06.03.2025
HINTERGRUND

Styr Group: Warum Bitpanda-Gründer Trummer bei einer Gebäudetechnik-Firma einstieg

Klassisches Business - große Pläne: Die Mödlinger Styr Group holte 2024 Bitpanda-Co-Founder Christian Trummer als Investor an Bord. Im brutkasten-Talk erzählen er und Gründer Christoph Bauer über die Hintergründe und Vorhaben.
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Christoph Bauer, Styr Group, und Christian Trummer, Bitpanda, im brutkasten-Talk | (c) brutkasten
Christoph Bauer und Christian Trummer im brutkasten-Talk | (c) brutkasten

Nicht Krypto, nicht FinTech, nicht Künstliche Intelligenz – das Unternehmen, bei dem Bitpanda-Co-Founder Christian Trummer Ende vergangenen Jahres einstieg, macht Gebäudetechnik – brutkasten berichtete. Auch wenn es ein eher klassisches Business ist, verfolgt die Styr Group jedoch einen innovativen Ansatz – und hat große Pläne.

Gründer mit reichhaltiger Erfahrung

Mit Christoph Bauer, der das Unternehmen 2023 durch den Kauf eines insolventen Unternehmens gestartet hat, steht ein ausgesprochen erfahrener Unternehmer hinter der Styr Group. Er baute zunächst einen großen Player in der Event-Gastronomie, mit dem er 2014 einen Exit realisierte. Danach wurde er nicht nur Business Angel, sondern baute bald als Master-Franchise-Nehmer eines großen Konzerns das nächste Unternehmen auf. Die Suezkanal-Krise und später die Energiekrise brachte Bauer schließlich auf die Idee der Styr Group, wie Bauer im brutkasten-Talk erzählt.

Christian Trummer und Christoph Bauer im brutkasten-Talk

„Wir investieren gerne antizyklisch, aber auch in Themen, hinter denen Megatrends stehen“

„Wir investieren gerne antizyklisch, aber auch in Themen, hinter denen Megatrends stehen“, sagt Bauer. Auf der einen Seite sei die Krise der Bau- und Immobilienwirtschaft gestanden, auf der anderen der Megatrend Energiewende und der Bedarf an der Versorgung kritischer Infrastruktur in Europa. „Da geht es um Datenzentren, Chipproduktionen, Batterieproduktionen und so weiter. Für all das braucht es technische Gewerke. Wir haben uns dann entschlossen, diese technischen Gewerke, die dafür wesentlich sind, zusammenzufassen, um daraus einen relevanten Player zu bauen“, erzählt Bauer.

Komplettangebot statt Mediator-Rolle für Bauherren

Die Styr Group liefert also die Gebäudetechnik für HighTech-Einrichtungen – „überall dort, wo komplexe Anlagen gebaut werden und es ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Ingenieurdienstleistung braucht“, so der Gründer. Dabei wolle man den Bauherren typische Herausforderungen abnehmen. „Jeder, der schon einmal gebaut hat, weiß, dass man als Bauherr oft Mediator zwischen Elektriker und Installateur sein muss. Unser Ansatz ist ein anderer: Die Bauherren bekommen von uns alles von der Planung bis zum fertigen Produkt, das sie haben wollen“. Im Endausbau wolle man Bauherren als Generalunternehmen überhaupt alles aus einer Hand bieten können. Dazu brauche es aber eine gewisse Größe.

Trummer als Sparring-Partner im Unternehmensaufbau

Dieses Konzept war jedoch nicht der Hauptgrund, warum er in die Styr Group investierte, sagt Bitpanda-Co-Founder Christian Trummer im brutkasten-Talk. „Das Produkt ist nicht zweitrangig, aber das wichtigste, das zum Erfolg eines Unternehmens führt, ist, dass der Gründer mit Herzblut dahinter ist.“ An der Historie von Bauer sehe man, dass dies zutreffe. „Und das Produkt ist auch weit weg von FinTech und Krypto. Ich glaube, ich darf mir nicht anmaßen, ein Experte in der Baubranche zu sein“, so Trummer. In Europas – notwendiger – Aufholjagd im Technologie-Bereich sei die Styr Group mit ihrem Konzept jedenfalls gut positioniert. Er selbst wolle auf Basis seiner Erfahrung als Sparring-Partner im Unternehmensaufbau agieren.

