02.12.2019

2,5 Mio. US-Dollar Investment für Linzer Startup Storyblok

Mit seinem Headless Content Management System will das Linzer Startup Storyblok unter anderem WordPress Konkurrenz machen. Für das Wachstum holte man sich nun eine 2,5 Millionen US-Dollar-Kapitalspritze von capital300, firstminute Capital und Founders Factory.
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Storyblok: capital300, firtminute Capital und Founders Factory investieren 2,5 Millionen US-Dollar
(c) Storyblok: Dominik Angerer, Albert Ortig und Alexander Feiglstorfer

Rund ein Drittel des gesamten Internets basiert bekanntlich auf WordPress. Das Linzer Startup Storyblok hat sich mit seinem Headless Content Management System (CMS) also einen mächtigen Konkurrenten ausgesucht. Dabei lässt man keine Gelegenheit aus, die Unterschiede zu betonen. „Durch die ‚Headless-Architektur‘ können Inhalte für mehr als eine einzige Website genutzt werden. Das unterscheidet sie von monolithischen CMS wie WordPress. Mit Storyblok können Inhalte auf iOS und Android Apps sowie auf verschiedenen anderen gewünschten Plattformen, etwa IoT, Smartwatches und AR/VR, über APIs ausgespielt werden“, heißt es vom Startup.

+++ aktuelle Startup-Investments +++

„Wir trennen den Inhalt komplett von der Darstellung“

Das System soll einerseits Entwicklern die Flexibilität bieten, Inhalte einfach auf Webseiten und in Anwendungen einzubinden, andererseits Redakteuren ohne Programmierkenntnissen ermöglichen, eigenständig Inhalte zu bearbeiten. „Wir trennen den Inhalt komplett von der Darstellung und erlauben Entwicklern dadurch, die bei uns von Redakteuren gepflegten Inhalte auf jedem Medium unabhängig zu verwenden. Obwohl wir diese Trennung vornehmen haben wir es geschafft, eine Brücke zwischen den Umsetzungen und dem Inhalt zu realisieren, die es den Redakteuren erlaubt, interaktiv mit den Umsetzungen deren Inhalte zu pflegen“, erklärt Co-Founder und CEO Dominik Angerer.

Storyblok: Kunden in 131 Ländern

Damit konnte man bereits zahlreiche Kunden gewinnen. „Storyblok wird aktuell in 131 Ländern verwendet. In den USA, Nord-Europa, Australien und China sehen wir aktuell den höchsten Anstieg an Zugriffen und Neuregistrierungen. Zu unseren Kunden gehören Brands wie Ingenico, Adjust, HD-Plus, Panini, Tribal Worldwide und Imagination“, erzählt Angerer. Zahlreiche weitere große Kunden dürfe man leider nicht nennen.

capital300, firstminute und Founders Factory steigen ein

Genaue Angaben zum damit erwirtschafteten Umsatz macht Angerer gegenüber dem brutkasten nicht – lediglich, dass man das Jahres-Ziel deutlich übertroffen habe. Die Zahlen dürften aber jedenfalls überzeugend sein. „Nur sehr wenige B2B-Startups erwirtschaften von Beginn an einen substanziellen Jahresumsatz – doch Storyblok ist eines davon“, sagt Sok-Kheng Taing, Mitgründerin von DynaTrace, Business Angelina und Vorsitzende des capital300 Investmentbeirats. capital300 investierte nun gemeinsam mit firstminute Capital und Founders Factory (beide mit Sitz in London) insgesamt 2,5 Millionen US-Dollar in Storyblok.

In den 100 Millionen US-Dollar Seed-Fonds von firstminute Capital sind unter anderem 30 Unicorn-Gründer sowie der Londoner VC Atomico und der chinesische Tech-Gigant Tencent investiert.

Kapital fließt in Personal und Sichtbarkeit

Das frische Kapital will Storyblok primär in Personal und „Sichtbarkeit“ investieren, wie Angerer ausführt: „Wir haben uns in den letzten Jahren stark darauf konzentriert, das Produkt zu optimieren, und zu automatisieren was möglich war. Unser Ziel ist es jetzt, die richtigen Talente, vor allem in den Bereichen Customer Success, Sales & Marketing, Branding und Integration Developer an Bord zu holen, um Storyblok noch weiter international aufzustellen“. In Sachen internationale Sichtbarkeit werde man jetzt einen großen Sprung machen. Zudem würden die Erweiterbarkeit des Produkts und Integrationen zu anderen Plattformen und Services sowie Übersetzungen in verschiedene Sprachen nun stärker in den Fokus rücken.

