08.02.2023

Studie: Das bringt Unternehmen die Vier-Tage-Woche

Der Arbeitsmarkt ist im Wandel. Eine neue Studie gibt nun Aufschluss darüber, wie sich eine Vier-Tage-Woche für Arbeitgeber auswirkt.
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(c) AdobeStock: Von einer Vier-Tage-Woche könnten auch Unternehmen profitieren.
(c) AdobeStock Von einer Vier-Tage-Woche könnten auch Unternehmen profitieren..

Weniger arbeiten bei gleichem Gehalt – dieses Angebot würden wohl viele Arbeitnehmer:innen ohne zu zögern annehmen. Eine nun durchgeführte Studie zeigt jedoch, welchen Einfluss eine Vier-Tage-Woche auf Arbeitgeber:innen hat.

Eine von der Non-Profit-Initiative „4 Day Week Global“ in Auftrag gegebene Studie untersuchte 33 Unternehmen in den USA, Australien, Irland, Großbritannien, Neuseeland und Kanada. Diese haben für sechs Monate die Vier-Tage-Woche getestet. Die knapp 1.000 Angestellten der Unternehmen arbeiteten ohne Einkommensverlust statt 40 nur mehr 32 Stunden pro Woche.

Weniger Krankentage, mehr Produktivität

Das Ergebnis zeigt, dass auch Arbeitgeber:innen von dem Modell profitieren könnten. Die Krankenstandstage pro Angestellten pro Monat sanken von durchschnittlich 0,56 auf 0,37. Generell zeigten sich die Unternehmen sehr zufrieden mit dem Versuch. So bewerteten die teilnehmenden Firmen das Projekt durchwegs als gelungen.

Auf einer Skala von 0 (sehr negativ) bis 10 (sehr positiv) bewerteten die Unternehmen den Einfluss der 4-Tage-Woche auf ihren Arbeitsalltag durchschnittlich mit 9.0. Die Auswirkungen auf die Produktivität bewerteten sie im Schnitt mi 7,6. Bei einigen Unternehmen war die Produktivität währen der Testphase gestiegen.

18 Unternehmen haben die Vier-Tage-Woche auch nach Ablauf der Testphase beibehalten, sieben planen eine Umsetzung in der Zukunft. Je ein Unternehmen ist unentschlossen bzw. denkt eher über eine Vier-Tage-Woche zu einem späteren Zeitpunkt nach. Von sechs Unternehmen erhielten die Autor:innen der Studie keine Rückmeldung über die Erfahrungen.

Work-Life-Balance als großer Benefit

Neben den Arbeitgeber:innen haben auch die Angestellten positive Erfahrungen mit dem Projekt gemacht. Zwei Drittel berichteten, sich weniger ausgebrannt zu fühlen. Dem standen jedoch 20 Prozent der Befragten gegenüber, die sich sogar stärker ausgebrannt fühlten.

Zudem gab knapp die Hälfte der Belegschaft (44 Prozent) an, dass ihre Zufriedenheit im Beruf durch das Projekt gestiegen ist. Für 27 Prozent verschlechterte sich hingegen ihre Beziehung zum Arbeitsplatz. Positiv merkten 60 Prozent der Angestellten an, dass sich ihre Work-Life-Balance verbessert hätte.

KTM beendete Vier-Tage-Woche

Gesetzlich geregelt ist die Vier-Tage-Woche derzeit in keinem Land. In Island arbeiteten Ende 2022 aber bereits 86 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in anderen Zeitmodellen als der uns bekannten Vollzeitbeschäftigung.

In Österreich bieten einige Firmen ebenfalls eine Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich an. Auch die KTM-Produktion in Mattighofen testete zuletzt das Modell und hatte damit durchaus positive Erfahrungen gemacht. So seien während der viermonatigen Phase Krankenstände rückläufig gewesen. Das Unternehmen hatte die Arbeitszeitverkürzung allerdings nur eingeführt, um Kapazitätsspitzen abzudecken. Im Frühjahr sei dies nun nicht mehr notwendig, somit wurde die Vier-Tage-Woche wieder beendet.

Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?

