12.05.2025
CORPORATE VENTURING

Strabag will eigenen Corporate VC noch nicht bestätigen

Der Bauriese Strabag baut laut Medienberichten einen Corporate VC auf. Auf brutkasten-Anfrage hält man sich beim Konzern jedoch vage.
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Die Strabag-Zentrale in Wien | (c) Andreas Buchberger / Strabag
Die Strabag-Zentrale in Wien | (c) Andreas Buchberger / Strabag

Die Raiffeisenbank International (RBI) und Verbund haben jeweils einen, Uniqa war Vorreiter und lässt seinen nun wieder auslaufen und Red Bull kündigte kürzlich einen an: die Rede ist von einem Corporate VC, also einer Konzerntochter, die als Beteiligungsgesellschaft in Startups investiert. Die heimische Corporate-VC-Landschaft ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen – mit Red Bull als jüngstem Beispiel. Schenkt man aktuellen Medienberichten Glauben, arbeitet auch Bauriese Strabag nun an einer eigenen Beteiligungsgesellschaft.

Stellenausschreibung ohne Firmenname

Dazu findet sich eine Stellenausschreibung für den Posten als Managing Director eines neuen Venture Funds in Wien im Netz. In dieser wird der Name des Unternehmens nicht genannt, sie soll aber Strabag zuzuordnen sein. Die gesuchte Person soll laut Ausschreibung von Grund auf einen Venture-Fund im Seed- und Series-A-Bereich aufbauen.

„Eine Option, die wir prüfen“

Auf brutkasten-Anfrage hält man sich in der Presseabteilung der Strabag SE jedoch ausgesprochen vage: Der Corporate VC sei „eine Option, die wir prüfen“.

Und etwas ausführlicher, aber eben so unkonkret:

„Wir sind durch unsere Strategie 2030 bekannt dafür, dass wir intensiv mit Innovationen ergo dessen auch innovativen Startups, Nachhaltigkeit und Digitalisierung beschäftigen. Das führt zu Investitionen aber auch intensiver Zusammenarbeit, wie es bei den bereits von Ihnen genannten Beispielen auch der Fall ist, genauso wie wir Partnerschaften mit technischen Universitäten pflegen.

So wie wir uns permanent mit neuen Geschäftsfeldern, wie zum Beispiel im Energiesektor, und neuen Märkten beschäftigen, prüfen wir selbstverständlich auch verschiedene Optionen, wie wir unsere Startup-Kooperationen auch in Zukunft nachhaltig aufstellen können.“

Strabag bislang mit größeren Scaleup-Investments

Strabag hat in der Vergangenheit bereits einige Startup-Investments getätigt, etwa in die deutschen Scaleups Schüttflix und CMBlu Energy. In den beiden Fällen handelte es sich um acht- bzw. neunstellige Later-Stage-Finanzierungsrunden. Folgt man dem Profil in der Stellenausschreibung, dürfte der mögliche neue Venture-Fonds dagegen in früheren Phasen ansetzen. Mit Ex-Chef (2006 bis 2013) und (via Familienstiftung) zweitgrößtem Anteilseigner Hans Peter Haselsteiner als ehemaligem 2-Minuten-2-Millionen-Juror gibt es im Konzern auch einen Business Angel als gewichtige Stimme.

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(c) SecurITe

Manchmal beginnt eine Gründungsgeschichte mit einem Satz, der wie eine Drohung klingt. „Alles, was wir in der Cybersecurity haben, kannst du wegschmeißen. Es wird in ganz kurzer Zeit nicht mehr funktionieren.“ Das soll Manuel Nedbal im Herbst 2024 zu Herbert Stöger gesagt haben – als das Schlagwort „agentic AI“ noch kaum jemand kannte. Rund anderthalb Jahre später, sagen beide, sei genau das eingetreten. Und aus der Ansage ist ein Unternehmen geworden, das nun eine bemerkenswerte Finanzierungsrunde vermeldet.

SecurITe hat eine Seed-Runde im niedrigen zweistelligen Millionenbereich (Euro) abgeschlossen – für eine Frühphasenfinanzierung im österreichischen Kontext eine außergewöhnliche Größenordnung. Sie reicht laut Unternehmen, um die Produktentwicklung über rund 24 Monate durchzufinanzieren. Strukturiert wurde die Runde bewusst über einen europäischen Finanzpartner aus dem Family-Office-Umfeld, der vorerst nicht genannt werden möchte. Auch die bestehenden Gesellschafter zogen mit.