Klare Ansage zu Konkurrenz

„Wir waren bereits auf einem sehr guten Weg, können das jetzt eben dadurch unheimlich beschleunigen und weiter Fahrt aufnehmen“, sagt der Gründer. Dabei macht er auch eine klare Ansage in Bezug auf weitere Konkurrenten: „Unternehmen, die Produkte wie Adobe AEM, Sitecore, Oracle CMS und ähnliche Systeme verwenden, werden sich über uns freuen. Immerhin können sie mit unserer Lösung einiges an Geld sparen und effizienter werden“.

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Kasia Sadowska und Stephan Kreiger vom Founder Institute Austria beim Vibecoding-Hackathon in der AI Factory Austria AI:AT. (c) brutkasten

Rund 30 Leute sitzen an einem Abend Ende September vor ihren Laptops und arbeiten konzentriert. Der Schauplatz ist die AI Factory Austria AI:AT im sechsten Stock in der Karl-Farkas-Gasse, von hier blickt man auf eine Skyline, die in den vergangenen Jahren rundherum entstanden ist. Hier findet an diesem Abend der Vibecoding-Hackathon des Founder Institute Austria statt. Das Publikum ist bunt gemischt, nach Alter wie nach Background. Die Jüngsten seien Studierende um die 19 Jahre, sagt Kasia Sadowska, die das Austria-Chapter gemeinsam mit Stephan Kreiger leitet. Daneben sitzen erfahrene Berufstätige. Sie alle haben 60 Minuten Zeit, um aus einer Idee eine funktionierende App zu bauen.

„Wir überzeugen die Leute davon, dass es sehr einfach ist, alles zu bauen, was sie wollen, eine App oder eine Website, indem sie einfach in Worten beschreiben, was sie bauen möchten“, sagt Sadowska. Gebaut wird mit dem KI-Tool Lovable, danach pitchen alle ihr Ergebnis. Laut Eventbeschreibung winkt der besten Idee ein Platz im Bootcamp des Founder Institute.

Für Kreiger, Director des Founder Institute Austria, zeigt dieser Abend, warum sich sein Programm neu erfinden musste. „Klassische Accelerator-Programme funktionieren eigentlich nicht mehr wirklich gut“, sagt er. Bis vor Kurzem war das Founder Institute selbst noch einer. Genau aus diesem Grund hat es sich weiterentwickelt, zu einem Company Builder, wie es sich inzwischen auch offiziell nennt.

Ein erstes Produkt zu bauen, sei für ein Startup „jetzt nicht mehr die große Hürde“, erklärt Kreiger. Teilnehmer:innen kämen heute mit einer Idee ins Programm und hätten nach kurzer Zeit einen Prototyp, ein MVP und oft schon erste zahlende Kund:innen.

Rund 30 Teilnehmer:innen bauten in der AI Factory Austria AI:AT in Wien ihre Prototypen mit dem KI-Tool Lovable. | (c) Founder Institute Austria

Was bleibt, ist Branchenwissen

Was verkauft ein Programm wie das Founder Institute also noch, wenn das Bauen so einfach geworden ist? Kreigers Antwort: Erfahrung. „Man kann relativ viel jetzt an einem Nachmittag bauen. Was aber bleibt, ist wirklich tiefe Expertise in einem gewissen Bereich.“

Deshalb richtet sich das Programm in erster Linie an erfahrene Berufstätige mit zehn bis 15 Jahren im Job. Wer lange in einer Branche gearbeitet und dort immer wieder dieselben Probleme gesehen hat, soll nun selbst die Lösung bauen. Das Programm läuft online und berufsbegleitend.

KI unterstützt dabei in vielen Bereichen, etwa bei Produktentwicklung, Marktrecherche und Businessplan. Für die Pitch-Vorbereitung gibt es ein eigenes KI-Tool: Man wählt, ob man vor Business Angels, VCs oder Freunden und Familie pitcht. Das Tool unterbricht, stellt Zwischenfragen und bewertet am Ende die Idee.

Dazu kommen Mentor:innen, in erster Linie selbst Gründer:innen oder Investor:innen. Kreiger nennt etwa Ferdinand Dietrich, Mitgründer von Storebox, und Annu Gmeiner von xista Science Ventures. Auch Gregor Zehetner gehört dazu. Der Tapkey-Mitgründer baut sein neues Startup Fractionista allein mit Claude Code, laut Founder Institute sind es inzwischen über 70.000 Zeilen Code.

Der Preis: Gebühr, Equity und eine hohe Hürde

Umsonst ist das nicht. Teilnehmer:innen zahlen eine Eintrittsgebühr, laut Founder Institute derzeit 1.149 US-Dollar. Damit werden die laufenden Programmkosten gedeckt. „Wir haben nämlich keinen großen Sponsor im Hintergrund oder eine andere Organisation“, sagt Kreiger. Wer abschließt und tatsächlich gründet, gibt außerdem 2,5 Prozent Equity ab. Daran sind die Direktor:innen und die Mentor:innen beteiligt.