Christian Trummer, Bitpanda
Christian Trummer im brutkasten-Talk | (c) brutkasten

Start der Styr Group mit Überarbeitung von insolventem Unternehmen

Und dieser Unternehmensaufbau lief schon bislang in einem gewissen Tempo. Der Start erfolgte 2023 mit der Übernahme der insolventen HMI-Gruppe, aus der dann die Styr Group entstand. Das Unternehmen hatte bereits zuvor HKLS- (Heizung, Kühlung, Lüftung, Sanitär) und Elektrotechnik-Dienstleistungen kombiniert. „Sie haben unsere These der Verbindung der technischen Gewerke bereits bewiesen“, sagt Bauer. Nach der Übernahme habe man dann an den richtigen Schrauben gedreht, um jene Probleme, die zur Insolvenz geführt hätten, loszuwerden. Dazu habe man „die besten Mitarbeiter vom Markt angeworben“, erzählt der Gründer. „Mit Markus Colle haben wir heute einen Gruppen-CEO, der seit 15 Jahren als ‚Mister Datencenter‘ in Europa gilt“, so Bauer.

Genug Konkurrenz, noch mehr Bedarf

In den kommenden Jahren wolle man nun sowohl organisch als auch anorganisch wachsen. Konkurrenz gebe es dabei in dem Feld durchaus, räumt der Gründer ein. „Das sind große Player, die auch gut sind. Das Wachstum in dem Bereich wird in den kommenden zehn Jahren aber so groß sein, dass die etablierten Unternehmen gar nicht die Kapazitäten haben werden, um den Bedarf abzudecken. Deswegen werden Tier-2-Unternehmen wie wir logischerweise notwendig“, sagt Bauer. „Und ein kleineres Unternehmen ist viel agiler und kann schneller auf Änderungen reagieren, als die großen Player“, ergänzt Trummer.

Zuverlässigkeit wichtiger als Innovation

Auch die Digitalisierung der Baubranche spiele dabei eine Rolle. Noch wichtiger für die Styr Group sei aber die Digitalisierungswelle in der gesamten Wirtschaft und damit der Bedarf nach Rechenzentren und Co, meint Trummer. Und Bauer stellt klar: „Bei diesen Hightech-Anlagen wird von den Kunden Innovation gar nicht so sehr verlangt, sondern Zuverlässigkeit.“ Innovation wolle man im Produkt bieten. „Der innovativste Zugang ist für mich, nicht streitende Gewerke auf die Baustelle zu lassen, die gemeinsam die Planung machen, sich gemeinsam abstimmen und dann gemeinsam ein schlüsselfertiges Objekt übergeben. Damit gewinne ich Bauzeit, schone Kosten für den Kunden, geh nicht vor den Richter und so weiter.“

Christoph Bauer, Styr Group
Christoph Bauer im brutkasten-Talk | (c) brutkasten

Große Volumina in Bauprojekten

Denn in dem Bereich gehe es um viel Geld. Die Errichtungskosten würden sich bei Datenzentren am Energiebedarf orientieren. Bei zehn Megawatt würden diese etwa um die 100 Millionen Euro betragen. „Technisches Gewerk hat hier einen Wertschöpfungsanteil von 70 Prozent“, sagt Bauer. Daher brauche das Unternehmen eine entsprechende Größe, um solche Aufträge zu stemmen.

