04.02.2021

Storyblok: 7 Mio. Euro Investment für Linzer WordPress-Herausforderer

Angeführt wird die Series A-Kapitalrunde von Mubadala Capital. Auch die bestehenden bestehenden Investoren firstminute Capital und 3VC (vormals capital300) ziehen mit.
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Storyblok: Die Gründer Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer
(c) Storyblok: Die Gründer Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer

Laut Schätzungen basieren rund zwei Drittel des Internets auf WordPress. Sich genau dieses Unternehmen als Konkurrenz auszusuchen wirkt also gewagt. Doch wer denkt, es sei unmöglich, wird vom Linzer Startup Storyblok eines Besseren belehrt. Dieses gewann bislang etwa Unternehmen wie Pizza Hut, Adidas, Decathlon, UPC, Calida, Marley Spoon AG und McMakler als Kunden.

Das Zauberwort heißt „Headless CMS“ – also ein Plattform-unabhängiges Content Management System, mit dem Inhalte von einem Backend auf unterschiedlichste Oberflächen gestreamt werden können. Im Gegensatz zu allen weltweiten Mitbewerbern spreche man mit dem eigenen Produkt nicht nur Entwickler, sondern auch Business-Anwender, Marketing-Mitarbeiter und Content-Editoren an, heißt es vom Startup.

„Die Marketingwelt befindet sich im Umbruch. Fragmentierte Kanäle und ein sich schnell änderndes Verbraucherverhalten als Folge der Corona-Pandemie haben es viel schwieriger gemacht, Markenbotschaften effizient und schnell über mehrere Plattformen hinweg einheitlich zu halten. In der Theorie löst die Headless-CMS-Technologie viele dieser Probleme, in der Praxis sind die meisten Plattformen aber nur auf Entwickler ausgerichtet, was sie in der Bedienung für Nicht-Techniker unglaublich schwierig macht. Storybloks Lösung vereint die jeweiligen Bedürfnisse von Redakteuren und Entwicklern, was uns eine einzigartige Marktposition verschafft und zu einem schnellen Wachstum geführt hat“, sagt Dominik Angerer, Mitbegründer und Geschäftsführer von Storyblok.

Storyblok: Millioneninvestment nach starkem Wachstum 2020

Und das angesprochene Wachstum ist beachtlich: 2020 verzeichnete man nach eigenen Angaben einen sechsfachen Zuwachs an Unternehmenskunden und steht nun bei mehr als 60.000 Projekten in 130 Ländern. Überzeugt werden konnte damit nun auch Mubadala Capital, eine staatliche Investmentgesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, die unter anderem bereits bei TIER Mobility und Cazoo investiert ist. Der Investor übernimmt den Lead in einer Series A-Finanzierungsrunde über 8,5 Millionen US-Dollar (ca. 7 Mio. Euro). Ebenfalls beteiligt sind die Storyblok-Bestandsinvestoren firstminute Capital und 3VC (ehem. Capital300).

Fatou Bintou Sagnang, Direktorin bei Mubadala Capital Ventures tritt auch dem Vorstand von Storyblok bei. „In einem riesigen, aber relativ homogenen Markt hat uns Storyblok mit einem sich wirklich abgrenzenden Produkt beeindruckt, das sowohl bei kleinen als auch großen Unternehmen Anklang findet. Storybloks organisches Wachstum ist ein Beweis für die Kundenliebe sowohl von Entwicklern als auch von Business-Anwendern“, kommentiert sie.

Expansion nach Deutschland und Irland

Man wolle das Geld für den Ausbau der Plattform nutzen, heißt es vom Startup. Dazu gehöre ein neues benutzerfreundliches Design-System für Technologie- und Service-Partner, der Start eines Partnerprogramms, Geostandortfilterung und GraphQL-Unterstützung. Darüber hinaus werde das Unternehmen sein internationales Team vergrößern und mit der globalen Expansion starten. Im Zuge dessen sollen in den kommenden Monaten Vertriebsbüros in Deutschland und Irland eröffnet werden.

Angerer kommentiert: „Wir freuen uns sehr über die Unterstützung von Mubadala Capital, um den nächsten großen Schritt unserer Reise mit der internationalen Expansion und einer Überarbeitung unserer Plattform zu gehen. Sowohl Deutschland als auch Irland haben eine pulsierende Tech-Szene und es herrscht eine große Nachfrage nach Marketing-Technologien“.

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(c) Verena Nageler

Mit vierundzwanzig habe ich einen großen Teil meines Ersparten in ein Wiener Mobility-Startup gesteckt. Verrückt, ich weiß, aber ich habe verdammt viel gelernt, als ich am Tisch mit namhaften Business Angels aus Österreich und VCs wie Elevator Ventures, Uniqa Ventures und dem aws Gründerfonds sitzen durfte. Die Firma hieß goUrban, eine Plattform für Car- und Micro-Mobility-Sharing und für die Digitalisierung von Firmenflotten. Im September 2024 wurde goUrban von Wunder Mobility übernommen.

Geblieben ist mir aus dieser Zeit vor allem eine Lektion. Sie kommt in der aktuellen Debatte über autonomes Fahren fast nie vor: Ein Fahrzeug ist noch kein Geschäftsmodell.

Beim Sharing entscheidet nämlich nicht die App. Fahrzeuge wollen geladen, gereinigt, gewartet und umverteilt werden. Sie müssen dort stehen, wo in zwanzig Minuten jemand sucht. Stehen sie falsch, kosten sie Geld. Sind sie defekt, ist die Kund:in weg. Bleibt die Auslastung aus, hilft die beste Technologie nichts.

