27.02.2025
INVESTMENT

Sun Minimeal: Vorarlberger Startup erhält höchstes Investment in der Geschichte von 2m2m

Das Sun Minimeal enthält alle Nährstoffe, die der Mensch zum Leben braucht. In das Produkt investiert Christian Jäger vier Millionen Euro - für 7,5 Prozent an dem Unternehmen.
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Sun Minimeal - Wolfgang und Meike Grabher bei 2 Minuten 2 Millionen
Wolfgang und Meike Grabher bei "2 Minuten 2 Millionen" | Foto: Puls 4 / Gerry Frank

Mit Sun Minimeal wollen Wolfang und Meike Grabher eine kleine Ernährungsrevolution starten. Das Founder-Paar hat ein Nahrungsmittel entwickelt, das andere Lebensmittel obsolet machen soll: Es sieht aus wie ein großer Keks, enthält pro Stück 100 Kilokalorien – und alle Nährstoffe, die Menschen zum Leben brauchen. Wer acht Stück davon isst, hat den kompletten Tagesbedarf an Nährstoffen gedeckt.

Die Minimeals bestehen zu mehr als der Hälfte aus Zutaten der Sonnenblumen-Familie: Sonnenblumenkernen, Sonnenblumenprotein und Topinambur. „Das ist ein Mahlzeitenersatz, der weltweit einzigartig ist, weil er von Natur aus alle essentiellen Nährstoffe in der richtigen Menge enthält“, erklärt Wolfgang Grabher im Gespräch mit brutkasten.

Die Idee für das Produkt kam ihm, als er 2008 in die Antarktis reisen wollte. Ihm fehlte ein Lebensmittel, das ihn mit guten Nährstoffen versorgen würde – ohne kiloweise Essen mit sich tragen zu müssen. „Obst und Gemüse hat viel Wasser drin, das gefriert da unten. Wenn ich das Wasser rausnehme, bleibt nur Zucker übrig. Das Verhältnis von Zucker zu Nährstoffen ist absolut ungesund. Daher macht für mich Obst und Gemüse ernährungstechnisch auch keinen Sinn“, sagt Grabher. An der heute verwendeten Rezeptur hat der Koch elf Jahre lang getüftelt.

Das Produkt der Sun AG : Sun Minimeal
Das Produkt der Sun AG | Foto: Sun Minimeal

4-Millionen-Deal für Sun Minimeal

Ihren Mahlzeitenersatz hat der Sun-Minimeal-Erfinder in der aktuellen Folge der Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“ gepitcht. In der am heutigen Donnerstag ausgestrahlten Folge erhält die Sun AG ein Investment von vier Millionen Euro – das höchste in der Geschichte der Show. Unternehmer Christian Jäger steigt im Gegenzug mit 7,5 Prozent in das Geschäft ein. Das ergibt eine Unternehmensbewertung von 53 Millionen Euro.

„Wir waren total begeistert, dass das so gut angekommen ist“, sagt Wolfgang Grabher. Er arbeite bereits intensiv mit Christian Jäger und seinem gesamten Netzwerk sowie Tchibo und Mediashop zusammen.

Zuvor wurde das Startup zur Gänze eigenfinanziert. Im Jahr 2024 erzielte das Produkt laut Grabher etwa 80 Millionen Euro Umsatz. Mit dem Investment könnten nun mehrere Themen angegangen werden. Im Vordergrund stehe allerdings die Akquise von großen App-Anbietern, die im Bereich Kalorienzählen agieren. „Wir versuchen, auf diesem Weg 60 Millionen User zu erreichen“, erklärt Grabher.

Blockchain-Bonus für Kund:innen

Eine weitere Besonderheit: Sun Minimeal setzt bei seinem Bonusprogramm auf Blockchain-Technologie: Kund:innen erhalten beim Kauf Token als Belohnung. „Der Kick an dem Ganzen ist, dass wir 20 Prozent der Umsätze verwenden, um diesen Token zurückzukaufen, ähnlich wie ein Aktienrückkauf – nur, dass wir dann diese Aktien nicht behalten, sondern sie vernichten“, sagt Grabher. Dies führe zu einem sinkenden Angebot, was den Wert des Tokens potenziell erhöhen kann.