Styr Group will weitere Investments holen

Diese Größe will die Styr Group auch mit Hilfe weiterer Investments erreichen. „Ich tu mir allerdings schwer zu sagen: Wir sind auf Investorensuche. Wir suchen Mitunternehmer“, meint der Gründer. Beim Wachstum verfolge man dann einen kooperativen Ansatz. „Wir sehen uns nicht als der Hai im Karpfenteich, sondern wir glauben, hier ist Platz. Hier ist Bedarf.“

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Die Pimcore-Geschäftsführer Dietmar Rietsch und Matthias Blauth (v.l.) © Pimcore

Der britische Private-Equity-Investor Tenzing steigt bei Pimcore ein: Wie Tenzing in einer Mitteilung bekannt gab, übernimmt das Unternehmen die Mehrheitsanteile, die bisher der Münchner Wachstumsfonds Nordwind Growth hielt. Laut Firmenbuchdaten hält der zu Nordwind gehörende NC Growth Fund I GmbH & Co. KG aktuell 73,25 Prozent an der Pimcore GmbH. Die Transaktion steht laut beiden Unternehmen noch unter Vorbehalt der Kartellbehörden.

Salzburger Unternehmen für Datenverwaltung

Pimcore wurde 2009 in Salzburg gegründet und bietet eine Plattform für die Verwaltung von Produkt-, Kunden- und Asset-Daten. Laut Tenzing laufen mehr als 120.000 Installationen und über 400 Unternehmenskund:innen auf der Software. Der Deal ist der nächste Schritt in der Finanzierungsgeschichte, über die brutkasten mehrfach berichtet hat.

2018 investierte die Münchner Auctus Capital 3,5 Mio. US-Dollar in das Open-Source-Tool. 2022 sicherte sich Pimcore eine Series-B-Runde über zwölf Mio. US-Dollar, die Nordwind Growth anführte und sich damit die seither bestehende Mehrheitsbeteiligung sicherte, mit dem Ziel, die globale Expansion des Salzburger Unternehmens voranzutreiben. Rund zehn Monate später folgte die Eröffnung eines deutschen Standorts in Langenfeld sowie die Erweiterung des Management-Teams durch Matthias Blauth.

Zweites DACH Investment für Tenzing

Tenzing begründet den Einstieg mit dem wachsenden Bedarf an kontrollierten Unternehmensdaten für KI-Anwendungen. Milan Kellner, Investment Lead bei Tenzing, wird in der Mitteilung zitiert: Pimcore habe „etwas Seltenes geschaffen – eine einzige Plattform, die Unternehmen eine verlässliche Version ihrer Produkt-, Kunden- und Asset-Daten liefert, während die meisten Mitbewerber nur einen Teilbereich abdecken.“

Finanziert wird die Übernahme aus Tenzings 900 Millionen Pfund schwerem Fund III, aus dem der Investor seit 2023 investiert. Pimcore ist Tenzings zweite Investition im DACH-Raum nach dem IT-Dienstleister Mahr EDV.

Persönliches Schreiben der Pimcore-Geschäftsführer

In einem Blogbeitrag ordnen die Co-CEOs Dietmar Rietsch und Matthias Blauth die Übernahme ein: Unverändert blieben der offene Plattform-Kern („Open-Core“), das freie Deployment (Cloud, On-Premise, PaaS), die Führung durch die beiden Co-CEOs sowie die Produkt-Roadmap rund um die „Data Spine“-Strategie und die KI-native Weiterentwicklung.

Mehr Ressourcen für internationales Wachstum

Was sich laut den Geschäftsführern ändert, sind vor allem die Ressourcen für internationales Wachstum: Tenzing bringe mit rund 1,7 Milliarden Pfund verwaltetem Vermögen, 20 Portfoliounternehmen und Standorten in London, Stockholm und München zusätzliche Reichweite, um die Skalierung, auch über Zukäufe, voranzutreiben. Zudem kündigt man mehr Investitionen in Partner-Enablement, Zertifizierungen und gemeinsame Vermarktung mit dem bestehenden Ökosystem an.

Den bisherigen Investor Nordwind Growth würdigen Rietsch und Blauth für den Umbau vom Open-Source-Projekt zum Enterprise-Softwareunternehmen: In den knapp vier Jahren seit dem Einstieg sei der jährlich wiederkehrende Umsatz um mehr als das Fünffache gewachsen, das Unternehmen operativ profitabel geworden und ein Standort in Nordamerika aufgebaut worden.

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