dass sie in der selben Situation seien, weil ihr Kapital aktuell auch bei der SVB eingefroren sei. Nach kurzer Suche sei er dann aber bei Neil Mehta vom Bestandsinvestor Greenoaks auf offene Ohren gestoßen.

„Wir Müssen den Deal über das Wochenende abschließen und brauche den vollen Betrag am Montagmorgen“

Dem Investor habe er dann gesagt: „Ich will Kapital aufnehmen, aber ich muss von vornherein klarstellen, dass die wichtigste Bedingung ist, dass wir den Deal über das Wochenende abschließen müssen und wir den vollen Betrag gleich am Montagmorgen brauchen. Wir werden das Geld dann sofort weiterüberweisen, um die Lohnkosten der Kunden zu decken. Darum geht es“, erzählt der Rippling-Gründer TechCrunch. Und Mehta habe geantwortet: „Let’s do it.“

500 Millionen US-Dollar für Rippling – ohne Abschläge bei der Bewertung

Die Verhandlungen hätten einige Stunden lang gedauert. Am Freitagabend noch vor 21 Uhr habe er dann das Term Sheet unterschrieben, so Conrad: „Der gesamte Fundraising-Prozess vom ersten Telefonat um 9:30 Uhr bis zur Unterzeichnung des Vertrags dauerte also nur knapp zwölf Stunden“. Den Rest des Wochenendes habe man dann alle weiteren Dokumente aufgesetzt. Am Montagmorgen sei das Geld überwiesen worden: 500 Millionen US-Dollar zur selben Bewertung wie in der vorangegangenen Kapitalrunde von 11,25 Milliarden US-Dollar.

Kapitalrunde steht auch nach Einlagen-Sicherung

Bekanntlich folgte bereits am Montag darauf die für SVB-Kund:innen erlösende Nachricht, dass alle Einlagen gesichert werden. Doch weder für Conrad noch für Mehta ist das ein Grund, einen Rückzieher zu machen. Die Kapitalrunde für Rippling soll, wie in der Blitzaktion vereinbart, umgesetzt werden. „Einer der wichtigsten Aspekte des gesamten Venture-Ökosystems ist die Heiligkeit eines Term Sheets das unterzeichnet und per Handschlag besiegelt wurde“, sagt Conrad. Das betreffe nicht nur seine Seite: „Ich weiß, dass Neil [Mehta] mir am Montagmorgen seinen letzten Dollar überwiesen hätte, auch wenn die Welt untergegangen wäre, wegen der Zusage, die er am Freitag gemacht hat“.

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Das Founder-Team von Serwas, v.l. Timo Berkmann, Manuel Untergasser und Lucas Bolte | © Johannes Aitzetmüller
Das Founder-Team von Serwas, v.l. Timo Berkmann, Manuel Untergasser und Lucas Bolte | © Johannes Aitzetmüller

„Serwas verbindet zwei Märkte, die in den kommenden Jahren massiv an Bedeutung gewinnen werden: Rechenleistung und nachhaltige Energieversorgung“, sagt Markus Kainz, Gründer und CEO von Gateway Ventures. Die auf Investoren-Pooling basierte Beteiligungsgesellschaft übernahm nun den Lead in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde für das Innsbrucker Startup Serwas Technologies, über das brutkasten bereits berichtete.

Server-Heizung für Schwimmbäder, Hotels und Co

„Wir wollen Rechenleistung dort aufbauen, wo die dabei entstehende Wärme direkt gebraucht wird. Server sollen künftig nicht nur rechnen, sondern gleichzeitig Gebäude beheizen“, erläutert Serwas Co-Founder Timo Berkmann. Das Startup fokussiert dabei auf Gebäude mit konstant hohem Wärmebedarf, etwa Schwimmbäder, Hotels, Pflegeeinrichtungen und größere Wohnanlagen. Serwas hat die dafür genutzte Kühltechnologie selbst entwickelt. Das Unternehmen betreibt die Server selbst und übernimmt die Integration in die bestehende Wärmeinfrastruktur der Gebäude. Die Rechenleistung wird an Unternehmen verkauft.

300.000 Euro im ersten Closing – zweites soll schon im Oktober folgen

Bei der aktuellen Finanzierungsrunde über insgesamt 300.000 Euro stiegen neben Gateway Ventures Business Angels aus dem „Pioneers Club“ und das MCI Innsbruck ein. Schon im Oktober soll ein Second Closing erfolgen und die Pre-Seed-Runde damit erweitert werden. „Besonders überzeugt uns der dezentrale Ansatz, weil neue Rechenkapazitäten dort aufgebaut werden können, wo die entstehende Wärme unmittelbar genutzt wird“, kommentiert Gateway-CEO Kainz.

Erster Standort in Innsbrucker Hallenbad

Bislang betreibt Serwas einen Standort in einem Innsbrucker Hallenbad. „Mit dem neuen Kapital wollen wir unseren ersten Standort weiter ausbauen und das Konzept auf weitere Gebäude übertragen“, sagt Serwas-Co-Founder Berkmann. Geplant ist laut Startup eine „schrittweise Skalierung“. Zuträglich sein soll dabei natürlich der massiv erhöhte Bedarf an Server-Zentren durch den KI-Boom. Die Nutzung bestehender Gebäude mit geeigneten Strom-Anschlüssen soll gleichzeitig eine Alternative in den Debatten rund um den Neubau großer Serverzentren sein.

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