Sun AG: Sponsor bei Schalke 04

Auch abseits der Branche hat sich die Sun AG bereits einen Namen gemacht. Seit Juli 2024 ist das Unternehmen etwa offizieller Sponsor des FC Schalke 04. Aufgrund dieses Deals machten einige Medien Vorwürfe gegen Wolfgang Grabher publik. Unter anderem unterstellte ihm die deutsche Bild-Zeitung, in der Vergangenheit Straftaten begangen zu haben.

„Diese Dinge entsprechen alle nicht den Tatsachen“, erklärt Wolfgang Grabher. Die Vorwürfe seien von einem Blogger gekommen und von anderen Medien kopiert worden. Schalke habe das alles überprüft. „Schalke hätte den Deal nicht gemacht, wenn es irgendwas gäbe, das unseriös wäre“, kommentiert Grabher die Vorwürfe.

Mit seinem Produkt möchte er jedenfalls nicht nur Sportler:innen begeistern: „Es ist ein Fundament für jeden, der sich gesünder ernähren möchte, weil wir eine sehr hohe Nährstoffdichte haben.“

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Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche | (c) Grunpfnul vie Wikimedia Commons
Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche | (c) Grunpfnul vie Wikimedia Commons

„Mit der Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung legen wir das Fundament für die nächste Generation deutscher Weltmarktführer“, erklärt die deutsche Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, anlässlich des Beschlusses der Strategie im Bundeskabinett. Mit der Strategie will die deutsche Politik auf „geopolitische Verschiebungen, die digitale und grüne Transformation sowie der rasante Fortschritt in Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz“ reagieren, wie es im Papier heißt. Dieses versteht sich als eine politische Arbeitsagenda, die insgesamt 152 Einzelmaßnahmen in acht verschiedenen Handlungsfeldern bündelt. Das erklärte Ziel der deutschen Bundesregierung ist es, die Rahmenbedingungen entlang des gesamten Lebenszyklus innovativer Unternehmen zu verbessern – von der ersten Idee bis zur internationalen Expansion. Die Maßnahmen stehen allerdings unter dem Vorbehalt, dass Budget für sie vorhanden ist.

Zuletzt starke Gründungsdynamik

Das deutsche Startup-Ökosystem konnte trotz eines herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds zuletzt eine beachtliche Gründungsdynamik aufweisen. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete die Bundesrepublik mit 3.053 Startup-Gründungen einen historischen Rekordwert, was einem Zuwachs von 52 Prozent im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 entspricht. Getrieben wurde dieser Aufschwung insbesondere durch den anhaltenden Boom im Bereich der Künstlichen Intelligenz, auf den allein über 1.000 Neugründungen entfielen. Die nackten Rekordzahlen täuschen jedoch darüber hinweg, dass es dem deutschen Markt nach wie vor nicht ausreichend gelingt, erfolgreiche junge Firmen in die kapitalintensive Wachstums- und Skalierungsphase zu überführen. Mit rund 90 Euro Wagniskapitalinvestitionen pro Kopf im Jahr 2025 liegt die Investitionsaktivität in Deutschland signifikant hinter den führenden Märkten in den USA und Großbritannien zurück.

Risikokapital und das Hebeln privater Milliarden

Um das Abwandern vielversprechender Innovationen und den Ausverkauf ins Ausland zu verhindern, setzt die neue Strategie vor allem bei der Mobilisierung von privatem und institutionellem Kapital an. Ein zentrales Vorhaben ist die Fortführung und Weiterentwicklung der sogenannten WIN-Initiative. Laut dem Strategiepapier soll damit darauf hingearbeitet werden, die Zusagen privater Investoren für Investitionen in Wagniskapital und das Startup-Ökosystem auf 25 Milliarden Euro mehr als zu verdoppeln. Flankiert wird diese Absicht durch die nationale Umsetzung der überarbeiteten europäischen Solvency-II-Richtlinie, die es Versicherungsgesellschaften erleichtert, Kapitalanlagen als langfristige Aktieninvestitionen einzustufen. Dadurch sinken die regulatorischen Eigenkapitalanforderungen für solche Risikokapitalinvestitionen drastisch von 49 auf 22 Prozent. Ergänzend ist die Bereitstellung von Bundesmitteln für eine Nachfolgegeneration des größten europäischen Dachfonds, den „Wachstumsfonds II“, über die KfW Capital geplant.

