Sun Minimeal: Vorarlberger Startup erhält höchstes Investment in der Geschichte von 2m2m
Das Sun Minimeal enthält alle Nährstoffe, die der Mensch zum Leben braucht. In das Produkt investiert Christian Jäger vier Millionen Euro - für 7,5 Prozent an dem Unternehmen.
Mit Sun Minimeal wollen Wolfang und Meike Grabher eine kleine Ernährungsrevolution starten. Das Founder-Paar hat ein Nahrungsmittel entwickelt, das andere Lebensmittel obsolet machen soll: Es sieht aus wie ein großer Keks, enthält pro Stück 100 Kilokalorien – und alle Nährstoffe, die Menschen zum Leben brauchen. Wer acht Stück davon isst, hat den kompletten Tagesbedarf an Nährstoffen gedeckt.
Die Minimeals bestehen zu mehr als der Hälfte aus Zutaten der Sonnenblumen-Familie: Sonnenblumenkernen, Sonnenblumenprotein und Topinambur. „Das ist ein Mahlzeitenersatz, der weltweit einzigartig ist, weil er von Natur aus alle essentiellen Nährstoffe in der richtigen Menge enthält“, erklärt Wolfgang Grabher im Gespräch mit brutkasten.
Die Idee für das Produkt kam ihm, als er 2008 in die Antarktis reisen wollte. Ihm fehlte ein Lebensmittel, das ihn mit guten Nährstoffen versorgen würde – ohne kiloweise Essen mit sich tragen zu müssen. „Obst und Gemüse hat viel Wasser drin, das gefriert da unten. Wenn ich das Wasser rausnehme, bleibt nur Zucker übrig. Das Verhältnis von Zucker zu Nährstoffen ist absolut ungesund. Daher macht für mich Obst und Gemüse ernährungstechnisch auch keinen Sinn“, sagt Grabher. An der heute verwendeten Rezeptur hat der Koch elf Jahre lang getüftelt.
Das Produkt der Sun AG | Foto: Sun Minimeal
4-Millionen-Deal für Sun Minimeal
Ihren Mahlzeitenersatz hat der Sun-Minimeal-Erfinder in der aktuellen Folge der Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“ gepitcht. In der am heutigen Donnerstag ausgestrahlten Folge erhält die Sun AG ein Investment von vier Millionen Euro – das höchste in der Geschichte der Show. Unternehmer Christian Jäger steigt im Gegenzug mit 7,5 Prozent in das Geschäft ein. Das ergibt eine Unternehmensbewertung von 53 Millionen Euro.
„Wir waren total begeistert, dass das so gut angekommen ist“, sagt Wolfgang Grabher. Er arbeite bereits intensiv mit Christian Jäger und seinem gesamten Netzwerk sowie Tchibo und Mediashop zusammen.
Zuvor wurde das Startup zur Gänze eigenfinanziert. Im Jahr 2024 erzielte das Produkt laut Grabher etwa 80 Millionen Euro Umsatz. Mit dem Investment könnten nun mehrere Themen angegangen werden. Im Vordergrund stehe allerdings die Akquise von großen App-Anbietern, die im Bereich Kalorienzählen agieren. „Wir versuchen, auf diesem Weg 60 Millionen User zu erreichen“, erklärt Grabher.
Blockchain-Bonus für Kund:innen
Eine weitere Besonderheit: Sun Minimeal setzt bei seinem Bonusprogramm auf Blockchain-Technologie: Kund:innen erhalten beim Kauf Token als Belohnung. „Der Kick an dem Ganzen ist, dass wir 20 Prozent der Umsätze verwenden, um diesen Token zurückzukaufen, ähnlich wie ein Aktienrückkauf – nur, dass wir dann diese Aktien nicht behalten, sondern sie vernichten“, sagt Grabher. Dies führe zu einem sinkenden Angebot, was den Wert des Tokens potenziell erhöhen kann.
