13.01.2026
INSOLVENZ

Strom-Boje: NÖ-Wasserkraft-Startup beantragt Sanierung

Das 2015 gegründete Unternehmen erlangte u.a. durch einen Auftritt bei "2 Minuten 2 Millionen" Bekanntheit. Der angepeilte Durchbruch der neuartigen Wasserkraft-Technologie gelang bislang nicht.
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Strom-Boje, 2 Minuten 2 Millionen, Strömungskraftwerk
(c) Aqua Libre - Die Strom-Boje von Fritz Mondl.

Konstanter Strom für 70 Haushalte aus Fluss-Wasserkraft, ohne dabei einen Damm errichten zu müssen. So lässt sich das Konzept der „Strom-Boje“ des niederösterreichischen Startups Aqua Libre knapp zusammenfassen. Eine Fließgeschwindigkeit von mindestens zwei Metern pro Sekunde und eine Wassertiefe von mindestens zweieinhalb Metern sind die Voraussetzungen für den Betrieb der raketenförmigen Aggregate.

Durchbruch für Strom-Boje blieb bislang aus

In jahrelanger Entwicklungsarbeit wurde das System vom Team rund um Gründer Fritz Mondl immer weiter verbessert und laut Unternehmen zur Marktreife gebracht. Auf dem Weg gab es nicht nur viele Preise und Anerkennung, sondern auch zahlreiche Hürden. Zum angepeilten Durchbruch kam es bislang nicht – brutkasten berichtete zuletzt 2024 anlässlich eines Auftritts bei „2 Minuten 2 Millionen“.

Und seitdem wurde es für das Startup und den Gründer dem Vernehmen nach nicht einfacher. Eine Ausschreibung durch die Bundesgesellschaft ViaDonau, die endlich den ersten Großauftrag gebracht hätte, wurde im ersten Anlauf nicht gewonnen (mehr dazu unten). Zahlungen konnten teilweise schon länger nicht geleistet werden, man wurde sich aber mit den Gläubiger:innen einig.

Sanierungsantrag: Ein Gläubiger beantwortete Zahlungsangebot nicht

Doch nun brachte Aqua Libre einen Sanierungsantrag ohne Eigenverwaltung ein, wie die Kreditschutzverbände vermelden. Vorgesehen ist eine Quote von 20 Prozent. Auf der Unternehmens-Website heißt es dazu, man habe den Antrag stellen müssen, „weil ein einziger Gläubiger es ‚wegen der Urlaubszeit‘ nicht rechtzeitig schaffte, unser am 12. Dezember gesendetes Zahlungsangebot vor Stichtag 9. Jänner zu beantworten. Wir mussten daher in Abstimmung mit unseren Gesellschaftern, um nicht die Frist zu versäumen, ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragen, das heute veröffentlicht wurde.“

Und weiter: „Wir werden uns selbstverständlich bemühen, die angebotene Quote zu erfüllen, brauchen aber dazu die Unterstützung einer bestimmten öffentlichen Körperschaft, die uns bisher verwehrt wurde, und natürlich brauchen wir weiterhin das Wohlwollen unserer Anleihezeichner und vor allem des sehr verehrten Herrn Bürgermeisters von Korneuburg, diese Projekte doch noch in der projektierten Form zu realisieren.“

Bewerbung bei Ausschreibung wegen zwei Megabyte abgelehnt

Auf Rückfrage stellte Gründer Fritz Mondl brutkasten auch den Sanierungsantrag zu Verfügung. Hier listet das Unternehmen Verbindlichkeiten von in Summe mehr als einer Million Euro auf und geht noch deutlich weiter ins Detail zu den Vorkommnissen, die zur Insolvenz führten. Bei der erwähnten Ausschreibung durch die Bundesgesellschaft ViaDonau für ein Projekt in Korneuburg sei Aqua Libre demnach zunächst der einzige Anbieter gewesen. „Der [Zuschlag] wurde uns aber völlig unerwartet und unter Vorgabe eines nicht nachvollziehbaren Grundes, nämlich der angeblichen Überschreitung eines Datenvolumens der Abgabedokumente um 2 MB verwehrt […]“, heißt es im Sanierungsantrag. In einer zweiten Ausschreibung sei dann ein neuer Anbieter „aufgetaucht“, der diese gewonnen habe, „obwohl er nachweislich kein funktionierendes Aggregat vorweisen konnte“.