„4 Day Week Global“ ist eine gemeinnützige Gemeinschaft, die vom Unternehmer Andrew Barnes und der Investorin Charlotte Lockhart gegründet wurde, um eine Plattform für Gleichgesinnte zu schaffen, die die Idee der 4-Tage-Woche als Teil der Zukunft der Arbeit unterstützen wollen.

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v. l. n. r. Stefan Kampusch (AURIMOD GmbH), Leonardo Peikoff (KPMG), Daniela Haunstein, Nikolaus Futter (beide invest.austria), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus), Christian Tauber (NEOALP), André Felker (backbone.one), Lea Krebs (fibionic GmbH), Michael Reip (openmaind) und Benjamin Behr (KPMG) | Foto beigestellt von KPMG

Der Austrian Tech Innovator wird von KPMG veranstaltet und soll österreichischen Startups und Scaleups eine Bühne vor Publikum aus Wirtschaft und Investor:innen bieten. Heuer ging der Sieg an die Aurimod GmbH. Das Unternehmen entwickelt ein tragbares Gerät zur Vagusnerv-Stimulation am Ohr, mit dem Schmerzen ohne Medikamente behandelt werden sollen.

„Unser Ziel ist, Betroffenen eine wirksame Ergänzung zu herkömmlichen Schmerzbehandlungen anzubieten. Mittels Vagusnerv-Stimulation am Ohr können Schmerzen wie beispielsweise chronische Rückenschmerzen, Migräne oder akute postoperative Schmerzen nachhaltig behandelt werden“, erklärt Stefan Kampusch, CEO von Aurimod.

Seit Herbst letzten Jahres tritt das Unternehmen unter einer Doppelspitze auf: Manuel Leal Garcia, seit Mitte 2024 Head of Business Development, wurde zum Chief Commercial Officer und Co-Geschäftsführer neben Kampusch bestellt. Er verantwortet Vertrieb, Marketing und das internationale Geschäft, mit Fokus auf Deutschland, die Schweiz, Großbritannien sowie weitere europäische und nordamerikanische Märkte.

Ticket für den Global Tech Innovator

Mit dem Sieg hat sich Aurimod auch die Teilnahme am Global Tech Innovator gesichert. Dort tritt das Unternehmen gegen die Gewinner:innen der anderen teilnehmenden Länder an. Das internationale Finale findet zum sechsten Mal im Rahmen des Web Summit in Lissabon statt.

„Sichtbarkeit, ein starkes Netzwerk, professionelle Begleitung und ein klarer Blick auf den Markt können den entscheidenden Unterschied machen, um als Startup auch globale Reichweite zu erlangen“, sagt Benjamin Behr, Director im Bereich Advisory bei KPMG und Host des Abends.

Neoalp, fibionic und openmaind unter den Finalisten

Neben Aurimod standen vier weitere Unternehmen im Finale. Drei davon sind brutkasten-Leser:innen bereits bekannt:

Das Wiener Startup Neoalp entwickelt eine vendor-neutrale Operations-Plattform für industrielle humanoide Robotik. Anfang des Jahres berichtete brutkasten, wie das Startup Semperit bei der Einführung humanoider Roboter in der Fertigung unterstützt, gemeinsam mit Projektpartner Cancom.

Das Tiroler Startup fibionic aus Götzens setzt mit seinem patentierten Verfahren „fibionic fiber placement“ auf bionisch inspirierten Leichtbau: Fasern werden gezielt entlang realer Lastpfade ausgerichtet, das Vorbild sind Strukturen wie die Flügel einer Libelle. Im März holte sich das 2021 gegründete DeepTech-Startup drei Millionen Euro, angeführt von Redstone und Euregio+.

Das Grazer Startup openmaind arbeitet an einer KI-basierten Intelligence-Layer für industrielle Robotikprozesse. Die Software vernetzt autonome Transportroboter unterschiedlicher Hersteller in Produktionshallen und lässt sich per natürlicher Sprache steuern. Im Herbst 2025 stieg KaPa Ventures mit einem mittleren sechsstelligen Betrag ein. Die Mitgründer Michael Reip und Christoph Zehentner hatten 2021 bereits ihr Unternehmen Incubed IT an Verizon verkauft.

Vierter Finalist war die backbone.one GmbH, die eine digitale Infrastruktur für erneuerbare Energie entwickelt und das Konzept „Energy-as-a-Currency“ verfolgt.

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