Sun AG: Sponsor bei Schalke 04
Auch abseits der Branche hat sich die Sun AG bereits einen Namen gemacht. Seit Juli 2024 ist das Unternehmen etwa offizieller Sponsor des FC Schalke 04. Aufgrund dieses Deals machten einige Medien Vorwürfe gegen Wolfgang Grabher publik. Unter anderem unterstellte ihm die deutsche Bild-Zeitung, in der Vergangenheit Straftaten begangen zu haben.
„Diese Dinge entsprechen alle nicht den Tatsachen“, erklärt Wolfgang Grabher. Die Vorwürfe seien von einem Blogger gekommen und von anderen Medien kopiert worden. Schalke habe das alles überprüft. „Schalke hätte den Deal nicht gemacht, wenn es irgendwas gäbe, das unseriös wäre“, kommentiert Grabher die Vorwürfe.
Mit seinem Produkt möchte er jedenfalls nicht nur Sportler:innen begeistern: „Es ist ein Fundament für jeden, der sich gesünder ernähren möchte, weil wir eine sehr hohe Nährstoffdichte haben.“
Investments im ersten Halbjahr: „Je größer die Runden, desto internationaler“
Das aktuelle "EY Start-up Investment Barometer" zeigt: Der Aufschwung beim Investment-Volumen in Österreich im ersten Halbjahr auf 472 Millionen Euro wurde maßgeblich von ausländischen Investor:innen getragen. Während heimische Geldgeber die Frühphase dominieren, treiben internationale Fonds die großen Runden.
Investments im ersten Halbjahr: „Je größer die Runden, desto internationaler“
Das aktuelle "EY Start-up Investment Barometer" zeigt: Der Aufschwung beim Investment-Volumen in Österreich im ersten Halbjahr auf 472 Millionen Euro wurde maßgeblich von ausländischen Investor:innen getragen. Während heimische Geldgeber die Frühphase dominieren, treiben internationale Fonds die großen Runden.
Florian Haas (EY) und Daniela Haunstein (invest.austria) | Foto: EY & invest.austria
„Internationale Investor:innen sind zurück – und zwar nicht nur symbolisch, sondern mit substanziellen Tickets“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich. Nach dem „Start-up-Barometer“ vor zwei Wochen (brutkasten berichtete) veröffentlichte EY nun gemeinsam mit invest.austria auch das „Start-up Investment Barometer“ für das erste Halbjahr, das noch detailliertere Zahlen zu den Investor:innen der Finanzierungsrunden liefert.
„Der Vergleich zum Vorjahr zeigt eine massive Verschiebung: 2025 wurde der Markt noch stark von heimischen und gemischten Investor:innengruppen getragen, 2026 kommt der Großteil des Kapitals wieder aus rein internationalen Runden. Das ist ein starkes Vertrauenssignal für die Qualität österreichischer Startups und für die internationale Wahrnehmung des Standorts“, erklärt Haas.
64 Prozent des Investment-Volumens aus dem Ausland
Wie bereits im „Start-up Barometer“ zu lesen, verzeichnete der österreichische Venture-Capital-Markt in den ersten sechs Monaten des Jahres eine deutliche Erholung: Das Gesamtfinanzierungsvolumen stieg im Vergleich zur Vorjahresperiode um 329 Prozent auf 472 Millionen Euro an, während die Zahl der Finanzierungsrunden mit 97 Abschlüssen einen neuen historischen Höchstwert erreichte.
Die detaillierte Analyse der Investorendaten zeigt nun, dass dieser Aufschwung in erster Linie durch ausländisches Kapital getragen wird. So flossen im ersten Halbjahr 2026 mindestens 300 Millionen Euro beziehungsweise 64 Prozent der Gesamtsumme von rein internationalen Investor:innengruppen nach Österreich – im ersten Halbjahr 2025 waren es lediglich rund 21 Millionen Euro beziehungsweise 27 Prozent gewesen. Der Anteil rein österreichischer Investorengruppen am Investitionsvolumen sank im selben Zeitraum von 17 auf nur noch fünf Prozent.