Beim autonomen Fahren ist und wird das nicht anders sein. Die Person am Steuer kann verschwinden. Der Betrieb bleibt ja trotzdem.

Die USA und China machen es logisch, aber anders

Die USA und China skalieren autonome Mobilität dort, wo Dichte, große Flotten und zahlungsbereite Kund:innen zusammenkommen. Das Robotaxi ist als individuelles Produkt gedacht und fährt zuerst in den Gebieten, in denen sich der Betrieb rechnet. Das ist logisch und funktioniert dort auch.

Bei uns sind die Voraussetzungen andere. Wir haben ein dichtes öffentliches Netz, starke Verkehrsverbünde und die politische Erwartung, dass Mobilität auch dort funktioniert, wo sie sich betriebswirtschaftlich nicht ausgeht.

Ein europäisches Waymo zu bauen, löst diese Frage nicht. Der Bahnhof im Seitental, der Weiler am Dienstagabend, der Tourismusort im November: Da fehlt kein weiteres einzelnes Fahrzeug. Da fehlt das System, das dieses Fahrzeug in den öffentlichen Verkehr einhängt.

Die spannendste europäische Position liegt für mich deshalb nicht im Technologie-Layer. Sie liegt bei denen, die Flotten betreiben, Nachfrage bündeln, Fahrten disponieren, Fahrzeuge laden und warten, Schnittstellen zu den Verbünden bauen und Gemeinden, Betriebe und Behörden an einen Tisch bekommen. Also bei der unglamourösen Arbeit.

Ohne Nachfrage keine Skalierung

Autonome Fahrzeuge rechnen sich erst, wenn sie regelmäßig fahren. Und genau hier wird der Tourismus unterschätzt.

Eine Destination bündelt Nachfrage räumlich und zeitlich. Samstagvormittag kommen die Gäste an denselben zwei, drei Bahnhöfen an. Sie fahren zu einer überschaubaren Zahl an Unterkünften, Bergbahnen, Veranstaltungsorten und Ausflugszielen. Diese Wege sind planbarer als die einer beliebigen Stadtbevölkerung. Wir sehen das in unseren Daten immer wieder.

Ein einzelnes Hotel wird trotzdem nie eine autonome Flotte aufbauen. Eine Region kann es. Sie kann die Nachfrage aus Beherbergung, Freizeitwirtschaft, Bevölkerung und öffentlichem Verkehr zusammenlegen. Aus einzelnen Fahrten wird ein Bediengebiet, aus dem Pilotprojekt ein Angebot, das bleibt. Und die Einheimischen fahren mit. Das ist der Punkt, an dem Konnektivität das Leben am Land wieder attraktiver macht.

Nur: Irgendwer muss diese Struktur aufsetzen. Wer übernimmt die Buchung? Wer garantiert den Anschluss, wenn der Zug 18 Minuten Verspätung hat? Wer zahlt die schwachen Zeiten? Wem gehören die Daten? Wer haftet, wenn eine Fahrt ausfällt? Und wer entscheidet, ob das Fahrzeug zum gut ausgelasteten Bahnhof fährt oder zum Betrieb am Ende des Tals?

Das klingt weniger nach Zukunft als Sensorik und Fahrzeugmodelle. Wirtschaftlich entscheidet es mehr.

Menschen steigen nicht wegen der Technik um

Das beste Angebot scheitert, wenn es niemand nutzt. Und die Rolle des Klimabewusstseins wird dabei gehörig überschätzt.

Der Gast lässt das Auto nicht stehen, um ein guter Mensch zu sein. Er lässt es stehen, wenn die Alternative bequemer ist und er sich darauf verlassen kann. Wenn sie günstiger ist, umso besser.

Der Urlaub ist dafür ein guter Moment. Menschen sind aus ihren Routinen raus, probieren Sachen aus, organisieren ihre Wege ohnehin neu. Ob das zuhause nachwirkt, ist noch nicht ausreichend belegt, da würde ich mich nicht zu weit hinauslehnen. Für eine Destination reicht der Urlaub trotzdem: Hier lässt sich zeigen, dass es ohne eigenes Auto geht, ohne dass sich jemand einschränken muss.

Die Technologie macht es möglich. Genutzt wird sie erst, wenn sie im Alltag der Gäste die bequemere Variante ist.

Wer das System organisiert, dem gehört der Markt

Europa pilotiert viel und skaliert wenig. Das liegt nicht nur an Regulierung und technischer Vorsicht. Meistens fehlt jemand, der aus Fahrzeug, öffentlichem Verkehr, touristischer Nachfrage und regionaler Verantwortung ein Produkt macht.

Waymo wird uns das nicht bauen. Und auch kein europäischer Fahrzeughersteller wird entscheiden, wie der Gast vom Bahnhof in ein österreichisches Seitental kommt.

Die unternehmerische Chance liegt zwischen den Zuständigkeiten. Sie gehört denen, die Betreiber, Verkehrsverbünde, Destinationen, Gemeinden und Betriebe koordinieren und daraus ein Angebot machen, das an einem Dienstag im November genauso funktioniert wie am Anreisesamstag im Winter.

Wer damit anfangen will, braucht dafür übrigens kein autonomes Fahrzeug. Es reicht, in einer Region die Fragen von oben zu beantworten: Buchung, Anschluss, Finanzierung der schwachen Zeiten, Daten, Haftung. Wer das geklärt hat, ist bereit, wenn die Fahrzeuge kommen. Die anderen pilotieren dann noch.

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