Beim Vibecoding-Hackathon des Founder Institute Austria hatten die Teilnehmer:innen 60 Minuten Zeit, um aus einer Idee eine App zu bauen. (c) brutkasten / Martin Pacher

Eine österreichische Gesellschaft gibt es nicht. Rechtlich ist das Founder Institute im Silicon Valley angesiedelt, Kreiger vergleicht das Modell mit einem Franchise. Abschließen ist dabei keine Formsache: Nach Angaben des Founder Institute schaffen weniger als 40 Prozent der Gründer:innen das Programm.

Auch der Hackathon gehört zu dieser Rechnung. Er ist kostenlos und offen für alle. Vor allem soll er zeigen, wie schnell man heute von der Idee zum MVP kommt. Kreiger sagt aber auch ganz offen, dass er für das Founder Institute ein Marketing- und Recruiting-Event ist.

Die Bilanz nach zwei Jahren

Das Founder Institute gibt es seit 2009, das Austria-Chapter startete im Herbst 2024. Seither hat das Wiener Team 27 Startups gelauncht, das jüngste erst eine Woche vor dem Hackathon. Viele davon kommen allerdings nicht aus Österreich, sondern etwa aus Frankreich, Benelux oder der Schweiz. Denn das Team betreut auch Frankreich und Benelux, wo es kein eigenes Chapter gibt. Das Headquarter habe ihnen diese Länder übertragen, „nachdem wir anscheinend eh einen gut genug Job machen“, so Kreiger.

Fünf der 27 Startups haben laut Kreiger österreichische Gründer:innen, eines davon ist als Delaware C-Corp in den USA gegründet. Sie arbeiten in MedTech, AdTech, EdTech und im Projektmanagement für Softwareentwicklung. Kennt man sie schon? „Nein, die sind noch nicht so groß“, sagt Kreiger. Die ältesten seien eineinhalb Jahre alt.

Auch das Chapter selbst ist nicht der erste Versuch. Laut Kreiger war das Founder Institute rund um 2020 schon einmal in Österreich aktiv, aber nur kurz. Für den Neustart ging das Headquarter auf Sadowska zu, die als Executive in mehreren Tech-Startups gearbeitet hat. Sie holte Kreiger für das operative Geschäft dazu. Er hatte zuvor am i²c der TU Wien sein erstes Startup gebaut. Und warum Wien? Ganz pragmatisch: Beide leben hier.

Die Hürde hat sich verschoben

Für das Ende des Abends rechnet Sadowska mit rund 20 Pitches. Bei der ersten Auflage im Juni in der ÖBB Open Innovation Factory waren es nach 60 Minuten 16. Abgestimmt wird über ein Voting-Tool, das ebenfalls mit Lovable gebaut wurde.

Ob aus den Prototypen des Abends Startups werden, entscheidet sich woanders. Das Founder Institute setzt darauf, dass sich die Hürde verschoben hat: weg vom Bauen, hin zur Frage, ob jemand ein Problem löst, für das Kund:innen zahlen. Ob diese These trägt, müssen die nächsten Batches zeigen.


Info:

Bewerbungsschluss für den Herbst-Batch des Founder Institute Austria ist der 6. Oktober, Programmstart der 21. Oktober. Bewerbung über fi.co/apply/austria.

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AI Summaries

2,5 Mio. US-Dollar Investment für Linzer Startup Storyblok

Das Linzer Startup Storyblok hat sich mit seinem Headless Content Management System (CMS) also einen mächtigen Konkurrenten ausgesucht. „Nur sehr wenige B2B-Startups erwirtschaften von Beginn an einen substanziellen Jahresumsatz – doch Storyblok ist eines davon“, sagt Sok-Kheng Taing, Mitgründerin von DynaTrace, Business Angelina und Vorsitzende des capital300 Investmentbeirats. capital300 investierte nun gemeinsam mit firstminute Capital und Founders Factory insgesamt 2,5 Millionen US-Dollar in Storyblok. Dadurch erwerben capital300 und firstminute Capital jeweils 11,39 Prozent der Anteile, Founders Factory hält nun 2,22 Prozent. In den 100 Millionen US-Dollar Seed-Fonds von firstminute Capital sind unter anderem 30 Unicorn-Gründer sowie der Londoner VC Atomico und der chinesische Tech-Gigant Tencent investiert. Finde aktuelle Jobs, Praktika und Freelancer-Aufträge oder suche nach Co-Foundern für dein Startup!

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