„Je größer die Finanzierungsrunde, desto internationaler wird die Kapitalbasis“
Trotz des gestiegenen Anteils an internationalem Kapital bilden inländische Investor:innen weiterhin das quantitative Fundament des österreichischen Ökosystems. Heimische Geldgeber waren an mindestens 61 der 97 registrierten Finanzierungsrunden (63 Prozent) beteiligt. Zudem wurden 39 Abschlüsse (40 Prozent) ausschließlich von österreichischen Kapitalgeber:innen finanziert. Auch personell stellen heimische Akteure die stärkste Gruppe: Von den mindestens 230 namentlich bekannten Investor:innen haben 116 (50 Prozent) ihren Hauptsitz in Österreich, gefolgt von Deutschland mit 49 (21 Prozent) und der Schweiz mit elf Geldgeber:innen.
Doch die Studie kommt einmal mehr zum Ergebnis: Mit steigenden Finanzierungssummen nimmt die Präsenz österreichischer Investor:innen kontinuierlich ab. Bei kleineren Deals bis zu einer Million Euro stellen sie noch 74 Prozent aller beteiligten Geldgeber:innen, bei mittelgroßen Runden (1,1 bis zehn Millionen Euro) sinkt der Wert auf 36 Prozent und bei Großfinanzierungen über zehn Millionen Euro liegt der heimische Anteil bei lediglich rund 13 Prozent. Im ersten Halbjahr 2025 lag dieser Anteil bei Deals über zehn Millionen Euro noch bei rund 80 Prozent. In der aktuellen Berichtsperiode kamen sieben der zehn größten Finanzierungsrunden ohne jegliche Beteiligung österreichischer Investor:innen zustande.
Daniela Haunstein, Managing Director von invest.austria, ordnet diese Abhängigkeit ein: „Die Zahlen zeigen sehr deutlich, dass internationales Kapital wieder bereit ist, größere Wachstumsfinanzierungen in Österreich zu begleiten. Das ist eine erfreuliche Entwicklung und ein wichtiges Signal für den Standort. Gleichzeitig macht die Analyse aber auch sichtbar, dass Österreich bei großen Finanzierungsrunden weiterhin stark von ausländischem Kapital abhängig ist. Um langfristig mehr Wertschöpfung, Wachstum und Skalierung im Inland zu ermöglichen, müssen wir zusätzliche heimische Kapitalquellen erschließen.“ Gerade institutionelle Investor:innen wie Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen würden dabei eine zentrale Rolle spielen. Deshalb sei die rasche und ambitionierte Umsetzung des angekündigten Dachfonds ein wichtiger Schritt, um privates Kapital stärker für Innovation und Unternehmertum zu mobilisieren.
„Flywheel-Effekt“
Diese ausgeprägte Abhängigkeit von ausländischen Kapitalgebern bei großen Runden birgt laut invest.austria langfristige Nachteile für das Ökosystem, die sich insbesondere bei Unternehmensverkäufen bemerkbar machen. Im ersten Halbjahr 2026 stachen neben den Finanzierungsrunden auch erfolgreiche Exits wie jener des oberösterreichischen Haustier-Tracking-Spezialisten Tractive oder die Übernahme des Linzer AI-Startups Emmi AI hervor.
Daniela Haunstein warnt jedoch davor, die Wertschöpfung solcher Exits ins Ausland zu verlieren, falls heimische Geldgeber bei der Skalierung außen vor bleiben: „Internationale Investor:innen bringen nicht nur Kapital, sondern auch Netzwerke, Erfahrung und Marktzugang. Österreichische Startups profitieren davon enorm. Gleichzeitig sollte es unser Ziel sein, künftig mehr dieser Wachstumsfinanzierungen gemeinsam mit heimischen Investor:innen darzustellen. Warum das so wichtig ist, zeigt sich ganz besonders im Exit-Fall: Wenn Aushängeschilder wie Tractive oder zuletzt Emmi AI erfolgreich verkauft werden, fließt das Geld nur dann in unseren Kreislauf zurück, wenn heimische Geldgeber:innen an Bord waren.“ Diese würden das freigewordene Kapital durch neue Investments wieder in das System zurückspielen – ein „Flywheel-Effekt“, der in anderen Startup-Nationen längst als Erfolgsmotor diene. „Je stärker unsere heimische Investor:innenlandschaft also wird, desto mehr Wertschöpfung und Know-how können wir durch diesen Kreislauf langfristig im Land halten“, so Haunstein.
