18.10.2023

SORA-Chef: „Einstellung von Unternehmen zur Klimakrise erreicht 2023 einen neuen Tipping-Point“

Rund neun von zehn Betrieben erachten Nachhaltigkeit als wichtigen Faktor für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit, wie aus dem jüngsten Deloitte Sustainability Check hervorgeht. Allerdings gibt es bei Investitionen in Klimatechnologien noch eine große Lücke.
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Christoph Hofinger | (c) Lukas Ilgner

Das Problembewusstsein gegenüber der Klimakrise hat sich unter heimischen Unternehmen erhöht. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie von Deloitte. Gemeinsam mit dem Sozialforschungsinstitut SORA hat die Unternehmensberatung über 400 österreichische Unternehmen befragt. Das Ergebnis: Der Anteil jener Betriebe, die ihr Geschäftsmodell von der Klimakrise beeinflusst sehen, hat sich im vergangenen Jahr mit einem Sprung von 24 Prozent auf 55 Prozent mehr als verdoppelt. „2023 ist ein Jahr, wo wir nicht nur Tipping-Points beim Klima an sich, sondern auch bei den Einstellung der Unternehmen dazu erleben“, so SORA-Chef Christoph Hofinger im Zuge der Präsentation.

Klimakrise hat Einfluss auf das eigene Geschäftsmodell

Die Mehrheit der Befragten schreibt laut den Experten von Deloitte dem Thema Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert für den Unternehmenserfolg zu. Rund neun von zehn Betrieben (88 Prozent) erachten Nachhaltigkeit als wichtigen Faktor für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig sehen auch ganze 82 Prozent eine wesentliche Mitschuld an der Klimakrise bei sich. Dennoch mangelt es vielerorts an einer entsprechenden strategischen Ausrichtung: 52 Prozent haben laut der Unternehmensberatung keine Strategie zur Reduktion der eigenen CO2-Emmissionen. „Angesichts des schleppenden Tempos bekommt man fast den Eindruck, als hätte sich Österreich davon bereits verabschiedet“, so Alfred Ripka, Partner und ESG-Experte bei Deloitte Österreich.

Druck durch Geschäftspartner & CSRD

Nichtsdestotrotz steigt der Druck auf die Unternehmen. “ Vor allem von Geschäftskundenseite (31 Prozent), aber auch von Privatkund:innen sowie von Endverbraucher:innen (21 Prozent) werden nachhaltigere Geschäftspraktiken eingefordert. Und neue Regularien, wie die Corporate Sustainability Reporting Directive – kurz CSRD, üben Druck aus.

Die EU-weite Richtlinie verpflichtet die Unternehmen zur Offenlegung ihrer Nachhaltigkeitsdaten. Die Richtlinie muss nun von den Mitgliedstaaten bis zum 30. Juni 2024 umgesetzt werden. In Österreich erfolgt dies über das Nachhaltigkeitsberichtsgesetz. Laut Ripka wird das Gesetz weitreichende Folge auch für das Unternehmensgesetzbuch, das Aktiengesetzbuch bis hin zum Strafgesetzbuch haben.

„Wenn ich wissentlich oder fahrlässig in einem Bericht falsche Angaben zu Nachhaltigkeitsbelangen mache, begehe ich damit künftig eine strafbare Handlung“, so Ripka. In Österreich wird die CSRD rund 2.000 Unternehmen betreffen, davon sind 135 kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeiter:innen.

„62 Prozent der Unternehmen in Österreich befinden sich aktuell schon im Planungsprozess für die Umsetzung der CSRD“, so Ripka. Überraschen würde den Experten, dass rund 56 Prozent der Unternehmen in Österreich der CSRD positiv gegenüber stehen würden. Ripka erklärt dies mit dem Wunsch der Unternehmen nach einheitlichen Spielregeln.

Lücke von drei Milliarden Euro

Auch in Hinblick auf die geplanten Kosten müssten laut Deloitte die Unternehmen aufschließen. Ein Großteil der Betriebe hat in den kommenden fünf Jahren nicht mehr als 500.000 Euro für die Reduktion ihrer CO2-Emmissionen vorgesehen. Glaubt man den Schätzungen der Europäischen Kommission, ergibt sich für Österreich ein jährlicher Investitionsbedarf von etwa 5,5 Milliarden Euro bis 2030.

„Wenn man die geplanten Investitionen der österreichischen Wirtschaft hochrechnet, kommt man allerdings nur auf eine Summe von 2,3 Milliarden Euro jährlich – das entspricht nicht einmal der Hälfte der EU-Schätzungen. Diese Lücke von drei Milliarden kann vermutlich nur geschlossen werden, wenn die Unternehmen ihre Pläne deutlich ausweiten und darüber hinaus die öffentliche Hand selbst massiv investiert“, erklärt SORA-Geschäftsführer Hofinger abschließend.


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Hivesense
© Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer - Alexander Moosmann (l.) und Florian Entleitner von Hivesense.

Die beiden FH-Absolventen Florian Entleitner und Alexander Moosmann teilen eine Leidenschaft namens IT-Security. Daraus ist ein Startup geworden: Mit Hivesense entwickelten beide eine sogenannte Deception-Plattform, die Cyberangriffe frühzeitig erkennt, indem sie Angreifende mit gezielt platzierten digitalen Fallen aufdeckt und dadurch wichtige Informationen für Cyberdefense liefert. Dabei setzen sie bewusst auf europäische Infrastruktur und digitale Souveränität. Die Idee entstand im Studium an der FH Salzburg.

Hivesense mit „Deception Technology“

Konkret haben sich Entleitner und Moosmann im Studium Informationstechnik & System-Management an der FH Salzburg kennengelernt. Die Idee für das Startup entstand schließlich im Rahmen von Entleitners Abschlussarbeit. „Ich habe mich in meiner Masterarbeit intensiv mit sogenannten ‚Honeypots‘ beschäftigt, einem Teilbereich der Täuschungstechnologie. Dabei wurde mir klar, wie viel Potenzial in diesem Ansatz steckt“, erklärt er.

Die Founder pitchten ihre Idee beim FHStartup Center und wurden im Herbst 2025 in die Startup Factory des Netzwerks Startup Salzburg aufgenommen. Im März 2026 gründeten sie schlussendlich ihr Unternehmen.

Hivesense entwickelt – wie erwähnt – eine „Deception Technology“, eine – eigenen Angaben nach – noch wenig verbreitete Form der Cyberabwehr. Das Prinzip: Im Netzwerk eines Unternehmens werden gezielt „Stolperdrähte“ platziert. Angreifer, die sich im System bewegen, sollen dann darauf stoßen und erkannt werden, so der Claim.

„Wir bauen keine klassische Schutzmauer“, sagt Entleitner. „Wir legen bewusst falsche Spuren und warten, bis jemand darüber stolpert – vergleichbar mit einem Stolperdraht, an dem ein Glöckchen platziert wurde.“ Moosmann ergänzt: „Viele Sicherheitslösungen erkennen nur bekannte Bedrohungen. Wir gehen einen Schritt weiter: Wir erkennen Verhalten und interagieren direkt mit Angreifern.“ Dabei setzt Hivesense im Inneren des Netzwerks an, einem der, wie beide Gründer sagen, kritischsten Bereiche.

Erste Pilotkunden

Die Decoy-Plattform von Hivesense befindet sich im Einsatz bei ersten Pilotkunden. Das Team treibt den Markteintritt im DACH-Raum aktiv voran und sucht weiterhin nach Unternehmen, die die Plattform in ihrer Infrastruktur einsetzen und gemeinsam mit Hivesense weiterentwickeln möchten.

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