Herbert Stöger, Managing Director x-tention | (c) Thomsen Photography

Hinter SecurITe stehen zwei Akteure, die sich ergänzen: Nedbal, der zwölf Jahre im Silicon Valley Cybersecurity gebaut hat, und Stöger, Gründer und Eigentümer der österreichischen Health-IT-Gruppe x-tention. Das Startup ist aus dieser Partnerschaft entstanden – x-tention brachte den Zugang zum Gesundheitsmarkt und das Problemverständnis ein, Nedbal die Technologie. Eine klassische Ausgründung sei es nicht; x-tention zählt heute zu den bestehenden Gesellschaftern.

Eine Begegnung im Bezirk Amstetten

Die Geschichte dahinter ist die zweier Welten, die im Mostviertel zusammenfanden. Nedbals Stationen im Valley: McAfee (später von Intel übernommen), dann das eigene Startup ShieldX, das nach fünf Jahren an Fortinet verkauft wurde, wo er als VP of Engineering arbeitete. Zuletzt verantwortete er bei Google die Architektur der Cloud-Firewall. Im Zuge der Pandemie kehrte er nach Österreich zurück – ein Muster, das man damals bei einigen heimischen Tech-Talenten beobachten konnte. Dort wurde er über einen gemeinsamen Freund Stöger vorgestellt.

Manuel Nedbal – CEO SecurITe (links) und Bernhard Aigenbauer – COO SecurITe | (c) SecurITe

Dieser hatte x-tention 2001 mit sechs Mitarbeitern gegründet; heute zählt die Gruppe rund 850 Beschäftigte in Österreich, der Schweiz, Deutschland und England sowie ein Office im Silicon Valley. Tief im Bereich Gesundheits-IT verankert, deckt x-tention Datenmanagement, ELGA, Konnektivität und Managed Services ab und betreut nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Kunden im Gesundheitswesen. Marktbedingungen, großes Problem, Marktzugang und Technologie seien „auf einmal zusammengekommen“ – Nedbal nennt es eine „Textbuchvorlage für ein Startup“. Heute verteilt sich das rund 50-köpfige Team auf Österreich, Silicon Valley und Bangalore.

Krankenhäuser als verwundbarster Punkt

Warum ausgerechnet Healthcare? Der Sektor sei von der Cybersecurity-Industrie „vergessen“ worden, argumentiert Nedbal – weil dort andere Regeln gelten. Klassische Schutzmechanismen ließen sich auf medizinischen Geräten und in klinischen Netzen nicht so einsetzen wie in der Enterprise-IT. Hinzu komme, dass während der Pandemie eine Hemmschwelle gefallen sei: Krankenhäuser würden heute ohne Schonung attackiert – rund um die Uhr.

Hier setzt das Resilienz-Argument der Gründer an: Krankenhäuser seien ein Paradebeispiel für kritische Infrastruktur, deren Absicherung längst keine rein technische Frage mehr sei, sondern eine der europäischen Souveränität. Die Sorge: Erkenntnisse über neue, KI-getriebene Angriffsmuster zirkulierten oft nur in einem begrenzten Kreis großer US-Anbieter – Krankenhaussoftware-Hersteller und europäische Institutionen seien dabei selten am Tisch. Eine eigenständige europäische Antwort, die nicht aus den USA, Israel oder China komme, sieht das Team daher als Chance. Konsequenterweise habe man auch die Finanzierung „aus Europa und für für das globale Wachstum“ gestemmt – die IP bleibe aber in Europa.

Die nächste Bedrohungsstufe sieht SecurITe in autonomen Agenten: Setzen Kliniken selbst KI-Agenten ein, könnten diese sich fehlverhalten; ein Angriff durch autonome Agenten sei zudem um ein Vielfaches gefährlicher als von einem menschlichen Akteur. Genau hier setzt das Produkt agentis360 an: Statt auf eine zentrale Instanz setzt es auf eigene Sensoren und kleine KI-Modelle, die direkt in der Infrastruktur sitzen und das Verhalten von Systemen und Agenten laufend auf Auffälligkeiten profilieren. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen die Produktentwicklung vorantreiben und parallel internationalen Vertrieb sowie Partnerschaften aufbauen – mit Europa als Ausgangspunkt und dem globalen Rollout für kritische Infrastruktur als nächstes Ziel.

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