Künstliche Intelligenz etabliert sich als zweitstärkster Sektor
Neben der Herkunft des Kapitals zeigt die Studie klare thematische Schwerpunkte im Verhalten der Investor:innen, wobei Künstliche Intelligenz (AI) eine herausragende Rolle einnimmt. Im ersten Halbjahr 2026 flossen insgesamt 93 Millionen Euro an österreichische Startups mit einem KI-Schwerpunkt. Dies entspricht dem zweithöchsten je in einem Halbjahr registrierten Wert seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2023 – nur im ersten Halbjahr 2024 lag die Summe mit 117 Millionen Euro noch höher. Insgesamt entfielen 30 der 97 Finanzierungsrunden (31 Prozent) auf Unternehmen mit KI-Bezug.
Laut Florian Haas investieren Kapitalgeber in diesem Segment zunehmend zielgerichteter: „Künstliche Intelligenz ist der zentrale Innovationstreiber in nahezu allen Branchen. Investor:innen investieren heute nicht mehr nur in die Technologie selbst, sondern vor allem in konkrete Anwendungsfälle mit skalierbaren Geschäftsmodellen. Österreichische Startups können hier mit starken Lösungen in Bereichen wie Health, Cybersecurity, Enterprise Software oder Industrial Tech punkten“.
Die internationale Sichtbarkeit heimischer Entwicklungen werde zudem durch den Emmi-AI-Exit bestärkt: „Die erfolgreiche Übernahme von Emmi AI durch Mistral hat international für viel Aufmerksamkeit gesorgt und zeigt, dass Österreich im Bereich Künstliche Intelligenz nicht nur innovative Technologien hervorbringt, sondern Unternehmen mit internationaler Relevanz aufbauen kann. Solche Erfolgsgeschichten schaffen Sichtbarkeit, stärken das Vertrauen von Investor:innen und setzen wichtige Signale für die nächste Generation von AI-Gründer:innen“, so Haas.
Nachhaltigkeit: „Kapitalintensive und größere Wachstumstickets“
Ein noch größeres Finanzierungsvolumen als der KI-Bereich konnte das Querschnittsthema Nachhaltigkeit (Sustainability) für sich verbuchen. Mit insgesamt 170 Millionen Euro floss im ersten Halbjahr 2026 mehr als jeder dritte investierte Euro (36 Prozent) in Startups mit Nachhaltigkeitsbezug. Dies stellt laut der Studie den mit Abstand höchsten Betrag seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 2022 dar.
Gleichzeitig steht diesem Rekordvolumen eine vergleichsweise geringe Anzahl an Transaktionen gegenüber: Lediglich 14 der 97 Finanzierungsrunden (14 Prozent) entfielen auf diesen Bereich. Florian Haas erklärt dieses Phänomen mit den spezifischen technologischen Anforderungen des Sektors: „Im Nachhaltigkeitsbereich beobachten wir, dass Investor:innen sehr gezielt in Unternehmen investieren, die bereits eine gewisse Größenordnung erreicht haben und Lösungen für zentrale Transformationsherausforderungen entwickeln. Themen wie nachhaltiges Bauen, Energie, Batterietechnologie oder Dekarbonisierung sind häufig kapitalintensiv und erfordern größere Wachstumstickets.“ Entsprechend konzentriere sich ein erheblicher Teil des verfügbaren Kapitals auf vergleichsweise wenige Unternehmen mit hohem Skalierungspotenzial und internationaler Relevanz.
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