Hoffnungen ruhen weiterhin auf ViaDonau als Projektpartner

Auch im Zuge der Sanierung ruhen die Hoffnungen des Startups aber weiterhin auf Projekten mit ViaDonau. „Eine Quote von 20 Prozent aller Verbindlichkeiten könnte nun erreicht werden, weil es in der ViaDonau entscheidende Personaländerungen gegeben hat (die für unsere Niederlage verantwortliche Person wurde gekündigt) und mit dem Nachfolger ist eine neue Vereinbarung anzustreben und realistisch, sodass es doch noch zu der benötigten Auftragssumme kommen könnte“, heißt es im Sanierungsantrag. Hierbei soll das besagte Projekt in Korneuburg sogar noch erweitert werden. Zudem strebt man weitere Projekte im Zuge der Partnerschaft an.

Weiter unten heißt es dann: „Wir rechnen nach erfolgreicher Umsetzung des Referenzprojektes in Korneuburg mit dem Verkauf an einen großen Marktteilnehmer.“ Bis dahin sollen untern anderem auch die Gespräche mit möglichen weiteren Kapitalgebern intensiviert werden. Geld für die Serienproduktion soll zudem über Anzahlungen für das Projekt hereinkommen. Die bestehenden Gläubiger:innen seien indes vorerst weiterhin mit Stundungen einverstanden.

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Fiskaly aus Wien wurde dieses Jahr von EY zum „Scaleup of the Year“ gekürt, wie brutkasten berichtete. Die Zahlen und Fakten zeigen, warum: Das 2019 gegründete Unternehmen wuchs im vergangenen Geschäftsjahr um 60 Prozent und ist profitabel. Es beschäftigt mehr als 150 Mitarbeitende, ist in acht EU-Ländern aktiv, betreut dort rund 1.900 B2B-Kunden mit mehr als einer Million POS-Systemen (Point of Sale) und ist Marktführer in Deutschland.

Nun verkündete das auf Fiskalisierung spezialisierte Unternehmen, das sich am „Sprung vom Scaleup zum etablierten Infrastrukturanbieter“ sieht, einen bedeutenden Neuzugang: David Feichter wird Co-CEO neben Johannes Ferner, der fiskaly gemeinsam mit Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz gegründet hat.

Vom „allerersten Kunden“ zum Co-CEO

Die Vorgeschichte ist dabei durchaus ungewöhnlich. Feichter war 2019 als CEO des deutschen POS-Anbieters orderbird der „allererste Kunde“ des Wiener Unternehmens. Damals verhandelte er den Deal mit Ferner. Erst in diesem Frühjahr gab Feichter die Führung von orderbird, mittlerweile Teil der Nexi Group, an Dirk Schmidt ab.

Die Doppelspitze soll fiskaly nun als „nächste Stufe der Unternehmensführung“ durch die nächste Wachstumsphase bringen. „Sich die Rolle des CEO zu teilen, ist eine strategische Entscheidung, die es uns ermöglicht, unsere sich ergänzenden Stärken optimal zu nutzen und das Wachstum fokussierter und strukturierter zu beschleunigen“, kommentiert Ferner. Und ergänzt: „Das ist ein Erfolg, auf den ich besonders stolz bin. Es ist ein Beweis dafür, dass in Österreich gemachtes Wachstum nach wie vor möglich ist.“

Weitere Akquisitionen geplant

Konkret soll Feichter den operativen Betrieb und die Skalierung der Organisation verantworten, während sich Ferner auf internationale Partnerschaften, Akquisitionen und die externe Repräsentation konzentriert. „Fiskaly hat sich eine starke Position im Bereich Transaction Compliance erarbeitet und das Ausmaß der Marktchance aufgezeigt. Unser Ziel ist es, diese Führungsposition weiter auszubauen und zu definieren, wohin sich die Kategorie als Nächstes entwickelt“, sagt Feichter.

Fiskaly kündigt zudem an, im Bereich M&A aktiv zu bleiben. Man baue auf der bisherigen Akquisitionsbilanz auf, „um schnell handeln zu können, sobald sich in Europa die richtigen Gelegenheiten bieten“. Bisher übernahm fiskaly die Deutsche Fiskal GmbH und Infrasec Sweden AB. 2024 hatte fiskaly mit Verdane einen großen Private-Equity-Investor an Bord geholt, der auch Kapital für Übernahmen bereitstellt.

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