Neuer Fokus auf DefenceTech und Sicherheit

Zu den markantesten und zugleich politisch sensibelsten Neuerungen der Regierungsstrategie gehört die erstmalige, systematische Berücksichtigung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. In einer Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums heißt es von Ministerin Reiche, das Konzept verfolge das Ziel, das „Gründen zu erleichtern, das Wachstum zu beschleunigen und Innovation in Deutschland zu halten“. Für Startups aus dem Rüstungssektor wird im Rahmen des verbleibenden „Deutschlandfonds“ ein spezielles Direktbeteiligungsvehikel des Bundes geschaffen. Damit beabsichtigt die Bundesregierung, sich künftig erstmals direkt an jungen Unternehmen zu beteiligen, die Waffen herstellen, um deren Kapitalzugang zu sichern.

Neben der Rüstungsförderung adressiert die Strategie auch administrative Hürden, die im internationalen Vergleich als Standortnachteil gelten. Über das Hebelprojekt „Schneller Gründen“ soll bis Ende 2026 der Entwurf für ein Gründungsbeschleunigungsgesetz ausgearbeitet werden, um Anmeldeverfahren und die Vergabe von Steuernummern digital zu vereinheitlichen. Zudem unterstützt die deutsche Bundesregierung den Vorschlag der EU-Kommission für die EU Inc., die als europäisch vereinheitlichte Rechtsform für grenzüberschreitend tätige Startups etabliert werden soll.

Kritik von mehreren Seiten

Trotz des breiten Maßnahmenpakets regt sich im deutschen Ökosystem und in den Verbänden auch Kritik an der strategischen Ausrichtung der Bundesregierung. Vor allem der starke Rüstungsfokus bei gleichzeitiger Vernachlässigung gesellschaftlicher Aspekte steht im Zentrum der Debatte. So wird etwa vom Bundesverband für Social Entrepreneurship in Deutschland (SEND e.V.) kritisiert, dass „soziale Gründungsvorhaben“ in der neuen Fassung überhaupt keine Rolle mehr spielen. Auch der Verband der Business Angels äußert Unmut und bezeichnet die fast ausschließliche Fokussierung auf Venture-Kapital als Finanzierungsinstrument als eine Maßnahme „an den Gründungsrealitäten vorbei“, da erfahrene private Geldgeber für die Nachhaltigkeit von Gründungen entscheidender seien.

Fachkommentare aus den Bereichen Bioökonomie und Nachhaltigkeit warnen zudem vor einem „Klumpenrisiko“ durch den engen Fokus auf Verteidigungstechnologien. Aus der Gründerszene selbst wird bemängelt, dass das ehemals politisch stark beworbene Vorreiterprojekt einer „Gründung in 24 Stunden“ sowie Erleichterungen für das „Gründen aus dem Beruf“ im finalen Papier nicht mehr auftauchen. Zudem weisen Industrievertreter darauf hin, dass zentrale Herausforderungen für innovationsintensive Branchen über die reine Startup-Finanzierung hinausgehen; es fehle an Impulsen für spätere Finanzierungsrunden, an regulatorischer Beschleunigung sowie am Ausbau industrieller Produktionskapazitäten. Ob die Strategie die Erwartungen der Praxis erfüllen kann, wird von Branchenbeobachtern auch aufgrund des Zeithorizonts bezweifelt: Dass mit der Umsetzung der Maßnahmen lediglich „noch in dieser Legislaturperiode begonnen“ werden soll, lasse kein hohes Tempo vermuten.

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